Es ist ein langer Weg bis zur persönlichen Höchstleistung (Teil 2)

KinderTraining - GrundlagenTraining - JugendAufbauTraining - AnschlussTraining - HochLeistungsTraining

23. Januar 2007 (Pöhlitz/Ring) - Nach einem etwa 3-jährigen Grundlagentraining wird in der Etappe des Jugendaufbautrainings planmäßig das Hauptziel eines langfristig aufbauenden Nachwuchstrainings weiterverfolgt, persönliche Höchstleistungen im Erwachsenenalter v o r z u b e r e i t e n.  Am Ende dieser Ausbildungsetappe sollen Leistungen und Belastungen stehen, Voraussetzungen geschaffen sein, die einen problemlosen Übergang zunächst in den nationalen Spitzenbereich (Anschlusstraining) ermöglichen, zugleich aber durch eine weitere systematische Belastungssteigerung in den folgenden Jahren zum internationalen Spitzenniveau (Hochleistungstraining), oder, bei weniger talentierten bzw. weniger konsequenten Athleten, zur persönlichen Höchstleistung führen können.

Das Training dient nun von Jahr zu Jahr immer mehr dem Ziel, in Wettkämpfen den durch Training erzielten Leistungsfortschritt zu zeigen. Den Talenten muss dabei klar werden, dass es für sie, auch durch immer bessere Ausschöpfung der taktischen Möglichkeiten, vor allem um Siege geht. Spätestens hier muss aber auch dem ehrgeizigsten Athleten deutlich gemacht werden, dass Niederlagen (auch unerwartete) zum Leistungssport gehören und in der Regel hier die neue Ausgangsposition für Konsequenzen im weiteren Training und für kommende Wettkämpfe gesucht werden muss.
Vor allen den Trainern muss klar sein, dass in diesem Alter durch die individuelle biologische Entwicklung, die anatomischen und anthropometrischen Verhältnisse, Trainingsausfälle durch Krankheiten und schulische Belastungen oft keine stabile Abhängigkeit zwischen absolviertem Training und Leistungsdarstellung besteht und es auch mal Stagnationsjahre bzw. Zeiträume mit verlangsamter Leistungsentwicklung geben kann.
Auf alle Fälle ist in diesem Altersabschnitt zu verhindern, dass die Sportler nur zu einseitigen (Rekord- oder Siegtaktik), Rennverläufen geführt werden. Aufgabenstellungen in weniger wichtigen Wettkämpfen und deren Lösung sind ein wichtiger Weg zur Steigerung des Selbstvertrauens in bestimmten Rennsituationen. Ansonsten wird Selbstvertrauen als Voraussetzung zur Lösung immer höherer Aufgaben vor allen in offensiv geführten Wettkämpfen erworben.
Im Jugend-Aufbautraining soll, bei einer schrittweisen Spezialisierung, durch eine noch vielseitige, aber bereits zielgerichtet spezielle Ausbildung der/die Mittelstreckler/In, oder Langstreckler/In oder Geher gefunden und ausgebildet werden. Erst in der zweiten Phase dieses 3-4 jährigen Ausbildungsabschnittes soll die Entscheidung zugunsten einer Spezialstrecke (bei Beibehaltung einer vielseitigen Wettkampftätigkeit im Unter- und Überdistanzbereich) fallen. Gleichzeitig verfolgt die Ausbildung weiterhin das Ziel möglichst umfassende, vielseitige, aber auch spezielle Voraussetzungen für die notwendig steigende Trainingsbelastung von Jahr zu Jahr, zu schaffen.

In der Praxis erlebt man nicht selten eine nicht ausreichend durchdachte Arbeit mit Quereinsteigern aus anderen Sportarten. Es wird versäumt, die erforderlichen Grundlagen für die leichtathletischen Disziplinen, die natürlich so im Training der bisherigen Sportart nicht vorkamen, nachzuholen. Hierzu gehören sowohl die Haltemuskulatur im Oberkörper und Becken, die während der Dauer des Trainings oder der Wettkämpfe für eine hohe Technikstabilität sorgen muss,  für Techniken in den z.T. unbekannten Trainingsübungen, im Lauf-ABC, im Krafttraining, in einer sauberen Bewegungsstruktur z.B. des Sprintlaufes, spezieller Sprungkraftübungen und -programme, in speziellen Beweglichkeitsprogrammen usw. Für zukünftige Läufer ergibt sich eine besondere Aufgabenstellung aus dem ungewohnten Laufen in Spikes. Auch ein  sauberer technischer Ablauf der Fußbewegung für den Vortrieb ( Ballenlauf, Lauf auf dem Mittelfuß bzw. Fußtechnik für Geher, einschließlich im Prinzip nicht vorhandener spezieller Fuß- und Fußgelenkskraft ) ist zu erarbeiten. Erfahrungsgemäß ist für diese „Nachholarbeit“ im Sinne vor allem einer speziellen Belastbarkeit ein Zeitraum von etwa 2 Jahren anzusetzen wenn man später nicht so oft mit den Trainingsausfällen durch Verletzungen konfrontiert werden will!

Die angestrebte spezielle Ausbildung durch die Teilnahme von DLV-Mannschaften (U18 - U20 - U23 EM bzw. WM) und die internationale Konkurrenzsituation in diesen Altersbereichen setzen Trainingsformen und Intensitäten voraus, die diesen speziellen Anforderungen und Leistungszielen auch gerecht werden. Deshalb ist eine Annäherung sportlich begabter Läufer und Geher an Trainingsprogramme die solche Leistungen möglich machen, in der Endphase der zweiten Etappe des Jugend-Aufbautrainings unumgänglich. Dies wäre auch die Voraussetzung zum Anschluss an den Weltspitzenbereich im Alter von 19-21 Jahren, wie es in den letzten Jahren in vielen Fällen ausländischer Sportler, auch im Langstreckenlauf, bereits beobachtbar ist. Informationen aus dem Nachwuchstraining aus Kenia, wo 14 – 17 jährige Jugendliche z.B. in Eldoret bereits täglich zweimal unter Höhenbedingungen trainieren, eine Reihe dieser Athleten später die Weltspitze erreichte und sie über Jahre mitbestimmte, sollten zu entsprechenden Überlegungen, Diskussionen und vielleicht in dem einen oder anderen Falle (  nicht in der großen Masse der nur mittelmäßig talentierten Jugendlichen ! ) auch zu Schlussfolgerungen führen.
In diesem Alter überwiegen in Tempolaufprogrammen kurze Strecken (40 – 400 m), die aber im Umfang streckenbezogen sein müssen. Längere Strecken ( 800 – 1000 m für Mittelstreckler und 1500 – 3000 m für Langstreckler ) werden seltener als Kontrollläufe oder in Aufbau-Wettkämpfen zur Ausprägung der wettkampfspezifischen Leistungsfähigkeit genutzt.

Eine zweite Aufgabe besteht in der Ausprägung der individuellen Höchstgeschwindigkeit auf den genannten  kurzen Strecken – bei Einsatz von nur wenigen Wiederholungen und streckenabhängigen längeren Pausen.
In Abhängigkeit von einer störungsfreien Aufbauarbeit und der individuellen Trainierbarkeit unterschiedlich begabter Sportler sind für die Phase des JABT 3-4 Jahre erforderlich. In der frühen Phase dieses Zeitraumes ist zu beachten, dass Wachstumsschübe bei den jungen, sich körperlich noch entwickelnden Jugendlichen durch unangemessene Belastung und fehlende Erholungsphasen nicht negativ beeinflusst werden dürfen.

Aufgabenstellungen für die erste Phase des JABT (~ 2 Jahre):  

 

Die weitere Erhöhung der Belastungsverträglichkeit / Belastbarkeit und Vorbereitung auf die schrittweise zu erhöhenden Belastungsanforderungen sind vordringlich. Eine gute Belastungsverarbeitung wird nicht nur durch ein optimales Verhältnis von Belastung und Erholung erreicht, sondern auch durch den Anteil, den der Sportler selbst an Regenerationsmaßnahmen in diesen Prozess einbringt. Dafür ist eine gezielte Kenntnisvermittlung durch den Trainer in möglichst allen Fragen der trainingsmethodischen Vorgehens sehr hilfreich (Erziehung zur Selbständigkeit und Mitarbeit bei der Effektivierung des gesamten Trainingsprozesses)

 

-> Ganzkörperkonditionierung, Muskelkorsett – schnellkraftorientiert, hamonisch ausgebildete Muskulatur, besonders des Stütz- und Bewegungsapparates, spezielle Ausbildung der Fuß- und Beinmuskulatur, Fußgelenkskraft, Grundlagenausdauer, Entwicklung der Organsysteme

 

Übereinstimmung von Training, ständiger Technikverbesserung, Taktikvermittlung und an die steigenden Belastungsanforderungen gebundene, sich positiv entwickelnde Einstellungen. Dazu gehört auch die Bereitschaft zur selbständigen Durchführung von Trainingseinheiten und der Disziplin zur inhaltlich qualitativen inhaltlichen Realisierung der Aufgaben (unter dem Motto: ich trainiere alles für mich und nicht für den Trainer!) 

 

An diesen Kriterien ist auch in Wettkämpfen der komplexe Entwicklungsstand der Sportler auf immer höherem Niveau zu überprüfen. ( Erziehung zur offensiven Renngestaltung, aber auch zum Siegläufer, Entwicklung disziplinspezifischer Willensqualitäten, an Zielgeschwindigkeiten und Streckenlängen gebunden – Aufbau des Selbstvertrauens sowie Sammlung von Wettkampferfahrungen)

 

In dieser Ausbildungsetappe resultiert die jährliche Belastungssteigerung aus schrittweiser Erhöhung von Umfang und Intensität im Lauf- bzw. Gehtraining, als auch innerhalb des Athletik-, Kraft- und Sprunkrafttrainings sowie der gleichzeitigen Erhöhung der konditionellen Grundlagen. Die Entwicklung der speziellen Leistungsvoraussetzungen als Mittelstreckler, Langstreckler oder Geher, vor allem in der zweiten Etappe des JABT erfordern zunehmend Trainingsformen, die die speziellen Fähigkeiten auch ausbilden. Dazu gehören:

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Die bei Mädchen früher abschließende körperliche Entwicklung muss sich auch entsprechend im Training widerspiegeln, d.h. Mädchen sind früher/schneller an höhere Belastungen heranzuführen und es können auch frühzeitiger höhere Anteile spezieller Trainingsbelastungen (einschließlich des spez. Krafttrainings) als bei gleichaltrigen Jungen eingesetzt werden. Treten bei Mädchen die erwarteten Leistungsfortschritte nicht „rechtzeitig“ (16/17 Jahre) ein, sind sie schneller zur Aufgabe des Leistungstrainings (Aufwand-Nutzen-Denken/andere Interessen) bereit als Jungen, die ja in vielen Fällen noch nicht mal in der Zeit des Abiturs genau wissen, was sie mal werden wollen! 

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In der zweiten Phase des JABT (~ 2-3 Jahre) wird die Belastung weiter systematisch erhöht und zunehmend spezieller ausgerichtet.
Dabei ist es erforderlich, Phasen erhöhter spezieller Belastungen erhöhte Anforderungen im Athletik-Training vorzuschalten. Einer verstärkten speziellen Arbeit, einer Steigerung der Intensität / Qualität des Trainings muss stets ein verstärkter Ausbau der grundlegenden physischen Fähigkeiten, der Kondition und Belastbarkeit für die aufzubauenden speziellen Fähigkeiten vorausgehen. Ein erhöhtes Kraftniveau erfordert immer auch eine „Neujustierung“ der Bewegungstechniken.

Aufgabenstellungen der 2. Phase des Jugendaufbautrainings:

 

Die wichtigste Voraussetzung für ein nun immer mehr leistungsorientiertes Training und den damit verbundenen steigenden Trainings- und Wettkampfanforderungen ist jetzt eine optimale Planung des Tages- / Wochen- / Jahresablaufs, ein Organisationsplan, der die für die Ausbildung von Eliten erforderliche Zeit zum Üben auch „reserviert“ !

 

Jetzt muss eine gute sportmedizinische Begleitung, auf die Gesundheit ausgerichtet, Trainings- und Wettkampfausfälle durch Krankheiten oder Verletzungen möglichst verhindern (Gesundheitskontrollen, Ernährungsberatung, Physiotherapie, Leistungsdiagnostik usw.)

 

Die Sportler sollen in dieser Phase vertieft mit trainingsmethodischen, biochemischen und sportmedizinischen Zusammenhängen konfrontiert werden. Ihnen muss ihr möglicher eigener Anteil bzw. Beitrag am gewünschten Leistungsfortschritt verdeutlicht werden.

 

Bestimmte Inhalte sind immer mehr den Phasen der Ausbildung zuzuordnen um damit eine höhere physische Belastbarkeit, einschließlich speziell-vorbereitender Übungen, und die Belastungssteigerung gegenüber dem Vorjahr zu sichern.

 

Zur Entwicklung auch der speziellen Leistungsfähigkeit im Disziplinbereich müssen jetzt auch Trainingsformen eingesetzt werden, die die speziellen Fähigkeiten (Entwicklung der aerob – anaeroben Schwelle oder disziplinspezifischer Ausdauer)auch ausbilden.  An der Spitze dieser Ausbildungsaufgaben stehen entsprechend der unterschiedlichen Anforderungen der Mittelstrecken- / Langstreckendisziplinen und des Gehens:

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Die psychischen Anforderungen sind zielgerichtet zu erhöhen und sowohl auf das Training als auch auf die Wettkampfanforderungen und ihre Bewältigung auszurichten (Selbstvertrauen, Selbständigkeit, Willensspann- und -stoßkraft, Risikobereitschaft, -> z.B. als Frontläufer u.a.) Motivation und Spaß an der Leistung und Bewältigung von grenzwertigen Belastungen sind für den Verlauf der Leistungssportkarriere grundlegend und in dieser Etappe auszuprägen