Schwerpunkte der Ausbildung des Hürdensprints im Schülertraining

© Sven Rees (Teamleiter Nachwuchs im BWLV)
Aus der Lehrbeilage des WLV Nr. 03/2001

1. Grundsätzliche Überlegungen zum Kurzhürdensprint

2008-06-01-huerdentraining01. Juni 2008 - Der Kurzhürdensprint gehört zu den komplexesten Disziplinen der Leichtathletik und stellt hohe Ansprüche hinsichtlich Schnelligkeit, Athletik, Kraft und koordinative, technomotorische Fertigkeiten. In der Regel kann man davon ausgehen, daß bis zum Beherrschen der Feinform des Hürdensprints ca. 4 – 5 Trainingsjahre zu absolvieren sind. Dabei ist es von entscheidender Bedeutung, daß die Schüler/innen nicht nur die Technik isoliert beherrschen, sondern diese situationsangemessen koordinieren und anwenden können.

Die Schüler/innen müssen die für die Überquerung der Hürden notwendige Technik bei maximalen Bewegungsgeschwindigkeiten ausführen und im Rahmen der durch das Regelwerk vorgegebenen Abstände zwischen den Hürden und den vorgegebenen Hürdenhöhen bewältigen lernen. Der Hürdensprint ist ein “Zwangslauf”, also kein freier Sprint. Aber leistungsbestimmend bleibt die Fähigkeit, mit viel Mut, so schnell wie irgend möglich, den Zwischenhürdensprint zu gestalten. Die Hürdensprinter/-innen haben dementsprechend Schrittzahl, Schrittlänge und Schrittrhythmus den o.a. vorgeschriebenen Maßen anzupassen.

Im Schülerbereich sollte der Abstand zwischen dem letzten Kontakt vor der Hürde und der Hürde im Durchschnitt 1,80 m bis 2,00 m betragen. In der Regel setzen die Schüler/innen dann hinter der Hürde nach ca. 0,80 m bis 1,00 auf. Damit entsteht eine Flugphase von 2,60m bis 3,00. Für die drei Schritte des Zwischenhürdensprints steht den Schülern/innen somit lediglich ein enger begrenzter Raum zur Verfügung.

Die prozentuale Verteilung des Hürdenschrittes teilt sich auf in 60% vor der Hürde und 40% nach der Hürde in Bezug auf die mit diesem Hürdenschritt zurückgelegte Gesamtdistanz. Dies stellt an die Schüler/innen sehr hohe Ansprüche hinsichtlich ihrer schnell - koordinativen Fähigkeiten.

Darüber hinaus in ein ständiger Wechsel von maximalen sowie maximal schnellen Krafteinsätzen (Zwischenhürdensprint und Hürdenattacke) und eher “ruhenden” Phasen (Hürdenüberquerung) zu realisieren.

Zentrale Fähigkeiten der Hürdensprinter sind die koordinativen, technomotorischen Fähigkeiten in Verbindung mit den Schnelligkeitsfähigkeiten. Darüber hinaus sind die Flexibilität vor allem im Hüftgelenk und die nicht beeinflussbaren anthropometrischen Merkmale, wie Beinlänge und Hüfthöhe, von entscheidender Bedeutung.

2. Trainingsmittel und Training des Hürdensprints

Kernaufgaben im Hürdentraining

  • Rhythmisierung vor Isolierung von Bewegungssequenzen [Variation von Hürdenhöhen und Abständen etc.]
  • Entwicklung des “Zwangssprints” durch die Hürden [Schrittlängen-/frequenzverhalten]
  • Entwicklung der disziplinspezifischen Ausdauer [“Hürdenausdauer”]
  • Rumpfstabilisierung vor Beinkrafttrainin
  • Ausbildung größtmöglicher Flexibilität

Übungsauswahl zur Rhythmisierung

Überlaufen von z.B. Schaumstoffteilchen mit betont schnell nacheinander erfolgendem Bodenkontakt von Schwungbein und Nachziehbein.
» Ziel: Optimierung der Schwungbein-/Nachziehbeinkoordination / ... des “Weglaufverhaltens”

Bildreihen: Kamera: Peter Salzer / Layout: Peter Salzer

 

Klein, Tina – 8,44 sec (VL)
TV Hechingen, Sparkassen-Cup am 4.2.2001 in Stuttgart

Klein, Tina – 8,44 sec (VL)

 

Ferga, Linda 8,03 sec (VL)
Frankreich Sparkassen-Cup am 04. 02. 2001 in Stuttgart

Ferga, Linda 8,03 sec (VL)

 

Beobachtungsschwerpunkte:

  • Verkürzter letzter Schritt vor der Hürde
  • Aktiver nach vorne - oben gerichteter Abdruck in die Hürde (Abdruckbein setzt über den Fußballen)
  • Geradlinigkeit der Bewegung in der Hürdenüberquerung (Schwungarm ‹› Gegenarm ‹› Oberkörper)
  • Aktiver Stütz des Schwungbeines auf den hohen Fußballen möglichst dicht hinter der Hürde
  • Maximal schnelles, aktives nach vorne Führen des Nachziehbeines
  • Fußaufsatz des Nachziehbeines nahe am Körperschwerpunkt
  • Aktives kurzes, frequentes Weitersprinten

2008-06-01-huerdentraining

 

2008-06-01-huerdentraining