Hindernislauf im Schüleralter (Teil 2)

Analyse des bisherigen Stands

 Hindernis, der Hemmschuh: die Wettkampfbestimmungen

2007-05-01-hindernislauf-2_monz-diez01. Mai 2007 (Monz-Dietz) - Warum dürfen Schüler keine Hindernisläufe bestreiten? Warum sind für B-Jugendliche die Hindernisse höher (91cm) als die Hürden der Langsprinter (84cm)?

Der Hindernislauf ist im offiziellen Wettkampfprogramm der Schüler nicht vorgesehen. Grund dafür ist die Befürchtung, dass die Kinder durch die komplexen (vor allem orthopädischen und psychischen) Anforderungen dieser anspruchsvollen Disziplin überfordert werden könnten. Da aber Schüler die Disziplinen Dreisprung und Hammerwurf bestreiten dürfen, erscheint mir das nicht mehr ganz zeitgemäß. Allerdings werfen Schüler auch nicht mit dem 7,27 (SA) bzw. 4,00 kg (SiA) schweren Hammer!

Abb.: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/1/18/London_1908_Steeplechase.jpg/240px-London_1908_Steeplechase.jpg

2007-05-01-hindernislauf-2_monz-diez

Eine Überforderung stellt allenfalls das bisherige Wettkampfsystem dar. Erst mit 16 Jahren dürfen Hinderniswettkämpfe bestritten werden. Daraus erwächst die Gefahr, dass Trainingsinhalte innerhalb eines kurzen Zeitraumes stark verändert und gesteigert werden müssen, um den Anforderungen der Disziplin gerecht zu werden. Plötzliche Belastungswechsel, die auf einen unvorbereiteten Organismus treffen, gelten aus orthopädischer Sicht als äußerst bedenklich (vgl. WEINECK, J.: Optimales Training. 2003). Für die erfolgreichsten Jugendlichen ist dann innerhalb von zwei bis drei Jahren der Umstieg auf die international geforderte 3.000-m-Hindernisstrecke erforderlich.

2007-05-01-hindernislauf-2_monz-diez

Kinder laufen in ihrer Freizeit gerne über „Stock und Stein“, um monotones „Geradeauslaufen“ zu vermeiden und freuen sich über Hindernis-Parcours im Rahmen des Hallentrainings. Laufen über Hindernisse entspricht also durchaus dem kindlichen Naturell, verbessert Grundlagenausdauer und im koordinativen Bereich vor allem Rhythmisierungs-, Differenzierungs- und Orientierungsfähigkeit. Durch attraktive, abwechslungsreiche Hindernisparcours lassen sich auch Kinder zum Ausdauertraining motivieren, die sonst diesem Thema eher ablehnend gegenüber stehen. Bei den Schnupperläufen in Kamen war der hohe Aufforderungscharakter von kleinen Hindernissen und dem vereinfachten Wassergräben unübersehbar. Viele Kinder wollten gar nicht aufhören, Hindernisse und Wassergraben zu überqueren.

2007-05-01-hindernislauf-2_monz-diez

Grundlegende Voraussetzungen für den Hindernislauf sind das beidseitige Überqueren der starren Hindernisse mit und ohne Aufsetzen des Fußes. Diese Technikgrundlagen sollten bereits im Schüleralter gelegt werden. Ansonsten gestaltet sich der Übergang zum Hindernislauf in der B-Jugend problematisch.

2007-05-01-hindernislauf-2_monz-diez

An dieser Stelle ist zusätzlich der Hinweis notwendig, dass für die männlichen B-Jugendlichen über 110 m Hürden die gleiche Höhe von 91 cm zu überwinden ist wie im Hindernislauf. Über 400 m Hürden ist die Hürdenhöhe mit 84 cm sogar niedriger als bei den starren Hindernissen des „Steeple“. Für die Mädchen gestaltet sich der Übergang etwas einfacher, da ihre Hürden bzw. Hindernisse in Relation zur durchschnittlichen Körpergröße sowieso niedriger als bei ihren männlichen Kollegen sind.

Gerade von Athleten, die sich im ersten B-Jugendjahr befinden, gibt es viele Bilder, die keine Werbung für den Hindernislauf darstellen. Die Vorbereitung auf die Hindernisstrecke ist zu kurzfristig angelegt.
Aus entwicklungsphysiologischer Sicht wäre es für die meisten männlichen B-Jugendlichen sinnvoll, die Hindernishöhe zu verringern. Da es bereits höhenverstellbare Hindernisse für Männer (91 cm) und Frauen (76 cm) gibt, ist es nicht schwierig, eine weitere Bohrung für 84 cm hohe Hindernisse anzubringen.
Andere Wassergrabenmaße (z.B. 3,00 m Länge) wären durch einen „Schwenkarm“, wie es ihn bereits im Jahr der Einführung des Frauenhindernislaufes gab, möglich. Eine solche Lösung ist allerdings aus Kostengründen deutlich schwieriger umzusetzen. Eine weitere Möglichkeit wäre, das Hindernis vor dem Wassergraben zu entfernen und ein genügend breites Balkenhindernis ca. 65 cm weiter nach hinten aufzubauen. Die Fläche zwischen Wassergrabenbeginn und Hindernis wird dann mit einer üblichen Wassergraben-Abdeckung aus Aluminium versehen.
Dem Anliegen, die Hindernisanforderungen altersgemäßer zu gestalten, steht gegenüber, dass bei den U18-Weltmeisterschaften bereits über Männerhindernisse und Wassergräben gelaufen wird. Das wirft die – auch in anderen Breichen (Wurfgewichte, Hürdenhöhen und –abstände) – nicht ganz neue Frage auf, ob es wichtiger ist, einzelne Athleten auf die internationalen Anforderungen ihrer Altersklasse vorzubereiten oder einer ganzen Altersgruppe ein aus entwicklungsphysiologischer Sicht günstigeres Wettkampfangebot zu unterbreiten.

An diese Überlegungen schließt sich dann die Frage an, inwieweit ernsthaft eine internationale Regeländerung für die B-Jugendlichen (U18) angestrebt werden sollte und inwieweit die Einflussmöglichkeiten interessierter Kreise in internationalen Gremien ausreichen, eine solche Lösung durchzusetzen.

2007-05-01-hindernislauf-2_monz-diez

Der Übergang zum Hindernislauf in der B-Jugend wird sicher erleichtert, wenn A-Schüler und –Schülerinnen bereits unter erleichterten Bedingungen Hindernisläufe bestreiten dürfen. „Schnupperläufe“ im B- und C-Schüleralter sind eher unter dem Gesichtspunkt der Motivationsförderung und der vielseitigen Schulung von Grundlagenausdauer und Koordination zu sehen.

Internationale Anforderungen

Die national erfolgreichsten 16- bzw. 17jährigen sind potenzielle Kandidaten für die Teilnahme am 2.000-m-Hindernislauf der U18-Weltmeisterschaften. 2001 startete Chr. Pomp (5:57,59 min im Vorlauf) in Debrecen (Ungarn), 2003 konnte der DLV keinen geeigneten Hindernis-Läufer nach Sherbrooke schicken. 2005 lief Felix Hentschel in Marrakesch 5:55,15 min im Vorlauf. International haben die U20-Athleten bereits die 3.000-m-Hindernisstrecke zu bewältigen.

2007-05-01-hindernislauf-2_monz-diez