Cross als ein Mittel zur beschleunigten Leistungsentwicklung

Ein erster Ansatz zur neuen Saisongestaltung

2006-12-09-cross-analyse09. Dezember 2006 (Ring / Pöhlitz) - Man hat das Gefühl, dass es derzeit drunter und drüber geht im deutschen Crosslauf. Experimentiercrossläufe im November, eine Cross-EM im Dezember, eine fast crosslose Zeit im Januar, ein Crossländerkampf im Februar, die nationalen Titelkämpfe Anfang März und eine praktisch nicht von deutscher Seite besetzte Cross-WM Ende März lassen keinerlei Strukturierung des Crosslaufs innerhalb des DLV erkennen. Der Übergang vom Straßenlaufhöhepunkt Deutsche Marathonmeisterschaften Mitte Oktober bis zum Qualifikationscrosslauf Mitte November, zur Cross-EM Mitte Dezember, zur Hallen-DM Mitte Februar und zu den Deutschen Crosslaufmeisterschaften Anfang März, bzw. einer Hallen EM oder Hallen-WM, mit darauf folgender 10.000 m Challenge Anfang April und den nationalen Titelkämpfen über 10000 m Anfang Mai kann bei Wahrnehmung von auch nur drei Viertel der angesprochenen Ziele keinen sinnvollen Trainingsaufbau zulassen. Bei genauer Analyse der Teilnehmerfelder stellt man zusätzlich fest, dass immer dieselben Läufer/Innen mit hoher Häufigkeit in den Listen zu finden sind. Dies ist ein kontraproduktiver  Ansatz, aus dem nicht zu erkennen ist, wie wir eigentlich aus dem Tal der Tränen herauskommen wollen und welchen Weg wir gehen wollen, um  uns im Sommer über die langen Strecken etwas schneller als bisher dem internationalen Leistungsniveau anzunähern. Wir meinen, dass dies nur mit mehr Zeit zum Training möglich ist.

Deshalb ist die Platzierung der Cross-DM Anfang März aus trainingsmethodischer Sicht zu begrüßen !

Die Periodisierung

Man spricht von einem ernstzunehmenden Ansatz, wenn Zielen eine sinnvolle Planung zu Grunde liegt. Eine solche  Planung ist aus dem bisherigen Geschehen in Sachen Crosslauf nicht abzulesen. Alles scheint dem Zufall überlassen. Deshalb wollen wir mit unserem Beitrag einen Denkanstoß, vielleicht auch Anstoß zu einer erneuten Diskussion der Fachleute (Trainer) geben. Allen Rahmenplänen ist zu entnehmen, dass sich ein Training/Wettkampfszyklus aus Grundlagentraining (Konditionierung + Grundlagenausdauer + Kraftgrundlagen), Aufbauphasen (Aufbauwettkämpfen, spezieller Ausdauer, spezieller Kraft und Aufbau der Laktattoleranz – auch für Langstreckler) und der Phase der Leistungsausprägung (Tapering) zusammensetzt. Dieser Gesetzmäßigkeit muss sich auch eine Crosssaison unterwerfen, um am Ende Gewinn für die/den Athleten/In für den Sommer  abzuwerfen. Cross muss doch ein Mittel zum Zweck sein!
Als anzugehendes Ziel sollten daher für uns derzeit (auf Grund der fehlenden  Läufer/Innen-Quantität + Qualität) nur die deutschen Crosslauf-Meisterschaften, langfristig auch wieder die Cross-Weltmeisterschaften ins Auge gefasst werden. Daraus würde sich die Möglichkeit ergeben nach den DM-Cross in einem längerfristigen Abschnitt in Ruhe systematisch auf die 10000 m – DM (vielleicht auch in der Höhe) vorzubereiten.
Ausgangspunkt für veränderte Planungsüberlegungen müssen sein: der  individuell neue Jahreshöhepunkt (Termin), das Ende der  vergangenen Saison bzw. der indivuellen Übergangs-/Erholungsperiode und die Zwischenziele. In Abhängigkeit von der benötigten Wochenanzahl bis zur neuen persönlichen Bestleistung im Sommer, sollte der neue Planungszeitraum erfahrungsgemäß zukünftig besser bereits im September beginnen.

Hier unser Periodisierungsvorschlag als Denkanstoß für eine Crossperiodisierung:

Der Aufbau und Steuerung der Grundlagenausdauer erfolgt alle 6 Wochen auf der Grundlage von 15 km–Testläufen oder der Leistungsdiagnostik

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» Daraus ergibt sich folgende Wettkampfplanung

bis Mitte November keine Wettkämpfe

bis Mitte Januar 2-3 Aufbauwettkämpfe über Experimentiercrosslauf (Crossstaffeln, Paarcrosslaufen bzw. Speedcross von Vor-, Zwischen- und Endläufen auslaufend in 1-2 klassische Crossläufe auf dem individuell aktuellen Qualitätsniveau mit unterschiedlichen, auch kurzen Streckenlängen, Trainingswettkämpfe!

bis Mitte Februar zirka 3-4 Crossläufe auf hohem Niveau – denkbar wäre hier der Veranstaltungszyklus „Deutscher Crosscup“ .

Anfang März bzw. 3. Woche im März: nationale Crosstitelkämpfe bzw. Crossländerkampf bzw. Cross WM

Anmerkung: Gegen eine speziell vorbereitete Cross-EM im Dezember sprechen gegenwärtig für uns  alle trainingsmethodischen Grundsätze. Deshalb ist dem Termin auf sportpolitischer Ebene zu widersprechen.  Letztendlich helfen uns zur Weiterentwicklung unseres Läufer/Innenpotentials keine sportpolitischen Beschlüsse bzw. PR-Aspekte, sondern ausschließlich sinnvolle trainingsmethodische Maßnahmen.

Das Athletenpotential

Das derzeitige Aufgebot für die Cross-Europameisterschaften Mitte Dezember im italienischen San Sicario ist auf leichtathletik.de nachzulesen. Es ist das Ergebnis eines einzigen Qualifikationswettbewerbes auf der Basis völlig individuell, dem Verband nicht bekannter Vorbereitungsphasen. Dieser hat offensichtlich nicht in das Planungsverhalten der qualifizierten Läufer/Innen eingegriffen, in der Regel hat er einen Großteil jener erst nach der Qualifikation, d.h. unmittelbar beim Rennen selbst kennengelernt. Einen Crosslaufkader gab es nicht, Läufer/Innenprofile sind sicher nicht bekannt oder erfasst.
Wir meinen, ein nicht gerade leistungsfördernder Zustand, noch dazu, wenn es sich um im Aufbau befindliche Nachwuchsathleten/Innen handelt, die nachweisbar auf Grund ihrer letzten späten Starts in der Sommersaison keine vernünftige Regenerations- bzw. Aufbauphase gehabt haben können.

Unser Ansatz: Wenn man das bisherige Kadersystem nicht automatisch ad acta legen will, müssen doch die Bundeskader die Grundlage für die Bildung einer Cross-Nationalmannschaft sein. Dabei wäre frühzeitig, noch vor Beginn der VP I zu klären, wer eine Hallensaison und wer eine Crosssaison plant. Von jedem ein bisschen bringt sicher am Ende auch nur ein bisschen. Diese Planung sollte dann in einer vernünftigen Zusammenarbeit zwischen Bundestrainern und Heimtrainern konsequent verfolgt werden, garniert mit zwei bis drei  Kadermaßnahmen, die man zukünftig (zeitweilig) aus den für die Cross-EM nötigen Geldern finanzieren kann.
Neu auftretende Jung-Talente sollten spontan und unkompliziert in die Kadervorbereitung einbezogen werden, das heißt aber noch lange nicht, sie gleich für einen  EM- Einsatz zu nominieren.
Sofern ein Qualifikationsmodus für eine ev. Cross-WM nötig ist, könnte dies auf der Basis des zukünftigen Crosscups oder direkt auf der Grundlage der Platzierung bei den nationalen Titelkämpfen geschehen.
Noch ein Wort zur derzeitigen Belohnungstheorie der zweiten Reihe via Teilnahme Cross-EM. Wir meinen, Europameisterschaften sind immer von der  zu diesem Zeitpunkt verfügbaren erste Reihe zu besetzen, dabei sind „Ausnahmen“, wenn sie berechtigt sind, natürlich möglich. Aber EM bzw. auch WM sind doch keine Übungsfelder für den Nachwuchs, dafür müssen zuerst einmal andere Bewährungssituationen vorausgehen ( z.B. Einsätze bei internationeln Crosswettkämpfen)! Wir würden es hilfreicher finden die genannte  „Belohnungsteilnahme“ der zweiten Reihe mit anderen Anreizen zu verbinden, z.B. ein gemeinsames  Trainingslager mit unseren Besten, damit aus der zweiten Reihe möglichst schnell eine erste Reihe wird.

Investitionen in den Crosslauf

2006-12-09-cross-analyseWer soll das bezahlen? ist oft das geflügelte Wort der  Funktionäre. Wir meinen, dem Gießkannenprinzip muss ein Ende gesetzt werden. Fördermittel müssen zukünftig gezielt auf Maßnahmen zur Unterstützung der
Leistungsentwicklung gerichtet werden. Dabei erfordert das Arbeiten an einem neuen Crosskonzept keine hohen finanziellen Mittel, viele nicht sinnvoll eingesetzten Mittel  müssten nur umgeleitet werden, dann auch von Sponsoren unterstützt werden.
Will man wieder Erfolge sind auch Investitionen in Sachen Crosswettkampf nötig, ideelle über die Zusammenarbeit des Verbandes und der LV mit in Frage kommenden Ausrichtern, und materielle über die Akquise von möglichen Sponsoren, Hilfen durch den Verband, bis zur eigenständigen Finanzierung des Cross-Teams

In Schritten glauben wir, so vorgehen zu können:

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Als Endstufe wäre zu wünschen:

ein Ganzjahreskonzept Langstrecke, aus dem man Vorschläge für Trainingsphasen (ganze Mesozyklen wenn irgend möglich) und Wettkampfzeiträume ablesen kann und wer, wann, wo und wodurch auf welche Jahreshöhepunkte vorbereitet werden soll (natürlich wäre dies auch für die zweite Reihe und die anderen Disziplinbereiche hilfreich).
Bei unseren gegenwärtigen Leistungsrückständen darf das aber nicht heißen: alle sind überall und bedeutet zugleich auch, dass die Besten nicht bei jedem Jahresevent präsent sein können. Dabei sind wir natürlich dafür dass Langstreckler Cross laufen.
Ein neu geordnetes Wettkampfsystem für alle Altersbereiche des Bereiches Lauf / Gehen, das die Grundsätze zur methodischen Leistungsentwicklung zulässt und fördert.
Ein aktives Interesse bis hin zur Mithilfe des Verbandes und der LV am Zustandekommen dieses Systems als Voraussetzung zu einer schnelleren Leistungsentwicklung.
Eine gezielte Einbindung der zweiten Reihe in den Hochleistungssport über zentrale Trainingsmaßnahmen und die Ausbildung fördernde, gezielte, dem individuellen Niveau angemessene Wettkampfeinsätze (auch Bewährungssituationen).