Schnelligkeitsentwicklung im Jugend-Aufbautraining Lauf / Gehen - Teil 2

Schnelligkeit ist für Laufen und Gehen bedeutend

2008-02-09-schnelligkeitsentwicklung-im-JABT-209. Februar 2008 (Pöhlitz) - Die Abhängigkeit der Leistungsfähigkeit auf der Spezialstrecke von der Unterdistanzleistungsfähigkeit und der Grundschnelligkeit ist umso größer, je kürzer die Wettkampfstrecke ist. Eine Verbesserung der gegenwärtigen Weltrekorde über 800 m bei den Frauen und Männern erfordern eine 400 m - Leistungsfähigkeit um 51 Sekunden bei den Frauen und um 45,0-46,0 Sekunden bei den Männern. Deshalb nimmt die Bedeutung der Schnelligkeit als eine leistungsbestimmende Voraussetzung für alle Lauf- aber auch die Gehdisziplinen auch in Zukunft nicht ab.

Aus einem guten Schnelligkeitsniveau leiten sich ab:

  • Reserven für die weitere Leistungsentwicklung
  • höhere Gewinnchancen in der Endphase der Rennen
  • größere Geschwindigkeitsdifferenz zum Renntempo
  • verbesserte taktische Möglichkeiten (Tempowechsel u.ä.)
  • eine höhere Unterdistanzleistungsfähigkeit

Ausbildungsschwerpunkt Schnelligkeit im Jugend-Aufbautraining

Der Ausbildungsschwerpunkt Schnelligkeit im Jugendaufbautraining ist vor allem wegen der abnehmenden Wirksamkeit des Schnelligkeitstrainings mit zunehmenden Alter und den besseren Entwicklungsbedingungen im Kindes- und Jugendalter (bis zur biologischen Reife) erforderlich.

Wissenschaftlich ist belegt, dass die ererbten Verteilungsverhältnisse von ST- und FT-Fasern durch Training nicht veränderbar sind, durch Lauftraining aber die Stoffwechseleigenschaften in den Muskelfasern verbessert werden können. Schnelligkeits- und Schnelligkeitsausdauertraining prägt die anaerobe Energiegewinnung in den FT-Fasern durch eindeutig gerichtete Trainingsreize besonders aus.
(NEUMANN u. a. 2002 S. 264)

Schnelligkeits-/ schnellkraftveranlagte Sportler müssen im Nachwuchstraining eher qualitativ- intensitätsorientiert belastet werden, damit ihre ererbten Anlagen erhalten werden und eine frühzeitige überproportionale Ausdehnung der aeroben Belastungsumfänge erwartete Leistungsentwicklungen später nicht behindern. Die Schrittfrequenz ist von der Steuerung des Zentralnervensystems abhängig, die Schrittlänge von der Stütz-, Streck- und Beinhebekraft der Fuß-, Bein- und Hüftmuskulatur, die immer von der Stärke des „Zentrums“ bestimmt wird.

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Bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten werden nicht nur unterschiedliche Muskeln in den Prozess einbezogen, sondern auch unterschiedlich angesteuert. Deshalb muss die Übungsintensität zum Schnelligkeitsgewinn hoch sein. Dies ist umso günstiger, je vielfältiger dabei die Auswahl der Mittel (Übungen) ist und die Stimulation des Zentralnervensystems gelingt. Schnelligkeit ist nur durch spezielle, nicht durch allgemeine Übungen trainierbar.

GROSSER definiert Schnelligkeit im Sport als

„die Fähigkeit, auf Grund kognitiver Prozesse, maximaler Willenskraft und der Funktionalität des Nerv-Muskel-Systems höchstmögliche Reaktions- und Bewegungsgeschwindigkeiten unter bestimmten Bedingungen zu erzielen. Schnelligkeit ist eine Komponente der sportlichen Leistung“. (GROSSER: Schnelligkeitstraining 2007)

Schnelligkeit resultiert aus der Wirkung der individuell vorhandenen dynamischen Kraft auf die Körpermasse und ihrer Koordination. Dabei besteht eine hohe Korrelation zwischen der Bewegungsgeschwindigkeit von Armen + Beinen und einer möglichst präzisen Bewegungsrichtung der Extremitäten (Technik) nach vorn. Die Verbesserung der Grundschnelligkeit ergibt sich im Endeffekt aus der Wiederholbarkeit der maximal erreichbaren Geschwindigkeit.

Ziele und Aufgaben des Trainings zur komplexen Entwicklung der Schnelligkeit sind:

  • alle Komponenten der Schnelligkeitsfähigkeit
  • technisch - koordinative Voraussetzungen, Gelenkbeweglichkeit, Gleichgewichtsfähigkeit
  • die Entspannungsfähigkeit
  • die Kraftfähigkeiten (vor allem der Kraft rund um den Körperschwerpunkt – das „Zentrum“ – und der Schnellkraft für Vortrieb und Kniehub)
  • Nerv- Muskelleistung und Konzentrationsfähigkeit
  • Ausdauer und Schnelligkeitsausdauer
  • Willensstoßkraft
  • Spezielle Belastungsverträglichkeit

Alle neuen Trainingsformen zur Entwicklung der Schnelligkeit sind zunächst submaximal, bei möglichst exakter Technik, später maximal auszuführen, um die gewünschte Adaptation zu erreichen, die Koordinationsfähigkeit auszuprägen und die Technikerlernung zu unterstützen. Im Jahresverlauf soll sich das Verhältnis von zunächst

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hin entwickeln. Submaximale Intensitäten dienen der Vorbereitung von maximalen Intensitäten, bewirken selbst aber nur indirekte Wirkung auf die Verbesserung der Maximalgeschwindigkeit (s.o.).

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Im Jugendtraining soll wegen der hohen Beanspruchung und Konzentration beim maximalen Sprinttraining die Streckenlänge zunächst nur 10 – 30 m, später mit einzelnen Läufen bis maximal 60 m lang sein. Diese Läufe erfordern vollständige Erholungspausen (5–8 Minuten, auch länger) die aktiv zu gestalten (Gehen / Entspannung / Lockerung / Dehnung  neue Konzentration) sind.

Die Entwicklung der Schnelligkeitsfähigkeiten für Läufer wird vor allem dann erreicht, wenn folgende Trainingsformen (auch kombiniert) angewandt werden:

  • fliegende Sprints (20 – 50 m / Gehpause aktiv 5-8´ / submax. 3-5´)
  • Beschleunigungsläufe (15 – 50 m / aus Hoch – und Tiefstarts)
  • Pendelsprints (20-30-40 m hin und zurück)
  • Steigerungsläufe (60 – 120 m / hohe Geschwindigkeit über 20–40 m am Ende)
  • Tempowechselsprints (z.B. 120 m = 20 – 30 – 20 – 30 – 20 m)
  • Bergan- bzw. Zugwiderstandssprints / Bergabsprints
  • Stabwechselübungen
  • Frequenzübungen
  • Hürdentraining

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Übersicht über die Phasenstruktur des Tiefstarts:

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Bildreihe Tiefstart:

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Fotos: Start (Kiefner-Foto), Start von Hinten (Pöhlitz-Foto)