Geschwindigkeits- Umfangsbeziehung in der Vorbereitung von Robert Korzeniowski

auf 2 Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney über 20 und 50 km Gehen

Eine Analyse des Trainings von Korzeniowski nach einem Vortrag bei einer Trainerfortbildung im Oktober 2003 in Kienbaum – aufbereitet von Lothar Pöhlitz

Teraband30. August 2007 (Pöhlitz) - In der nachfolgenden Übersicht wird das von Robert Korzeniowski selbst dargestellte Training in Beziehung zu seinen konkreten Leistungen beim Gewinn seiner beiden Goldmedaillen in Sydney 2000, zuerst über 20 km in 1:18:59 Std. in Olympischer Rekordzeit und anschließend über 50 km in 3:42:22 Std. gesetzt. Eine so gelöste Aufgabe widerspiegelt Hochleistungstraining in höchster Perfektion. Hier wird der Versuch unternommen, dieses Training zu verallgemeinern. Natürlich gehörte er als Olympiasieger 1996 in Atlanta über 50 km, als Weltmeister 1997 über 50 km und als Europameister 1998 über 50 km bis dahin schon zu den erfolgreichsten und erfahrensten seines Metiers. Nach einer Goldmedaille über 20 km in olympischer Rekordzeit dem olympischen Presserummel zu entfliehen, diesen Erfolg erst einmal hinter sich zu lassen, nicht nur die erforderliche umfassende Regeneration zu organisieren und zu realisieren, sondern gleichzeitig Spannung und Motivation für das zweite angepeilte Gold zu erhalten und das richtige Training durchzuführen, gehört zu den außerordentlichen Leistungen der olympischen Geschichte. Ein Musterbeispiel von Siegeswillen und Konzentration auf ein gestecktes Ziel!

9 Wochen unmittelbare Vorbereitung (UWV) auf die Olympischen Spiele:

  1. Höhentraining (14 Tage in 1350 m Höhe) mit dem Ziel der Anpassung für das 2. nachfolgende Höhentraining in 1730 m Höhe. Genannte Ziele waren:
    • Entwicklung der aeroben Ausdauer
    • Aufbau des speziellen Tempos
    • Verbesserung der Geh-Technik
    • Ganzkörperkonditionierung (in der ersten Woche wurde in 8 TE an der allgemeinen und speziellen Kraftentwicklung gearbeitet)

    Polnische 20 km-Meisterschaften (4 Tage NN mit letzter Pressekonferenz und Gesundheits-Check)

  2. Höhentraining (24 Tage in 1730 m Höhe in Südafrika) mit den Aufgaben:
    • 4 Tage Anpassung
    • 13 Tage (5.-17.Tag) spezifisches 50 km Training
    • 7 Tage (18.-24.Tag) spezifisches 20 km Training
    Die Geschwindigkeit auf den längeren Strecken entsprach trotz der Höhe der der OS- Qualifikation vom März in Portugal. Auch die Mittel aus der VP I (ansteigendes Tempo bis zum Ende sowie eingestreute 100 m – Intervalle (!) wurden eingesetzt.

    Das dargestellte Training sah konkret so aus:

    1. Höhentraining (Orientierung 50 km) - Wochenbeispiel 11 TE - ~ 165 km

      Montag 1.TE 10 km GA2 + 10 x 200 m SA / Gp : 200 m
        2.TE 8 km GA + Cirkeltraining allgemeine Kraft
      Dienstag 1.TE 25 km GA2 + 10 km wsA (44:50 min.)
      Mittwoch 1.TE 6 km GA1 + Gymnastik
      Donnerstag 1.TE 10 km GA2 + 5 km wsA mit 10 x 100 m STL
        2.TE 8 km GA1 + 1 km Technik
      Freitag 1.TE 30 km GA2
        2.TE 8 km GA1 + Gymnastik
      Samstag 1.TE 10 km GA2
      Sonntag 1.TE 8 x 3 km wsA -TL (12:54 min)
        2.TE 6 km GA
    2. Höhentraining (Orientierung 20 km) - Wochenbeispiel 13 TE ~ 170 km

      Montag 1.TE 20 km GA2
      Dienstag 1.TE 10 x 1 km wsA -TL (3:57 min/km) / Gp: 400 m
        2.TE 8 km GA1
      Mittwoch 1.TE 12 km GA2
        2.TE 7 km GA1 + 1 km Technik
      Donnerstag 1.TE 20 km GA2
        2.TE 8 km GA1 mit 10 x 100 m schnell
      Freitag 1.TE 8 x 2 km wsA -TL (8:05 min.)/ Gp : 400 m
        2.TE 8 km GA1
      Samstag 1.TE 12 km GA2
        2.TE 8 km GA1 + Cirkel – Kraft
      Sonntag 1.TE 15 km GA2
        2.TE 4 km GA1 + 10 x 200 m SA / Gp : 200 m

 

Nachfolgend werden die Informationen über das absolvierte Training zusammen mit den Wettkampfergebnissen in eine Beziehung zur Geschwindigkeit gesetzt. Dabei wurde ein 50 km Wettkampfergebnis aus dem Olympiajahr und das Ergebis über 50 km, mit dem Korzeniowski die Goldmedaille gewann als „Leistungszielgeschwindigkeit = 100 %“ festgelegt. Einschränkend muss dazu gesagt werden, dass natürlich fehlende Informationen auch nicht eingearbeitet werden konnten.
Interessant ist, dass über Geschwindigkeiten unter 80 % vom L-Ziel von K. im Prinzip nicht berichtet wurde. Trotzdem kann man davon ausgehen dass die in den Wochenbeispielen genannten GA1 - DL über 4 – 6 – 8 km im Intensitätsbereich unter 80 % realisiert wurden und der Regeneration dienten. Im GA2-DL-Training wurde von TE über 35 km um 85 %, 15 – 30 km TE um 90 % und 20 – 25 km TE um 95 % berichtet.
Oberhalb der Wettkampfgeschwindigkeit wurde das gesamte Intensitätsspektrum bis 120 % genutzt, dies führte zugleich zu Wettkampfergebnissen über 10 und 20 km zwischen 110 – 115 % und einem 5 km Kontrollwettkampf in 18:42 ~ bei 120 %! . Hervorgehoben werden muss noch, dass Korzeniowski bei den Tempolaufprogrammen eine große Bandbreite von 10-15 x 200 m bis zu 9 x 3000 m einsetzte, natürlich unter dem Ziel mit entsprechenden Geschwindigkeiten neben den 50 km gleichzeitig die 20 km vorzubereiten.

Geschwindigkeits- Umfangsbeziehung in einer 50 km - / 20 km – Vorbereitung im Gehen

120 % 4,48 m/s 1:30 min/400m
3:45 min / km
10-15 x 200 m / Gp : 100 m
5 km Wettkampf 18:42
10-15 x 400 m / Gp : 200 m
       
115 % 4,29 m/s 1:33 min/400m
3:53 min / km
10 km Wettkampf
       
110 % 4,10 m/s 1:37 min/400m
4:04 min / km
20 km Goldmedaille 4,22 m/s
12 x 1000 m / Gp : 400 m
5000 m
8 x 2000 m / Gp : 400 m
       
105 % 3,92 m/s 1:42 min/400m
4:15 min / km
9 x 3000 m
       
100 % -
Leistungsziel
3,73-3,75 m/s 3 : 41 : 50
3 : 42 : 22
50 km Wettkampf
50 km Goldmedaille
       
95 % 3,54 m/s 1:53 min/400m
4:42 min / km

20 – 25 km + 5 km in 3,80 m/s
       
90 % 3,36 m/s 1:59 min/400m
4:58 min / km
15 – 30 km
       
85 % 3,17 m/s 2:06 min/400m 35 km ansteigend bis 95 %
       
80 % 2,98 m/s 2:14 min/400m Bereich der Überdistanzmärsche
(von Korzeniowski nicht genannt)
aber Bestandteil des mexik. Trainings
       
      © Lothar Pöhlitz
*nach einem schriftl. Aufzeichnungsmauskript von einem Vortrag von Robert Korzeniowski im Oktober 2003 in Kienbaum, aufbereitet von Lothar Pöhlitz