Die Differenz zwischen der Frauen- und Männerleistungsfähigkeit beträgt etwa 10%

 2007-07-24-differenz-frauen-maenner24. Juli 2007 (Pöhlitz) - Zum Ende des Jahres 2006 machten zwei Mathematik-Professoren von der Uni Tilburg anhand der Extremwert -Theorie mit spektakulären Prognosen zu den Leichtathletik-Weltrekorden für wenige Tage Schlagzeilen. Sie publizierten auch das unglaubliche „wissenschaftliche“ Ergebnis, dass Frauen so schnell laufen könnten wie Männer. Wenn auch der sich aus der Trainingspraxis herauskristallisierte Abstand der Frauenleistungen von denen der Männer nicht immer um die 10 % liegt, so ist dies zeitweilig, trainings- oder talentbedingt oder auch von der Wirksamkeit und Beherrschtheit um den Umgang mit den „unterstützenden Mitteln“ (Doping) im Training, abhängig.

Dabei kamen sie u. a. zu dem Ergebnis, dass sich Paul Tergat bei seinem Marathon-Weltrekord in 2:04:55 von Berlin bereits um schlappe 49 Sekunden dem Ende der Fahnenstange auf dieser Strecke angenähert hätte. Gleichzeitig behaupten sie, dass Frauen die bisherige Bestzeit von 2:15:25 von Paula Radcliff noch um ~ 9 Minuten (= 540 Sekunden) verbessern könnten. Damit wäre es in Zukunft denkbar, dass beim gemeinsamen Marathonlauf der Weltbesten Männer und Frauen, am Start noch nicht klar ist, ob eine Frau oder ein Mann am Ende als Erster durchs Ziel läuft. Dies könnte vielleicht passieren, wenn eine der weltbesten Frauen sich zur Zeit bei den Deutschen Meisterschaften im Männerlauf verstecken würden.
Forscher aus Texas halten sogar 1:57:48 Stunden im Männer-Marathon für möglich, dabei äußert sich keiner von beiden ob „mit oder ohne“! In den letzten 3 Jahren haben sich schon eine Reihe von Topläufern vergeblich an Tergats Zeit versucht, sie werden sie eines Tages knacken, davon kann man überzeugt sein. Auch das sich die Leichtathletik-Weltrekorde noch weiterentwickeln werden, kann man voraussehen. Wie schnell und in welchen „Leistungssprüngen“ hängt von vielen äußeren und inneren Einflussfaktoren, von für den Marathon prädestinierten Talenten aus dem Langstreckenbereich, von neuen trainingsmethodischen Überlegungen, von einer optimalen Nutzung des Höhentrainings, von klimatischen und streckentechnischen Bedingungen beim Wettkampf und auch von der künftigen Praxis des Dopingkontrollsystems (auch von noch nicht bekannten pharmakologischen Mitteln und Methoden sowie deren ganzjährigen Kontrollen im Training und bei Wettkämpfen in allen Kontinenten und Ländern dieser Erde!) ab. Auch die unterschiedliche Wirksamkeit von solcher Medizin bei Frauen und Männern darf bei diesen Überlegungen nicht außer Acht gelassen werden. Es ist sehr zu bezweifeln, dass die zukünftigen biologischen Leistungsgrenzen mit mathematischen Verfahren vorauszusagen sind.

Mit der nachfolgenden Tabelle und Grafik wollen wir nicht noch weitere Spekulationen zu den Weltrekord-Entwicklungen anfügen, sondern die derzeitigen Abstände von Männer- und Frauen-Weltrekordleistungen in den olympischen Lauf- und Gehdisziplinen (Stand 2004) dokumentieren. Die tabellarische Übersicht unterstreicht den in der Regel im Hochleistungssport bekannten Abstand von Männer zu Frauenleistungen um ~ 10 %. Abweichungen davon lassen sowohl die Schlussfolgerung zu, das die Disziplinen wie z.B. 5000 m und 3000 m Hindernislauf bei Männern und Frauen noch Entwicklungspotential haben, als auch die Tatsache, das im Marathonlauf und Gehen entweder die Männer oder die Frauen einen gewissen Entwicklungsvorsprung haben (7,8 bzw. 8,8 % Differenz), ohne dabei zu übersehen, dass im Gehen außerdem noch einer sauber gezeigten Technik und deren Beurteilung (Rolle der Kampfrichter) bei Weltrekorden eine außerordentliche Bedeutung zukommt. Sowohl im Hindernislauf der Männer, besonders aber auch in der noch „jungen Disziplin“ Hindernislauf der Frauen macht die Grafik deutlich, dass sich die Weltrekorde in den nächsten Jahren noch deutlich dem Trend der anderen Disziplinen annähern werden, vorausgesetzt es wenden sich Läufer/innen dieser Strecke zu, die sowohl über 5000 m als auch über 1500 m über außerordentliche Fähigkeiten verfügen. Bei einer Einschätzung der Deutschen Rekorde kann man zu dem Ergebnis kommen, dass über 800 m, 1500 m, 5000 m und im Marathon die Männer- und Frauenrekorde als in etwa gleich gut bewertet werden können, im 3000 m Hindernislauf die noch größte Differenz zwischen Männern und Frauenleistungen bestehen und über 10000 m und im 20 km Gehen die Frauenleistungen noch nicht den Männerrekorden entsprechen.

WELTREKORDE und die % Differenz zwischen Männer und Frauenleistungen
DEUTSCHE REKORDE (jeweils 2. Zeile), Stand: 2004

MÄNNER
Disziplin
FRAUEN
% Differenz
       
1:41,11
800 m
1:53,28
10,2
1:43,65
 
1:55,26
10,1
       
3:26,00
1500 m
3:50,46
10,6
3:31,58
 
3:57,71
11,0
       
12:37,35
5000 m
14:24,68
12,4
12:54,70
 
14:42,03
12,2
       
7:53,64
3000 m Hi
9:01,59
12,5
8:09,48
 
9:38,31
15,4
       
26:20,31
10000 m
29:31,78
10,8
27:21,53
 
31:03,62
11,9
       
2:04:55
Marathon
2:15:25
7,8
2:08:47
 
2:24:35
10,9
       
1:17:21
20 km Gehen
1:24:50
8,8
1:18:42
 
1:29:44
12,3
       

 

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