Trainingspraxis: Beweglichkeits- und Stabilisationstraining für den Nachwuchs - Hürdensprint

Hürdenbeweglichkeit hilft auch dem Hindernisnachwuchs
2009-02-03-beweglichkeit-im-huerdensprintVon Rico May – Lehrwart im LV Thüringen

03. Februar 2009 (© Rico May) - Der Hürdensprinter benötigt Hüftstabilität und Beweglichkeit beim Abdruck vor der Hürde, bei der Geschwindigkeit der Hürdenüberquerung sowie beim Aufsetzen des Schwung- bzw. Nachziehbeins und dem folgenden „Weglaufen“ von der Hürde, denn hierbei wirken enorme Kräfte auf Rumpf, Beine und das „Zentrum“ der Sportler.

Definition: Beweglichkeit ist die Fähigkeit, Bewegungen willkürlich und gezielt mit der erforderlichen bzw. optimalen Schwingungsweite der beteiligten Gelenke ausführen zu können. (MARTIN/CARL/LEHNERTZ 1991)

Synonym gebrauchte Begriffe: Flexibilität, Elastizität, Gelenkigkeit, Geschmeidigkeit, Biegsamkeit, Dehnfähigkeit

Beweglichkeit als "Mischfähigkeit": Konstitutionelle (Gelenkmobilität), konditionelle (Kraftbezug) und koordinative (An- und Entspannung) Aspekte vereinen sich zu einem eigenständigen Fähigkeitsbereich.

Bedeutung der Beweglichkeit

  • verbessert, ökonomisiert die energetischen Potentiale (Krafterhöhung durch Vordehnung; Ökonomisierung im Ausdauerbereich durch Schulterbeweglichkeit beim Schwimmen u.a.)

  • beschleunigt Lernprozesse und erhöht die Ästhetik/Eleganz von Bewegungen (manche Techniken im Gerätturnen, Wasserspringen u.a. sind ohne entsprechende Beweglichkeit nicht erlernbar; Schönheit weiter Schwünge, "fliegender Grätschen" u.a.)

  • erhöht die Belastungsverträglichkeit, verringert Verletzungsgefahr (erhöhte Durchblutung, erhöhte Belastbarkeit des Stützapparates; verhindert Muskelzerrungen, Faserrisse u.a.)

  • sichert das arthromuskuläre Gleichgewicht und vermeidet muskuläre Dysbalancen (Verhinderung der Verkürzung der belasteten Muskulatur; Verbesserung der Körperhaltung u.a.)

  • fördert schließlich die Gesundheit (Vermeidung von Fehlbelastungsschäden und vorzeitigen Verschleißerscheinungen; Verbesserung von Körperhaltung und Belastbarkeit u.a.)

Stabilisation und Stabilisationstraining im Hürdensprint

2009-02-03-beweglichkeit-im-huerdensprintDer Hürdensprinter benötigt Hüftstabilität beim Abdruck vor der Hürde, bei der Hürdenüberquerung sowie beim Aufsetzen des Schwung- bzw. Nachziehbeins und dem folgenden „Weglaufen“ von der Hürde, denn hierbei wirken enorme Kräfte auf den Rumpf der Sportler.

Stabilisationstraining ist kein ergänzender Trainingsinhalt, sondern ein Grundbestandteil im Schüler- und Jugendtraining bzgl. der Ziele: Körperzentrierung, Beinachsenstabilität, Stabilität des Rumpfes und der Beine, Gesamtkoordination der spezifischen Haltungs- und Bewegungsmotorik.

Optimale Körperstabilität heißt:

  • optimale Zusammenarbeit der großen und kleinen Muskelgruppen des Rumpfes und der Beine
  • optimale intramuskuläre Koordination der Hauptarbeitsmuskeln, der Synergisten und Antagonisten
  • optimale Voraussetzung für Schnelligkeit und Koordination, aber auch für skispezifische Krafttrainingsreize und Ausdauerziele
  • optimale Voraussetzung für das Techniklernen

Optimale Körperstabilität ist die „Zubringerfähigkeit“ für nahezu alle Leichtathletik-spezifischen Trainingsziele.

Stabilisationstraining + Beweglichkeit schon im Kindesalter

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  • Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass ein richtiges Stabilisationstraining schon ab dem Kindesalter sehr effektiv hinsichtlich der Kraftverbesserungen, der intra- und intermuskulären Koordination, aber auch der Verletzungsvorbeuge (Knorpeloptimierung, Knochen, Band, Sehnenstruktur) ist.

  • Im Bereich des optimalen Lernalters muss also auch das Erlernen von Krafttrainingsübungen stehen.

  • Trotz der teilweise noch nicht vorhandenen biochemischen Anpassungen (Testosteronausschüttung, Muskelwachstum) wird über das vegetative Nervensystem ein gewisser Energiefluss und somit eine positive Wirkung auf das Immunsystem und den Gesamtstoffwechsel erzielt.

  • Eine athletische Ausbildung auf altersgemäß hohem Niveau steigert auch im psychischen Bereich das ganzheitliche Potential (Selbstvertrauen,…)

  • Eine optimale Ausprägung der Stabilität bzw. Beweglichkeit im Schüleralter verkürzt die Zeit der „groben Bewegungen“ während der Pubertät.

Stabil heißt nicht statisch und verkrampft, sondern feinregulierend mit hoher Körpermittelspannung, präziser Bewegungsausführung und angepasster Bewegungsgeschwindigkeit.