Die Füße sind der Läufer, Sprinter und Geher höchstes Gut?

Lauftrainer müssen als Spezialisten Kindern möglichst früh richtig laufen lehren
Eltern sollten auf die Ausbildung der Füße ihrer Kinder achten

Es gibt auch deutsche Barfußläufer10. Januar 2009 (© Lothar Pöhlitz) - Ist es das Fragezeichen in der Überschrift das sie irritiert oder lässt sie die Problematik an sich fragen ob sie dieser Beitrag interessieren sollte? Das Fragezeichen steht auch für diejenigen, für die die Füße in der Vergangenheit nicht unbedingt Priorität hatten. Dabei wollen leistungsorientierte Läufer, Sprinter und Geher von ihren Füssen Spitzenleistungen, täglich. Die beobachtete Trainingspraxis „von klein an“ oder insgesamt im Kinder- und Jugendtraining, aber auch öfter als uns lieb sein kann im Hochleistungstraining sollte sie neugierig machen, sollte sie anregen sich dieser Problematik einmal ernsthafter anzunehmen. Sie sollten darüber nachdenken, wie viel die Füße in den ersten 20 Jahren des Lebens wachsen, wie das Gleichgewicht mit jedem Kilo mehr immer wieder neu justiert werden muss oder welche Schwerstarbeit die Füße in einem Hochleistungstraining leisten müssen.

In jedem Sportstudium wird auf die besondere Bedeutung der Füße und ihren komplizierten Aufbau, aber auch auf die notwendige Sorgfalt in der Ausbildung und Pflege hingewiesen. Um die 30 Knochen und Gelenke und viele große und kleine Muskeln und Sehnen sorgen für den Vortrieb, das Gleichgewicht und die Beweglichkeit. Und die Fußreflexzonen mit ihren vielen Sensoren geben dem Körper „vielfältige Befehle“ und sichern nicht nur den aufrechten Gang.
Auch wenn „ohne Kopf“ kein Sieg möglich ist oder wenn der Stoffwechsel „hochtourig“ ausgebildet ist, wenn ihre Füße sie nicht die vielen Tausend Trainings- und Wettkampfkilometer in einem langen Leistungssportleben ohne Schaden optimal und möglichst schnell vorwärts bringen würden, wäre der Traum von einer Selbstdarstellung auf höchstem Niveau oft schon früh zu Ende.

Tun Spitzenathleten nach dem Training öfter Zehen, Gelenke, der Rücken, der Nacken weh oder haben sie ständig Kopfschmerzen gibt es sicher irgendwo im Körper frühere Versäumnisse. Sie sollten aber vor allem nach aktuellen Ursachen im „Unterbau“ forschen und einmal darüber nachdenken, ob sie ihre Füße gut ausgebildet haben, mit sehr guten Schuhen trainieren, ihre Füße auch regelmäßig entsprechend pflegen und massieren. Vor allem sollten alle eins tun: sofort nacharbeiten, weil in der Regel alle Defizite haben.

Der eine oder andere musste schon früh feststellen, das sein Körper, seine Füße für sein Hobby umfangreiches Laufen oder auch schnelles Gehen eigentlich nicht geschaffen, nicht optimal durchkonstruiert wurden. Jeder ererbt durch seine Anlagen die eine oder andere Schwachstelle mit. Dabei sind diejenigen nicht besonders gut dran, die durch schmerzhafte Veränderungen an den Füßen immer wieder Trainingsausfallzeiten in Kauf nehmen müssen. Wir haben auch gelernt, dass Probleme weiter oben, im Schienbein, im Rücken, Knie oder auch Nackenverspannungen durchaus ihre Ursachen ganz unten haben können. Und trotzdem kann man leider zu oft beobachten, dass in der Trainingspraxis dem Erlernen einer optimalen Lauf- bzw. Gehtechnik, der Grundausbildung der Füße, bei systematischer Weiterentwicklung im Zusammenhang mit der Belastungserhöhung und ihrer Pflege, nicht die erforderliche Zeit gewidmet wird.

Nicht trainierte Fußgewölbe deformieren und führen zu Senk-, Spreiz-, oder Plattfüßen. Gesunde, leistungsfähige Füße liegen nicht mit der Fußfläche auf. Längs- und Quergewölbe werden durch Muskeln verspannt und durch Sehnen und Bänder stabilisiert.

Nicht alle Schuhe sind für Läufer bzw. Geher geeignet

Auch die Auswahl dem Anliegen entsprechender guter, passender, nicht drückender, nicht zu starrer und zu sehr dämpfender Schuhe wird oft nicht beeinflusst. Alle wissen seit Jahren, dass auch die renommierten Schuhfirmen verkaufsorientiert produzieren und nicht in erster Linie für den Leistungssport. Natürlich ist das ihr gutes Recht. Aber gerade deshalb muss die Auswahl der Schuhe durch die Trainer mehr als bisher überwacht, besser noch beeinflusst werden. Dabei sollten sie immer auf das Preis- Leistungsverhältnis achten. Nicht immer sind die teuersten Schuhe die besten.

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Nehmen sie die Gelegenheit beim nächsten Wettkampf wahr, sehen sie sich die Füße, Schuhe und die Technik des Laufens, des Fußaufsatzes und des Abdrucks nicht nur ihrer eigenen Sportler einmal genauer an und es fällt ihnen ab sofort leichter, sich dieser Problematik sofort und solange sie Trainer sind, immer wieder anzunehmen.

Sprechen sie früh genug mit den Eltern, beraten sie sie beim Schuhkauf ihrer jungen Talente und verhindern sie dadurch schon frühzeitig, dass die Muskulatur sich nicht wie gewünscht entwickeln kann. Verhindern sie dass das Fußgewölbe später einmal die Stütz- und Haltefunktion verliert, sich die Füße verformen und zum Platt-, Senk-, oder Spreizfuß degenerieren oder auch Ursachen für Probleme mit den Achillessehnen sein können. Auch Fehlstellungen der Zehen, Hühneraugen oder Druckstellen die eines Tages die Entwicklung von „Überbeinen“ herausfordern, haben nicht selten ihre Ursachen im nicht optimalen Schuhwerk. Dies hat natürlich auch seine Ursachen darin, dass jeder Fuß anders ist, aber auch eine andere Kindheit hinter sich hat.

Spitzenathleten sollten sich von einem Sportfach-Orthopäden beraten und sich für ihre Trainings- und Wettkampfschuhe individuell gute „Fußbetten“ anfertigen lassen. Zu schief gelaufenen Laufschuhen darf es gar nicht kommen. Einige Modelle halten noch nicht einmal 1500 km durch! Kinder sollten nicht die gebrauchten Schuhe ihrer Freunde übernehmen, nicht nur jeder Mensch ist ein Unikat, auch ihre Füße sind individuell.

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Eltern achten zu wenig auf die Ausbildung der Füße ihrer Kinder
» Barfußlaufen möglichst oft und überall

Da heute bereits vom Babyalter an die Füße in Schuhe gesteckt und damit das natürliche laufen verhindert und die Fußmuskulatur sich nicht ausbilden kann, entwickeln viele Kinder Fußaufsatz- und auch Gangstörungen. Die Eltern bedenken oft nicht, dass sie den Kindern Schaden zufügen, wenn sie sie sich nicht natürlich bewegen lassen. Barfußlaufen sollte deshalb das Gebot der Stunde sein, barfuß in der Wohnung, im Garten, über Wiesen und Felder, im Sand oder auch über Steine. Dies fördert nicht nur die Ausbildung der Fußmuskulatur, sondern auch der Gleichgewichtsfähigkeit und bereitet sie besser auf das Leben – noch nicht einmal für den Sport – vor. Dafür sind unsere Füße ausgestattet, aber nicht ausgebildet. Eltern lassen in den ersten Jahren auch zu, dass Kinder „über den Onkel laufen“ oder die Fußspitzen schräg nach außen aufsetzen. Nicht nur das es nicht besonders gut aussieht, eine Abflachung der Längsgewölbe, spätere Knie -, oder Rückenschmerzen z.B. im Zusammenhang mit Übergewicht oder zunehmenden Belastungen sind vorprogrammiert. Wenn man bedenkt, welche komplizierten Bewegungen im Sport, beim frühen Training z.B. in der Sportgymnastik, im Turnen oder anderen technischen Sportarten Kinder erlernen, könnten Eltern, aber auch Trainer bei entsprechender Geduld und Nachdruck ihren Kindern oder auch den Krankenkassen im Alter viel ersparen, vorausgesetzt es handelt sich nicht um „Fehlkonstruktionen“ (Fußanatomie). Fehlstellungen „unten“ führen auch leichter zu Verspannungen, zu Schienbeinschmerzen, muskulären Dysbalancen und Ungleichgewichten in der Körperhaltung, Beckenschiefständen und Rückenverspannungen. Der Fußaufsatz und –abdruck überträgt sich über Knie, Becken und Wirbelsäule bis in den Kopf, beeinflusst die Körperposition über den Beinen und kann sogar über das Nervensystem zu inneren Funktionsstörungen führen.

Trainer müssen als Spezialisten richtiges laufen lehren

Besonders bei den Heranwachsenden, aber auch im Spitzenbereich kommt den Trainern eine hohe Verantwortung im Zusammenhang mit der Ausbildung und der ständigen Kräftigung der Füße und dem technisch richtigen, effektiven, auch die Laufökonomie beeinflussenden, laufen zu. Deshalb müssen Trainer als Spezialisten für richtiges laufen sowohl die Vermittlung einer dem Ausbildungsstand der Füße, Beine und dem Zentrum entsprechende optimale Technik vermitteln können, eine Laufganganalyse beherrschen – oder sich auch Hilfe beim Orthopäden holen – und über Mittel und Methoden zur Fehler- bzw. Schwachstellenbeseitigung verfügen.

Die Vermittlung einer möglichst guten Lauf- bzw. Gehtechnik, mit einem individuell optimalen Fußaufsatz und Abdruck ist im frühen Nachwuchstraining eine vorrangige Aufgabe.

Bestandteil dieser Aufgabe ist auch die ständige Information über das von den Schuhfirmen angebotene Schuhmaterial und deren Auswahlbeeinflussung. Nicht alle neuen Schuhmodelle sind hochleistungssporttauglich und für die vielen Kilometer in der entsprechenden Qualität „gesundheitsschonend“. Damit haben in der Vergangenheit immer wieder auch Topathleten hinreichend negative Erfahrungen gemacht, weil z.B. durch eine Bindung an eine Schuhfirma die aktuelle Auswahl in der Regel sehr eingeschränkt oder gar nicht möglich ist. Ständige Muskelverspannungen in den Beinen / Waden oder dass plötzlich die Achillessehne zwickt kann auch mit den neuen, ungewohnten Modellen zusammenhängen.

Vorfuß mit Zehen – Fußgewölbe – Fußgelenk – Achillessehne

Bei der Ausbildung der Füße müssen das angestrebte Optimum während des Aufsetzens, der Stützphase, die dafür notwendige Kräftigung, das Dehnen und Entspannen eine Einheit bilden.

Die Bereiche Vorfuß mit Zehen, die Fußgewölbe, die Fußgelenke mit den Achillessehnen sind zusammen für die Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit der Füße zuständig und müssen komplex ausgebildet werden.

Fußselbstmassagen sollten auch schon Kindern früh gelehrt und sie zu selbständigem Handeln mehrmals wöchentlich nach anspruchsvollen Trainingseinheiten oder auch nach Wettkämpfen angehalten werden.

Bestehen Bindegewebsschwächen oder Diskrepanzen zwischen Belastung und Belastbarkeit kommt es zu Veränderungen in der Fußstatik, zu Fußschwächen und nicht zuletzt zu Gelenkveränderungen oder Schmerzen da und dort. So kann es z.B. durch Versagen oder Schwäche der Muskulatur zum Einbruch des Fußgewölbes kommen und dies hat natürlich auch Auswirkungen auf die Statik der Achillessehne. Eine Senkung des Quergewölbes führt zur Fußverbreiterung (WEINECK 1988). In einem zu schwachen Bandapparat, einer unzureichende Beweglichkeit, einem falschen Fußaufsatz und einer unzureichenden muskulären Ausbildung, auch der Unterschenkelmuskulatur, müssen sie die Ursachen für vielfältige Beschwerden suchen.

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Fazit: Neben der Vermittlung einer individuell optimalen Technik in der Stütz- und Abdruckphase, einem achsengerechten Fußaufsatz, deren Erlernung nicht früh genug beginnen kann und mit großer Hartnäckigkeit verfolgt werden sollte, kommt der Kräftigung von Muskeln, Sehnen und Gelenken – differenziert in den Bereichen Vorfuß mit Zehen, Fußgewölbe und Fußgelenk – eine grundlegende Bedeutung zu. Besonders unter dem Gesichtspunkt der individuellen Abdruckkraft und ihrer Umsetzung in Vortrieb – d.h. Geschwindigkeit über die Dauer der jeweiligen Wettkämpfe – sind die Füße im Zusammenwirken mit der Unterschenkelmuskulatur der Läufer, Sprinter und Geher höchstes Gut. Dem Nachwuchs sollte vermittelt werden, dass neben einer vielseitigen Übungspraxis, vor allem barfußlaufen und fußkräftigende Übungen, die Fußpflege, Fußbäder mit Zusätzen und Fußselbstmassagen wichtige unterstützende Maßnahmen für ihre Leistungsentwicklung sind. Im Hochleistungsbereich muß darüber hinaus ständig durch vielfältige, weiterentwickelnde spezielle Übungen gezielt auf diese Bereiche eingewirkt werden. Fragen sie ihren Arzt oder Physiotherapeuten.

Siehe auch unser Beitrag vom 18.12.2007 „Trainingspraxis: 6 x Füsse – 6 x Bauch – 6 x Rücken

Titelfoto: „Es gibt auch deutsche Barfußläufer“ (Kiefner-Foto)