34 Nationen in 6 Laufdisziplinen bei der Hallen-EM

aber nur 8 Länder machen Medaillen

27. März 2007 (Pöhlitz) - Eine tiefgründige Analyse einer Hallen- Europameisterschaft ist schwierig, weil man in die Überlegungen der einzelnen Länder bei der Entsendung ihrer Mannschaften keinen Einblick hat. Man kann aber urteilen welche Länder in den 6 ausgetragenen Laufdisziplinen (je 3, d.h.  800 m – 1500 m – 3000 m bei Männer und Frauen) schwerpunktmäßig arbeiten, wie erfolgreich sie dabei sind, welche Taktiken zum Sieg führten und wie die derzeitige Leistungsverteilung in Europa ist. Eine herausragende Leistungspräsentation gelang Spanien (1x G, 3x S, 2x B), die offensichtlich in den schnellen Laufdisziplinen voll auf eine Doppelperiodisierung gesetzt haben.

Zur Leistungsbeurteilung der einzelnen Disziplinen muss man vorausschicken, dass alle 6 Finals als Taktikrennen einzustufen sind. Da dies bereits in den Vorläufen und Halbfinals die Regel war, kann man als Konsequenz für zukünftige Vorbereitungen auf Europameisterschaften die Erfahrungen aus zurückliegenden Jahren unterstreichen, dass die Leistungsstärksten – die mit der besten Vorleistung – und die mit einer hohen Spurtfähigkeit bei langen Spurts (200-300 m) am besten auf den Kampf um Siege und Medaillen vorbereitet sind. Das schließt ein, das in unterschiedlichen Qualifizierungsrennen, bei auch nicht immer „gerechten“ Zusammensetzungen  der Läufe, neben den verschiedenen Spurtfähigkeiten, ausreichende mentale Fähigkeiten und der Wille zum Sieg bereits im Vorlauf oder Halbfinale abgerufen werden muss.

Unter diesem Gesichtspunkten sind alle die schlecht beraten, die aus einem Zeitvergleich der eigenen Bestleistungen mit den Ergebnissen von Vorläufen oder Halbfinals ableiten, das auch sie bei dieser Hallen – EM eine Chance gehabt hätten. Prüfen sie besser einmal, welche dieser Sportler sie bereits ein- oder mehrere Male geschlagen haben oder nehmen sie es sich für den Sommer vor!

Aus der Sicht der gezeigten Sieg-Taktik in allen Rennen ist ein Vergleich bzw. eine Einschätzung der Leistungen im Verhältnis zum Weltniveau nicht möglich. Die nachfolgende Übersicht der Sieg- und Medaillenleistungen, sowie der erforderlichen Leistungsfähigkeit für eine Endkampfqualifizierung weist aber eine hohe Leistungsdichte etwa im Bereich der jeweils ersten 8 aus. Ein Vergleich der Qualifizierungsleistungen zur Sieg- bzw. Medaillenleistung gibt ihnen die Möglichkeit der Beurteilung der wahren Leistungsfähigkeit derjenigen, die sich in Vorläufen oder den Halbfinals durchgesetzt haben. Unter diesem Gesichtspunkt sind oft erwartete oder erhoffte Wunder von Läufern/Innen die sich geradeso für die Nationalmannschaften der Erwachsenen qualifiziert haben auch zukünftig nicht zu erwarten. Deshalb sollten Sportler und ihre Trainer, die bei einer Nominierung durch die Verbände oder die  NOK´s ihrer Länder nicht berücksichtigt werden, auch einmal darüber nachdenken, ob eine EM, WM oder sogar OS das geeignete Feld zum „üben“ und Erfahrung sammeln ist. Vielmehr soll in diesem Zusammenhang noch einmal der Wunsch, die Bitte geäußert werden, jungen leistungsfähigen Sportlern erst einmal außerhalb solcher internationalen Höhepunkte möglichst oft die Möglichkeit zu geben gegen in etwa leistungsgleiche oder auch etwas bessere Gegner Siege zu feiern, Niederlagen zu verarbeiten und umfangreiche Erfahrungen im Kampf um vordere Platzierungen zu sammeln. Eine der genannten internationalen Meisterschaften sollte erst dann energisch angestrebt werden, wenn auch eine berechtigte Aussicht auf das Finale besteht. Nach einer langen Lehrzeit sollten diese Events als Bewährungssituationen verstanden werden. Bei Erfolg können sie dann auch auf eine wohlwollende Beurteilung durch die Medien hoffen.

2007-03-27-hallen-em-analyse

Zu den 6 Laufdisziplinen wurden von 34 Nationen Läufer/Innen gemeldet, davon lediglich 9 Länder, die Männer und Frauen an den Start schickten, 10 Nationen  waren allein in den Frauenrennen am Start.

Die nachfolgende Übersicht weist alle die Länder aus, die Sportler unter den ersten 6 platzieren konnten. Medaillen wurden nur von 8 Ländern gewonnen, Siege von 5 Ländern (POL 2 - RUS 1 - ESP 1 – ITA 1 – NED 1). Die meisten Läufer/Innen wurden von Spanien 15 (8 Männer + 7 Frauen), Russland 14 (6 Männer + 8 Frauen) und Großbritannien 13 (6 Männer + 7 Frauen) an den Start gebracht.

Eindeutiger Sieger in der Nationenwertung ist Spanien mit 1 x Gold, 3 x Silber, 2 x Bronze, 1 x 4. Pl.+ 1 x 5. Platz. Rumänien gelang bei 10 Startern (4 Männer/6 Frauen) keine Platzierung unter den ersten 6. Sabrina Mockenhaupt holte für Deutschland mit einer guten Leistung über 3000 m (4.Platz in 8:45,77) die einzigen Plus-Punkte.

Platzierungen unter den ersten Sechs (Nationenwertung)

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Foto: Sabrina Mockenhaupt bei der Hallen-EM 2007 in Birmingham (Kiefner-Foto)