Zur Bedeutung der Ausdauer im Schülertraining von Läufern

Schüler sind auch für Ausdauerleistungen prädestiniert
2008-07-25-schueler-ausdauertraining25. Juli 2008 (© Lothar Pöhlitz) - Im Zusammenhang mit der Sorge, 12 - 14 Jährige behutsam und unter Beachtung einer harmonischen psychophysischen Gesamtentwicklung und scheinbar ungünstiger Voraussetzungen für anaerobe Belastungen auf das Jugendtraining vorzubereiten, wurde in der Vergangenheit von Vielen ein vor allem vielseitiges, schnelligkeitsorientiertes Training favorisiert. Dabei wurde oft übersehen, dass zukünftige Läufer oder Geher schon früher in Vorbereitung auf das Jugend-Aufbautraining auch mit angemessenen Ausdauerbelastungen konfrontiert werden sollten, weil ihre energetisch-physiologischen Voraussetzungen für trainierbare Ausdauerleistungen sehr gut sind und diese Fähigkeiten für einen weiteren systematischen Ausdaueraufbau im Jugendtraining erforderlich sind. Vielfache sportmedizinische Untersuchungen haben nachgewiesen, das Schüler eine höhere Fettoxidationsrate haben als Erwachsene, die Zahl der Mitochondrien in der Muskelzelle – den Kraftwerken des Läufers – die der Erwachsenen übersteigt und die Konzentration freier Fettsäuren trainingsabhängig sehr schnell zunimmt. Aerobes Ausdauertraining führt auch bei Kindern im genannten Altersbereich nachweislich zu einer frühen Ökonomisierung des Herzkreislauf-Systems, zur Herzvergrößerung und sinkender Ruhe - Herzfrequenz und bei Training in mittlerer Geschwindigkeit im aerob-anaeroben Übergang auch zur Erhöhung der maximalen Sauerstoffaufnahme, so man es tut.

Es ist nicht ausgeschlossen, dass die außerordentlichen Geschwindigkeiten, die afrikanische Läufer unter Fettstoffwechselbedingungen (
» siehe Bericht in der Leichtathletik-Coaching-Academy vom 10.11.2006:
    Die Fettstoffwechselreserve Long Jog

Während für den Sprint, Sprung und Wurf die aerobe Ausdauer eine grundlegende Voraussetzung für die allgemeine Belastbarkeit und die Entwicklung des Herz-Kreislaufsystems ist und damit den Charakter einer Basisfähigkeit hat, ist die Grundlagenausdauer für Läufer und Geher neben der Schnelligkeit, Kraft und Beweglichkeit / Koordination eine spezielle Leistungsvoraussetzung und damit auch an einen höheren Anspruch zu binden.

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Anpassung der Herzfrequenz-regulation bei einem sportlich aktiven Mädchen

 

Das Training im Schüleralter entscheidet über die spätere Leistungsfähigkeit
Geländeläufe lösen vielfältige Ausbildungsaufgaben
Ausdauertraining darf auch für „ältere Kinder“ nie langweilig sein

„Die volle Entwicklung der Ausdauerleistungsfähigkeit wird nicht erreicht, wenn im Schüleralter (der ersten und zweiten puberalen Phase) die funktionelle Anpassungsfähigkeit nur mangelhaft beansprucht wird. Damit entscheidet das Training in dieser Altersstufe über die spätere Leistungsfähigkeit“ (vgl. Kindermann 1974, Dietrich 1974, Sperling 1975)

 

„Für eine aerobe Ausdauerschulung gibt es höchstens einen zu späten, aber keinen zu frühen Beginn!“
(WEINECK 1986 – S. 105)

Ein gemischt aerob + aerob-anaerobes Training ist zu favorisieren

2008-07-25-schueler-ausdauertrainingDer Schwerpunkt der Ausdauerentwicklung im Schülertraining soll auf die Entwicklung der aeroben Leistungsfähigkeit zielen, es soll deshalb vor allem umfangs- und weniger intensitätsbetont, abwechselungsreich und mit vielfältigen Trainingsformen geübt werden. Trotzdem sollte man hin und wider den jungen Läufern das Gefühl geben, dass sie auch schnell laufen „dürfen und können“.
Ausdauer ist im Altersbereich zwischen 12-14 Jahren sehr gut trainierbar. Erstes Ziel sollte sein besser in einer mittleren Dauerlaufgeschwindigkeit immer länger zu laufen (5 » 8 » 12 » 16 » 20 Minuten). Dadurch soll verhindert werden, dass sich ein „langsamer Dauerlauf-Bewegungsstereotyp“ herausbildet.
In Abhängigkeit vom psychophysischen Entwicklungsstand, dem Trainingsalter und der Fähigkeit zumindest 20 Minuten technisch gut, in mittlerer Geschwindigkeit zu absolvieren, ergänzen andere, vor allem vielseitige, kindgemäße, ausdauerorientierte Trainingsformen nach der Dauer- und Intervallmethode den Ausdaueraufbau. Dies sind z.B. Ausdauerspiele, Kleine Bewegungs-Spiele, Staffeltrainingsformen wie z.B. Endlosstaffeln bei denen 2-3 Läufer auf einer 400 m Bahn eine Anzahl von vorgegebenen Runden zu absolvieren haben, mehrere Runden über einen Hindernisparcours auf dem Rasen, Rasen-Diagonalen, Paarlaufen, Minutenläufe, Pyramiden, Fahrtspiele im Wald oder auch „Training im Team“ mit anderen Sportarten. Dabei sollten die jeweiligen territorialen Gegebenheiten und Bedingungen genutzt werden. Als Sportarten bieten sich: Skiroller, Skilanglauf, Inlineskating, Eisschnelllauf, Schwimmen, Radtouren, Orientierungslaufen (immer als Dauer- und Intervalltraining) an.

Ein Trainingslager einmal nicht im Süden sondern dort wo sonst die Biathleten oder Skilangläufer mit den Skirollern trainieren, könnte zugleich einen „Blick über den Zaun“ ermöglichen. Vielleicht lässt sich anschließend zu Hause eine passende Asphaltrunde finden, die auch ganzjährig das Inlineskating oder ein Rollskitraining zulässt.

Geländeläufe / Geländespiele sind kindgerechte Ausdauerformen

Eine besondere Bedeutung kommt für Läufer in diesem Alter dem gemeinsamen Geländelauf oder Querfeldeinlauf im Team möglichst im Wald zu, bei dem mit dem Spaß am langen, vor allem aerobem abwechslungsreichen Laufen nicht nur besondere Anforderungen an die Aufmerksamkeit verbunden werden, sondern neben der Ausdauer (weil er entsprechend dem aktuellen Niveau immer länger ausgedehnt wird) zugleich Bewegungserfahrungen vermittelt und die Koordination und die spezielle Kraft im Bereich der Füße / Beine mitentwickelt werden. Dabei sollen die Bodenverhältnisse und das Profil vielfältige, immer wechselnde Anforderungen stellen. Selbstverständlich sind auch Pausen möglich! Bauen Sie aber nicht nur Berganstrecken, sondern auch einmal schnelle Teilabschnitte auf festen Untergrund (Technikabforderung) und unterschiedlich geneigte Bergabstrecken ein und vermitteln sie dabei wie man am schnellsten (und ohne Seitenstiche) herunterkommt.

Eine frühzeitige Orientierung von Kindern auf Langzeitausdauerbelastungen als Wettkampf sollte besser zugunsten einer Kombination eines Ausdauertrainings - kurz (DL – mittel über 20 – 30 Minuten) mit der Ausprägung der individuellen Schnelligkeitsanlagen und einer vielseitig-zielgerichteten athletischen Ausbildung auf später verschoben werden. Das heißt natürlich nicht, dass auf Grund der physiologischen Veranlagung von Schülern (s.o.) ein moderates Fettstoffwechseltraining ganz ausgelassen werden soll.

 

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Auch die Trainierbarkeit der anaeroben Kapazität ist nachgewiesen

2008-07-25-schueler-ausdauertrainingDas Niveau der aeroben Ausdauer ist für Läufer und Geher Voraussetzung für eine qualitativ gute Ausbildung der speziellen Ausdauer und geht dieser voraus! Dies ist unbestritten.
In Arbeiten von Bormann/Pahlke/Peters 1981; Gürtler/Buhl/Israel 1979; siehe Weineck 1986 – S. 102 wurde aber auch nachgewiesen, dass durch zielgerichtetes Training auch der anaerobe Stoffwechsel gefordert und beeinflusst wird und vom Grad der Trainiertheit, aber auch von der biologischen Reife der Kinder abhängig ist. Auch deshalb sind Frühentwickler leistungsfähiger als Spätentwickler. Die Tatsache, dass im genannten Altersbereich keine verbesserte Elimination des Laktats während der Belastung erfolgt erfordert ausreichende Pausen und einen sparsamen Umgang mit solchen Trainingsformen. Es ist aber auch erwiesen, dass bei leistungsorientiert trainierten Schülern höhere Laktatauslenkungen gemessen wurden, als bei Untrainierten. In einem Beitrag der Leichtathletik-Coaching-Academy vom 20.4.2007 von Dr. Hans-Peter Löffler „Über das Laktatverhalten von 13-15 jährigen Jungen und Mädchen in Mittelstreckenwettkämpfen“ wird dies mit Laktatwerten zwischen 12-14 mmol/l als gegeben unterstrichen. Dies lässt doch eher den Schluß zu, dass Schüler die in dieser Richtung unvorbereitet, d.h. ausschließlich aerob vorbereitet, an Mittelstreckenwettkämpfen teilnehmen, eher schaden nehmen könnten oder auch weniger konkurrenzfähig sind.

„Ein Ausdauertraining mit mittlerer Intensität führt nicht nur zu einer Kapazitätserweiterung des aeroben, sondern auch des anaeroben Stoffwechsels, deshalb sollte auch die anaerobe Komponente der Ausdauerleistungsfähigkeit von der aeroben Seite her verbessert werden“ (Gürtler/Buhl / Israel 1979, 70)

„Ein gemäßigter Einsatz von Trainingsformen der Kurzzeit- und Mittelzeit – Ausdauer soll damit in keiner Weise ausgeschlossen werden. Gegen Ende der Adoleszenz sind Belastungsvoraussetzungen gegeben, die eine weitere Steigerung der Intensität bzw. des Umfanges ermöglichen“ (Weineck 1986 – S. 103-104)

Fazit:

Das Bewegungsverhalten von Kindern außerhalb des Trainings zeigt, dass sie sich im Spiel eher intensiv-kurz, als anaerob-lang belasten, wir sehen aber auch dass sich die Belastbarkeit (Spieldauer) durch „Training“ verbessert und Trainierte besser mit anaeroben Energiebereitstellungssystemen umgehen können als Untrainierte.
Unter dem Gesichtspunkt einer längerfristigen Perspektive für Läufer, muss man deshalb im Altersbereich oberhalb etwa 12 Jahren für ein ganzjährig kombiniertes gemischt aerob + aerob-anaerobes Ausdauertraining, bei vorrangiger Ausprägung der vor allem anlagebedingten Schnelligkeitsfähigkeiten, der Beweglichkeit, der zielgerichtet – athletischen Voraussetzungen („Zentrum“) und sehr dosierten, kurzen anaeroben Belastungen in Phasen spezieller Wettkampfvorbereitung, plädieren.
Die Wettkampfteilnahme sollte in einem möglichst breiten Wettkampfspektrum, auch unter dem Gesichtspunkt der frühzeitigen Sammlung von Wettkampferfahrungen erfolgen (Streckenbereich: zwischen 400 – Langstrecke, auch bei Straßenläufen oder im Cross oder auch mal als 10 km – Testlauf, soweit aerob gut vorbereitet), ohne in diesem Alter schon eine Perspektive in Richtung Mittel- oder Langstrecke zu favorisieren.
Ein richtig und gut dosiertes, abwechselungsreiches, vielseitiges Ausdauertraining bereitet als Teil einer komplexen Gesamtausbildung besser auf das Jugend-Aufbautraining vor und verbessert die spezielle Belastbarkeit. Dafür müssen die beiden letzten Jahre vor Beginn des Jugend-Aufbautrainings besser als bisher genutzt werden. Gut dosiert heißt aber auch in dem Maße geschwindigkeitsorientiert, wie es der jeweilige aktuelle Ausbildungsstand zulässt. Unter dieser Aufgabenstellung ist es wichtig, dass die Schüler gern zum Ausdauertraining kommen und ihnen dabei ständig ihr Leistungsfortschritt verdeutlicht wird. Dies ist möglich wenn auf einer entsprechenden Standardstrecke im Wald oder Gelände immer mal wieder eine oder mehrere Runden nach Zeit gelaufen werden.