Übertraining ist auch schon in der Jugend möglich

Ursachen – Therapie – Vorbeugung

Dagmar Schenten19. März 2008 (© Dagmar Schenten) - In jeder Schüler- und Jugend-Generation gibt es „Überflieger“, die durch außergewöhnliche Leistungen auffallen. Diese Athleten gewinnen über zwei Jahre hinweg in Serie. Sind sie Mehrkampf-Talente hechten sie bei Meisterschaften häufig von Disziplin zu Disziplin, um möglichst viele Medaillen für den Verein zu machen. Diese Athleten zeigen schon in jungen Jahren Stereotype in der Bewegungstechnik, weil sie für ihren Entwicklungsstand zuviel und zu einseitig trainieren. Oft ist auch die tägliche Gesamtbelastung zu hoch und es fehlen Erholungsphasen. Hin und wider ist zu beobachten, dass sie trotz Verletzungen sogar an Wettkämpfen teilnehmen. Tritt dieses Bild auf, dann dauert es nicht lange bis das Talent dem Sport verloren geht.

Was ist zu tun, um diese Entwicklung zu verhindern?

Zunächst betrachten wir die Risikofaktoren, die den Trainern unter dem Begriff Übertraining bekannt sein sollten.

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Übertraining macht sich primär immer durch unerklärlichen Leistungsabfall mit schneller Ermüdbarkeit und verzögerter Regeneration im Training bemerkbar.

Trotz weitergeführtem oder sogar intensiviertem Training kommt es zum Abfall der Leistungsfähigkeit und teilweise ausgeprägten Befindlichkeitsstörungen, die selbst noch nach einer längeren Regenerationsphase von 2-3 Wochen, nachweisbar sind.

Es gibt zwei Arten von Übertrainings-Symptomen:

Sympathikoton
Erkennbar an:

  • Erhöhte Herzfrequenz
  • Schlafstörungen
  • Emotionale Instabilität
  • Erhöhte Erregbarkeit
  • Leichtes Schwitzen
  • Verzögerte Erholung

Parasympathikoton
Phlegmatisch bis depressiv
Wegen Symptomarmut schwer erkennbar mit u. a.

  • Appetitlosigkeit
  • Gewichtsverlust
  • Magen-Darmstörungen
  • verschlechterte Koordination

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Ursachen

Innerhalb des Trainingsprozesses kommt es zu Übertraining, wenn:

  • über einen längeren Zeitraum wiederholt absolvierte hohe Trainingsbelastungen (anaerob-laktazid oder hochintensive Belastung im Ausdauerbereich) durchgeführt werden
  • in zu hoher Intensität zwischen Belastungsreizen liegende Regenerations-Trainings trainiert werden,
  • ständige monotone Belastungen gewählt werden
  • bei starker Einseitigkeit der Methoden und Inhalte
  • die Erholung vernachlässigt wird, die Gesamtbelastung Schule + Training + Musikschule o. ä. zu groß ist
  • Aufnahme gleicher (schon zu hoher) Belastungen nach Zwangspausen.
  • Die Belastung im Trainingsprozess zu rasch erhöht wird
  • das Vertrauen zum Trainer fehlt
  • übermäßig viele Wettkämpfe bestritten werden
  • Häufung von Misserfolgserlebnissen
  • Übersteigerte Zielsetzung (Eltern oder Trainer)

Zusätzliche Stressfaktoren

Zu den trainingsbedingten Überbelastungen kommen noch zusätzliche Stressfaktoren, die von Zeit zu Zeit bei Jedem auftreten können:

Schule / Beruf / Familie

  • Prüfungen
  • Überforderung in der Familie, in Freundschaften
  • Reizüberflutung
  • Schlechte Noten

Gesundheit

  • Erkältungen
  • Magen-Darminfekt
  • Zahninfektionen
  • Unwohlsein

Lebensweise

  • ungenügender Schlaf
  • ausschweifendes Leben
  • Alkohol
  • Schlechte Wohnverhältnisse
  • Fehlende Freizeit
  • Unzureichende Ernährung bzw. Nährstoffdichte

Typische Erscheinungen:

  • Gefühl schwerer Muskulatur – bereits bei ungewöhnlich niedrigen Belastungen
  • Chronische Müdigkeit – Schlafstörungen
  • Spritzigkeit geht verloren
  • Infektanfälligkeit
  • Unlust
  • ständig kleine Verletzungen
  • alles ist zuviel

Übertrainierte Ausdauersportler sind in ihrer Schnelligkeit bzw. der Kurzzeitausdauer beeinträchtigt. Bei einer Laboruntersuchung zeigt die Blut-Laktatkonzentration keine typische Werte-Konstellation.

Therapie

Ursachen ausschalten!

  1. Trainingsintensität und Umfang reduzieren
  2. Kürzere Trainingszeiten, eventuell Wechsel der Sportart / Disziplin
  3. Dauermethode, leichte Dauerläufe zur Regeneration
  4. Gespräche mit Trainern, Eltern, Umfeld, evtl. optimalere Bedingungen schaffen
  5. Gesamtbelastung (z.B. Schule / Training / Erholungszeiten) überprüfen, Wege aus der Krise möglichst zusammen mit den Eltern suchen.
  6. Tagesorganisationsplan mit dem Trainer gemeinsam erstellen

Es kann mehrere Wochen dauern, bis sich der Zustand verbessert.

Vorbeugung

  1. Gut abgestimmter Trainingsplan, der den Zeitbedarf für Wiederherstellung einzelner ermüdeter Funktionssysteme z.B. 1. KP (Kreatinphosphat) 2. Glykogen 3. Proteine 4. Nervensystem berücksichtigt.
  2. Abwechslung im Training, blockweises Training verschiedener Schwerpunkte (z.B. 3 Wochen Hürden, 3 Wochen Weitsprung usw. im Mehrkampftraining, oder verschiedene Aspekte im Sprint (Hüftbeweglichkeit, Reaktivität, Start). Nach intensiven Trainingsphasen 1 Woche regeneratives Training (siehe Kaufmann), Vielseitigkeit und Mut zur Pause gehören zu den wichtigsten Punkten in der Trainingsplanung und damit der Vorbeugung von Übertraining.
  3. Gute Kommunikation zwischen Athlet und Trainer, Trainingsbuch führen
  4. Bei Schülern und Jugendlichen auch gute Kommunikation zwischen Eltern, Trainer und Athlet.
  5. Maßnahmen und Mittel ergreifen zur Unterstützung der Wiederherstellung, da die Verbesserung der Erholungsfähigkeit nicht mit dem Tempo der Belastungssteigerung Schritt hält.
  6. Spaß im Training (vor allem bei Schülern und Jugendlichen).
  7. Regerationsmaßnahmen
  8. ausreichend Schlaf
  9. Gesunde Ernährung
    Studien zeigen, dass bei einer Aufnahme von 1900 Kcal in Form einer ausgewogenen Mischkost nicht die minimalen Zufuhrempfehlungen der DGE erreicht werden. Hier gilt auf hohe Nähr- und Vitalstoffdichte der Nahrung zu achten

Dagmar Schenten

Seit 1998 Trainer (TSV Eltingen)  D-Schüler bis A-Schüler, A + B - Jugend
Schwerpunkt Sprint

Beruf: Diplomsportlehrerin, Coach
Therapeutin für Medizinische Kräftigungstherapie (Schwerpunkt Wirbelsäule)

Aktiv bis 1985
Verein: LG Frankfurt / Bayer Leverkusen
Trainer: Karl Sucké, Gert Osenberg, Lothar Pöhlitz

Bestzeiten
100 m - 11.61 sek
200 m - 23,19 sek
100m Hü - 13.45 sek

1973 Junioren Europa Meisterschaften Duisburg 2. 4x100 m
1975 Junioren Europa Meisterschaften Athen 6. 100 m , 3. 4x100 m
1977 Weltcup Düsseldorf, Europamannschaft Ersatzläuferin 4x100 m
1978 6. 4x100 m Staffel Prag Europameisterschaften
Mehrfache Deutsche Jugend u. Juniorenmeisterin 100 m, 200 m, 5 Kampf
Deutsche Meisterin 1977 200 m