Der Zwei- / Dreistreckentest ist im Mittelstreckenlauf zu unrecht Stiefkind

2007-10-24-zwischenstreckentest24. Oktober 2007 (Pöhlitz) - Obwohl die Leistungsdiagnostik mehrere Testvarianten kennt wird in der Praxis meist nur der Ausdauerstufentest im submaximalen Belastungsbereich durchgeführt. Die Tests zur Bestimmung der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2max) und der Tempolauftest zur Unterstützung der Steuerung des anaeroben Trainings sind aber im Hochleistungstraining wichtig, weil gesichert werden muß, dass ein komplexes Training alle Voraussetzungen für eine Spitzenleistung gleichermaßen optimal ausbildet.

Hier soll heute ein Zweistreckentest beispielhaft für 800 m vorgestellt werden, der nicht nur relativ einfach als Feldtest durchgeführt werden kann, sondern zugleich auch ein optimales Training ist. Dieser Tempolauftest ist ein Test für Läufer der Strecken von 800 m - 5000 m und Hindernis. Ziel ist auf einer der Wettkampfstrecke nahen Teststrecke (600 m für 800 m Läufer, 1200 m für 1500 m Läufer und 2000 m für die genannten Langstreckler) nach einem ersten Lauf zur « Vorbelastung » bei etwa 87-90 % vom L-Ziel und nachfolgenden 20 – 30 Minuten Pause in einem zweiten Lauf eine Geschwindigkeit nahe der Zielgeschwindigkeit auf der Spezialstrecke (~ 96 – 98 -100 %) zu erreichen. Begleitend werden dabei Herzfrequenz, Laktat und auf dem Laufband im Labor auch die Sauerstoffaufnahme bestimmt.

Um solche TE noch stärker zur speziellen Trainingsbelastung auszunutzen, können auch jeweils 3 anstatt 2 Test - Läufe (~87 – 92 – 98%) absolviert werden. Die Trainer und Athleten erhalten neben Informationen über den Leistungsstand, damit verbundene Laktatwerte (Stand der Laktatmobilisationsfähigkeit und Laktattoleranz), Herzfrequenzen, also Kreislauf- und Stoffwechselbeanspruchung, sowie den visuellen Eindruck über den aktuellen Ausbildungsstand der Bewegungsstruktur (Lauftechnik – Stabilität der Schrittlänge, Laufökonomie) in der Wettkampfgeschwindigkeit (dazu sind begleitende Videoaufnahmen zu empfehlen).

Mit diesem Testprogramm erwirbt der Athlet gleichzeitig mehr Sicherheit, eine bestimmte hohe Geschwindigkeit auch laufen zu können und erzielt eine excellente Trainingswirkung. Außerdem stellt ein Test immer auch erhöhte Anforderungen an Motivation und Psyche.

Ermittelt werden die Belastungskriterien im Vergleich zum Vortest (siehe Abbildung), die Höhe der Laktatauslenkung im Vergleich zu den angestrebten « Wettkampf-Laktaten » sowie die Geschwindigkeit bei Laktat 10 (vL 10). Diese Geschwindigkeit gibt wichtige Orientierung für das « mittlere anaerobe Training » (TL 2 / TL3) das in den Monaten Dezember und Januar für die Hallensaison und Mai und Juni für die Sommersaison die entscheidenten Voraussetzungen für die geplante Wettkampfleistung schafft.

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