Es ist ein langer Weg bis zur persönlichen Höchstleistung (Teil 3)

KinderTraining - GrundlagenTraining - JugendAufbauTraining - AnschlussTraining - HochLeistungsTraining

 Der Anschluss zum Hochleistungstraining ist zwingend

26. Januar 2007 (lp/orv) - Eine lange Lehrzeit mit Grundlagen- und Aufbautraining, mit Vermittlung von Wissen, Erfahrungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten liegt nun bereits hinter den Athleten. Die notwendige Belastbarkeit des Stütz- und Bewegungssystems sowie die Techniken aller Trainingsübungen sind ausgebildet (bei Berücksichtigung  entwicklungsbiologischer Ausnahmen / später Quereinsteiger). Spätestens an dieser entscheidenden Schnittstelle macht sich bezahlt, wenn bereits das Jugend-Aufbautraining gut geplant, stets dokumentiert, bilanziert, leistungsdiagnostisch begleitet und analysiert wurde.

Trainingskonzeption im Drei-Vier- Mehrjahresplan / Anschluss  an das Hochleistungstraining

Jetzt muss das Training auf die Leistungsfaktoren ausgerichtet werden, die für die Entwicklung der Wettkampfleistung von Bedeutung sind, schrittweise auf eine jährliche Belastungserhöhung zwischen 10-30 % und die erforderlichen Qualitätsanteile ausgerichtet werden, ohne dabei außer acht zu lassen, parallel dazu die weiter zu verbessernden Grundlagen für die steigende Trainingsbelastung der nächsten Jahre zu legen (z.B. im Kraft- und Motorik- Unterdistanztraining). Wichtig ist, dass auch weiterhin eine große Leistungsamplitude ein Ziel des Trainings bleibt. Der Belastungs- und Leistungsanschluss zum HLT ist in diesen Jahren zwingend. Das wettkampfspezifische Training und die Qualitäts - Wettkämpfe sind nun das Ziel ohne zu übersehen, dass zumindest in den ersten beiden Jahren die Priorität weiterhin im Training liegt.

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Abschnittsweise sollten speziell zum Schutz der Beine ( Füße, Senk-, Knick- und Spreizfüße, Fußgewölbe, Pronation, Supination, Achillessehne- und Sehnenansätze, Knie, Adduktoren, individuelle Schwachstellen) weiterhin begleitende Maßnahmen zur Kräftigung, Dehnung und Entspannung organisiert und ihre Durchführung kontrolliert werden.
In dieser Etappe gilt es vorrangig immer wieder die Motivation für das Training und die mögliche weitere Leistungssteigerung zu schaffen, aber auch eine  leistungssportgerechte Ernährung und regelmäßige physiotherapeutische Behandlungen sind für den Erfolg wichtig.. Essstörungen/Magersucht, die bei Mädchen und Jungen in dieser Zeit besonders manifest werden, erfordern frühzeitige Maßnahmen, weil ein Fortschreiten der Krankheit nicht nur Gefahr für das Leben der Patienten bedeutet, sondern auch erfahrungsgemäß außergewöhnliche sportliche Leistungen in der Zukunft ausschließen.

Das Anschlusstraining entscheidet, wer Spitzenleistungen erreicht!

Die Hauptursachen dafür, dass viele Sportler den Anschluss zum Hochleistungstraining nicht bewältigen liegen im Misslingen dieser Etappe. Vor allem in der ungenügenden Organisation des Übergangs meist vom Abitur zum Studium ( Ortswechsel ), vom „nichtloslassenwollen“ durch den Verein und Trainer, bis zum ungenügenden Bemühen durch aufnehmende Vereine und Trainer, von der ungenügenden Überzeugung von Trainern, das nun ein weiterer Qualitätsschritt in der sportlichen Ausbildung und Betreuung erfolgen muss, sie aber nicht über die erforderlichen Voraussetzungen dafür verfügen. Damit muss auch ein neues Zeitmanagement verbunden werden, auf das der Sportler meist nicht gut genug vorbereitet ist.
Zu beachten sind vor allem auch ob die bisherige Persönlichkeitsentwicklung für die neue komplexe Aufgabenbewältigung ausreicht, ob die Selbstständigkeit des Athleten und seine bis dahin aufgebaute Belastbarkeit unter vielleicht schwierigen Rahmenbedingungen eine weitere Belastungserhöhung auch bis zum zeitweilig mehrmaligen täglichen Training ermöglicht, ob die Entwicklung seiner für das Training erforderlichen Willensqualitäten der „Sonderstellung“ dieser Etappe auch gerecht werden und ob die Organisation der Leistungsentwicklung solche wichtigen Bereiche wie optimale Ernährung, Regeneration, Physiotherapie und optimale Wettkampforganisation einschließt.
Hier sind durch die Vereine, Manager, Trainer, Landesverbände und Olympiastützpunkte für die Zukunft noch riesige Reserven zu erschließen!!!

So könnte und müsste der Belastungsaufbau für die Laufdisziplinen im AST aussehen, wenn Spitzenleistungen das Ziel sind:

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© Lothar Pöhlitz

Training und Wettkämpfe sind auf die moderne Entwicklung der phasenweisen Trainings- und Wettkampftätigkeit auszurichten. Wichtig ist, im Jahresverlauf immer wieder ausreichend lange Abschnitte für störungsfreies Training zu reservieren. Ohne eine effektive Trainingssteuerung ( über viele Wochen nur nach Gefühl ) ist ein Aufbau für das Hochleistungstraining kaum zu realisieren. Dazu gehört auch eine wirksame Umsetzung der Trainingsbelastung in wettkampfspezifische Leistungsfähigkeit durch ausreichende Wiederherstellungsmaßnahmen und Zyklisierung des Trainings. Vor allem für Langstreckler und Geher ist jetzt die Zeit gekommen, durch ein mehrfaches Höhentraining im Jahr das Tempo der Leistungsentwicklung zu beschleunigen.

Aufgaben des Anschlusstrainings:

 

die weitere Erhöhung der allgemeinen und speziellen Belastungsverträglichkeit/Belastbarkeit

 

eine Belastungssteigerung um 10 – 30 % jährlich ( TE / Ges.-Trainingszeit / Umfang und Intensität  ) bei gleichzeitiger Sicherung der notwendigen Regenerationsmaßnahmen bzw. -zeiträume

 

Die Geschwindigkeit wird im Training immer mehr zur Führungsgröße und schließt die zunehmende Auseinandersetzung mit laktaziden wettkampfspezifischen Belastungen ein. Die Trainingsstrecken werden im Vergleich zum JABT verlängert ohne dabei die Dominanz der Strecken nun bis 600 m, bei einer entsprechenden Geschwindigkeitsorientierung und schrittweiser Pausenreduzierung, aufzugeben.

 

Die Qualität der Lauftechnik und der Übungsausführung aller Trainingsübungen bleiben auch weiterhin ein wichtiges Belastungskriterium. (Nicht die Anzahl mittelmäßiger Wiederholungen sondern die Wirksamkeit ist entscheidend!)

 

Die Entwicklung der Kraftfähigkeiten, der Motorik, der Beweglichkeit und des Gefühls für die Geschwindigkeit behalten die gleiche hohe Bedeutung wie im Jugend-Aufbautraining. Jetzt wird es höchste Zeit sich die „weiche“ Bewegungsstruktur (Laufbild) vieler afrikanischer Läufer zum Vorbild zu nehmen.

 

Das spezielle Kraftausdauertraining ( Berganläufe, Hügeltraining, Kraft gegen Widerstände ) ist auf die Anforderungen der Wettkampf-Zielstrecke auszurichten.

 

Die Wettkampfhäufigkeit ist zu steigern. Unterdistanzwettkämpfe als Aufbaurennen gewöhnen an höhere Wettkampfgeschwindigkeiten, aber auch Überdistanzrennen sind für die Wettkampferfahrung und Ausprägung der Kampfkraft und Willensbildung wichtig. In dieser Ausbildungsetappe sind individuelle Erfahrungen zu möglichst optimaler Wirkung von Trainingsphasen und Wettkampfbelastungen herauszuarbeiten. Dabei muss immer das Ziel verfolgt werden, beim Wettkampfhöhepunkt des Jahres die beste Leistung des Jahres, eine neue persönliche Bestleistung „abliefern zu können.“

 

Eine der wichtigsten Aufgaben in Vorbereitung auf das Hochleistungsalter ist die Teilnahme an internationalen Wettkämpfen nicht nur im Inland. Die dabei gesammelte Wettkampferfahrung ist allein durch die Teilnahme an nationalen Rennen nicht zu erarbeiten.

 

Die Dauerleistungsmethode, kombiniert mit TL-lang und DL-TW sind für die Langstreckler die wirkungsvollsten Methoden zur Ausprägung der aeroben Kapazität. Ein vorrangiges Ziel ist die Entwicklung der aerob-anaeroben Schwelle (vL3) auf das Voraussetzungsniveau für die geplante Wettkampfleistung. Besser als bisher ist dabei der Laktatbereich zwischen  3-7 mmol/l (aerob-anaerober Übergang, Entwicklungsbereich, grenzwertige aerob-anaerobe Belastungen) in ihrer Wirkung für den Leistungsfortschritt auszuschöpfen.

 

Extensive lang  andauernde Belastungen (2-3 Stunden und mehr - „Long Jog“, auch mit anderen Sportarten kombiniert) lösen umfassende Ökonomisierungsprozesse aus, entwickeln den Fettstoffwechsel und unterstützen als Basis kürzere intensive Belastungen mit höheren Geschwindigkeiten.