Die „Langen“ zum Cross, die „Schnellen“ in die Halle

15. November 2006 (Pöhlitz / Ring) Jedes Jahr im Herbst stehen die Läufer und ihre Trainer erneut vor der Frage, wie sie es mit den Wettkampfen im Winter halten sollen, Cross oder Halle oder beides. Viele lassen es wohl auf sich zukommen und machen es so wie bisher. Sie können sich nicht richtig entscheiden ob sie möglichst  viele Wettkämpfe mitnehmen oder einer langfristigen Vorbereitung auf neue persönliche Bestleistungen auf der Straße oder Bahn den Vorzug geben sollen. Die Entscheidung ist zugegeben nicht einfach, oft auch unter Einfluß der regionalen Bedingungen wird erst Cross gelaufen und anschließend auch noch das eine oder andere Rennen in der Halle mitgenommen.
Wir wollen hier heute vor allem die Talente und ihre Trainer ansprechen, die in den nächsten Jahren nicht nur sehnsuchtsvoll „nach oben“ blicken, sondern auch bereit sind einen trainingsmethodischen Weg zu gehen, der sie baldmöglichst nicht nur näher an die nationale Spitze führt.

Ein kurzer Blick zurück: Die Entscheidungen sich zwischenzeitlich vom Deutschen Cross-Cup wieder zu verabschieden und in den Jahren die angedachte Cross-Saison nur halbherzig zu organisieren, verdeutlichen, dass der damals gut gemeinte Anschubversuch für eine Wiederbelebung des deutschen Crosslaufs misslungen ist. Auch die Ergebnisse der Cross-EM im Dezember waren in dieser Zeit für uns nie spektakulär.
Man sollte dies aber nicht dem Verband in die Schuhe schieben, vielmehr muss die Frage im nachhinein erlaubt sein, warum mit den damaligen organisatorischen Veränderungen nicht die entsprechenden trainingsmethodischen Konsequenzen verbunden waren.
Unter diesen Gesichtspunkten stehen wir nun erneut vor einem Scheidewege. Wie müssten die Konsequenzen sein? Wir sollten baldmöglichst nicht mehr alle Läufer in einen Cross-Topf werfen, sondern die Neuplatzierung der Cross-DM zur Differenzierung der Winteraufgaben nach Disziplinbereichen nutzen: die „Langen“ (nämlich die Langstreckler, einschließlich Straßenlauf) zum Cross und die „Schnellen“ (Mittelstrecke) in die Halle!
„Wer nicht schnell trainiert, kann auch in den Wettkämpfen nicht schnell laufen !“

In der Trainingslehre ist sicher unbestritten, dass für die Kurz- und Mittelzeitausdauerdisziplinen eine Doppelperiodisierung mit Hallensaison und für die Langzeitausdauerdisziplinen ein lang fristiger Aufbau mit Cross- und Straßenwettkämpfen – in erster Linie als Trainingswettkämpfe genutzt – zu favorisieren sind. Dies muss aber auch mit den dazugehörigen Inhalten verbunden werden. Hochleistungstraining ist kein Wschkonzert und darf nicht  mit solchen Attributen verbunden werden, wie sie von Wilfried Raatz – DLV – Crossbeauftragter – in einem Beitrag vom 7.11.2004 sicher als Werbung für den Crosslauf gedacht, formulierte: „Cross-Country-Running hat durchaus einen Spaßfaktor, fördert das Wohlbefinden und stärkt das Immunsystem!“ Sicher zielte er damals auf die Zehntausende Marathonis, die just for fun zwischen 3 – 5 Stunden laufen.
Wer an die Spitze will, muss sich vor allem mit der Frage auseinandersetzen ob sein Training in Umfang und Intensität auch seinen Leistungszielen entspricht und seine Wettkampfplanung die erforderliche 10-30 %ige Belastungssteigerung auch möglich macht. Dafür werden längerfristige Abschnitte (Mesozyklen) gebraucht in denen auch mal in Ruhe „sauber“ trainiert
werden kann.
Es muss wieder Praxis werden, dass die Läufer/Innen, die in Zukunft richtig schnell laufen wollen, ganzjährig (d.h. schon in der VP1) auch die Schnelligkeits- und Schnellkraftfähigkeiten weiterentwickeln und keine zu große Entfernung von der Wettkampfgeschwindigkeit über längere Zeit zulassen. Bedenken Sie, dass der Dauerlauf eines 800 m Läufers/In in der Regel unterhalb von 60 % seiner Wettkampfgeschwindigkeit liegt!
Unser Vorschlag als eine Maßnahme für einen schnelleren Weg wieder nach oben ist deshalb :

  • Wettkämpfe – ob Cross, Straße oder Bahn – sollen auch im Winterhalbjahr Bestandteil der Ausbildung sein. Sie sind die spezifischsten Trainingsformen, sind Prüfstein für das bis dahin geleistete Training und dienen der Motivation für das Training in der VP II.
  • Die Langstreckler orientieren sich innerhalb einer langfristigen Vorbereitung auf Cross /evtl. auch in Kombination mit Straßenläufen. In unserer gegenwärtigen Leistungssituation sollte überlegt werden bei der Cross-DM zeitweilig die Langstrecke auf etwa 6 km zu verkürzen. Damit hätten die 3000 m Hindernisläufer und die von der Mittelstrecke kommenden 5000 m Läufer größere Chancen und die Konkurrenzsituation würde sich deutlich verbessern.

Die „Schnellen“ bereiten sich innerhalb einer Doppelperiodisierung auf eine gut organisierte Hallen-Saison vor. Das bedeutet, dass alle Talente ausreichende Startmöglichkeiten (Unterdistanz-/ Überdistanz-/Spezialstrecke) über einen Zeitraum von etwa 6 Wochen haben. Unmittelbar nach den DHM muss  für sie die VP II mit einer erneuten Basisarbeit (GA – Kraft – KA) innerhalb eines Mesozyklus.beginnen, weil die zur Verfügung stehende Zeit bis zur Saison kürzer ist als in der VP1.

Nun müsste nur noch geklärt werden: wer organisiert dies oder gibt ein anderes Konzept vor. Wir sind gern bereit es zu veröffentlichen.

Sie sollten einmal gründlich darüber nachdenken!