Behandlung einer Stressfraktur

27. September 2006 (Gharavi)


Wichtiger Hinweis!

Der folgende Fall ist eine Dokumentation. Er beschreibt Rehabilitations-Algorithmen, die unter strenger, engmaschiger medizinischer Aufsicht durchgeführt wurden. Dieser Fall ist keinesfalls als Therapieempfehlung zu werten. Unqualifizierte Nachahmung kann die Gesundheit und folglich auch das Leben des betreuten Athleten gefährden. Gerne steht der Verfasser Dr. Dr. Homayun Gharavi unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! beratend zur Verfügung.

Fallbericht: Ermüdungsbruch Vorfuß

Liedl Julia
Alter: 15 Jahre
25 cm Wachstum in vergangenen 15 – 18 Monaten

Nachwuchsathletin Bayernkader Schülerinnen 400m/800m

stellt sich mit Schmerzen im rechten Vorfuß vor (seit drei Tagen)

MR-Aufnahme bestätigt die Diagnose „Stressfraktur“ (Metatarsale III re’)
Kernspin
Kernspin

 


Phase 4
Erweiterte Übungsphase
Vorbereitung auf sportärztliche Vollbelastung
Woche: 7

Voraussetzung: Schmerzfreies Joggen &
Springen auf Sand und volle
Muskelkontraktionsfähigkeit

Ziele:
Progressiver Belastungsaufbau,
Angleichende Rekonditionierung des
Bewegungsablaufes

Pooltraining ohne Bodenkontakt am Di, Do.
Ergometer am Mi.

Nicht-steroidale Schmerzkontrolle bei Bedarf

Sprintbewegungsablauf mit Schwerpunktoptimierung

 

Phase 5
Fortgeschrittene Übungsphase
Woche: 8

Voraussetzung: Schmerzfreiheit beim Joggen auf Grasbelag

Ziele:
Restitution auf 100 %ige Kraft, Dynamik und
Beweglichkeit. Volle Wiederherstellung
der konditionellen Fähigkeiten

 

Phase 5

 

Phase 5
Fortgeschrittene Übungsphase
Woche: 8

Voraussetzung: Schmerzfreiheit beim Beschleunigungslauf auf Grasbelag

Ziele:
Restitution auf 100 %ige Kraft, Dynamik und
ROM. Volle Wiederherstellung
der konditionellen Fähigkeiten

 

 

Phase 5: Beschleunigungslauf auf Grasbelag

 

Phase 5
Fortgeschrittene Übungsphase
Ende Woche: 8

Voraussetzung: Schmerzfreiheit beim Beschleunigungslauf auf Tartan

Ziele:
Restitution auf 100 %ige Kraft, Dynamik und
ROM. Volle Wiederherstellung
der konditionellen Fähigkeiten

Nicht-steroidale Schmerzkontrolle bei Bedarf

 

 

Phase 5: Beschleunigungslauf auf Tartan

 

Phase 6
Rückführung ins volle Training,
Wettkampfteilnahme
Woche: 9

Phase 6: Wettkampf | © Theo Kiefner
Foto: © Theo Kiefner

von Dr. Dr. Homayun Gharavi

Deutschlands Athleten stehen selten im Mittelpunkt

Die nationale Meetinglandschaft leidet unter Strukturproblemen

7. Oktober 2006 (Ring) –  „Es gibt viel zu viele Meetings, leider aber viel zu wenig gute“, sagte einmal Jürgen Mallow, als er noch leitender Landestrainer in Bayern war und sprach da durchaus ein Thema an, das an Brisanz nie verloren hat. Inzwischen hat sich in der Meetingszene einiges getan. Aus einem Wirrwarr von größeren und kleineren Veranstaltungen haben sich inzwischen Kategorien herausgeschält, die durchaus Wert darauf legen, gewisse Standards zu erfüllen. Dabei wird aber immer noch nicht vordergründig in Richtung Förderung der nationalen Spitze gedacht.

Hier und heute soll nun nicht über jene Events gesprochen werden, die im Dunstkreis der IAAF oder der EAA stattfinden, dort gewissen Regularien unterworfen sind und in der Regel der Weltklasse Startmöglichkeiten en masse bieten. Inzwischen gibt sich der Unterbau immer mehr  Mühe, sich zu verständigen, nach dem Motto „vereint sind wir stärker“. In Deutschland sind so die German Meetings, in Bayern, noch ein Stückchen darunter die Bayern Top - Meetings entstanden.

Fangen wir einmal bei den German Meetings an. Ein solches zu werden ist gar nicht so leicht. Der Qualitätsanspuch ist recht hoch. Man bedient sich der internationalen Regeln des (Veranstaltungs-)Rankings über eine Punktetabelle. Die Meetings selbst werden von Managern organisiert, die auch die Teilnehmerfelder zusammenstellen. Das Sponsoraufkommen ist beträchtlich, meist im sechsstelligen Euro-Bereich. Dies hat natürlich Folgen fürs Starterfeld.  Die Güte des Feldes will und kann sich selten an der Klasse der nationalen Elite orientieren, einzige Zielsetzung ist, die Leistungsgüte der einzelnen Disziplinfelder zu verbessern. Der Sieg selbst steht nicht im Vordergrund. Nationale Eliteathleten/Innen kommen je nach Veranstaltung hier unter, auch unter Verzicht auf irgendwelche finanzielle Zuwendungen. Für junge Anschlussathleten/Innen gibt es B-Wettbewerbe. Die Zwänge der Meetings über Fernsehzeiten und Sponsorenverpflichtungen sind im Hintergrund gegeben, die Gestaltungsmöglichkeit durch Trainer relativ gering, die Einflussnahme durch den DLV nur sehr früh im Vorfeld möglich.

So wird denn das Hauptaugenmerk auf das Athletenmanagement gelegt, ohne Rücksicht auf die  Nationalitäten. Wünsche der Trainer zwecks Terminplanung sind schwer durchsetzbar. Nicht gemanagte Athleten/Innen haben es schwer, in die Wettbewerbe hineinzukommen. Die Meetings selbst kämpfen mit regem Publikumszuspruch, weil die  Weltklasse  meist  nur ein bis zwei Kategorien höher zu rekrutieren ist und Fachpublikum nicht in vorzeigbaren Massen angelockt werden kann. Natürlich brauchen diese Veranstaltung von Jahr zu Jahr immer wieder „Frischfleisch“, am besten nationales. Das wächst aber auch nicht zu auf den Bäumen, braucht Praxis, um überhaupt präsentierbar zu sein.

Sich bei regionalen bzw. LV- Meisterschaften „zu bemühen“ ist für viele  eine Möglichkeit, die andere eine One-man-show, mit dem Ziel, eine gute Leistung bei Provinzevents abzuliefern. Der Entwicklung der/des Athleten/In dient das nur bedingt und an der Schwelle zum „zu gut für die Provinz und (noch) zu schlecht für die Einladungsveranstaltungen“ scheitern viele hoffnungsvollen Nachwuchstalente.

Die Verbände reagieren darauf mit Fördermeetings und LV-Vergleichswettkämpfen. In Bayern sind zumindest aus den Förderwettkämpfen die „Bayern Top - Meetings“ entstanden, bei denen Anschlussklasse gebündelt werden soll, leistungsgleiche Konkurrenz immer mehr entsteht und freie Teilnahme uneingeschränkt möglich ist. Zuschauer kommen deswegen natürlich auch kaum. Dies fällt in der Regel aber meist nicht auf, weil die hohen Teilnehmerfelder das Meeting zum echten Familienfest, nämlich das der Leichtathletikfamilie machen. Gelingt dann auch noch über regionales Kleinsponsering eine sinnvolle Investition in die Organisation und Moderation,, entsteht ein durchaus erlebenswertes und leistungsförderndes Meeting für die zahlreich Beteiligten.

Wünschenswert wäre es, diese bisher hauptsächlich auf Landesebene begrenzten Meetings im Regionalverbund (z.B. Bayern + Thüringen + Württemberg) oder auch unter Einbeziehung grenznaher „Ausländer“ anzubieten.  Dies hat sich in Belgien bereits gut entwickelt. Ein Ansatz in diese Richtung war die Domspitzmilch-Gala in 2006 Regensburg, bei der es gelang, neben Top-Rennen C- und D-Läufe bzw. Nachwuchswettbewerbe zu platzieren und am Ende zwischen 20-22 Uhr auch noch die 10.000 m-Läufer/Innen sehr zahlreich um Bestzeiten kämpften. Eine Möglichkeit, die im Veranstaltungs-Deutschland schon Seltenheitscharakter hat, aber äußerst leistungsfördernd war.

Diese Veranstaltung am 1. Juni diese Jahres 2006 entstand  aus verschiedenen besonderen Umständen heraus. Erstens hatte das Event durch die anstehenden Europacupqualifikationen plötzlich einen Teileinladungscharakter durch den DLV, zweitens den Nebeneffekt des absoluten Wettbewerbscharakters, unabhängig der Leistung, rein vor allem auf den  Sieg ausgerichtet. Befürchtungen einiger Insider, vor allem aus Managerkreisen, man würde am Ende lediglich mit den zwei, drei vom DLV eingeladenen nationalen Topleuten (pro Disziplin) und einer mehr oder weniger großen Schar von Nobodys vor leeren Rängen eine schale Leistungsshow im minderen Bereich erleben, bewahrheiteten sich nicht. Die Anschlussathleten/Innen, meist managerfrei und  über ihre Vereine gemeldet, strömten in so großer Zahl in die Domstadt, dass die Veranstalter vor den magischen Zahl 1000 einen Aufnahmestopp vollziehen mussten. Am Tag selbst fühlte sich dann Deutschlands Leichtathletikelite so herausgefordert oder auch mitgerissen, dass ein Feuerwerk an Bestleistungen entstand vor immerhin über 3000 Zuschauern. Aus wem sich die zusammensetzten, spielt eigentlich keine Rolle. Randbemerkung dazu: viele, sogar sehr viele Topathleten/Innen stellten ihr entgangenes Antrittsgeld nicht in der Vordergrund sondern äußerten spontan: „Wir kommen wieder“.

Was ist nun an dieser Domspitzmilch Gala bezüglich der weiteren Zukunft so nachdenkenswert? Der Versuch nationale Spitze via Einladung mit Anschlussspitze via Meldung zu verbinden ist voll aufgegangen. Es ist machbar, A-B-C- Läufe dem Publikum zu präsentieren, wenn dies zeitlich geschickt mit „Vorprogramm“ und „Hauptprogramm“ geschieht. Der Großteil des Publikums kann damit umgehen, weil es sich zum großen Teil um „Fachleute“ handelt. Den Faktor Stimmung konnte man über die im Vorprogramm teilnahmeberechtigte „Rahmenwettbewerblern“ im Hauptprogramm auf einen akustisch messbaren Level heben. Die wo anders so dringend benötigte Ausländerpower wurde nur sporadisch, den  deutschen Bedürfnissen entsprechend, eingesetzt. Die einheimischen Heroes standen im Mittelpunkt. Es ging um was, in erster Linie um den Sieg. Das hat den Leistungsdurchschnitt nicht geschmälert.
Regensburg ist sicher so nicht „eins zu eins“ nachzumachen, weil es eine so hohe Einladungsquote seitens des DLV in Richtung eines Großevents zum Nutzen einer Veranstaltung nicht oft geben wird. Der Einladungsanteil könnte durchaus aber von einem Managementproportium ersetzt werden, überall in Deutschland, zum Nutzen der deutschen Leichtathletik. Der Angst, die nötigen Ranking-Punktzahlen nicht mehr erreichen zu können, kann entgegengehalten werden, dass die Domspitzmilch Gala nach Aussage von DLV Manager Siegfried Schonert locker mit seinen Leistungen hätte mithalten können.


Festzuhalten ist:

Unser nationales Wettkampfsystem muss zugunsten „aller leistungsorientierten“ Athleten/Innen  überarbeitet und neu geordnet werden. Ziel ist der Leistungsfortschritt in allen Altersbereichen.. Altersübergreifenden Wettkämpfe mit leistungsgleichen Jugendliche und Erwachsenen, Frauen mit Männern, müssen forciert werden.
Ein Regionalkonzept mit vernünftigen Reisewegen ist zu entwickeln. Der DLV hat dazu schon die ersten Schritte eingeleitet.
Die „Meisterschaftssucht“ auf den unteren Ebenen (Kreis/Bezirk) muss eingedämmt werden. Das Ansammeln von wertlosen, weil konkurrenzlos erkämpften Kreis-/Bezirksmeistertiteln ist nicht leistungsentwickelnd.

von Kurt Ring


Meetings Scoring - Outdoor 2006

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Ein Bekenntnis zur Leistung und Eliten - Teil 1 von 6

Das Nachwuchsleistungssportkonzept 2012 des deutschen Sports

 

14. Oktober 2006 (Pöhlitz) - Wer das Nachwuchsleistungssportkonzept bis 2012 – eine gemeinsame Zielstellung des Deutschen Sportbundes, der Spitzenverbände, der Landessportbünde und Olympiastützpunkte  – aufmerksam gelesen hat, könnte eigentlich beruhigt in die deutsche Leistungssportzukunft blicken. Vor allem wenn man im Vorwort liest, das der „Gradmesser des Konzepts sein wird, inwieweit die praktische Umsetzung in der Nachwuchsförderung sich in Erfolgen im Spitzensport niederschlägt, insbesondere in Medaillen bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften. Unter den Bedingungen der offenen, pluralistischen Gesellschaft und der föderalen Grundordnung sollen alle beteiligten Partner auf der Bundes-, Landes- und Standortebene ihre Kräfte im Kooperationsverbund für die gemeinsame Zielstellung gebündelt und effektiv zur Wirkung“ bringen. Im Deutschen Leichtathletikverband hat man bisher immer das Gefühl, dass für nicht erkämpfte  Medaillen ( in der öffentlichen Rechenschaftslegung ) ganz allein der DLV zuständig ist!

Da man aber in der Öffentlichkeit, den Medien bisher von diesem wichtigen Nachwuchsarbeitskonzept etwas wenig gehört hat und auch angesprochene Trainer mit den Schultern zuckten, hoffen wir, dass wenigstens alle beteiligten Partner (s.o.) inzwischen ihre individuellen Aufgaben kennen und bereits an die praktische Umsetzung gegangen sind, damit sie in 5-6 Jahren effektiv wirken !

Wir halten dieses Konzept – auch als unser Bekenntnis zur Leistung und Elite – für die Leistungssportentwicklung in unserem Land in den nächsten Jahren für so wichtig, dass wir vor allem die Kreise damit konfrontieren wollen, an die es gerichtet ist, die bei der Umsetzung helfen  bzw. die davon profitieren sollen. Deshalb wollen wir mit einer komprimierten Fortsetzungsreihe unseren Beitrag leisten.

1. Ausgangslage, Ziele, Zukunftsaufgaben

Im Jugend- und Juniorenalter wurde eine Vielzahl internationaler Erfolge erreicht, Deutschland zählt zu den erfolgreichsten Nationen im Nachwuchsbereich. Die Erwartungen im Hinblick auf Erfolge im Spitzensport, insbesondere bei den Olympischen Spielen konnten nur teilweise erfüllt werden. Im Übergang vom Nachwuchs zum Spitzenbereich gibt es oft ein Abflachen der Leistungsentwicklung oder sogar Karriereabbrüche. Es besteht ein erheblicher Mangel an qualifiziertem Trainer-Nachwuchs, die über Kenntnisse im Übergang von einer noch stark entwicklungsbeeinflussten Jugendleichtathletik zur trainingsbeeinflussten Leistungsleichtathletik verfügen. Daher schaffen die Jugendliche nur selten den Sprung in den  Leistungssport.

Gegenüber anderen führenden Spitzensportnationen bestehen deutliche Rückstände in einer insgesamt vergleichsweise gering ausgeprägten Kultur der Leistung und der Leistungseliten im Sport- und Bildungssystem. Es fehlen Talent – Scouts, die Strukturlösungen von Hochleistung und Studium / Beruf sind wenig entwickelt. Ein gesunder Patriotismus als Erfolgsmotivation ist relativ schwach.

Übergreifende Zukunftsaufgaben für die Weiterentwicklung des deutschen Nachwuchsförderungssystems für den Spitzensport bis 2012 sind:

  • Der DOSB setzt sich für eine klare Leistungskultur im Sport- und Bildungssystem und für die Ausbildung von Leistungseliten ein.
  • Es sollen mehr Talente für den Leistungssport in den Vereinen gewonnen werden. Die Talentsuche (Talent-Scouts) ist zu verbessern.
  • Die Sportvereine mit klarem Leistungsanspruch sind insgesamt weiter zu stärken
  • Im regelmäßigen Training sind mit qualifizierten und praxiserfahrenen Trainer/Innen vielseitige Grundlagen für eine langfristige Spitzensportkarriere aufzubauen.
  • Der Übergang in den Spitzenbereich ist für mehr Junioren mit echter Spitzensportperspektive zu sichern.
  • Strukturelle Lösungen für eine Verbindung von Leistungssport und Schule / Beruf / Studium sind zu verbessern oder zu entwickeln.
  • Die Effizienz der Kaderbetreuung ist bis zum U23-Altersbereich zu erhöhen.
  • Die Zuständigkeiten, Aufgaben und Verantwortlichkeiten zwischen Bundes-, Landes- und Standortebene sind durch höhere Klarheit, Verbindlichkeit und Verlässlichkeit
  • wirksamer zu gestalten.

von Lothar Pöhlitz

Ein Bekenntnis zur Leistung und Eliten - Teil 2 von 6

2. Langfristiger Trainings- und Leistungsaufbau – Trainings- und Wettkampfsysteme

 

15. Oktober 2006 (Pöhlitz) - Nachwuchstraining ist vielseitig und hat Voraussetzungsfunktion für darauf aufbauende Trainingsziele im Spitzenbereich. Es hat perspektivischen Charakter. Die Erfüllung der inhaltlichen Ziele und Aufgaben für diesen Altersbereich steht im Vordergrund und ist im Einklang mit der biologischen, psychisch-sozialen und schulischen Entwicklung zu gestalten. Das Nachwuchstraining umfasst das Grundlagentraining (GT), das Aufbautraining (ABT) und das Anschlusstraining (AT).
Das Grundlagentraining zielt auf die Ausbildung grundlegender und sportartspezifischer Leistungsvoraussetzungen und eine hohe vielseitige Belastbarkeit für künftige Trainingsanforderungen.
Das Aufbautraining als zweite Etappe des Nachwuchstrainings zielt auf eine vielseitige, stärker sportartbezogene Ausbildung. Das Niveau der allgemeinen und sportartspezifischen Leistungsvoraussetzungen und die Belastbarkeit sind weiter zu erhöhen.
Das Anschlusstraining verfolgt das Ziel in einer ersten Phase das nationale und internationale Leistungsniveau bei gleichzeitigem Ausbau der Grundlagen für weitere Leistungssteigerungen, zu erreichen. In einer zweiten Phase ist der Anschluss an die Leistungs- und Trainingsanforderungen der nationalen und internationalen Spitze herzustellen.

Das Strukturmodell eines langfristigen Trainings- und Leistungsaufbaus ist gleichermaßen offen für Früh- und Spätentwickler, Spät- und Seiteneinsteiger und Sportartwechsler. Die „Kunst“ der Trainer/Innen im Nachwuchsleistungssport besteht darin, das Training auf das jeweilige individuelle Entwicklungs-, Erfahrungs-, Ausbildungs- und Leistungsniveau zuzuschneiden.
Zur Erfüllung der Trainingsziele werden in den Rahmentrainingsplänen der Spitzen-Verbände kontinuierlich steigende Zeitbudgets für Training und Wettkämpfe konzipiert.
Solche Orientierungswerte für die Trainingshäufigkeit und Trainingszeit sind:

2006-10-15-nachwuchsleistungssportkonzept-2

Die Empfehlungen sollen in Abhängigkeit vom individuellen Vorbereitungs- und Entwicklungsstand der Sportler/Innen, von der Spezifik der Anforderungen der Sportart und von der Zielstellung des jeweiligen Zyklus im Trainingsjahr in differenzierter Form der Trainingsplanung zugrunde gelegt und angestrebt werden.

Training und Wettkämpfe stehen in enger gegenseitiger Wechselwirkung. Wettkämpfe im Nachwuchsleistungssport haben Aufbaufunktion und sollen inhaltlich mit der Trainingsaufgabenstellung verbunden sein. Die Vermehrung internationaler Schüler, Jugend- und Juniorenwettkämpfe und ihre Aufwertung darf nicht zu einer forcierten frühzeitigen Spezialisierung führen. Im Altersbereich U23 sollen stärker als bisher hochwertige ( internationale ) Wettkämpfe angeboten werden.
Bis 2008 sollen als sportartübergreifender Nachwuchs-Wettkampfhöhepunkt Deutsche Jugendspiele in Olympischen Sportarten für Sporttalente eingeführt werden. Damit soll der Nachwuchsleistungssport aufgewertet und für jugendliche Talente klare Identifikationslinien und dauerhafte Bindungskräfte begründet werden. Ob die gegenwärtigen Strukturen dies so kurzfristig möglich machen ist zweifelhaft.

„Richtlinienkompetenz“ der Spitzenfachverbände

Eine inhaltlich-konzeptionelle Zuständigkeit der Spitzenfachverbände für den gesamten langfristigen Trainings- und Leistungsaufbau einer Sportart ( Gesamtentwicklungskonzept ) ist unverzichtbar. Nur die Spitzenfachverbände sind durch Analyse der internationalen und nationalen Leistungssituation und  Leistungsentwicklung in der Lage, die strategischen Schwerpunkte zur Weiterentwicklung der sportartspezifischen Trainings- und Wettkampfsysteme auch für den Nachwuchs zu bestimmen.

Die Wahrnehmung der „Richtlinienkompetenz“ erfordert eine kooperative Zusammenarbeit mit den Landesverbänden und Leistungsvereinen und beinhaltet folgende Schwerpunktaufgaben:

  • Festlegung der Eckdaten des durchgängigen Trainings- und Wettkampf-Systems in Form von Rahmentrainingsplänen und Wettkampfkonzepten
  • Bestimmung einer bundeseinheitlichen Kaderstruktur für alle Landes- und Bundeskaderstufen
  • wünschenswert wäre zur Effektivierung der Kaderarbeit eine deutliche Verringerung und strengere

von Lothar Pöhlitz

Ein Bekenntnis zur Leistung und Eliten - Teil 3 von 6

3. Talentsuche

 

16. Oktober 2006 (Pöhlitz) - Ziel der Talentsuche ist es, viele sportlich talentierte Kinder und Jugendliche für ein dauerhaftes Wettkampf- und leistungsbezogenes Engagement im Sportverein zu begeistern und zu gewinnen. Landesweit organisierte, flächendeckende Kooperationsprogramme von Leistungssport und Schule bieten dafür günstige Voraussetzungen.
Nicht in Ergänzung zum Bundeswettbewerb „JUGEND TRAINIERT FÜR OLYMPIA“  sondern als Ersatz (unsere Meinung) sollte  in Zusammenarbeit mit den Spitzenverbänden ein neuer „Talentwettbewerb“ aufgebaut werden. Dabei sollte besser nicht der  Mannschaftsgedanke, sondern das Einzeltalent in den Mittelpunkt gestellt werden. Programme zur Talentsuche sind schwerpunktmäßig auf den Altersbereich von 10 – 15 Jahren zu fokussieren.
Ein gezielter Einsatz von Talent – Scouts wird – je nach landestypischer Programmstruktur – als ergänzendes Modul innerhalb vorhandener Strukturen in den Landesfachverbänden, Vereinen und Landeskooperationsprogrammen angebunden oder es werden neue Positionen dafür in den Ländern geschaffen.

Ergebnisbezogene Qualitätskriterien für Programme zur Talentsuche sind:

  • wie viele talentierte Kinder durch das Programm in Sportvereine eintreten
  • für wie viele erfolgreiche Spitzenathleten wurde der Einstieg in den Leistungssport vermittelt


Prozessbezogene Qualitätskriterien für Programme zur Talentsuche sind:

  • Fokussierung der Programme auf die beschriebenen Altersbereiche
  • Systematisches Talent-Scouting
  • Zeitnahe und effektive Kommunikation zwischen Übungsleiter/Innen, Trainer/Innen, Sportlehrkräften der Schulen, Eltern und dem Talent
  • Wirksame Qualifikations- und Fortbildungsmaßnahmen fürdie Talent-Scouts durch die Landesfachverbände
  • Kooperation zwischen Sportarten

von Lothar Pöhlitz