Untersuchungen zum Laktatverhalten bei maximalen Wettkampf- belastungen jugendlicher Mittel- und Langstreckenläufer/innen*

von Dr. Hans-Peter Löffler
*aus einem Forschungsbericht des Verfassers von 1983

20. April 2007 (Löffler) - Dr. Hans-Peter Löffler war viele Jahre Dozent am Institut Leichtathletik der DHfK Leipzig, war Mitautor des Bestsellers „Grundlagen der Leichtathletik“ von Bauersfeld/Schröter, von 1977- 1985 Leiter der Forschungsgruppe Nachwuchsleistung an der DHfK und in dieser Funktion wesentlich an der Erarbeitung der damaligen Rahmentrainingspläne Lauf für das Aufbautraining beteiligt. Seit 1995 ist er Leiter des Internationalen Trainerkurs in der Leichtathletik an der Universität Leipzig. Weil im Nachwuchsbereich bis auf die 10000m und Marathon die gleichen Wettkampfstrecken gelaufen werden wie im Hochleistungsbereich, sind Fragestellungen über die inneren Bedingungen für das Zustandekommen der Wettkampfleistung auch bei Jugendlichen von Interesse. Jedoch sind leistungsphysiologische Untersuchungen in diesen Altersbereichen im Training und Wettkampf sehr selten. Unter diesem Aspekt sind Ergebnisse solcher Untersuchungen, die schon vor 25 Jahren in der ehemaligen DDR gewonnen wurden, auch für Nachwuchstrainer der heutigen Generation durchaus noch interessant. Vor allem auch deshalb, weil in besseren Kenntnissen über alle an der Wettkampfleistung beteiligten Faktoren und in der frühzeitigen Orientierung auf die Struktur künftiger Spitzenleistungen Reserven für höhere Leistungen gesehen werden müssen.

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Zu einigen Ergebnissen:

Die Untersuchungen zur Laktatbildung bei maximalen Wettkampfbelastungen jugendlicher Mittel- und Langstreckenläufer führten zu teilweise widersprüchlichen Ergebnissen.

  • Es wurden hohe Laktatkonzentrationen auf allen Wettkampfstrecken, jedoch auch hohe Streuungen, gemessen: bei 400 m (10,6-14,0 mmol/l) bei 800 m (8,1-14,1 mmol/l), bei 1500 m (10,6-14,5 mmol/l) und bei 3000m (12,5-15,8 mmol/l) (Tab. 1, 2, 3)
  • Die Erwartung, dass die höchste anaerobe Mobilisation eine Folge der höchsten Geschwindigkeiten auf der 400-m-Strecke ist, bestätigte sich nicht. Bei den Jungen der AK 13 und 14 steigen die Laktatwerte von 400 bis 1500 m an. Die höchsten Werte wurden bei den Jungen der AK 15 nach 3000m und bei den Mädchen nach 800 m gemessen (Tab. 1)
  • Die in anderen Sportarten gefundene altersabhängige anaerobe Mobilisationsfähigkeit (im Ringen von Büttner/Tepper/Tünnemann, im Schwimmen von Pfefferkorn, 1975) konnte bei diesen Wettkampfuntersuchungen nicht auf allen Strecken, aber in der Tendenz bestätigt werden.

Trotz deutlicher Leistungsunterschiede zwischen Jungen und Mädchen können keine Zusammenhänge zwischen der Fähigkeit zur anaeroben Mobilisation und der Geschwindigkeit erkannt werden.

 

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Schlussfolgerungen:

  • Die Laktatkonzentrationen bei trainierenden Kindern und Jugendlichen nach Wettkampfbelastungen über 400m bis 3000 m weisen darauf hin, dass sie trotz absolut niedrigerer Leistungsfähigkeit mit ähnlichen Stoffwechselauslenkungen reagieren wie Leistungssportler im Erwachsenenbereich. Dieser Sachverhalt muss sowohl im Training, vor allem aber in der Wettkampfgestaltung im Nachwuchsbereich beachtet werden.

Wettkämpfe:

  • Es sollte geprüft werden, ob Startbeschränkungen oder sogar ein Startverbot für Mehrfachstarts an einem Tag (400m – 800m, 800m – 1500m, 1500m – 3000m) erforderlich sind
  • Sicherung von optimalen Erholungspausen zwischen Wettkämpfen im Mittel- und Langstreckenlauf,
  • Vermeidung von Belastungsballungen durch zu häufige Wettkämpfe im MIZ vor allem in der Wettkampfperiode.

Training:
Im Wettkampf kann nur das gezeigt werden, was im Training entwickelt wurde. Die systematische Vorbereitung der Jahreszielstellung und künftiger Spitzenleistungen muss deshalb vor allem auch unter dem Aspekt des Energiestoffwechsels betrachtet werden. Da die Fähigkeit zur maximalen Mobilisation unter ermüdeten Bedingungen in der Endphase der Rennen wesentlich von motorisch-technischen Fähigkeiten und volitiven Eigenschaften abhängig ist, sollten  diese Eigenschaften schon frühzeitig trainiert werden. Daraus ergeben sich für das Nachwuchstraining künftiger Mittel - und Langstreckenläufer folgende Forderung:

  • Das Schnelligkeitstraining ist ein wesentlicher Trainingsschwerpunkt (wird leider von vielen Trainern im Nachwuchsbereich nicht realisiert).
  • Zur Entwicklung der maximalen Mobilisationsfähigkeit sollen neben den bekannten Übungen des Sprinttrainings ganzjährig vielfältige Übungsformen mit kurzen, aber intensiven Belastungen durchgeführt werden (z.B. im Spiel, im Kreistraining).

Ganzjähriger Einsatz von kurzen, schnellen Tempoläufen in oder über der geplanten Geschwindigkeit der Jahreszielstellung (TL-SA 50 – 100 – 150 – 200 m)

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Wirkung dieser Trainingsprogramme:

  • motorisch > Üben der Renngeschwindigkeit in der Zielzeit
  • Stoffwechsel > laktazide Reaktion Laktat 4 – 6 - > 7 mmol/l

Vorteile dieser Trainingsprogramme:
Sie können ganzjährig, also auch schon in der Vorbereitungsperiode I, durchgeführt werden.

  • Steigerungsläufe mit kurzen „Frequenzeinlagen“ nach jedem Dauerlauf.
  • Sprintprogramme vor jedem Schnelligkeitsausdauertraining.

Zur Entwicklung der Schnelligkeitsausdauer (maximale Mobilisationsfähigkeit des anaeroben Stoffwechsels) sollten im Nachwuchsbereich auch Tempoläufe zwischen 100 - 200 m in fast maximaler Geschwindigkeit durchgeführt werden. Dieses Training setzt aber ein gutes aerobes Niveau und entsprechende motorische Voraussetzungen voraus.