Untersuchungen zum Laktatverhalten

bei 3 unterschiedlichen Berganlaufprogrammen
von Mädchen im Alter von 14-19 Jahren

07. Februar 2007 (Pöhlitz/Ring) - Die Aufhellung der Wirksamkeit von Trainingsbelastungen betrachten wir als eine wichtige Aufgabe sowohl zur Effektivierung des Trainingsprozesses, als auch zur Verbesserung der Belastungssteuerung in unterschiedlichen Phasen des Jugend-Aufbautrainings. Unter diesem Aspekt ergab sich in der LG Domspitzmilch Regensburg die einmalige Möglichkeit, mit 8 Mädchen im Alter zwischen 14 und 19 Jahren und 2 „Jungen“ die Belastungswirkung von 3 unterschiedlichen Berganlaufprogrammen anhand von Lakatatbestimmungen zu untersuchen. Ziel war altersabhängige individuelle Unterschiede bei der Suche nach einer mittleren anaeroben Belastung im Bereich um 10 mmol/l Laktat für das Training in der VP II zu finden, in der gleichzeitig eine gewisse Wirkung in Richtung Kraftausdauer erzielt wird, wohl wissend, dass das bis dahin absolvierte Training im Sinne einer erhöhten aeroben Basis natürlich Einfluss auf die dann zu planende Belastung hat.

Läufer/Innenprofile

Lutz Susi (geb. 1987 - 19 Jahre)   2:12 – 9:37
Harrer Corinna  (geb. 1991 - 15 Jahre)   12,33 – 25,26 – 57,61 – 2:21
Heuberger Sarah (geb. 1989 – 17 Jahre) 2:17 – 10:29
Kick Julia (geb. 1990 – 16 Jahre) 2:17 – 10:40
Heuberger Andrea (geb. 1988 – 18 Jahre) 26,4 – 57,0 – 2:11 – 4:36
Dinauer Kathrin (geb. 1992 – 14 Jahre) 12,98 – 2:31
Biehler Laura (geb. 1991 – 15 Jahre) 2:17 – 10:39
Liedl, Julia (geb. 1991 – 15 Jahre) 26,4 – 60,0 – 2:21
Liedl Johannes (geb. 1991 – 15 Jahre) 2:49  – 9:56
Gassner Wolfgang (geb. 1983 -  23 Jahre)    11,7 – 23,5 - 51,7 – 2:02

Das Projekt fand an drei aufeinander folgenden Wochen im November 2006 jeweils um 18 Uhr abends bei Temperaturen um die 5 Grad Celsius statt. Die Strecken wurden dabei mit 120 m (1. Testtag), 60 m (2. Testtag) und 200 m (3.Testtag) mit dem Messrad genau vermessen. Als Belastungsgrad wurde den Athletinnen ein schneller Lauf empfohlen der sich an einer gefühlten 800 m Renngeschwindigkeit orientierte. Die 120 m und 200 m Berganstrecke war gleichmäßig strukturiert und wies einen Höhenunterschied von ca. 6 m/100 m (mittlerer Anstieg)  auf. Die 60 m Strecke hatte auf  ganzer Länge einen Höhenunterschied von ca. 10 m (steiler Anstieg)

Die Geschwindigkeit lag bei allen Läufen im Bereich zwischen 5,9 – 6,3  m/s, die Laufdauer bei ~10 – 20 – 35 Sekunden. Nach subjektiver Bewertung der Athletinnen war das 120 m – Programm trotz am Ende höchster Laktatwerte am einfachsten! Auffällig war, dass bei zu schnellem Einlaufen (Laktat > 3 mmol/l) die Laktatwerte nach den ersten 6 Läufen relativ niedrig lagen.

Folgende Programme wurden realisiert:

1.Testtag:
2 x 6 x 120 m, mittlerer Anstieg, Intensität 800 m Renngeschwindigkeit, Trabpausen, Serienpause 10´

2.Testtag:
2 x 6 x 60 m, steiler Anstieg, Intensität 800 m Renngeschwindigkeit, Gehpausen, Serienpause 10´

3.Testtag:
2 x 6 x 200 m, mittlerer Anstieg, Intensität 800 m Renngeschwindigkeit, Trabpausen, Serienpause 10´

Die Laktatabnahmen erfolgten nach dem Einlaufen (ca. 3 km), d.h. vor dem 1. Lauf (v.d.1.L), nach dem Ende der 1. Serie (n. d. 6.L), vor dem 7.Lauf (v. d. 7.L.- 2. Serie), nach dem 12. Lauf (n. d. 12.L - Ende der 2. Serie), nach 5 und nach 10 Minuten Pause (nach 5´ / 10´ )

Die Messdaten :

2007-02-07-untersuchungen-zum-laktatverhalten

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Diskussion der Ergebnisse

Auch wenn die relativ geringe Anzahl der Versuchspersonen keine Verallgemeinerungen der Untersuchungsergebnisse zulässt und keinen wissenschaftlichen Anspruch verfolgt, trägt die Untersuchung zur Aufhellung des Stoffwechselgeschehens bei Berganläufen bei und gibt wichtige Hinweise für das trainingsmethodische Vorgehen in der VP II . Auch zur Frage nach der Unterschiedlichkeit der Belastungswirkung auf Mädchen von 14 – 19 Jahren mit noch dazu deutlich unterschiedlichen Trainingszuständen, unterschiedlichem aeroben Niveau ( vL 3 zwischen 3,5 – 4,3 m/s ) und Zielstrecken vom Sprint bis zur Langstrecke, erhalten wir Erkenntnisse, wie wir sie so nicht in jedem Fall erwartet haben.

 

Mit allen drei Programmen wurden in der Stoffwechselwirksamkeit, in den Laktatauslenkungen, wirksame anaerobe Belastungen – in vielen Fällen auch  im Zielbereich um 10 mmol/l – realisiert. Unter diesem Gesichtspunkt kann man  nicht davon ausgehen, dass ein Programm aus der Sicht unserer Untersuchungen zu favorisieren ist. Die Wirkung auf die Kraftentwicklung haben wir ja nicht gemessen. Unter dem Aspekt  der Abwechslung im Training Jugendlicher kann man feststellen, dass man mit unterschiedlich langen Berganlaufprogrammen zwischen 60 – 200 m ähnliche Wirkungen erzielen kann.

 

Wir halten die von uns gewählte Belastung mit jeweils 12 ( 2 x 6 ) Wiederholungen mit Trabpausen bei den längeren Läufen und Gehpausen, bei den kurzen – meist etwas intensivieren Läufen, für diese Aufgabenstellung als optimal. Da auch die jüngeren  Mädchen schon längere Zeit im Training sind, musste während des Trainings aus  subjektiver Sicht des Trainers nicht in die Belastung eingegriffen werden. Dies hat sich im Endeffekt durch die Laktatauslenkungen bestätigt. Berücksichtigen muss man bei dieser Einschätzung, das die zum Mittelstreckenlauf neigenden Mädchen nicht vor einzelnen Überhöhungen in der Geschwindigkeit geschützt wurden, dies aber in den meisten Fällen  aus eigener subjektiver Empfindung in den nachfolgenden Läufen selbst korrigierten.

 

Die Tatsache, dass am ersten Testtag im Prinzip die höchsten Laktatwerte gemessen wurden, führen wir auf die sicher überhöhte Anstrengungsbereitschaft, auf die Bereitschaft es beim ersten Test  besonders gut zu machen, zurück. Dies widerspiegelt sich bei den nächsten Tests, wo bereits die individuellen Erfahrungen in die Intensitätsgestaltung einflossen. Die dabei von Julia Liedl erreichten 22 mmol/l Laktat sind normalerweise natürlich nicht tolerierbar. Dass sie aber außer einer hohen Anstrengung  keinerlei Probleme, auch im danach – d.h. auch in den nächsten Trainingstagen – zeigte, muss verwundern. Offensichtlich verfügt sie bereits in  jungen Jahren über einen außergewöhnlichen „Laktatmechanismus“! Eine wichtige Erkenntnis für den Trainer ! Da sie aber beim nächsten Test im ganz normalen Bereich lag und auch in der Woche nach dem Test keinerlei Auffälligkeiten zeigte, fällt es uns schwer, diesen Ausreißer zu erklären, auch weil man bei 3 gemessenen Werten zwischen 20-22 mmol/l Laktat  nicht  von einem Messfehler sprechen kann. Leider war sie beim letzten Test verhindert, diese Werte hätten wir gern zur Sicherheit und Interpretation einfließen lassen.

 

In vielen Fällen lagen die Laktatwerte nach der ersten Serie (nach dem 6. Lauf) im oder unter dem angestrebten Bereich um 10 mmol/l . Bei gleicher oder höherer Geschwindigkeit innerhalb der zweiten Serie kommt es bis dem 12. Lauf zur weiteren Laktatakkumulation, bei der dann die angestrebte Belastung z.T. deutlich überschritten wurde. Das lässt die Schlussfolgerung zu, dass bei derartigen Programmen eine Animation zu höherer Intensität zum Ende der Belastung hin, nicht angebracht ist, bzw. durch den Trainer sogar in der zweiten Serie die Läuferinnen, die zur „Ausschöpfung“ ihrer Möglichkeiten in solchen TE neigen, gebremst werden sollten.

 

Am Beispiel von Sarah Heuberger, die zu den Athletinnen mit den niedrigeren Werten zählt, erlauben wir uns die Interpretation, dass dies nicht ein Zeichen ungenügender Anstrengungsbereitschaft war, - am Berg gehörte sie zu den „Aktivsten“, sondern als zur Langstrecke tendierend aktuell Schwierigkeiten mit der Laktatmobilisation hatte. Die Konsequenz wäre, dass diese Schwachstelle durch TE zu „beseitigen“ ist, die zu Laktatauslenkungen um 10 mmol/l Laktat oder auch darüber führen. Dieser Tatsache ist vor allem deshalb Rechnung zu tragen, weil in Wettkämpfen über  3000 m und 5000 m eine Laktattoleranz mindestens in diesem Bereich erforderlich ist.

 

Die Laktatabnahmen nach dem 12. Lauf und nach weiteren 5 und 10 Minuten Pause lassen keine einheitliche Interpretation zu. In einigen Fällen wurden bereits nach dem 12. Lauf die höchsten Auslenkungen gemessen, bei anderen stieg die Laktatakkumulation bis 5 Minuten nach der letzten Belastung auf den Höchstwert an, bei anderen zeigte einbereits erfolgter Laktatabfall die eingeleitete Erholung. Nach 10 Minuten wurden keine weiteren Anstiege gemessen, die Erholung war in allen Fällen bereits manifest. Dies sollte zur Überlegung führen, dass sowohl nach intensiven Trainingsbelastungen, als nach Wettkämpfen relativ rasch nach Ende der Belastung durch verschiedene aktive Maßnahmen wie z.B. baldmöglichstes Auslaufen und die „Flasche danach“ die erste Erholungsphase (die ersten 30 Minuten) unterstützt werden sollte.

Durchgeführt wurden alle Messungen mit dem Lactate Scout der Firma SensLab. Wir konnten bei keiner Messung Unregelmäßigkeiten feststellen. Das Gerät arbeitete selbst bei niedrigen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit zuverlässig

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Link: www.senslab.de

Foto: Sens-Lab