Konzentration der Kräfte führte zu den großen Erfolgen im Skilanglauf

nach einem Beitrag von Heinz Nestler* - aus: Zeitschrift für Angewandte Trainingswissenschaft 2/2002
zusammengefasst und modifiziert von Lothar Pöhlitz

25. April 2007 (Pöhlitz) - *Heinz Nestler war bereits 2000 verantwortlicher DSV-Stützpunkttrainer Skilanglauf im Stützpunkt Oberwiesenthal und bereitete die Olympiasiegerinnen 2002 Viola Bauer, Claudia Künzel, sowie den Medaillengewinner in der Staffel René Sommerfeld auf die Olympischen Wettkämpfe vor.

2007-04-25-skilanglaufDie Olympischen Winterspiele 1998 in Nagano und auch noch die Weltmeisterschaften 1999 in Ramsau zeigten, dass die deutschen Skilangläuferinnen und –langläufer über das Prädikat Mittelmaß nicht hinauskamen. Achtungserfolge waren bis dahin nicht das Ergebnis einer zielgerichteten, langfristigen konzeptionellen Trainingsarbeit, sie waren Einzelresultate. Demgegenüber überzeugten die deutschen Junioren im Zeitraum von 1999 – 2001 bei den Juniorenweltmeisterschaften mit Titeln und Medaillen. Zu diesem Juniorenkader gehörten damals beispielsweise Claudia Künzel, Jens Filbrich, Evi Sachenbacher und Axel Teichmann. OSTROWSKI/BAUER 2002 bestätigten die Erfahrungen aus dem Lauf, das der Übergang vom erfolgreichen Juniorenbereich bis zu internationalen Spitzenleistungen ca. 3-5 Jahre dauert und einen Leistungszuwachs im Skilanglauf von ~ 7 % voraussetzt.

Im Ergebnis und umfangreichen Diskussionen in Auswertung der unbefriedigenden WM-Ergebnisse 1999 wurde auf Vorschlag von verantwortlichen Trainern aus dem Hochleistungsbereich zusammen mit dem Deutschen Skiverband (DSV) ein neues Konzept, eine neue veränderte Organisationsstruktur beschlossen, die bereits im Frühjahr 1999 zu Konsequenzen für das Stützpunktsystem im DSV, aber auch in personeller und inhaltlicher Hinsicht führte und als „Beginn einer erfolgreichen Arbeit im Skilanglauf und den bisher besten Resultaten bei den Olympischen Winterspielen 2002“ angesehen werden muss.

2007-04-25-skilanglauf

Für die Führung dieses Prozesses wurden damals im Spitzenbereich unter sofortiger Einbeziehung der erfolgreichen Junioren 5 Trainer für die Damen und Herren (Cheftrainer Wolf, Koordinator Skilanglauf M / F Jochen Behle und je ein verantwortlicher DSV-Stützpunkttrainer für Bayern/Ruhpolding/ Oberstdorf, für Sachsen/Oberwiesenthal und für Thüringen/Oberhof) und für den Nachwuchs ebenfalls 5 DSV-Trainer (unter Führung eines Koordinators Nachwuchs 3 Trainer in den genannten Stützpunkten und 1 DC-Kader-Koordinator eingesetzt. (siehe Abb.)

2007-04-25-skilanglauf

H. Nestler kennzeichnet die Vorteile dieser neuen Struktur wie folgt:

2007-04-25-skilanglauf

Säulen der komplexen Wettkampfleistung im Skilanglauf

Weltspitzenleistungen können nur erreicht werden, wenn die nachfolgenden drei entscheidenden leistungsbestimmenden Fähigkeiten k o m p l e x zur Wirkung gebracht werden.

2007-04-25-skilanglauf

In Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Salt Lake City 2002 stand die Aufgabe, unter Berücksichtigung des Belastungsanstiegs im Jahresverlauf, die Belastungsgrößen der Weltspitze zu erreichen, d.h.

2007-04-25-skilanglauf

(Achtung: dies bedeutet im Jahresdurchschnitt bei 48 Wochen > 200 km/Wo !!)

Diese Belastungsvorgaben wurden z.B. von Viola Bauer mit 9030 km und von René Sommerfeld mit 10683 km realisiert. Damit wurden von diesen Sportlern im Zeitraum von 1998 – 2002 Umfangssteigerungsraten von 3073 km (54,5 %) und 2937 km (37,9 %) geschafft.

Die intensiven Trainingsanteile an den Laufkilometern lagen zwischen 18-22 %

Modernes Ausdauertraining eines Weltklasseskilangläufers zeichnet sich durch eine große Vielfalt und Variationsbreite, die Orientierung an der im Wettkampf zu bewältigenden Spezifik und die Entwicklung der dafür erforderlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten aus. Die angestrebte Reizwirksamkeitserhöhung des Trainings wurde mit steigenden Umfängen immer schwieriger, so dass bis dahin erreichte Anteile von bis zu 35 % der Laufkilometer logischerweise nicht mehr zu schaffen waren. Innerhalb des Analysezeitraumes stieg der intensive Anteil bei V.B. von 1187,5 km auf 1712 km (19,0 %), bei R.S. von 1345 km auf 1989 km 18,6 %) im Jahr.

Trainingsformen im intensiven Ausdauertraining

Zur Entwicklung der aeroben und anaeroben Leistungsgrundlagen wurden im Training folgende Trainingsformen eingesetzt:

2007-04-25-skilanglauf

Rolle und Bedeutung des Krafttrainings

Im Skilanglauf wird das Wettkampfergebnis maßgeblich vom Geschwindigkeitsniveau im Anstieg bestimmt.

2007-04-25-skilanglauf

Die in den letzten Jahren gegenüber früher enormen Veränderungen in der Wettkampfstreckenprofilierung bei Damen und Herren (Zunahme der Anstiege pro Kilometer) und eine ständige Erhöhung des Renntempos haben die Anforderungen an das spezielle Krafttraining erheblich erhöht. Um diesen veränderten Anforderungen gerecht zu werden, wurde ganzjährig der Anteil des speziellen Krafttrainings und die Intensität in den einzelnen Trainingseinheiten erhöht.

Folgende Trainingsformen wurden eingesetzt:

2007-04-25-skilanglauf

Belastungsgestaltung im Jahresverlauf

Systematische, kontinuierliche Belastungssteigerungen im Jahresverlauf sind Voraussetzung für stabile, hohe Wettkampfleistungen. Zentrale Lehrgangsmaßnahmen wurden zu Belastungshöhepunkten gestaltet und der Zielstellung des Ausbildungsabschnittes entsprechend in den Jahresaufbau eingeordnet.

2007-04-25-skilanglauf

Damit wurde eine komplexe Leistungsentwicklung auf ständig steigendem Niveau während der gesamten Vorbereitung möglich.

2007-04-25-skilanglauf

Aus der nachfolgenden Abbildung ist die Lehrgangstätigkeit im Olympiajahr abzulesen. Ab Juni 2001 wurde monatlich eine spezielle Skitrainingsphase gesichert und damit der spezielle Anteil des Trainings systematisch erhöht. Damit wurde auch gegenüber früher der Umfang der Schneekilometer bis zu 60 % erhöht.

2007-04-25-skilanglauf

 

2007-04-25-skilanglauf