Edel - Metall (Gold, Silber, Bronze) fällt nicht vom Himmel (Teil 1)

2008-08-26-2009-berlin-2012-london-teil1

Neues wagen, nicht Träume, nur Veränderungen bringen den Fortschritt
2009 ist WM in Berlin – 2012 sind bereits die nächsten Olympischen Spiele

One World one Dream

26. August 2008 (© Lothar Pöhlitz) - Es hat sie schon gegeben, deutsche Medaillengewinner und Olympiasieger im Laufen und Gehen. Diesmal ist aber der Traum nicht aufgegangen. Die Hoffnung dass wenigstens „unsere Irina aus Kasachstan“ die schwarz-rot-goldene Fahne aus dem Kellerfenster hält hat sich schon vor Beginn der Wettkämpfe zerschlagen, vielleicht auch weil es in ihrem harten Vorbereitungstraining nicht nur in ihrem Körper eine Schwachstelle gab. Schade, es wäre für die Zukunft des Laufes so wichtig gewesen. Nun ist Deutschland im internationalen Tal ganz unten. Tiefer geht’s nicht. Die Olympischen Spiele 2008 in Peking sind Geschichte. In 15 Disziplinen Lauf / Gehen, bei möglichen 45 Startplätzen nur 8 Teilnehmer und am Ende 0 Punkte (Platz 1 - 8). Dabei hatten die weiter vorn Platzierten die gleichen z.T. schwierigen, aber durchaus nicht extremeren Bedingungen, wie sie schon von bisherigen Olympischen Spielen bekannt waren. Das nun aber am Ende der Peking-Spiele der gesamte DLV am Boden liegt hat sich wohl so niemand gewünscht. Es ist aber zugleich die Hoffnung für den Bereich Lauf / Gehen, jetzt gibt es für alle nur einen Weg: einen Neuanfang, neue Konzepte mit nun hoffentlich bald professionellen Bedingungen für Hochleistungstraining für Trainer und Athleten.

Ein kurzer Rückblick tut schon weh

Die 8 „Lauf- und Gehstellvertreter“ erreichten keinen Finalplatz 1 - 8, wenn auch Antje Möldner mit ihrem Deutschen Rekord (der aber auch den Abstand zur Weltspitze, die zu gleicher Zeit einen neuen Weltrekord erstmals unter 9 Minuten präsentierte, verdeutlichte) ein gutes Rennen mit persönlicher Bestleistung beim Jahreshöhepunkt ablieferte. Im Finale wurde in dieser „neuen Olympia – Disziplin“ der Trend hin zu unter 9 Minuten und eine weitere Verdichtung der Breite in der Spitze demonstriert.
Noch höher muss man die Leistung von „Mocki“ im Hexenkessel von Peking bewerten, neue persönliche Bestleistung, gute 31:14,21, dennoch nur 13. Eine gute Rennübersicht und Tempogefühl lassen hoffen, dass sie 2009 in Berlin in den Bereich der ersten 8 vorlaufen kann, dafür wären aber in etwa 30:40 erforderlich. In der WM-Vorbereitung wird sie sich 2009 hoffentlich Umwege ersparen.
Glückwunsch den Beiden, da kann man nicht meckern. Man muss aber auch sachlich feststellen, dass der gegenwärtige Abstand zur Weltspitze für Beide etwa 8 Sekunden pro 1000 m betrug.
Carsten Schlangen´s Traum hat er nur knapp verpasst, das Finale. Ihm wurde vorgeführt, dass die mit der höheren Gesamtleistungsfähigkeit auf einer Strecke in der Regel auch in Endphasen von taktisch geführten Qualifikations-Rennen überlegen sind. Bei der WM wird es besser, in Peking hat er sicher viel dazugelernt.

Darüber hinaus kann man wirklich keine Blumen verteilen. Vor allem hätte sich Melanie Kraus nach ihrem enttäuschenden 38. Platz und ihren 9 Minuten hinter der Spitze ihre „Flugeinlage ins Ziel“ besser ersparen sollen. Das hat bei der schon gedämpften Euphorie in der Heimat über die Präsentation der deutschen Leichtathletik weitere Verwunderungen hinzugefügt.

Nun sind auch die Geher in die Mittelmäßigkeit des Leistungssports abgestürzt. Sie haben in der Vergangenheit oft geglänzt, Medaillen und Siege eingefahren, jetzt sind auch noch die Erfahrungen und vielleicht auch die Motivation der Verantwortlichen aus den ehemaligen „Geher-Hochburgen“ aufgebraucht. 12. / 15. / 23. / 25. – von Finalplatzierungen um Minuten entfernt. Auch wenn André Höhne selbst glaubt sich über 50 km gegenüber dem 20er ein wenig rehabilitiert zu haben, am Ende fehlten zur Spitze knapp 13 Minuten! War das ehrlich? Für diese Platzierung hat er sich bestimmt nicht ein Jahr lang Stunden auf den Straßen der Welt gequält. Leider sind auch die Nachwuchstalente im Gehen sehr weit vom internationalen Kuchen in ihren Altersklassen entfernt.

Ergebnisse Lauf / Gehen:

3000 m Hindernis F:
Antje Möldner 9:29,86 (18. / p.B. – DR)
10000 m F:
Sabrina Mockenhaupt 31:14,21 (13. – p.B.)
Marathon F:
Melanie Kraus 2:35:17 (38.)
Susanne Hahn 2:38:31 (52.)
1500 m M:
Carsten Schlangen 3:36,34 / 3:37,94 (6. im VL / 8. im SF)

 

20 km Gehen M:
André Höhne 1:23:13 (25.)
50 km Gehen M:
André Höhne 3:49:52 (12.)
20 km Gehen F:
Sabine Zimmer 1:30:19 (15.)
Melanie Seeger 1:31:56 (23.)

 

Das Schlimme in einer Bestandaufnahme ist, auch bei der Junioren - WM U20 in Bydgoszcz gab es im Finale 1 - 8 bei Läufern und Gehern nur einen 7. Platz durch Jana Sussmann. Und sonst nichts !!! Nun ist es Zeit den Athleten und ihren Heimtrainern den schwarzen Peter nicht mehr allein zuzuschieben um dann zur Tagesordnung überzugehen. Hier widerspiegelt sich ein Arbeitsergebnis des DLV aus den letzten Jahren. Ein ganzer Bereich liegt am Boden.

Läufer sollen in die Berlin-Finals und 2012 wieder „da sein“ !

Noch kurz vor der Abreise nach Peking, sicher auch in Erwartung der nicht mehr abzuwendenden Niederlage kam aus dem DLV endlich ein Signal: „Läufer ins Finale in Berlin“, eine Fördermaßnahme Jahre nach dem Wurf, Sprung, Mehrkampf und Sprint endlich auch für den Lauf. Die Ansätze klingen gut, die Frage nach dem neuen Personal, ohne Egoismen und der Blick nach Olympia 2012 bleiben aber erst einmal offen. Aber Vorsicht, keine Träume: In einem Jahr sind keine Wunder zu erwarten.

Erfahrung ist, dass nur Veränderungen in den ersten 2 Jahren eines Olympiazyklus auch zu spürbaren Fortschritten in 4 Jahren führen.

Zuerst muss das notwendige Bewusstsein für eine wieder erhöhte Leistungsbereitschaft geweckt bzw. geschaffen werden.

2008-08-26-2009-berlin-2012-london-teil1Weil allein der Blick nach vorn und nur Veränderungen Fortschritte bringen, wird der Versuch unternommen die vermeintlichen Versäumnisse gleich als Aufgaben zu formulieren. Jan Fitschen und Ulrike Maisch hatten 2007 die Hoffnung genährt dass das Tief überwunden sei, jetzt haben wir das Gegenteil, 4 Jahre Olympiavorbereitung ohne greifbares Ergebnis. Hochleistungssport kann so ehrlich und zugleich brutal sein. Aber resignieren darf es nicht geben. Auch viele andere Disziplinen haben in den letzten Jahren schon am Boden gelegen und sind wieder aufgestanden. Es ist sicher kein Trost wenn man feststellen muss, dass auch der ganze Sprintbereich nicht besser ist, in allen Einzeldisziplinen auch nur 0 Punkte.

Keine Zeit darf verloren gehen, die Weltmeisterschaft 2009 im Berliner Olympiastadion muss die Bemühungen der letzten Jahre von Athleten und Trainern widerspiegeln. Nicht alle Arbeit war umsonst. Die kurz vor Olympia in Kurzform präsentierten neuen Vorstellungen klingen gut, gemeinsam im Team, von Austausch, mehreren gemeinsamen Trainingslagern, auch in der Höhe und von mehr Startplätzen bei internationalen Meetings war zu lesen. Warum erst jetzt, wo es doch seit Jahren auch einen Athleten-Manager im DLV gibt.

Es ist Erfahrung, dass allein diese Konsequenzen nicht aus dem Tal, nicht zu Erfolgen 2012 in London führen werden. Eine Strukturreform muss zu allererst zu einer Konzentration der noch vorhandenen besten Kräfte führen. Dass bedeutet bei den gegenwärtigen gesellschaftlichen und finanziellen Voraussetzungen wenige Leistungszentren mit professionellen Bedingungen für Trainer und Athleten (Gruppentraining) und einer Arbeit im Team zu schaffen. Zunächst 2 später vielleicht mal 4 pro Disziplinbereich, mit je 2 - 4 kompetenten, hauptamtlichen Trainern für Spitze + Nachwuchs“talente“ (gemeinsam für Männer + Frauen), bei freier Stützpunktwahl nach „Angebot“ (unter Wettbewerbs- und Konkurrenzbedingungen) Die „alten BLZ“ haben sich in der Leichtathletik nicht bewährt, weil allein ein schöner Kraftraum oder eine fast leer stehende Halle den Athleten die erforderliche Trainingszeit und professionelle Trainerbegleitung nicht geboten haben. Das haben auch die OSP nicht geschafft, d.h. auch sie haben die Olympia-Aufgabe nicht gelöst. Wer solche Veränderungen nicht mag, muss leider zukünftig auch auf jegliche Förderung verzichten.

Triathlon-Olympiasieger Frodeno:

„Wir haben ein einziges Leistungszentrum. Durch die „Einzel-Heimtrainer-Gruppen“ entgeht man dem Konkurrenzkampf schon im Training“

Außerdem tragen enge frühe Kontakte des Nachwuchses zu ihren Vorbildern zu einer beschleunigten Leistungsentwicklung wesentlich bei.

Ein volles Haus in Berlin und die Medien wollen auch erfolgreiche deutsche Läufer und Geher inmitten der Weltspitze sehen und bejubeln. Von Olympia waren sie richtig enttäuscht, wie lange sie noch Verständnis für die Lage aufbringen ist abzuwarten. Beim ISTAF 2008 konnte man noch die Begeisterung für Spitzenleistungen erleben. Deshalb soll ein erster Blick voraus mahnen sich nicht auch nur eine Woche zurückzulehnen, sondern neue Ziele müssen Ansporn, Herausforderung und Motivation für mehr sein, auch wenn die Träume 2008 nicht aufgingen. Die Mut machenden kleinen Fortschritte aus 2008, die es im Vorfeld doch gab, müssen zur internationalen Konkurrenzfähigkeit weiterentwickelt werden, jetzt reichen sie nur hin und wider für innerdeutsche oder regional begrenzte Schlagzeilen. Zumindest Finalteilnahmen, Platzierungen unter den ersten 6 – 8 sind das Ziel und müssten doch zu schaffen sein. Solche bereits anspruchsvollen Ziele erfordern weiterzumachen, ohne Zeitverzug, jetzt sofort, mit einem steigendem Anspruchsniveau, jeder in seinem Verantwortungsbereich. Das verbreitete Mittelmaß im Denken und Handeln allerorts muss überwunden werden. Bis zum ersten gemeinsamen Trainingslager die Basisarbeit zu vervielfachen ist die erste Aufgabe des Jahres.

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In einem bemerkenswerten Interview bekannte sich „Sportminister“ Wolfgang Schäuble in leichtathletik SH 1/08 vorausschauend schon vor den Olympischen Spielen ausdrücklich zum Leistungssport auch „danach“ und sorgte sich wie schwach die deutschen Leistungen sind, das wir in den Laufdisziplinen kaum noch Chancen haben, und ob wir alle Potenziale auch hinreichend ausschöpfen um auch im Laufbereich ein bisschen besser zu sein. Er führt auch aus, dass wir nur bestehen können wenn wir auf Leistung setzen und die Herausforderungen annehmen und verspricht nach Peking zusammen mit allen Verantwortlichen über die Zukunft des Sports zu diskutieren und im Rahmen des Haushalts hilfreich als Partner zur Verfügung zu stehen. Eine wichtige Aufgabe sieht er in der Stärkung des Sports an den Hochschulen und nennt die angelsächsischen Länder als Vorbilder. Vielleicht kann er auch einmal unsere großen erfolgreichen Firmen animieren, sich wieder wie früher, im Sport zu engagieren. Wir möchten dem gern noch eine wichtige Aufgabe hinzufügen: eine Reform des Sports an unseren Schulen, weil damit nicht nur ein außerordentlicher Beitrag für die Gesundheit unserer Kinder geleistet würde, sondern dort auch ein wichtiger Beitrag zurück zur „Sport- bzw. Leichtathletik-Nation Deutschland“ liegt. Und dem DLV kann man wünschen sich einmal an der Nachwuchsarbeit des DFB zu orientieren, die gerade mit der U19 – Europameisterschaft die Früchte als Ergebnis ihrer vor einigen Jahren intensivierten Jugendarbeit, ernteten. An der Spitze aller Überlegungen sollten dabei die Eliteschulen des Sports stehen.

Vor beispielsweise denen die am nächsten „dran sind“, den Schlangen, Schembera, Keiner, Gabius, Mikitenko, Mockenhaupt, Gradzki, Hartmann, Möldner, Hiller, Pollmächer, der sich in Berlin den Marathon vornehmen wird, Maisch, Fitschen, den Gehern und den anderen „Bereiten“ steht jetzt die Aufgabe gemeinsam mit ihren Trainern das Schrittmaß zu erhöhen, alle Zeit in die Vorbereitung auf die WM im eigenen Land zu investieren und umsichtig nichts auszulassen, was im Hochleistungstraining Voraussetzung für „mehr“ ist. Vor allem für sie muss der DLV schnellstmöglich die notwendigen Bedingungen für mehr Leistung organisieren. Dabei sollten alle wissen, dass es auch in Berlin vorgegebene WM-Normen geben wird und auch kein „good - will des Verbandes“ die Teilnahmen z.B. unserer jungen Talente ermöglicht.
Das bedeutet aber zugleich für den DLV und alle LV-Funktionäre, die dem Hochleistungssport nahe und wie wir, unzufrieden sind, zusammen mit den Vereinen, den OSP in einer hoffentlich konzertierten Aktion unseren Besten in den nächsten Jahren bessere Bedingungen als bisher zur Verfügung zu stellen, die für eine erfolgreiche Vorbereitung Voraussetzung sind:

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Ausreichend Zeit für Belastung und Erholung, kompetente hauptamtliche Trainer, Höhentrainingsketten, die Organisation der Wettkampfleistung im internationalen Konzert und eine optimale medizinische Rundumbetreuung sind die wichtigsten Bedingungen für unsere Konkurrenzfähigkeit in der Weltspitze.

Der DLV hat international den Anschluß verloren
Neue Strukturen müssen mit neuen Signalen aus der Zentrale verbunden sein

2008-08-26-2009-berlin-2012-london-teil1Die vom DLV-Präsidenten angesagte Strukturreform ist überfällig, wird bestimmt nicht schon 2009 greifen, für Umsetzungen von Ideen braucht der Verband nach bisherigen Erfahrungen Jahre. Die um 2000, mit der Abschaffung der Teamleiter und der Nichtersetzung der ausscheidenden langjährigen hauptamtlichen Bundestrainer Paul Schmidt, Lothar Hirsch und Lothar Pöhlitz, führte letztendlich ins Tief bei den Deutschen Meisterschaften 2008. Jetzt haben wir ein kaum noch hochleistungsfähiges System mit vor allem ehrenamtlichem Personal. Damit sind keine Spitzenleistungen zu organisieren. Und es muss die Frage erlaubt sein, wer das eigentlich alles zu verantworten hat ?

Da gibt es keine Ausreden, alle Disziplinen und Disziplinbereiche gehören zur Leichtathletik, allen muss die gleiche Aufmerksamkeit gelten. Unseren Wünschen aus dem Beitrag vom 23.12.2007 in der Leichtathletik-Coaching-Academy „Trainer müssen trainieren, Funktionäre funktionieren“ ist ein ¾ Jahr später nur wenig hinzuzufügen. Selbstverständlich ist seit Jahren, dass die Aufgaben beim DOSB oder in der DLV-Zentrale nur durch hauptamtlich Beschäftigte gelöst werden, nicht selbstverständlich ist für sie alle, dass Hochleistungssport mit Finalplatzierungszielen bei EM, WM oder Olympischen Spielen auch ein Fulltime-Job für Trainer und Athleten ist !

Das Eingeständnis des DLV-Präsidenten Clemens Prokop in einem Interview kurz vor der Abreise nach Peking tut schon weh, eine realistische Bestandsaufnahme und Erkenntnis über nicht realisierte Aufgaben und Zielstellungen einer 7 jährigen „Arbeit“. Strukturreform ist nun das Schlüsselwort, auch um zu verdecken, was von wem nicht geleistet wurde? Da helfen auch keine Rundumschläge oder nun mit den Fingern vor allem auf die anderen zu zeigen. Im Vorfeld wurde doch soviel Optimismus verbreitet, waren das Fehleinschätzungen oder eine falsche Gestaltung der UWV? Da hilft nur Courage zur tiefgründigen Analyse der eigenen Arbeit und Konsequenzen. Die Mehrzahl der von unseren Athleten in Peking nicht gezeigten Leistungen sind nicht mit dem deutschen Dopingkontrollsystem zu entschuldigen! Viele Leichtathletik – Fans sind nach Peking gereist, haben erwartet, dass unsere Athleten konkurrenzfähig sind, dass sie sie feiern können und der Präsident misst sich an internationalen Meisterschaften die Deutschland durchgeführt hat. Sie haben sicher auch das Geld gekostet das im Bereich Olympische Leichtathletik, in der Förderung der Athleten, in der Leistungs-Nachwuchsförderung und für hauptamtliche Trainer fehlte. Da muss man sich auch Fragen wo die Millionen versickert sind die bei Einstieg von Sponsor NIKE so gefeiert wurden. In den Hochleistungsbereich offensichtlich nicht. Aber Geld allein bringt den Fortschritt nicht, wenn nicht eine Organisationsreform die Strukturreform begleitet. Man muß gespannt erwarten ob sich zu dieser Problematik aus dem nahen DLV-Umfeld noch andere – vor allem auch aus den LV - wie der Präsident „schuldig“ bekennen:

„Im Leistungssport sind wir allerdings nicht da angekommen, wo ich mit dem Verband zu Beginn meiner Amtszeit hinwollte. Der Erfolg im Hochleistungssport lässt sich aber von der ehrenamtlichen Verbandsführung weniger stark beeinflussen, als allgemein angenommen. Deshalb sehe ich die größte Zukunftsaufgabe darin, dem DLV eine zeitgemäße Struktur zu geben. Der Verband hat sich längst zu einem mittelständischen Wirtschaftsunternehmen entwickelt, weist aber noch Strukturprinzipien wie ein Gesangsverein auf !“ (aus leichtathletik 33/34-2008)

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Es reicht nicht den Sportlern hohe Qualifikationsnormen vorzugeben, für Spitzenleistungen muss der DLV gemeinsam mit dem DOSB, den Vereinen, den LV und den OSP die für das dafür notwendige Training erforderlichen Bedingungen schaffen. Spitzenleistungen müssen in Zukunft besser organisiert werden.

 

Für die Monate Oktober bis Dezember ist es jetzt schon wieder fast zu spät.  Zeitverlust bedeutet Leistungsverlust.

Auch die Trainingsbelastung, Fleiß und Leistungswillen müssen auf den Prüfstand

Unter professionellen Bedingungen ist die Vorbereitung solcher Erfolge nur möglich, wenn die Sportler das erforderliche Talent, die entsprechende Motivation und die notwendigen Rahmenbedingungen für das Hochleistungstraining haben. Aus der Abb. Voraussetzungen zur Erreichung sportlicher Höchstleistungen sind die aus Sicht der Trainerpraxis notwendigen komplexen Bedingungen abzulesen, die im Endeffekt zu Spitzenleistungen führen können. Dabei sind die Faktoren

„Talent + Arbeit + Belastbarkeit + mentale Stärke im Wettkampf“

wichtige Voraussetzungen für Erfolge, aber die Sportler nicht allein dafür verantwortlich. Für den Bereich den die Sportler zu verantworten haben gilt:

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Hochbegabte die nicht zur notwendigen Trainingsbelastung bereit sind, ständig verletzt sind (Bindegewebsschwächen) und in ihren psycho-physischen Voraussetzungen (besonders in der Belastbarkeit) im Kinder- und Jugend-Aufbautraining nicht systematisch aufgebaut wurden, erreichen selten die Weltspitze.

Individuelle Defizite müssen ab sofort zwingend
„nebenbei“ aufgearbeitet werden

Wenn 2009 am Tag X bei den Weltmeisterschaften in Berlin - vielleicht um 19.30 Uhr - das Finale stattfindet und der / die SportlerIn sich achtbar aus der Affäre ziehen soll, muss er / sie zu diesem Zeitpunkt eine der Weltspitze entsprechende, bis dahin höchste Leistungsfähigkeit (persönliche Bestleistung), seine höchste sportliche Form erreichen und auch zur optimalen „Leistungsabgabe“ bereit und fähig sein!
Dies hat man in der Vergangenheit allzu oft vermisst (nicht nur im Europa-Cup 2008). Wer mehrere Versuche braucht um die Qualifikationsnorm mit Hängen und Würgen auf dem letzten Drücker zu schaffen hat kaum eine Chance zur späteren positiven Darstellung. Das haben viele Höhepunkte in den letzten Jahrzehnten gezeigt.

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In dem oben genannten leichtathletik - Interview von Wolfgang Schäuble fanden wir dazu noch: „Persönlich finde ich es wichtig, dass die Teilnehmer beim Saisonhöhepunkt Olympia in den Bereich ihrer Bestleistung kommen. In der modernen Trainingswissenschaft sollte das nicht ein so ganz unlösbares Problem sein.“

Alle sollten ab sofort auch im 4-Jahreszyklus denken

Sportler mit solchen Fähigkeiten und Zielen und ihre Trainer denken in der Regel in „Olympiazyklen“. Das bedeutet, dass in den 4 Jahren zwischen zwei Olympischen Spielen eigentlich alles diesem Ziel untergeordnet und der Leistungsaufbau so vorgenommen wird, dass im Olympiajahr die höchste Belastung realisiert werden kann. Diese Zeit wird aber in den Ausdauerdisziplinen auch für eine solche Aufgabe gebraucht. Die dazwischen liegenden sportlichen Aufgaben – Europameisterschaften und Weltmeisterschaften – sind in der Regel im Sinne von „Zwischenzielen“ ebenfalls gewissenhaft vor- aber auch nachzubereiten, damit alle Erfahrungen letztendlich in die Olympiavorbereitung eingebracht werden können.

Für die Besten unserer deutschen Sportler sind innerhalb der nächsten 4 Jahre diese Prinzipien für 2009 erst einmal außer Kraft, es ist Weltmeisterschaft im eigenen Land und der Ehrgeiz hoffentlich groß sich sehr gut zu präsentieren.

Trainingsanalyse – Wettkampfanalyse – Trainingsplanung zuerst
Was ist dafür in den verbleibenden 10 Monaten vor allem zu tun?

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Basis ist eine gründliche Analyse des bisherigen Trainings. Was war gut, was ist zu verbessern? Auf dieser Grundlage geht es dann um die Verallgemeinerung der in einzelnen Bereichen festgestellten individuellen Bestlösungen. Das schließt aber nicht aus, das die Vorbereitung ohne Zeitverzug, sofort beginnt. Wie war das bisher absolvierte Training, das zu persönlichen Bestleistungen oder auch zu weniger guten Leistungen führte. Wann wurden Bestwerte in der Leistungsdiagnostik erzielt und warum. Wie gut oder auch schlecht wirkte das absolvierte Höhentraining, warum. Auch die gemachten Wettkampf - Erfahrungen bilden die Grundlage für die zu präzisierende konkrete neue Jahres-Trainings- und Wettkampfplanung. Dabei ist für die Sportler vor allem auch zu analysieren, welche Leistungsausprägung innerhalb der letzten 10 - 14 Tage, sowie der letzten 3 - 4 Tage zu den besten Leistungen führte. Besonders in diesen Zeiträumen schleichen sich schnell Fehler ein. Wie sind Wettkämpfe zur Erreichung von Qualifikationsnormen in den Laufdisziplinen besser zu organisieren (Zeitpunkt, Gegner, Tempogestaltung, zielgerichtete Auslandsstarts usw.). Welche Wettkämpfe garantieren am ehesten das für die Qualifikationsnormen erforderlich hohe Tempo, die Verlässlichkeit der Tempomacher oder die notwendige Konkurrenz. Die Erfahrungen aus 2008 erfordern Konsequenzen. Welche Trainingspartnerschaft ist für die Trainingslager oder das Heimtraining möglich und zu organisieren. In der Trainingspraxis zeigt sich, dass erfolgreiche Trainingskonzepte auf immer höherem Niveau wiederholt, immer wieder zu guten Leistungen führen! Waren sie aber weniger erfolgreich müssen sie gemeinsam mit ihrem Athleten zu Konsequenzen und zu Veränderungen kommen. Die führende Rolle müssen dabei die Bundestrainer übernehmen, dabei sollte die Betonung auf dem 2.Teil der Berufsbezeichnung liegen.

Nachfolgend sollen die wichtigsten Aufgaben noch einmal zusammenfassend in Erinnerung gerufen werden:

Voraussetzungen zur Erreichung sportlicher Höchstleistungen

Fotos: mit freundlicher Genehmigung von "Jonas in China".
Diese Fotos wurden unter der Creative Commons Lizenz 2.0 veröffentlicht.