2+2+1 = Voraussetzung für die Weltspitze

aber auch tägliches Training für Eliten in der Jugend

02. Februar 2007 (Pöhlitz/Ring) - Seit wir im Netz sind haben uns immer wieder Fragen erreicht, die die Sorgen unserer Leser zum Ausdruck bringen, ob unsere Mittel- und Langstreckler, Hindernisläufer, Marathonis und Geher eines Tages die Weltspitze wieder mitbestimmen können und welche Voraussetzungen daran gebunden wären. Auch wenn wir uns mit all unseren bisherigen und auch zukünftigen Beiträgen  diesen Problemen widmen, wollen wir heute in einer Kurzfassung ausnahmsweise einmal versuchen, hoffentlich für sie konkret genug, unsere Meinung in drei Schwerpunkten zusammenzufassen.

Zunächst stimmen wir mit Ihnen überein, dass auch wir uns  lieber über unsere deutschen Athleten freuen würden, wenn sie bei den großen internationalen Meetings wieder öfter präsent wären, bei EM, WM oder den Olympischen Spielen um Siege und Medaillen mitkämpfen könnten. Über diese Voraussetzungen verfügen leider derzeit nur Wenige.

Voraussetzung für eine internationale Konkurrenzfähigkeit unserer Läufer und Geher  ist ein mehrjährig zweimaliges Training pro Tag + der dazu erforderlichen 1-stündigen Zeit für die aktive Regeneration ( medizinische Maßnahmen, Physiotherapie usw. ) im frühen Erwachsenenalter. Um also allen Notwendigkeiten einer optimalen, umfassenden Vorbereitung gerecht zu werden, brauchen die Sportler, die die Weltspitze erreichen wollen.

täglich ~2 Stunden Training am Vormittag,
~2 Stunden am Nachmittag
+ 1 Stunde aktive Regeneration

Das sind bei zwei halben freien Tagen  ~ 25 Stunden Training + 6 Stunden Physiotherapie (Montag – Samstag) pro Woche. Die Erfahrung lehrt auch, dass dazu noch mehrere Trainingslager im Jahr zur Realisierung von sog. Gipfelbelastungen notwendig sind. Diese Zeit wird gebraucht um Schnelligkeit, allgemeine und spezielle Kraft, Koordination, Technik, Beweglichkeit, aerobe und anaerobe Ausdauer aber auch Theorie letztendlich in Wettkämpfen zu einem Leistungsmosaik zusammenzuführen und beim Jahreshöhepunkt zur persönlichen Bestleistung fähig zu sein. Unter diesem Gesichtspunkt sind Hochleistungstraining und Beruf / Ausbildung / Studium nur mit Sponsoren möglich, die ein solches Training ermöglichen bzw. Sportler, die zeitweilig zugunsten der Leistungsentwicklung ihre berufliche Karriere verschieben oder eine Studienverlängerung in Kauf nehmen „Ein bisschen Hochleistungssport gibt es genauso wenig, wie ein bisschen schwanger!“ Ein Vorbild könnten die nordischen Wintersportdisziplinen sein, die einen solchen Weg in den letzten Jahren gegangen sind.

20-jährige haben oft Verletzungen, weil im Grundlagen- und Aufbautraining nicht die notwendigen Voraussetzungen für das Erwachsenentraining geschaffen wurden. Es gibt immer wieder „Talente“ denen mit nur dem notwendigsten Training ( 3-4 x wöchentlich ) außerordentlich gute Jugendleistungen gelungen sind. Dabei wird der Talentbegriff oft sehr großzügig ausgelegt.

Ein Talent im Sinne einer möglichen Ausbildung zum Spitzenathleten muss neben einer entwicklungsfähigen speziellen Begabung, günstigen Körperproportionen, der Begeisterung für die Sportart, der Belastbarkeit, einer überdurchschnittlichen  Bereitschaft zum zielgerichteten Training, die notwendigen psychischen Faktoren zur Umsetzung des Trainings in entsprechende  Wettkampfleistungen (Stressbewältigung  und psychische Stabilität) und eine ausreichende Intelligenz zur Organisation aller Anforderungen an die sich entwickelnde „Sportlerpersönlichkeit“ mitbringen.

Für Basisarbeit und Schwachstellenbeseitigung bleibt bei nur wenigen TE keine Zeit. Für  solche Athleten beginnen die Verletzungen bereits beim täglichen Training im Übergang  zur Erwachsenenklasse. Für mehr reicht es dann aber oft nicht. Dieses tägliche Training müssen wir für Talente früher erreichen! Deshalb ist eine Offensive zur Verbesserung des Nachwuchstrainings dringend erforderlich ( diese Meinung haben wir bereits an anderer Stelle vertreten ) à Voraussetzung ist, dass es die Trainer auch wollen. Der Weg liegt für alle Jugendlichen zunächst in der wöchentlichen Erhöhung um 1-2 Trainingseinheiten bei gleichzeitiger Verbesserung der Qualität des Trainings. Diese Zeit muss aber zusätzlich zur Schaffung  verbesserter Grundlagen / Voraussetzungen für später genutzt werden. Das gilt vor allem für Jugendliche, die über die erforderlichen Anlagen  (Talente / Eliteschulen ) verfügen, die auch ihr Ziel „da oben“ sehen und den notwendigen Willen zur Belastung auf der einen Seite haben und zu „Entbehrungen“(Freizeit) auf der anderen Seite bereit sind.

Internationale Chancengleichheit wird erst gegeben sein, wenn EAA und IAAF ganzjährige Trainingskontrollen auf allen Kontinenten, in allen Ländern (!!!) durchsetzen.

Bei  Wettkampfkontrollen, wie sie international gegenwärtig als genutztes Alibi publiziert werden, werden nur die „Unfähigen“ erwischt, weil Dopingmittel „rechtzeitig abgesetzt“ im Wettkampf nicht mehr nachweisbar sind. Dem DLV oder auch DOSB sollten Sie daran aber keine Schuld zuweisen, weil unser nationales Kontrollsystem kaum Verstöße zulässt und unsere Funktionäre langjährig immer wieder großen Einsatz zur Verbesserung des internationalen Doping-Kontrollsystems gezeigt haben.

Der Grund für die vielen besseren Leistungen in den deutschen Bestenlisten der 80-iger Jahre liegt eindeutig daran, dass die Mehrzahl vieler im Vergleich zu heute international konkurrenzfähiger Leistungen im DLV das Ergebnis einer deutlich höheren Belastung war. Auch bei nicht immer gegebener Chancengleichheit wären für uns auch heute bei gegebenen Bedingungen und entsprechendem Training international konkurrenzfähige Leistungen möglich, auch wenn wir nicht immer die Sieger stellen können. Auch eine höhere Wettkampfdichte im Vergleich mit den Besten würde uns wieder schneller konkurrenzfähig machen.

Die wichtigste Voraussetzung für unsere Konkurrenzfähigkeit in der Zukunft aber ist einen neuen Leistungsgedanken für Diejenigen zu „installieren“, die diesen Weg gehen wollen und für sie auch die notwendigen Bedingungen zu schaffen. Dies und eine offensive Suche nach Talenten müssen aber bereits im frühen Jugendalter beginnen. Bedenken Sie, von welchen Aufwand  (Üben) gesprochen wird, wenn von Talenten in der Musik, aber auch in anderen Sportarten (z.B. Triathlon, Schwimmen, Biathlon u.a.) berichtet wird. Ist jemand Mitglied einer Musikschule ist  selbstverständlich, das jeden Tag geübt werden muss. In der Leichtathletik ist dies nicht so selbstverständlich, eine solche „Arbeitsbereitschaft“ ist im  letzten Jahrzehnt immer mehr auf der Strecke geblieben. Ganz in Vergessenheit geraten ist, dass man auch „morgens vor dem Job/Schule/Studium“ schon mal trainieren könnte. Davon berichten nur Manager aus der Wirtschaft, die morgens früh schon ihre Runden schwimmen oder laufen.

Eine wesentliche Ursache für diese Situation liegt aber auch in der gegenwärtig unbefriedigenden Ausstattung der Vereine mit qualifizierten, kompetenten Trainern, die zu solch einer Aufgabe bereit wären. Hier ist ein Appell oder Hilferuf an den DOSB dringend geboten. Wo arbeiten die in den letzten Jahren an der Trainerakademie ausgebildeten Diplom-Trainer und mit wem??? Wo sind die „ausgebildeten“ Talente aus den Eliteschulen für Sport?

Nicht Geld ist das Wichtigste, sondern sinnvoll genutzte Trainingszeit! Dies bedeutet zugleich, dass Leichtathleten mit z.B. nur nationalem Anspruch, nicht unbedingt täglich zweimal trainieren müssen.

                                                                                  Ihre la-coaching-academy