Teamarbeit in der Leichtathletik (Teil 1)

Regensburger Modell zwischen Anspruch und Wirklichkeit

 2007-05-04-teamarbeit-in-der-leichtathletik-104. Mai 2007 (Ring) - „Die Leichtathletik hat ein ausgemachtes Trainerproblem. Zum einen fehlen engagierte und qualifizierte Trainer, zum anderen sind die aktiven Trainer von der Vielzahl der Aufgaben schier überfordert“, so die Aussage von Autor Ulrich Becker in der jüngsten Ausgabe von Leichtathletiktraining, erschienen im April 2007, zu einem der größten Aufgaben der olympischen Sportart Nummer eins. In seinem Beitrag will der Verfasser Abhilfe durch Teamarbeit schaffen, ist sich dabei durchaus im Klaren, dass diese in der Leichtathletik bisher eine untergeordnete Rolle spielt. In seinem Beitrag gibt er sich große Mühe, einen theoretischen Ansatz zu zeigen, wie Teamarbeit dazu beitragen kann, das Trainerproblem in der Leichtathletik zu lösen, welche Rolle Teamarbeit in der täglichen Leichtathletik-Praxis auf Vereinsebene spielen kann, welche Chancen durch eine funktionierende Zusammenarbeit von Trainern Betreuern und Eltern geschaffen werden können und wie Teamarbeit gelingen könnte.

Der Verein als Kernzelle der Leichtathletik

Die Regensburger Sportvereine sind geordnet wie viele Sportvereine in Deutschland. Ein Gebilde aus mehreren Abteilungen, zumeist ehrenamtlich verwaltet, oft mit maroden Obliegenschaften belastet, mit wenig bis gar keinen finanziellen Mitteln, gestalterisch in ihre Abteilungen einzugreifen. Dieser Zustand des sogenannten „Traditionsvereins“ reicht inzwischen bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts zurück und forderte von Sportartverbänden Handlungsbedarf. Der DLV begegnete diesem Problem mit der Gründung von Leichtathletik Gemeinschaften, deren Ziel die Neugestaltung des Trainings- und Wettkampfgeschehens im Verbund mehrerer LA-Abteilungen war und die kleinen Vereine vor dem „Ausverkauf“ seiner Talente bewahren sollte. Dies wäre nicht unbedingt erwähnenswert, wenn nicht darin der Urkeim neuer Möglichkeiten bis in die heutige Zeit läge. Mit dem Zusammenschluss war man nämlich sofort alle Probleme der Stammvereine los, um nun „seine“ Sportart zielgerichtet entwickeln zu können. Regensburg war mit seiner LG Regensburg von Anfang an dabei (LG-Gründung 1972). Dabei setzte man klugerweise auf die Kopffinanzierung durch die LG selbst. Die Vergangenheit zeigte, dass die kopffinanzierten LG’s dabei die größten Überlebenschancen hatten. Das immer schwächer werdende allgemein tätige Netzwerk des Sportvereins konnte erfolgreich mit einer speziell leichtathletisch zielgerichteten Organisation ersetzt werden, die den Anforderungen bis in die späten 90er Jahre befriedigend gerecht werden konnte.

Nachwuchs- und Trainermangel machen auch vor den LG’s nicht halt

2007-05-04-teamarbeit-in-der-leichtathletik-1Spätestens beim Übergang ins neue Jahrtausend musste auch eine LG Regensburg feststellen, dass eigener Nachwuchs nicht im Überfluss aus den Stammvereinen nachkam, qualifizierte Trainer/Innen aus dem Lehrpersonal der Schulen weniger an der eigenen Motivation als an ihrem immer enger werdenden persönliche Zeitkontingent aus der Leichtathletik ausstiegen oder erst gar nicht damit anfingen. Diese Entwicklung wurde von der sportlichen Leitung der LG Regensburg frühzeitig erkannt und eine veränderte strukturelle Arbeit eingeleitet. Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit (regionale Presseberichte, Laufkalender und eigene Homepage) konnten Sponsoren gewonnen werden, die zusammen mit der beinharten, aber sehr erfolgreichen Organisation von Veranstaltungen für den finanziellen Rahmen zur Neustrukturierung sorgten. Unter dem „Schutzmantel“ einer inzwischen prima funktionierenden Leistungsleichtathletik der Erwachsenen konnte zielgerichtet am neuen Haus gebastelt werden. Dabei setzte man nicht nur auf eigenes Knowhow. Zug um Zug gelang es, ausgemachte Experten wie unter anderem Altbundestrainer Lothar Pöhlitz oder Dr. Dr. Homayun Gharavi für die Arbeit an der schönen blauen Donau zu interessieren. Diese Experten setzten neue Eckpfeiler für eine nun schon seit mehreren Jahren erfolgreiche Teamarbeit in der Vereinigung.