Sprintertyp – Mixed Typ – Ausdauertyp

Über ein Experiment mit jungen Eisschnellläufern (11-12 Jahre)
Ein Blick über den Zaun

2009-05-28-sprinter-mixed-ausdauer-typ28. Mai 2009 (leistungssport 6 / 97) - Nachdem bereits 1993 in „Leistungssport“ nach Untersuchungen von CHARITONOVA über einen genetisch bedingten Metabolismus von Kindern berichtet wurde, führten weitergehende Untersuchungen aus einem zweijährigen Experiment zum Aktivitätsniveau des anaerob - glykolytischen Energiestoffwechsels bei jungen Eisschnellläufern (im Alter von 11-12 Jahren) 1996 zum Nachweis, das die allgemein übliche Differenzierung in anlagebedingte Schnelligkeits-Typen und Ausdauer-Typen, wie sie ja auch im Laufen gebräuchlich sind, durch einen „Mixed-Typ“ zu ergänzen sind. Da eine Übertragung aus dem Eisschnelllauf auf das Laufen bei Beachtung der Spezifik der Disziplinen nahe liegt, sollen hier die Ergebnisse in einer Kurzfassung für Sie dokumentiert werden, sie zum nachdenken anregen, auch weil dies für eine spätere Spezialisierung nicht unerheblich ist.

Die Forschung beschäftigte sich mit der Frage ob und wie das Aktivitätsniveau des anaerob-glykolytischen Stoffwechsels bei Kindern als Kriterium des Adaptationstyps genutzt werden kann. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass bei gleicher sportlicher Belastung im Grundlagentraining das anfallende Laktat bei der Feststellung der Adaptationstypen bei Kindern und Jugendlichen eine Rolle als „Marker und systembildender Faktor“ spielt und beschreiben eine Differenzierung in „Sprinter-Typ“, „Ausdauer-Typ“ und „Mixed-Typ“. Das Training fand im Rahmen des Lehrplanes einer russischen Sportschule statt.

Folgende Tests wurden durchgeführt:

  • Schnellkraft : Standweitsprung, 30 m, 60 m, 400 m
  • Aerobe Ausdauer : 5 Minuten – Crosslauf
  • Anaerobe Schwelle : Stufentest mit Rollschuhen
  • Wettkampfstrecken : 500 m und 1000 m auf dem Eis
  • Anthropometrie
  • Ergometer-Stufen-Test : bei Herzfrequenz 130 » 170 » >180
  • Biomechanische Blutanalyse
  • Wiederherstellung

Durch Stufentests in anaerob - glykolytischer Stoffwechsellage wurden folgende Differenzierungen nach dem Adaptationstyp abgegrenzt:

Der Ausdauer-Typ
Junge Sportler mit einer Laktatkonzentration im Blut bis zu 4 mmol/l Laktat, d.h. bis zur anaeroben Schwelle.
Der Mixed-Typ
Junge Sportler mit einer Laktatkonzentration im Blut zwischen 4,1 – 8 mmol/l Laktat
Der Sprinter-Typ
Junge Sportler mit über 8 mmol/l Laktat, d.h. mit vorherrschend anaerob - glykolytischen Stoffwechsel

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Ergebnisdiskussion

Die Kinder des Sprinter-Typs zeigten nach 2 Trainingsjahren den geringsten Trainingseffekt im Eisschnelllauf. Sie hatten zudem deutlich verlangsamte, kurzfristige Wiederherstellungszeiten ( Anmerkung der Redaktion: es muss die Frage erlaubt sein, ob mit ihnen auch entsprechend ihrer Anlagen trainiert wurde?) Insgesamt stellen sich die Leistungsverbesserungen entsprechend der vorgenommenen Typ-Differenzierung wie folgt dar:

 

 500 m1000 mErgometer-Test
Puls 170
       
Mixed-Typ 29 % 31,4 % 13,6 %
       
Ausdauer-Typ 27 % 25 % 11,3 %
       
Sprinter-Typ 22 % 21,2 % 5,4 %

 

“Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Trainingseinfluß den Typ der biologischen bzw. adaptiven Reaktion nicht verändern kann, weil er genetisch bedingt ist. Ausgehend von der Spezifik der Muskeltätigkeit sind die Ausdauer- und Mixed-Typen des Stoffwechsels für den Eisschnelllauf am besten geeignet.“ (CHARITONOVA 1996, 22)