Hindernislauf im Schüleralter (Teil 1)

Sinnvolle Heranführung an einen Hindernis-Wettkampf im Juni

2007-04-27-hindernislauf-1_monz-diez27. April 2007 (Monz-Dietz) - Seit 2002 werden „Schnupperläufe“ über Hindernisse für Schüler- und Schülerinnen C, B und A im Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) durchgeführt. Sie finden im Rahmen-programm der Westfälischen Hindernismeisterschaften statt. 2006 hatten dazu mehr als 70 Kinder ihr Meldung abgegeben. Die Wettbewerbe der A-Schülerinnen und A-Schüler sollen den Übergang zum Hindernislauf der B-Jugend erleichtern. „Schnupperläufe“ im B- und C-Schüleralter sind eher unter dem Gesichtspunkt der Motivationsförderung und der vielseitigen Schulung von Grundlagenausdauer und Koordination zu sehen.

Abb.: LEICHTATHLETIK-TRAINING 06/2006

Warum Hindernisläufe?

Hindernisse genießen allgemein einen hohen Aufforderungscharakter und fördern rhythmische Elemente. Durch attraktive, abwechslungsreiche Hindernisparcours lassen sich auch Kinder zum Ausdauertraining motivieren, die sonst diesem Thema eher skeptisch gegenüber stehen. Bereits im frühen Grundschulalter sind spielerische Formen wie Geschicklichkeitsparcours und Staffeln oder Brennball mit kleinen Hindernissen im vielfältigen Formen möglich. Eine geeignete Wahl der Abstände entwickelt Rhythmusgefühl und Entfernungssehen.

Im Grundlagentraining sind außerdem gymnastische und athletische Grundlagen wesentliche Trainingsinhalte. Sie stellen die Voraussetzungen sowohl für eine ökonomische Hindernis- als auch die Wassergrabentechnik dar. Eine angemessene Beweglichkeit ermöglicht es, die Hin-dernisse mit beiden Beinen als Schwung- bzw. Nachziehbein zu überlaufen. Eine kräftige Rumpf-, Waden- und Fußmuskulatur schützt vor Verletzungen und ist Voraussetzung für das Erlernen der Zieltechnik.

2007-04-27-hindernislauf-1_monz-diez

Abb.: LEICHTATHLETIK-TRAINING 02/03.2006

Schnupperläufe in Kaiserau

Für den 2. Juni 2007 sind erneut Schnupperläufe am SportCentrum Kaiserau in Kamen-Methler geplant.
Schülerinnen und Schüler C und B laufen 800 m über vier starre Hindernisse (50 cm hoch) pro Runde. Der Wassergraben wird ohne davor stehendes Hindernis überquert. Das erste Hinder-nis steht in Höhe des 1.500-m-Startes.
Schülerinnen und Schüler A laufen über die 76 cm hohen Frauenhindernisse. Ansonsten gelten für sie die gleichen Bedingungen wie für die Jüngeren.

Zur Vorbereitung auf eine solches „Event“ nachfolgend einige Trainingsvorschläge.

Langfristige Vorbereitung

Kinder sollten niemals unvorbereitet in solche Schnupperläufe geschickt werden

Hindernisparcours für die Jüngsten

Für die Jüngeren stehen dabei Hindernisparcours in der Halle und im Freien im Vordergrund. In der Halle können Turn-/ Gymnastik-/Weichbodenmatten, Kästen, Kastenteile, Kastendeckel, Hürden, Bananenkartons, Bänke, Reifen, Hütchen und ähnliche Gegenstände als Hindernisse dienen. Dabei wird zunächst die Aufrecherhaltung des Laufcharakters bei der Hindernisüber-querung in den Mittelpunkt der Betrachtung gestellt.
Im Freien können Weitsprunggruben, niedrige Geländer und Hecken ( Beachte: Verletzungs-gefahren!), Treppen, Erdwälle u.ä. zur vielseitigen Ausdauer- und Rhythmusschulung mit ein-bezogen werden. Die Weitsprunggrube dient dabei als Wassergrabenersatz.

Ausdauerschulung

Zur Ausdauerschulung können ausdauerorientierte Spiele, Dauerläufe, extensive Intervallläufe mit Laufabschnitten zwischen 100 und 400 m, Fahrtspiele oder Ausdauer-Trainingsformen aus anderen Sportarten wie Schwimmen, Radfahren, Inline-Skaten oder Ski-Langlauf herangezo-gen werden. Die Dauer- und extensive Intervallmethode stehen dabei im Vordergrund. Hohe anaerobe Belastungen durch die Wiederholungsmethode sind zu vermeiden.
Für die A-Schüler stellen daneben Läufe im Gelände (Wald, Wiese, Parkwege) über kleine Hin-dernisse mit unterschiedlichen Abständen eine geeignete Vorbereitung dar.

Schulung der Hürdenüberquerung

Die Hürdenhöhe ist so zu wählen, dass der Laufcharakter erhalten bleibt. Die Kinder sollen die Hindernisse überlaufen und nicht überspringen. Bereits nach den ersten Versuchen ist es sinn-voll zu differenzieren und mehrere Hürden-/Hindernisbahnen mit unterschiedlichen Abständen und Höhen aufzubauen.
Zunächst können Bananenkartons, Schaumstoffblöcke, Bänke mit und ohne aufgelegte Bälle, später auch Übungshürden mit Schaumstoff benutzt werden.

2007-04-27-hindernislauf-1_monz-diez

Abb.: Lehr-CD für die C-Trainer-Ausbildung des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW)

Mit der Erhöhung der Hindernisse/Hürden wird die Notwendigkeit der seitlich abgewinkelten Nachziehbeineinführung für die Schüler erfahrbar. Bei einigen Athleten wird dann auch die mangelnde Beweglichkeit im Hüftbereicht sichtbar.

2007-04-27-hindernislauf-1_monz-diez

• Übungsaufbau für Nachziehbeinschulung
Abb.: Lehr-CD für die C-Trainer-Ausbildung des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW)

2007-04-27-hindernislauf-1_monz-diez

Abb.: LEICHTATHLETIK-TRAINING 02/03.2006

2007-04-27-hindernislauf-1_monz-diezHürden- und Hindernistraining benötigt vorbereitendes Beweglichkeitstraining

Methodische Reihe

  • Eine Hürde mit niedrigster Einstellung zunächst im Gehen, dann im Traben, später in höherer Geschwindigkeit überqueren
  • über 3 Hürden/Hindernisse im 3-er Rhythmus (5,50 bis 7,00 m Abstand – je nach Fähigkeit der Kinder), mit beiden Beinen schulen
  • Dann 5-er, 7-er, aber auch 4-, 6-, 8-er Rhythmus
  • Allmählich wird die Hürdenhöhe den Fähigkeiten der Kinder angepasst

Abb.: LEICHTATHLETIK- TRAINING 06/2006

Technikmerkmale
Der flache Verlauf der Körperschwerpunktkurve steht im Vordergrund:

  • auf die Hürden aktiv zulaufen,
  • schnelles Anheben des Schwungbeines,
  • Schwungbein schwingt gerade nach oben und setzt greifend auf dem Ballen hinter der Hürde auf
  • Schnelles Durchschwingen des Nachziehbeines bei hoher Knieführung
  • Schulter über der Hürde parallel zur Hürde

2007-04-27-hindernislauf-1_monz-diez

2007-04-27-hindernislauf-1_monz-diez

2007-04-27-hindernislauf-1_monz-diez

Schulung der Wassergrabenüberquerung

HindernisgrabenDa bei den Schnupperläufen an der Sportschule Kaiserau der Wassergraben ohne davor stehendes Hindernis überlaufen wird, soll zunächst auf diese Variante eingegangen werden.

Abb.: LEICHTATHLETIK-TRAINING 02/03.2006

Technikmerkmale

Zügiges Heranlaufen an den Graben, flacher Sprung mit einbeiniger Landung im flachen Teil des Wassergrabens. Ein zu stark gesteigertes Tempo vor dem Wassergraben führte in der Ver-gangenheit bei der Landung in der schiefen Ebene des Grabens durch den Geschwindigkeits-überschuss vereinzelt zu Stürzen.

Methodische Reihe

  • Kurzer Anlauf vor der Weitsprunggrube, Absprung, einbeinige Landung in der Grube, zügiges Weiterlaufen
  • Verlängerung des Anlaufes auf ca. 50 m, danach gleiche Distanz weiter laufen
  • falls möglich: Überquerung eines gefüllten Wassergrabens ohne davor stehendes Balkenhindernis

Trainingsvorschläge zur Vorbereitung auf die Läufe am 2. Juni in Kaiserau

Nach dem Bausteinprinzip des DLV-Rahmentrainingspanes (26 Bausteine) für das Grundlagen-training SCHÜLERLEICHTATHLETIK können nachfolgende Trainingsbausteine, die je-weils 20 bis 30 Minuten dauern, auf die Schnupperläufe vorbereiten. Um diese Hindernis-Inhalte sind die anderen Bausteine (Sprinten, Springen, Werfen/Stoßen, Turnen, Spielen, Gym-nastik, allgemeiner und LA-Joker) des Grundlagentrainings zu planen.

B-Schüler

Tempoorientierung: 18 – 23 sec. pro 100 m
Tabelle: Tempoorientierung: 18 – 23 sec. pro 100 m

A-Schüler

Tempoorientierung: 17 – 22 sec. pro 100 m
Tabelle: Tempoorientierung: 17 – 22 sec. pro 100 m

Vorbereitung auf „richtigen“ Wassergraben

Um 15-jährige (und ältere) auf den ersten Hindernis-Wettkampf in der B-Jugend vorzubereiten, ist eine weitere Steigerung der Anforderungen am Wassergraben unabdingbar.

Technikmerkmale

2007-04-27-hindernislauf-1_monz-diezZiele:

  • Beibehaltung einer hohen Horizontalgeschwindigkeit bei flachem Verlauf der Körperschwerpunktkurve
  • Laufrhythmus beibehalten und auf dem Balken mit dem hinterem Bein möglichst lange Kontakt zum Balken halten,
  • tiefer Körperschwerpunkt über dem Balkenhindernis

Foto: Schlebach

 

Methodische Hilfe 2007-04-27-hindernislauf-1_monz-diez

  • Niedriges Hindernis (Kasten oder Balkenhindernis) vor der Weitsprunggrube stellen bzw. Hindernis in die Weitsprunggrube „einbuddeln“, damit es niedriger wird. Dabei ist der gesamte Weitsprunganlauf nutzen und aus der Grube herauszulaufen.
  • Höhe des Balkenhindernisses schrittweise erhöhen
  • Übergang zum richtigen (gefüllten) Wassergraben

Abb.: LEICHTATHLETIK-TRAINING 02/03.2006

 

Im weiteren Verlauf der hindernistechnischen Vorbereitung wäre das Entfernungssehen geziel-ter zu schulen und zusätzlich Ermüdungsfaktoren zu berücksichtigen.

Ausblick

Oft wird nur das trainiert, was im Wettkampf verlangt wird. Deshalb ist die Forderung, das Wett-kampfprogramm so umzustellen, dass die erforderlichen Inhalte gesichert werden, nicht ganz neu. Der Hindernislauf ist die einzige leichtathletische Disziplin, die erst mit 16 Jahren wett-kampfmäßig bestritten werden kann. Wer langfristig sportliche Leistung entwickeln will, muss die Trainingszeit und das zeitliche Fenster für die optimale Entwicklung ökonomisch und sinn-voll nutzen.