Teamarbeit in der Leichtathletik (Teil 3)

Regensburger Modell zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Die Zusammensetzung des Teams muss sich den Anforderungen anpassen

Dem Bewegungsmangel im Kinderalter entgegenwirken

2007-05-12-teamarbeit-in-der-leichtathletik-312. Mai 2007 (Ring) - Gezielte sportliche Grundlagenarbeit muss frühzeitig (Kindertraining), allgemein (sportartübergreifend) und erlebnisorientiert einsetzen. Eine Chance, die die meisten Sportvereine in den letzen Jahrzehnten einfach verschlafen haben bzw. professionelle Strukturen, die diese Aufgaben erfordert, nie geschaffen wurden. Staatliche Stellen haben mit verschiedenen Aktionen immer wieder versucht, diese Strukturen zumindest im Ansatz in Gang zu bringen. „Sport nach eins“, die Initiative „Schule und Verein“ oder in letzter Zeit der Vorstoß der KISS (Kindersportschule) der bayerischen Staatsregierung sind gut gemeint, oft auch ordentlich bezuschusst. Im Grund setzt dennoch keiner einen wirklichen Ansatz zur flächenübergreifenden Umsetzung mit einem hauptamtlich installierten Management-Stab. Wie gesagt: Einer verlässt sich auf den anderen. Wie dringend die jetzige Bevölkerung die Nachmittagsbetreuung ihrer Kinder wünscht, zeigen Umfrageergebnisse, die derzeitige sozialpolitische Diskussion und die fortschreitende Tendenz zur Bewegungsarmut des bundesdeutschen Nachwuchses.
Meines Erachtens kann die Baustelle Nachmittagssport innerhalb einer Nachmittagsbetreuung nur von staatlicher Seite aus in Kooperation mit den kommunalen Mandatsträgern und den kommunalen Sportvereinigungen geschultert werden und könnte sich dann finanziell durchaus selbst tragen. So haben auch die Regensburger von dieser „Baustelle“ noch die Finger gelassen, wohl wissend, dass hier die eigentlichen Grundlagen für spätere Leistungssportressourcen gelegt werden müssten.
Man beginnt in der Domstadt zwar auch mit einer Kindersportgruppe, ist sich aber im Klaren, dass das einmalige Training pro Woche nicht einmal ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. Auch die vor Jahren installierte Spielleichtathltetik konnte die wahren, mit der Leichtathletik verbundenen Inhalte „schneller, höher, weiter“ nicht entscheidend weiterbringen.

Grundlagentraining geprägt von allgemeiner Beschulung und multiplem Trainerstab

Beim Grundlagentraining geht man dann aber recht unübliche Wege der Teamarbeit. Um den Kiddys möglichst viele allgemeine Inhalte zukommen zu lassen, verzichtet man auf eine echte Headcoach-Bindung und lässt diese Gruppierung im Durchreichverfahren von allen Disziplintrainern nach einem speziellem Ablaufplan mitbetreuen. Der Headcoach selbst koordiniert nur die einzelnen Übungseinheit zu einem sinnvollem Arrangement. Bei Wettkämpfen werden die Kidys entweder vom Headcoach oder den einzelnene Disziplintrainern entsprechend ihrer Disziplinwettkampfwahl betreut. Die Vorteile sind klar ersichtlich. Die Schüler/Innen zwischen 11 und 14 Jahren lernen alle Trainer kennen, die Leichtathletik in der gesamten Vielfalt der Disziplinen. Eine von außen gesteuerte frühzeitige Disziplinbindung wird vermieden, da in der Regel, vorpupertär wie die Kinder in diesem Alter noch sind, auch keine genetischen Endveranlagungen in deutlicher Ausprägung sichtbar sind. Die Beteiligung am Training anderer Sportarten wird ausdrücklich gewünscht, selbst auf die Gefahr, dass Schützlinge abwandern. Die tägliche Bewegungshäufigkeit hat eindeutig Vorrang vor einer einseitigen Bindung. Die Regensburger haben damit nie schlechte Erfahrungen gemacht.

Die Vorteile dieses Teamsystems sind:

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Die Schüler/Innen werden disziplinoffen gehalten und fast täglich „bewegt“.
Erfahrungen aus der vieljährigen Trainertätigkeit haben gezeigt, dass vorpubertäre Schüler/Innen noch keine genetische veranlagte Begabungen zeigen, Spitzen in den konditionellen Grundfähigkeiten vielmehr auf Entwicklungsschübe im speziellen Bereich zurückzuführen sind. Ebenso erfolgt die mentale Orientierung zur späteren Spezialdisziplin in der Regel in diesem Alter noch nicht. Der Mehrkampf ist hier als Spezialdisziplin zu betrachten und unterliegt den selben Regeln anderer Disziplinblöcke

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Die Schüler/Innen bleiben sachbezogen
Die Orientierung im Training beinhaltet die beiden Schwerpunkte allgemeine Konditionierung und breitgefächerte Grundlagentechnikausbildung. Mit dem partiellen Einsatz der Spezialtrainer kann die Technikschulung optimal vorbereitet werden. Den konditionellen Part übernehmen Trainer mit hohen Kenntnissen in den Bereichen Fitness, und Beweglichkeit. Neben der Sache Leichtathletik steht vor allem der Athlet/In im Mittelpunkt. So lernen die Schützlinge frühzeitig die Stärken ihrer späteren Trainer/Innen kennen. Deren Schwächen brauchen nicht eingebracht zu werden.

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Es erfolgt noch keine Prägung durch die Trainerpersönlichkeit.
Die zu späteren Entwicklungsstufen so notwendige Prägung durch die Spezialtrainerpersönlichkeit erfolgt hier noch nicht. Kein überragender Läufer wird zum mittelmäßigen Sprinter ausgebildet und vor allem zum im „Sprint denkenden“ Jungathleten ausgebildet, nur weil er beim Sprinttrainer trainiert.

Jugendaufbautraining mit Headcoachsystem

Allein die Aussage „Headcoachsystem“ weist schon darauf hin, dass es sich auch in dieser Entwicklungsstufe beim Regensburger Modell um einen Trainermix handelt. Der Ansatz „Stärken der Spezialtrainer einbringen, Schwächen ersetzen“ bleibt hier voll erhalten. Es ist den Regensburgern inzwischen bestens gelungen absolute Fachleute zu Bereichen wie „Beweglichkeit, Koordination, Athletik“ an sich zu binden. Zu einem Headcoacheinsatz, also Führung eines Disziplinblocks wären diese Spezialisten auf Grund anderer Bindungen (privat oder beruflich) nicht bereit gewesen. Im Spezialeinsatz zeigt dieses Lehrpersonal aber hohe Motivation, Kompetenz mit allen Freiheiten der zeitlichen Gestaltungsmöglichkeiten und Bereitschaft zur persönlichen Qualifizierung.
Der Begriff Kompetenzteam erhält hier neue Dimensionen. Die sich nun herausbildenden Kaderathleten/Innen können über Spezialtraining, Zusatzeinheiten und Einbindung in den bestens mitarbeitenden OSP (Diagnose und Therapiezentrum des Olympiastützpunktes Bayern) bereits täglich optimal betreut werden. Kombinationen wie Krafttraining-Physio helfen durch ihre örtliche Gemeinsamkeit Zeit sparen.
Die Fäden der Trainingsplanung hält nun natürlich der zuständige Headcoach (Disziplintrainer) voll in seien Händen. Aus dem anfänglichen Trainingskoordinationsansatz entsteht ein System mit klarer Leistungszielsetzung, Periodisierungsplanung und deutlicher Gewichtung der Trainingsmittel.
Bei allem aber bleibt eins erhalten: Der/die Athlet/In bleibt mit seinem leichtathletischen Tun im Mittelpunkt der Interessen.

Headcoachsystem

Der neue Weg zur Verletzungstherapie

Keiner wünscht sie sich und die wenigsten können damit ordentlich umgehen. Die Rede ist vom Super-GAU jedes Hochleistungssportlers, der oft lang andauernden Verletzung.
Unser Doc – und wir schätzen uns sehr glücklich mit Dr. Dr. Homayun Gharavi einen Mediziner gefunden zu haben, der zugleich auch noch die Sportwissenschaften an der Uni Göttingen mit einer Doktorarbeit abgeschlossen hat und über mehrere Jahre Übersee-Erfahrung verfügt – sagt: Die Therapie einer Verletzung braucht seine Zeit, ob mit oder ohne Sport. Was er mit seinem Regensburger Modell verfolgt hat aber noch eine weitere klare Zielsetzung:

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2007-05-12-teamarbeit-in-der-leichtathletik-3Logische Folge: Der Doc gehört zum engsten Betreuungsteam, nicht nur bei eintretendem Verletzungsfall, ist so oft wie möglich ins Trainingsgeschehen mit eingebunden und zieht die Fäden in Richtung Physiotherapie und Sportpsychologie. Was anfangs am Trainingsgelände etwas komisch wirkt, wenn der Arzt wieder einmal seine Schützlinge mit Terabändern regelrecht „verschnürt, ist in Wirklichkeit eine gezielte Theapiemaßnahme. Die jüngsten Erfolge geben ihm recht. Julia Liedl (damals W15) zog sich auf Grund eines zu schnellen Längernwachstums Ende März des letzten Jahres eine Stressfraktur im Fuß zu. Nach hinlänglicher Meinung wäre damit die Saison vorbei gewesen. Der Doktor begann aber bereits nach drei Tagen mit ihr wieder hart zu arbeiten. Das Mädchen stieg Ende Juni in die Saison ein, als wäre nichts gewesen und lief Ende Juli als neue Landesmeisterin über 300 m Hürden deutsche Jahresbestleistung. Die Vorgaben waren immer klar mit Zeitangaben, die selten mehr als ein paar Tage schwankten. Auch die Dritte der deutschen B-Jugendmeisterschaften über 1500 m Hindernis Sarah Heuberger überstand einen Bänderriss im Sprunggelenk in einer problematischen Trainingsphase Mitte März scheinbar ohne Einschränkungen.

Die beiden Grafiken zeigen deutlich den Unterschied in der Gesamtbetrachtung der Verletzung. Die unterschiedlichen psychischen Folgen (negativ wie positiv) sind leicht abzulesen.

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Links die fast erdrückende Problematik der Verletzung, rechts die Einstellung: „Da ist ein Problem, aber damit brauche ich meine Ziele nicht aus den Augen verlieren“

Erweiterte Teamarbeit auch im Hochleistungsbereich

Die Anforderungen im Hochleistungsbereich sind bei nun 9-12 TE/Woche, der Organisation einer gestreckten Berufsausbildung/eines gestreckten Studiums bzw. Beschaffung einer adäquaten Halbtagsbeschäftigung immens höher, die Erweiterung des „Hochleistungsteams“ mit weiteren Stabstellen die logische Konsequenz. Auch hier haben die Regensburger den mühevollen Weg zur professionellen Umstrukturierung eingeleitet. Ein Förderverein wurde gegründet, die Beteiligung und Zusammenarbeit mit der athletics SPORT GmbH gesucht. Dabei stecken sich die Regensburger hohe Ziele zur Finanzierung, Imagepflege und Organisation des Hochleistungssports.

 

 

Errichtung eines Sichtungs- und Fördersystems

im Gange

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Management der Hochleistungssportler/Innen

im Gange

 

Anmietung und Pflege von Athletenhäusern

vor Abschluss

 

Perfektionierung des/r Trainingslager

ständig in Arbeit

 

Initiative für ein zu entstehendes Landesleistungszentrums

Projekt – AG entsteht 2007

 

Zusammenarbeit mit Uni und Partner aus der Wirtschaft

wird forciert

 

Verbesserung der eigenen Meetings

ständig in Arbeit

 

Ausbau eines Leichtathletikkalenders

ständig in Arbeit

 

Ausbau der Homepage als Leichtathletik-Portal

ständig in Arbeit

 

Das Management des Hochleistungssports übernimmt der Teamchef in enger Zusammenarbeit mit den Disziplintrainern, der medizinischen Abteilung, der Vereinsführung, des Fördervereins, der GmbH und den koopierenden Sportorganisationen (OSP, Bundestrainer, Landesverband).

Schlussbemerkung

In Ermangelung eines professionellen Systems setzen die Regensburger auf ein breitangelegtes Netzwerk von leistungssportdienlichen Personen und Organisationen. Je breiter das Fundament, desto sicherer wird die Bauweise in den oberen Bereichen gelingen. Man ist sich durchaus im Klaren, dass durch personelle Veränderungen immer wieder Löcher ins System gerissen werden, die aber in der Regel durch flexible Umorganisation meistens bald wieder geschlossen werden können.

Ein Zwischenwettkampftraining von Saif Saaeed Shaheen (Stephen Cherono)*

14.07.2006 Rom : 5000 m 12:51,98 » 18.08.2006 Zürich 3000 m Hi in 7:56,54
nach Renato Canova / Michael Bautista, zusammengestellt und modifiziert von Lothar Pöhlitz
2007-06-12-zwischenwettkampftraining12. Juni 2007 (Pöhlitz) - Diesem Zwischenwettkampftraining sollen nur wenige Bemerkungen vorangestellt werden, in der Hoffnung das alle leistungsorientierten Läufer und Trainer genau hinschauen: neben einem hohen Umfang (198 / 180 / 160 / ~ 150 km) wurden pro Woche 6-7 z.T. sehr intensive TE, mehrere mittlere DL zwischen 18-26 km Länge, in der zweiten Woche sogar ein 39 km (!) Lauf absolviert. Es handelt sich um ein sehr ausgeprägtes Mischtraining, in dem neben DL, Fahrtspielen, Berganläufen, Bergansprints, DL-TW, unterschiedlicher Tempolaufkombinationen (auch täglich 2x) mit kurzen, mittleren und langen Strecken (im Verhältnis zum Wettkampfziel 3000 m Hi) im grenznahen Bereichen mit meist kurzen Pausen zu erkennen sind. Der Wettkampf (7:56,54) in Zürich wurde nach nur 3 ruhigen, intensitätsfreien Tagen, erfolgreich gestaltet!

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Kenianer auf allen Laufstrecken in der Weltspitze

Ein Blick über den Zaun

2007-05-29-kenianer-in-der-weltspitze29. Mai 2007 (Pöhlitz) - Die Dominanz der Männer und Frauen Kenias und Äthiopiens auf den leichtathletischen Laufstrecken von 800 m bis Marathon ist zu Beginn des neuen Jahrhunderts überwältigend. Dabei beherrscht die Masse der kenianischen Läufer nicht nur bei Straßen- und Marathonläufen das Erscheinungsbild inzwischen ganzjährig bei vielen Rennen in Europa und den USA. Analysiert man die Ergebnisse (Medaillen) beider Länder bei den letzten beiden Olympischen Spielen 2000 in Sydney und 2004 in Athen hat überraschend Äthiopien die Nase vorn.

Insgesamt ergibt sich für 2000 + 2004 eine Gesamtmedaillenbilanz von

Äthiopien

6 x Gold - 4 x Silber - 5 x Bronze

Gesamt: 15

 

Kenia             

3 x Gold - 7 x Silber - 4 x Bronze

Gesamt: 14

 

Dabei fällt auf, dass die äthiopischen Frauen 2 x Olympiasieger wurden und insgesamt 7 Medaillen erkämpften, währen die Kenianerinnen nur 2 x 2. und 1 x 3. wurden. Interessant ist noch, dass beide Länder keine Medaillen im 800 m Wettbewerb erkämpfen konnten, auch wenn man weiß, dass der Kenianer Wilson Kipketer 2000 Silber und 2004 Bronze auf dieser Strecke für Dänemark gewann. Äthiopien konnte darüber hinaus über 1500 m und 3000 m Hindernis zweimal keine Läufer unter den ersten Drei platzieren.
Die Ergebnisse und Informationen aus dem letzten Jahrzehnt lassen, auch wenn man berücksichtigt, dass die geographischen, klimatischen, sozialen Voraussetzungen und das Talentangebot für beide Länder in etwa vergleichbar sind, nur den Schluss zu, das Äthiopien gegenwärtig über die besseren Organisationsformen und Steuerungsinstrumente zur Erzielung von Spitzenleistungen bei solchen Top – Events wie OS oder WM verfügen.

Zum Training der kenianischen Läufer

Geht man davon aus, dass im letzten Jahrzehnt eine ganze Reihe von Faktoren, die als günstige Voraussetzungen für Spitzenleistungen in den Laufdisziplinen anzusehen sind, wie zunehmend bessere Talentauswahl, das erstaunlich gut organisierte Training und die Wettkampfgestaltung genutzt wurden, muss man feststellen, dass im Endeffekt das organisierte Training unter den allumfassenden afrikanischen Bedingungen über die mögliche Leistung zum gewünschten Zeitpunkt entscheidet. Nicht das Höhentraining im afrikanischen Hochland, die Konstitution oder die beeindruckende „weiche Bewegungsstruktur“ allein sollten als Hauptursachen für die außergewöhnlichen Leistungen angesehen werden. Alle nachfolgend genannten leistungsbeeinflussenden Faktoren sind für den Einzelnen unterschiedlich hilfreich und anteilig an der Leistung beteiligt. Die besten Bedingungen und körperlichen Voraussetzungen nutzen nichts wenn man nicht entsprechend trainiert.

Leistungsbeeinflussende Faktoren für die Kenia-Läufer:

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Viele persönliche Gespräche mit kenianischen Spitzenathleten und ihren am Erfolg beteiligten Trainern, eigenen Beobachtungen, die eine oder andere konkrete Veröffentlichung über das Training der Kenianer und nicht zuletzt ein informatives Referat zur Nachwuchsausbildung von Trainer Pater O´Connel von der St. Patrick High Scool, einer auch heute noch wichtigen Kaderschmiede in Kenia, anlässlich eines 1996 vom DLV in Berlin veranstalteten Trainerseminars lassen zusammengefasst folgende trainingsmethodischen Ursachen für die langjährigen Erfolge deutlich werden.

Vorausgeschickt werden soll noch ein Zitat von Dieter Hogen (deutscher Trainer von Uta Pippig und einer Gruppe kenianischer Langstreckler in USA) aus runners world 11/12 -1994:

„Das typische Training der Kenianer dauert ungefähr eine Stunde, manchmal etwas mehr. Deshalb bringen sie bis zur Halbmarathonstrecke jede Menge Weltklasseläufer hervor. Bei langen Läufen zeigt sich die Schwierigkeit, kenianisches Lauftemperament und kontrolliertes, zielgerichtetes Training zu vereinbaren.“

Dies hat sich seitdem sehr deutlich geändert, viele internationale Top-Marathonläufe werden inzwischen von Kenianern gewonnen.

Für mich liegt das „Geheimnis“ vor allem der kenianischen Breite in der Spitze, außerhalb der Umfeldbedingungen, vor allem im vorbildhaften hartem Gruppen- bzw. Partnertraining, auch für die „Jungen“. Dadurch steigen die Anforderungen an den Einzelnen unter den Bedingungen der mittleren Höhe besonders in der Qualität des Trainings beträchtlich. Viele Europäer haben nach ihren Trainingslagern in Kenia mit sehr viel Respekt davon berichtet. Meist waren sie über längere Zeit, meist schon nach wenigen Tagen, nicht in der Lage ihnen zu folgen.

Pater O´Connel referierte: „Wenn wir mit 14 Jahren - dann werden die Schüler nach einem Aufnahmeverfahren zu uns ins Internat aufgenommen - gezielt mit dem Training beginnen, ist die Ernte schon zu 80 % eingefahren, weil die Kinder bereits ab 6 Jahre laufen, zum Markt, zur Schule, die Berge hinauf und hinunter, zu Verwandten, bis zu 10 km am Tag.

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Bei einem von ihm gezeigten Video über das Training habe ich folgende Stichpunkte notiert: DL + FS im Gelände: barfuß – Bodenwechsel, Rhythmuswechsel, stark profiliert, z.T. steil bergauf und bergab, große Gruppe; Treppenarbeit, Gymnastik während des Laufens wie in Äthiopien, große Schritte, Beweglichkeit.

Philosophie
Trainer sind Lehrer, sie leiten an, verbessern, motivieren, schaffen Bedingungen » Ziel ist eine „Ganzheitspersönlichkeit“, die sich selbst trainieren muss und dies unter den Bedingungen des kenianischen Hochlandes (~ 2400 m ü. NN).

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Die Geschwindigkeit für den DL (profiliert) wurde wie folgt angegeben :

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Diese Ausbildung in Gruppen an einer „Sportschule“ entspricht nicht nur der kenianischen Mentalität, sondern ist auch die Grundlage für gemeinsame Vorbereitungen in mehrfach stattfindenden Trainingslagern im Jahresverlauf. In Trainingslagern wird gemeinsam, diszipliniert, professionell und gesteuert (oftmals durch den Besten der Gruppe) gearbeitet (Partnertraining). Deshalb muss man sich nicht wundern, wenn sich zwischen den Wettkämpfen auch in Europa die „Schwarzen“ morgens sehr früh, unbemerkt von den Unsrigen, vor dem Hotel zum gemeinsamen Morgenlauf treffen.

Bei diesen Ausführungen ist es nicht verwunderlich, dass unter dem Einfluss gerade der afrikanischen Läufer, schon seit den 80iger Jahren besonders durch die Kenianer, die Altersstrukturen bei internationalen Höhepunkten, auch in den vorderen Finalplatzierungen, völlig runderneuert wurden. Auch bei den großen internationalen Sportfesten tauchen immer wieder neue junge (19-21 Jahre) Männer und Frauen auf, die sofort in der Weltspitze mitmischen. Auch in den Langstreckendisziplinen wurde die Theorie vom späteren Höchstleistungsalter der älteren, gereiften Langstreckler überholt und die Theorie, Langstreckler rekrutieren sich aus nicht weiter entwicklungsfähigen Mittelstrecklern, wurde durch eine frühe Spezialisierung auch in der Langstrecke abgelöst!
Diese Tatsache wird auch durch inzwischen veränderte Wettkampfgestaltung erreicht, bei der, auf der Grundlage veränderter Einstellungen, anderer mentalen Qualitäten und eines außerordentlich hohen Selbstvertrauens ohne vorsichtig abzuwarten, von der ersten Runde an das Endziel gnadenlos verfolgt wird! Dies ist auch nicht durch solche Einwände außer Kraft zu setzen, dass viele kenianische „Flammen“ nur relativ kurze Zeit lodern, vielmehr sind hier die Ursachen vor allem in einer zu großen Wettkampfdichte auf höchstem Niveau ohne ausreichende Regenerationszeiträume, sowohl im Jahres- als auch im Mehrjahresverlauf zu suchen! Daran sind oft die an der finanziellen „Hausse“ beteiligten Manager, vor allem aus Europa, nicht ganz unschuldig!

Weltrekorde werden in der Regel von systematisch aufgebauten, etablierten Athleten erzielt, die ihr Leistungsniveau kontinuierlich aufgebaut und gesteigert haben.

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Als Trainingsschwerpunkte stehen im Mittelpunkt:
das gesamte Lauftraining ist unter den Besonderheiten der Höhe zu sehen

  1. Dauerlauf in allen Intensitätsbereichen (15 – 25 km), (auch Jugendliche), meist so schnell wie es das Befinden zulässt
  • im Tempo ansteigend
  • als Fahrtspiel , beginnt ruhig und endet oft „maximal“ wettkampfnah
  • im teilweise stark profilierten Gelände (berganbetonung, mit Testabschnitten) bis ~ 90 Minuten

Cross- / Geländelauf / Querfeldein

  • Cross-Wettkampfsystem, auch in Schulen
  • Vielfältige Laufformen im z.T. stark profiliertem unebenen Gelände

Berganläufe / Hügeltraining (meist ganzjährig)

  • extensiv z.B. 15 – 20 x 400 m, mittlere Intensität, mittlerer Anstieg
  • intensiv z.B. 10 – 20 x 60 – 150 m, schnell, bis 15 % Anstieg
  • kontinuierlich ansteigend über mehrere Kilometer

Intervalltraining / Tempoläufe Im Prinzip ganzjährig, geschwindigkeitsorientiert, oft sehr nah bei der Wettkampfgeschwindigkeit, z.T. hohe Wiederholungszahlen, aber auch 2 – 3 x 5000 m (~ 15: 00 Minuten auf der Bahn / Gp : 1-3´) Bahntraining findet 3 – 4 x pro Woche statt, s.o. Nachwuchstraining. Die Pausen werden vom Tempo bestimmt, sind aber beim extensiven Intervalltraining streckenabhängig sehr kurz (30 – 120 sec.) Mit zunehmender Trainingsdauer werden die Läufe zur Saison hin länger. Kraft- und Beweglichkeitstraining

  • Gymnastik / Beweglichkeitsübungen, auch im Laufen
  • Cirkeltraining, Kraft- und Sprungkrafttraining
  • Treppenarbeit

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2 : 04 : 55 – Paul Tergat hat´s allen gezeigt

Mit Bestzeiten von 12:49,87 – 26 : 27,85 gehörte der mehrfache Cross- Weltmeister lange Jahre zur Weltspitze auf den Langstrecken, bevor ihm mit 34 Jahren beim Berlin – Marathon 2003 sein größtes „Ding“ gelang, Weltrekord im Marathonlauf in einer sensationellen Zeit von 2:04 :55. Endlich hatte einer der vielen „schnell laufenden Kenianer“ bewiesen, dass sie auch auf dieser längsten olympischen Strecke Bester sein können.

4 Monate hatte sich Tergat mit bis zu 260 km / Woche in der Höhe von Nairobi im Team speziell auf Berlin vorbereitet. Das waren höhere Umfänge im Vergleich zu früher, dazu kam eine besondere Konzentration auf lange Läufe. Im Leichtathletik –magazin 44 / 2003 – S. 13 gibt er selbst Auskunft:

„In dieser Zeit bin ich mehrere Male eine Strecke von 41 km gelaufen. Das war eine mentale Vorbereitung auf die harten letzten Kilometer. Ich wusste im Rennen das es nur 1 km mehr sein würden - dieses Training hat mir geholfen“.

Training und Wettkämpfe besser vor- und nachbereiten

2007-07-03-training-und-wettkaempfe-vor-und-nachbereiten03. Juli 2007 (Pöhlitz) - Prinzipien können nicht früh genug vermittelt werden, das ihre Durchsetzung nicht immer gelingt sieht man oft, wenn man bei der Vor- oder auch Nachbereitung des Trainings und der Wettkämpfe, nicht nur bei Jugendlichen zusieht. Da ist nicht in Fleisch und Blut übergegangen, was sich der Trainer gern wünscht, da spürt man, dass die Mädchen und Jungen nicht von der Bedeutung dieser zu oft wiederkehrenden vorbereitenden „Arbeit“ für das nachfolgende Training oder den Wettkampf überzeugt sind und man hat auch das Gefühl, das sie sich der Wichtigkeit in der Exaktheit der Übungsausführung bei der Koordination, Gymnastik oder anderen Übungen für deren Wirkung nicht immer bewusst sind.

Hier hat aber auch der Trainer eine Teilverantwortung, wenn er immer wieder zulässt, dass „Einlaufarbeit“ zum Quasseln, zum Austausch von Neuigkeiten oder Witze erzählen zwischen den Jugendlichen genutzt wird, er aber selbst noch am Rande die eine oder andere Auskunft an Außenstehende gibt, die Geräte für den geplanten Hauptteil der TE erst noch besorgt oder, oder, oder. Hier sind Reserven innerhalb einer vielleicht 2 stündigen Trainingseinheit zu erschließen, und die Mädchen und Jungen haben das Recht, dass ihnen der Trainer während der gesamten Übungseinheit helfend, unterstützend, korrigierend und auch anweisend zur Verfügung steht, schließlich geht es doch zunächst nicht nur um ein bisschen Erwärmung, sondern um eine richtige Vorbereitung auf ein möglichst gutes Qualitätstraining im Anschluss. Ob es die Verbesserung der Bewegungsstruktur (Lauf- bzw. Gehtechnik) der Schnelligkeit, der Sprungkraft oder anaerober Fähigkeiten zum Ziel hat, die immer wieder notwendige Verbesserung der technische Ausführung aller Übungen und eine oft notwendige Aktivierungs-Motivation kann nur durch den Trainer erfolgen. Und bis zum perfekten Athleten ist ein weiter Weg. Deshalb muss das Training, vor allem von Talenten, besser für alle - ohne weitere äußere Einflüsse- beginnen, wenn Aufgaben und Ziel der Trainingseinheit erläutert sind, der erste Schritt zur Erwärmung getan wird und enden, wenn das Auslaufen- durch den Trainer überwacht –zu Ende ist! In der Trainingspraxis zeigt sich gar nicht so selten, dass auch Athleten aus dem Hochleistungsbereich diese Hilfen gut gebrauchen können.

Das Leader-Prinzip hilft auch in der Vor-und Nachbereitung

Eine sehr gute, wirksame Alternative konnte ich schon vor Jahren in Äthiopien beobachten, wo der beste Athlet der Gruppe die gesamte Erwärmung leitete – alle durchzuführenden Übungen vorgab – dabei selbst vorbildhaft intensiv übte und der Trainer begleitend korrigierend für ein sehr hohes Niveau schon der gesamten Erwärmung sorgte. Dort lernte ich auch, dass ein Dauerlauf in der Gruppe im „Gänsemarsch“, angeführt wiederum vom besten der Gruppe die volle Konzentration auf die Aufgabe sehr unterstützt. Im Kinder- und Jugendtraining helfen darüberhinaus Leistungsgruppen das Entwicklungstempo zu steigern.

Die Intensität muss schon beim Einlaufen ansteigen

Reserven gibt es oft auch im letzten Drittel einer Erwärmung, die oft nicht ansteigend in den Anforderungen, nur ungenügend auf die spezifischen Trainings- oder auch Wettkampfanforderungen vorbereitet.
Das „Erwärmen“ ist Bestandteil der Leistungsentwicklung, weil es die Muskeldurchblutung fördert, die Dehnfähigkeit der Muskulatur und damit die Schwingungsweite besonders in den Gelenken verbessert – damit das Risiko von Zerrungen, Muskelfaserrissen und Sehnenverletzungen vermindert – die Reaktions- und Nervenleitgeschwindigkeit für das z.B. nachfolgende Geschwindigkeitstraining erhöht und auch durch Körpertemperaturerhöhungen den Stoffwechsel beschleunigt.
Eine systematische Einlaufarbeit bereitet den Sportler durch zunächst allgemeine bis zunehmend speziellere Übungen auf das Training schrittweise vor, so dass seine Leistungsbereitschaft auf dem Höhepunkt ist, wenn das eigentliche Training beginnt.

Richtiges cool-down bereitet schon die nächste wichtige TE vor

Auch das „Auslaufen“ muss als ein Teil der Ausbildungsaufgaben im Grundlagen- und Aufbautraining erlernt, Aufgaben und Ablauf vorgegeben und mit dem Ziel aktiver Nachbereitung nach TE oder Wettkämpfen geübt und überwacht werden. Das aktive cool-down möglichst bald nach Ende des Trainings oder nach Wettkämpfen hat eine ausgezeichnete Wirkung und ist für die Verkürzung der Wiederherstellungszeit bis zur nächsten wichtigen TE von großer Bedeutung. Nach hochintensiven Belastungen wird der Abtransport saurer Stoffwechselprodukte durch langes ruhiges Auslaufen unterstützt. Hilfreich ist dabei auch die „Flasche danach“, wenn das vorbereitete Elektrolytgetränk (z.B. 150-200 ml mit Maltodextrin 19 + etwas Kalium oder das Getränk ihrer Wahl) innerhalb der ersten 20-30 Minuten nach Ende des Trainings ausgetrunken wird. Erinnern sie sich auch daran, dass das Regenerationstempo vor allem in den ersten zwei Stunden nach hohen Belastungen wirksam unterstützt werden kann.
Mit einem individuellen Dehn-/Lockerungsprogramm nach der Belastung sollte jeder Leistungssportler „ausgestattet“ sein. Damit wird dem entstehen muskulärer Dysbalancen, sowie Verkürzungen und Verspannungen entgegengewirkt, der Muskeltonus wieder schneller gesenkt.
Nach hochbelastenden TE oder Wettkämpfen, mit hohen Laktatauslenkungen, sollte das Auslaufen erst beendet werden, wenn gefühlsmäßig die Laktatkonzentration unter 2 mmol/l Laktat abgesunken ist.

Auch Beweglichkeit und Koordination sind Voraussetzungen für schnelles Laufen und Gehen

 Teraband06. Juli 2007 (Pöhlitz) - Viele Beiträge zu diesem Thema offenbaren sehr unterschiedliche Auffassungen und man könnte manchmal ins Zweifeln kommen, ob es überhaupt sinnvoll und gesund ist, neben dem Laufen solche „Zusatzarbeit“ zu leisten, zumal sie die Dauer der TE „unnötig“ ausdehnen. Auch wenn man das Training vieler Läufer beobachtet, könnte man glauben, dass das alles nicht so wichtig ist ! Leistungsorientierte Läufer und Geher sollten sich aber gerade auch mit den bei vielen wichtigen Baustellen Beweglichkeit, Flexibilität und Koordination zur Unterstützung ihrer Leistungsentwicklung beschäftigen.

Deshalb sind „dehnen – kräftigen – spreizen - stabilisieren - lockern“, sowie die Koordinationsarbeit wichtige Bausteine der Leistungsvorbereitung. Beweglichkeit und Koordination sind, wie auch optimale Kraftfähigkeiten, Grundvoraussetzungen für schnelles Laufen und Gehen.

Wenn möglich sollte schon die sensible Phase der Vorpubertät (8-12 Jahre) für die Ausbildung der Flexibilität genutzt werden, weil mit der Pubertät bereits von Einschränkungen z.B. im Hüftgelenk (Seitspreizfähigkeit) und im Schulterbereich in der Fachliteratur berichtet wird. Deshalb muss mit Beginn des Jugend-Aufbautrainings die Beweglichkeit ganzjährig mehrmals wöchentlich Bestandteil des Trainings sein.

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Eine verbesserte Gelenkbeweglichkeit (im Sinne einer optimalen Nutzung für den Vortrieb + Schwingungsweite in den Gelenken / Hüftbeweglichkeit) wird erzielt, wenn die Dehnfähigkeit der Muskeln, Sehnen, Bänder und Kapseln mit der erforderlichen Kraft und einer möglichst guten Koordinationsfähigkeit durch üben immer besser ausgeprägt wird. Gibt es Defizite werden bereits nach ~ 4 Wochen fast täglichen übens deutliche Verbesserungen spürbar. Im Laufe einer Vorbereitungsperiode sollte es möglich sein die wichtigsten Bewegungseinschränkungen zu beseitigen. Deshalb ist ein Beweglichkeitsprogramm für Läufer und Geher möglichst individuell zusammenzustellen, auf die Verbesserung der Lauftechnik gerichtet, um in der Transferwirkung einen effektiveren Vortrieb zu erreichen. Ziel ist durch alle möglichen aktiven Maßnahmen die Dehnfähigkeit, Elastizität und Entspannungsfähigkeit der Muskulatur zu verbessern und durch Erweiterung der Bewegungsamplituden (innerhalb des willkürlich möglichen Bewegungsbereiches) der am Vortrieb beteiligten Hebel, sie in die individuell höchste Geschwindigkeit über die gesamte Wettkampfdauer umzusetzen. Eine gute Flexibilität schränkt auch die Verletzungsgefahr ein und ermöglicht ein schnelleres Lerntempo bei neuen Übungen.
Unter diesen Aufgabenstellungen ist es Aufgabe der Trainer ständig die Übungsprogramme auf ihre Zielgerichtetheit und Wirksamkeit zu überprüfen, zu verändern, abwechslungsreich zu gestalten, wenn zeitweise möglich auch auf die Wichtigsten zu reduzieren, damit in der dafür eingesetzten Zeit auch spürbare Veränderungen erzielt werden.

Vermeiden Sie muskuläre Dysbalancen

Die im Leistungstraining z.T. hohen Belastungen ohne ausreichende Dehn- und Lockerungsübungen widerspiegeln sich in der Trainingspraxis – vor allem auch bei älteren Läufern – in muskulären Dysbalancen („Muskelverkürzungen“) Sie lassen eine optimale Bewegungsfähigkeit (Schrittlänge / Schrittfrequenz) – hohe Anstrengung bei großer Entspannungsfähigkeit (Erholung während der Belastung) nicht zu und schränken die Leistungen oft beträchtlich ein. Es hilft nicht wenn der Trainer „Knie hoch“ dem Läufer/In als Bewegungsanweisung zuruft, wenn der Sportler nicht über die notwendigen Voraussetzungen (Kraft / Beweglichkeit) verfügt, um die Knie überhaupt entsprechend hochheben zu können. Also müssen zuerst einmal mit den verschiedensten Trainingsformen die Voraussetzungen für die unbewusste Handlung Knieheben geschaffen werden.

TerabandEine gute, ökonomische Lauftechnik ist bekanntlich auch eine Voraussetzung zur ökonomischen Umsetzung der Energie. Auch dafür bilden Kraft, Koordination und Flexibilität eine sehr wichtige Grundlage. Deshalb müssen wieder mehr dynamische Gymnastik- und Stabilisierungsprogramme (gegenüber dem glücklicherweise wieder aus der Mode gekommenen, meist statischen „Extremstretching“, das zeitweilig die Hälfte vieler Nachwuchs - Trainingseinheiten ausmachte), Bestandteil vieler Trainingseinheiten und jeder Wettkampfvor- und nachbereitung – cool-down - (maximal ~ 15 – 20 Minuten) sein.

Bereits im Alter von 12-14 Jahren nimmt die in der frühen Kindheit zu beobachtende natürliche Flexibilität ab!
Dem ist mit möglichst großer Konsequenz entgegenzuarbeiten. Bis zum Erwachsenenalter sind ohne Üben ständig zunehmende Defizite offensichtlich.

Haben Sie schon einmal die „weichen Bewegungen“ der Afrikaner beobachtet? Obwohl sie schon viel Gefühl und Beweglichkeit ins Training mitbringen, ist eine vielseitige, umfangreiche Gymnastik regelmäßig nicht nur Bestandteil ihres Jugendtrainings.

Aktiv-dynamisches Dehnen und Spreizübungen sind die Mittel der Wahl

Es sollen das aktiv-dynamische Dehnen, Übungen zur Entwicklung der Gelenkbeweglichkeit und Spreizfähigkeit (Pendel- und Lockerungsübungen) und kraftstabilisierende Übungen kombiniert zur Vergrößerung der Flexibilität, zum Absenken der Muskelspannung und auch zur Förderung der Regenerationsfähigkeit eingesetzt werden. Die Anzahl der abwechselnd auszuwählenden Übungen vor bzw. nach dem Hauptteil der TE sollte auf jeweils 6-7 begrenzt, dafür besser 3-4 x wiederholt werden. Ihre Bedeutung nimmt mit dem Anspruch an die nachfolgende Trainingseinheit zu (Intensitäts-/ Qualitätseinheiten), so dass im Leistungstraining solchen Übungsprogrammen mindestens 3 – 4 x pro Woche (z.B. nach dem Aufwärmen + Lockerungsübungen, innerhalb der Konditionsgymnastik, im cool-down) eine große Bedeutung zukommt. Zu wünschen wäre, dass die Konzentration auf die Qualität der Übungsausführung hoch ist und auch „Verbesserungen“ zum Ziel hat.

Im Gruppentraining muss der oft gerade während solcher Programme zu beobachtende „Erfahrungsaustausch zum Privatleben“ auf die Zeit vor oder nach der TE verschoben werden! Hier sind sicher vielerorts, vor allem im Training mit Jugendlichen, Überzeugungsreserven zu erschließen. Bei der Durchführung von dynamischen Dehnübungen muss die Bewusstheit auf folgende Konzentrationspunkte gelegt werden:

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Die Auswahl der Übungen erfolgt unter unterschiedlichen Aspekten, dabei ist eine Beratung mit Physiotherapeuten, Krankengymnasten bzw. auch Ärzten zu den individuellen Schwachstellen und Notwendigkeiten, immer hilfreich. Wenn sie ihr Beweglichkeitsprogramm zusammenstellen bedenken sie, dass sie folgende Gelenkwinkel einbeziehen müssen: Fußgelenke, Kniegelenke, Hüftgelenk, Schultergelenke:

  • zur Beseitigung von festgestellten muskulären Dysbalancen
  • zur Beseitigung von Schwachstellen in der Gelenkbeweglichkeit
    (Ziel : Vergrößerung der Bewegungsamplituden)
  • Übungen zur Kräftigung zu schwacher Muskeln
  • Dehn- und Lockerungsübungen / An- und Entspannung
  • Übungsprogramme vor und nach Dauerläufen
  • Übungsprogramme im Zusammenhang mit nachfolgenden
    Sprint-, Hürden-, Hindernis-, Geh-, Tempolauf- oder Krafttraining

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Die Koordination soll die Nerv-Muskelarbeit mit dem Ziel einer Ökonomisierung der Vorwärtsbewegung verbessern:

Die Laufschule ( Koordinationsübungen / Lauf – ABC / Geher- ABC) zielt im Sinne vorbereitender Übungen auf eine Verbesserung der Lauf-/Gehtechnik und Lauf-/Gehkoordination, auf eine Ökonomisierung der am Schrittzyklus beteiligten Bewegungen der Arme und Beine, auf die Fuß-, Fußgelenks- und Beinkräftigung, sowie einer optimalen Nutzung der individuell vorhandenen Kraftfähigkeiten für die Vorwärtsbewegung (sauberer Abdruck in Laufrichtung), einschließlich der möglichst schnellen Bewegung der beteiligten Hebel und Gelenke. Die Übungen des Lauf – ABC verbessern das Bewegungsgefühl solch wichtiger Vorgänge wie Fußaufsatz, den Fußabdruck, den Kniehub, erhöhen die Kraft in der Gelenkarbeit und helfen z.B. im Mittelstreckenlauf möglichst kurze Stützzeiten und eine aktive Arbeit „nach hinten“ vom Moment des Fußaufsetzens vor dem Körper an, zu erarbeiten. Die Übungsgeschwindigkeit sollte immer nur so hoch sein, dass die unterschiedlichen Ziele der Übungen auch qualitativ gut erreicht werden können.
Das Lerntempo und der Trainingseffekt kann durch intensive Bewegungsvermittlung, durch Verdeutlichung des gewünschten Bewegungsablaufs, durch mentales Üben unterstützt werden.

Die Qualität der Koordinationsarbeit wird bestimmt von:

  • bildhaften Bewegungsvorstellungen, bzw. Demonstration der Zielbewegung und einer schnellen Lernphase der Übungen
  • Ökonomisierung der Wirksamkeit durch Wiederholungen (Ausschalten überflüssiger Neben- bzw. Falschbewegungen)
  • Ausbildung eines technisch optimalen Bewegungsstereotyps
  • Kombination verschiedener Übungen mit schneller Erfassung und korrekter Ausführung der jeweils neuen Übung
  • Systematische Erweiterung des Übungsgutes (Abwechslung schaffen)
  • Wird die Koordination durch Ermüdung beeinträchtigt soll die Übung beendet werden, trotzdem sollen Streckenlängen und Wiederholungen sytematisch zunehmen.

Beweglichkeitsübungsprogramm

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TerabandBesonders soll dabei auf die Muskeln im Bereich der Hüfte und des Beckens hingewiesen werden, die in ihrer Wirkung für den Vortrieb – Streckbewegungen / Hüftgelenksbeweglichkeit, optimale Beckenposition – im Lauf immer unterschätzt werden. Natürlich sind die Übungen austauschbar. Beginnen Sie immer vorsichtig und steigern sie systematisch. Beziehen Sie immer alle anatomisch beeinflussbaren Bereiche ein, variieren Sie die Programme innerhalb der Woche und versuchen Sie die individuellen Bewegungsgrenzen hinauszuschieben. Nehmen Sie sich auch Zeit nach anstrengenden Gymnastikprogrammen mit einigen Entspannungs- bzw. Lockerungsübungen abzuschließen.

Übungen zur Verbesserung der Spreizfähigkeit können gut durch leichte Gewichtsmanschetten an den „Hebelenden“ (Arme, Beine) in ihrer Wirkung verstärkt werden.

Die Trainer geben für den Einzelnen das Ziel der Bewegungsweite vor, was aktuell zu erarbeiten ist – vor dem Hauptteil der TE oder in der Konditionsgymnastik oder in TE im Zusammenhang mit Dauerläufen, durchzuführen:

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im Wechsel der TE auch kombiniert mit:

15´ Kraft:
2 – 4 x 10 halbe Kniebeuge mit „Partner“ auf dem Rücken
(langsam absenken – schnell hoch )
+ 3 – 6 x Sprunglauf 40-60 m
oder 6 – 8 x 6-8 Hürdensprünge beidbeinig

oder:

15´ Koordination (Lauf – ABC):
2 – 4 x 4 Übungen (20 – 30 – 40 – 50 m) ansteigend
wie z.B. Hopserlauf, Fußgelenkarbeit, Sprunglauf,
Anfersen, Kniehebelauf und andere Übungen

Dehnen und lockern nach dem Training haben das Ziel den erhöhten Muskeltonus abzusenken, die ermüdete Muskulatur zu „entschlacken“und damit auch den erhöhten Druck auf die Gelenke und den passiven Bewegungsapparat zu reduzieren. Es wäre gut, wenn diese Zeit auch zu einem „ausstreichen / massieren“ der wichtigsten Instrumente der Läufer und Geher für die Leistung, der Füße, genutzt würde.
Gleichzeitig wirken die 15 -20 Minuten „cool-down“ beruhigend auf das in der TE oft ziemlich gestresste vegetative Nervensystem und ermöglichen dem Athleten einen ersten einschätzenden Rückblick auf die gerade hoffentlich gut absolvierte hohe Belastung.