Trainingslager – Gruppentraining – Gipfelbelastungen – Regeneration (Teil 1)

Qualitätstraining erfordert eine möglichst gute Organisation

 2008-03-11-trainingslager-gruppentraining-gipfelbelastung-111. März 2008 (Pöhlitz) - Mehrere Trainingslager sind jährlich im Hochleistungstraining weltweit Standard. Um die erforderliche Trainingsbelastung für Spitzenleistungen zu realisieren, sind periodisch Gipfel-belastungen in Umfang und oder Intensität, bei möglichst komplexen Inhalten, erforderlich. Die Trainingspraxis der letzten Jahrzehnte hat gezeigt, dass derartige Belastungssummationen im Heimtraining durch Beruf, Studium und die Umfeldeinflüsse nur sehr schwer zu schaffen sind. Hilfreich sind vor allem Trainingslageraufenthalte unterschiedlicher Länge unter jahreszeitlich klimatisch günstigen Bedingungen, mit Möglichkeiten optimaler schnellerer Regeneration durch umfassende physiotherapeutische- / ärztliche Betreuung, eine möglichst optimale Ernährung, viel Ruhe, Gruppentraining durch leistungsähnliche Partner, Trainingssteuerung durch Herzfrequenz- und Laktatbegleitung und positive Entspannung durch ein möglichst attraktives Umfeld zur Optimierung der Freizeitgestaltung.

Vorteile im Trainingslager:

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Alle Trainingslager sind nicht nur im Hochleistungstraining, sondern auch im Jugend-Aufbautraining zur Erhöhung des Entwicklungstempos hilfreich. Von dem einem, bekannten „Ostertrainingslager“ sollten Sie aber keine Wunder für die Endleistung erwarten.

Umfang im Winter sichert mehr Stabilität im Sommer

An anderer Stelle haben wir schon einmal darauf hingewiesen:

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Deshalb ist für unsere Spitzenathleten vor allem eine rechtzeitige Sicherung optimaler Wintertrainingsbedingungen wichtig. Dies ist sowohl für die Realisierung des geplanten Umfangs in den verschiedenen Intensitätsbereichen, als auch für die Proportionen zur Fähigkeitsentwicklung Voraussetzung. Im Hochleistungstraining mit anspruchsvollen Leistungszielen können bestimmte qualitativ wichtige Trainingsinhalte, die wegen beispielsweise Schneebedingungen ortsbedingt länger nicht machbar sind, später nicht nachgeholt werden.

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Oft entspricht bereits nach wenigen guten Wettkämpfen zu Beginn der Sommersaison die Leistungsabgabe nicht mehr den Erwartungen oder sie wird mit zunehmender Dauer instabil. Liegen keine gesundheitlichen Probleme vor sollte schnell geprüft werden, ob das aktuell - aerobe Niveau zu niedrig ist und in einem schwerpunktmäßig aeroben „Nachholtraining“ (Zwischenwettkampftraining) diese Schwachstelle minimiert werden kann. Eine weitere Wettkampftätigkeit ohne die notwendigen aeroben Voraussetzungen für die gedachte Wettkampfleistung ist in der Regel ohne Erfolg oder bringt nur zufällig positive Ergebnisse, die oft nicht erklärbar sind.

Gruppentraining setzt Abstimmung voraus

Laden die Landes- oder Verbandstrainer zu Wochenendlehrgängen oder zu längeren Trainingslagern die Kader aus dem Altersbereich des Jugend-Aufbautrainings ein, sollte man ihnen auch die Verantwortung für die inhaltlichen Trainingsvorgaben überlassen (dies setzt natürlich das notwendige Vertrauen in deren Kompetenz und ihre auch vorher ständige Zusammenarbeit mit den Heimtrainern voraus). Auch Kenntnisse über den individuellen Trainingsverlauf, über das Heimtraining, die in den letzten Wochen realisierte Belastung, evtl. gesundheitliche Probleme in den letzten Wochen sind erforderlich. Um jeden Einzelnen das Beste nach Hause mitzugeben sollte in Leistungsgruppen trainiert werden und immer auch „Wissen vermittelt“ werden. Eine individuelle Behandlung ist notwendig, wenn Sportler nach längerem Verletzungsausfall oder gar verletzt ins Trainingslager anreisen.

Ziel jedes Trainingslagers sollte auch im Hochleistungstraining mehrmals wöchentlich ein Gruppentraining, nicht nur beim langsamen Dauerlauf, sein. Dies setzt eine gute Abstimmung im Vorfeld zwischen dem „Verantwortlichen“ im gemeinsamen Trainingslager und den Heimtrainern – die ja nicht immer mitreisen können – voraus. Auch im Trainingslager sollte es einen „Chef“ geben, für die Athleten, aber auch für das Trainerteam.
Sind im Trainingslager schlechtere Bedingungen als im Heimtraining (z.B. keine Physiotherapie bzw. sportmedizinische Begleitung oder kein Kraftraum) sollte man besser auf solche Maßnahmen verzichten. Ein rechtzeitiger Check durch den Verantworlichen oder einen Manager schützt vor negativen Überraschungen.

Die tägliche Haupt -Trainingseinheit am Vormittag

Leistungskurve im TagesverlaufIn der Praxis des Hochleistungstrainings kann man, besonders auch im Höhentraining, beobachten, dass die Haupt -Trainingseinheiten des Tages am späten Vormittag (10,30 – 11 Uhr) absolviert werden. Oft wird dem ein Auftakt -Training früh am Morgen vorgeschaltet. Dies wird bei der Mehrzahl von der biologischen Uhr unterstützt, die sich an den natürlichen Wechsel von Hell und Dunkel anpasst, wird aber auch vom Schlaf und den Schlafgewohnheiten beeinflusst. Nacht-Eulen, die ihr Schlafzimmer gut verdunkeln, wollen ja morgens nicht durch die Helligkeit im Zimmer geweckt werden. Es sind aber in der Regel auch diejenigen, die nicht in erster Linie ins Trainingslager fahren um besser zu werden. Die meisten Leistungssportler sind vormittags voller Energie. Dies entspricht auch der normalen Leistungskurve im Tagesverlauf (siehe Abbildung). Das zweite kleinere Hoch nach einer „ordentlichen“ Mittagspause liegt am späten Nachmittag. Hier findet dann die zweite Trainingseinheit des Tages statt.

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Der Trainingslager- Organisationsplan bildet die Grundlage. Eine gemeinsame Trainerberatung im Vorfeld, sollte festlegen, an welchen Tagen, welche Inhalte trainiert werden, wann DL2 oder DL3, an welchen Tagen welche Tempoläufe (kurz – mittel - oder lang), wann Kraft, Beweglichkeit, Koordination auf den Plan stehen sollen. Der Heimtrainer kann dann gut die Belastung für seinen Athleten mitgeben oder übermitteln. Es ist schon sehr hilfreich wenn alle zusammen z. B. auf der Bahn sind. Und wenn auch der nächste Schritt noch möglich ist werden auch gemeinsame Programme (natürlich in Leistungsgruppen) festgelegt. Mindestens bis April sollte dies möglich sein, das „unvermeidlich individuelle ganz geheim“ kann dann ab Mai die Spitzenleistung herauskitzeln. Dabei darf die Bedeutung des wettkampfspezifischen Ausdauertrainings nicht unterschätzt werden. Möglichst lang und möglichst schnell im Verhältnis zur Zielstrecke muss dann die Devise sein.
Könnte man da nicht mit „Sparringspartnern“ die Basis durch ein wenig mehr oder 5 % schneller im Trainingslager weiter verbessern?

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Trainingsinhalte werden vom Jahrestrainingsplan vorgegeben

Unabhängig von der Jahreszeit sollte immer dann ein Trainingslager mit dem Ziel von Gipfelbelastungen durchgeführt werden, wenn die erforderliche Zeit (Urlaub, Semesterferien, Freistellung etc.) dies zulässt. Ein Gipfel als Wochenbelastungshöhepunkt sollte für Mittelstreckler aber eine komplexe Umfangs-Intensitätsspitze, für Langstreckler in erster Linie eine Umfangsspitzenwoche beinhalten. Natürlich ist es von großem Vorteil, wenn auch im Heimtraining innerhalb eines Mesozyklus mindestens eine derartige Gipfelwoche, die die normalen hohen Belastungswochen noch übersteigen, organisiert werden könnte.

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Der Trainingslager-Ort sollte vor allem in Abhängigkeit von den zu erwartenden klimatischen Bedingungen immer sorgfältig ausgewählt werden. Ziel muss sein die Trainingsinhalte, die vom Jahrestrainingsplan (Mesozyklus) vorgegeben sind, unter den besseren Trainingslagerbedingungen als zu Hause, mit höherer Qualität – als individuelle Gipfelbelastungen – zu realisieren.

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