Optimismus, Leidenschaft, aufopferungsvolle Teamarbeit sind ein Weg (Teil 3)

Teil 3: Die Dopingproblematik ist die eine Sache – nationale Qualitätsrückstände aber eine andere

19. September 2006 (Pöhlitz) - Wir sollten nicht immer nur die Doping-Sau reiten, die gerade durch die Medien getrieben wird. Es gibt für uns erst einmal keine Ausrede, weil der Anschluss zum Weltniveau auch heute noch von Talenten ohne Doping geschafft werden kann. Wir können nicht alles leisten, was sich die Medien wünschen (bei eurosport ist für Läufer fast in jeder LA-Übertragung der Maßstab Weltrekord!). Trotzdem sind bei den Frauen Leistungen unter 2:00 / 4:00 / 15:00 / 31:00 / 9:30 (Hindernisse) Minuten usw. und bei den Männern um 1:45 / 3:35/ 13:10 / 27:30 oder 8:10 Minuten über 3000 m Hindernis ohne Doping möglich. Damit könnten wir in jedem internationalen Rennen präsent sein. Weltniveau sind nicht Weltrekorde, die sicher zukünftig nur noch von absoluten Ausnahmetalenten ohne „unterstützende Mittel“ oder von gedopten Athleten zu verbessern sind. Zur Lösung solcher Aufgaben brauchen wir Trainer, die über das Wissen und die Fähigkeiten verfügen die Athleten dorthin zu führen, aber auch bereit sind die notwendigen Instrumente ( Trainingslehre, Leistungsdiagnostik, Teamarbeit, Höhentraining, Persönlichkeitsführung usw.) dazu einzusetzen.

Insider wissen, dass die alte DDR-Trainingslehre intern schon seit Mitte der 70er Jahre mit doppelten Boden argumentierte und auch arbeitete, dessen Ziel es war, auf der Basis einer überlegenen, eigenen Trainingslehre auch dann das Weltniveau mitzubestimmen, wenn eines Tages ein dopingfreier Sport weltweit durchgesetzt werden würde.

Sportler und Trainer mit einem solchen Anspruchsniveau sollten einen Aufgabenkatalog entwickeln und über Reserven für den Einzelnen oder auch für Leistungsgruppen nachdenken. Nach gründlichen Überlegungen und Diskussion möglichst im Team (vielleicht auch im Sinne einer Trainerqualifizierungsoffensive wie sie vom DOSB gefordert wird), auswählen, Festlegungen treffen und sofort an deren Realisierung gehen.

Optimismus, Leidenschaft, aufopferungsvolle Teamarbeit sind ein Weg (Teil 2)

Teil 2: Quantität und Qualität zu erhöhen ist gleichermaßen Voraussetzung für den Erfolg

18. September 2006 (Pöhlitz) - Viele europäische Läufer haben es in den letzten Jahren selbst erlebt und immer wieder berichtet, hinterm Zaun (Afrika) wird sogar in der Höhe schneller gelaufen als bei uns unter NN und die Konkurrenz dort macht das Entwicklungstempo immer schneller und die Regenerationszeiten nach Wettkämpfen immer kürzer !!! Natürlich wünschten wir uns wie viele bei diesen Heerscharen von „farbigen Weltniveauläufern“ ganzjährige, stark verbesserte Trainingskontrollen, zu Hause und in ihren Camps in Europa Wir schließen uns natürlich auch gern dem DLV-Präsidenten Dr. Clemens Prokop an, der sich mehr Kontrollen in Russland wünscht, wir wünschen sie uns aber auch in Afrika, in USA und Asien!!!

 Was das weitere Vorgehen für unsere Athleten und Trainer betrifft darf es keine Tabus, keine Denkverbote geben, es haben sich Fortschritte gezeigt, in der Mehrzahl der Disziplinen gibt es aber einen noch beträchtlichen Rückstand! (siehe auch unsere EM-Statistik)

EM Statistik

Im Zusammenhang mit dem neuen Schwimm-Weltrekord der deutschen 4 x 100 m Freistilstaffel der Frauen bei der EM 2006 in Budapest – den nach dem Fehlen von Völker und van Almsick in der Tat niemand erwartet hatte – dankten die 4 Schwimmerinnen ihrem erst seit März 2006 tätigen neuen Sportdirektor, dem Norweger Madsen so: „Er hat unglaublich hart mit uns trainiert, viel mit uns gesprochen und uns ein neues Wir-Gefühl vermittelt“ und die Schnellste im Team, Britta Steffen ergänzte: „Ich habe mir geschworen, dass ich nicht mehr nur einfach dabei sein will, ich will alles dafür tun, dass ich ganz vorne bin.“

Alle Überlegungen müssen mit dem Ziel verbunden werden möglichst bald so schnell zu laufen wie die Konkurrenz. Dafür sind zuerst die Voraussetzungen zu schaffen. Alle Aktivitäten müssen deshalb im ersten Schritt der Vorbereitung auf schnelles Laufen dienen!!! Dazu sind vielfältige Maßnahmen möglich und notwendig.

Auch wenn Fußball als Mannschaftssportart nicht Laufen oder Gehen ist, das Klinsmann-Team hat es bewiesen, in nur zwei Jahren ist ein riesiger Leistungsfortschritt zu organisieren! Aber man muss es wollen.

Das Nachwuchstrainings- und Wettkampfsystem muss neu strukturiert werden

Altbundestrainer Lothar Pöhlitz mit einem Neuansatz der Wettkampfperiodisierung

Lothar PöhlitzKürten, 21. September 2006 (pö) - Man hat gegenwärtig das Gefühl, dass trotz der derzeit unbefriedigenden Konkurrenzfähigkeit unserer Läufer und Geher einfach zur Tagesordnung: "lassen wir doch alles so wie es ist" übergegangen wird. Hin und wider wird der Zustand dargestellt, Ursachen - wie mangelhafter Schulsport, unorganisierte, nicht zielorientierte Talentsuche, unbefriedigende Talentausbildung auf Grund zu weniger gut ausgebildeter Nachwuchs-Trainer bis zu solchen allgemeinen Formulierungen wie unzureichende Nachwuchsförderung - genannt. Auswege aus der Krise, die machbar sind, die direkt zu positiven Veränderungen führen, die unseren Jugend-Kaderathleten, den schon trainierenden Talenten helfen könnten, werden aber kaum aufgezeigt. Spitzenleistungen sind nicht das Ergebnis schwarzer Hautfarbe. Nach Dieter Baumann und Nils Schumann hat der Australier Craig Mottram unlängst mit seiner WM-Bronzemedaille über 5000 m gezeigt, dass mit harter Arbeit auch "Weiße" erfolgreich sein können und er hat sich für die Zukunft vorgenommen sie alle zu besiegen!

Alle sollten dies als Herausforderung ansehen - systematisch nach Reserven suchen, sie aufzeigen, diskutieren und möglichst schnell verändern! Geht nicht, gibt's nicht, Veränderungen im Training und in der Wettkampfgestaltung wären sofort möglich. Die dafür Verantwortlichen müssten aus dem Schatten treten, ihr Konzept einmal der Öffentlichkeit vorstellen. Mein Diskussionsbeitrag zielt - ohne Geld zu kosten - im Gegenteil er spart sogar welches ein - auf eine meines Erachtens notwendige Veränderung unseres Nachwuchstrainings- und Wettkampfsystems. Allein damit könnte die Wirksamkeit des Trainings entscheidend verbessert werden. Die gegenwärtige Praxis ist, dass unser talentierter Nachwuchs fast ganzjährig mit Wettkämpfen "ausgelastet" ist, oftmals noch bis Ende September, im November / Dezember Cross, im Januar / Februar Hallenwettkämpfe. Bereits im April fordern die Bahneröffnungen schon wieder zum Wettkampf auf, die veröffentlichten Bestenlisten reizen, schließlich will man sich ja auch mal unter den besten 10 präsentieren. Dies ist mehr als im Hochleistungsbereich der Erwachsenen. Damit bleibt für unsere Jugendlichen zu wenig Zeit zur Ausbildung, zum Training, besonders zur Basisarbeit, aber auch zur Erholung. Deshalb sollte ein wichtiges Ziel darin bestehen, mit Veränderungen Trainingszeit zu gewinnen. Dies wäre bei gleichzeitiger Verdichtung der Wettkampftätigkeit möglich. Um solche Veränderungen im Nachwuchswettkampfsystem zu erreichen, bedarf es sicher umfangreicher Überzeugungsarbeit, beginnend bei den DLV Nachwuchsverantwortlichen, bei allen Landestrainern der Landesverbände und ihren "Chefs", vor allem aber bei den Heimtrainern, die im Endeffekt die Wettkampftätigkeit innerhalb des Aufbautrainings ihrer Athleten planen und auch verantworten.

Auch bei der Ausbildung von Läufern und Gehern gibt es trainingsmethodische Zwänge. Sie müssen sichern, dass jährlich ein ordentlicher Leistungsfortschritt organisiert wird, dass aber gleichzeitig eine zielgerichtet allgemeine und spezielle Belastbarkeit in Vorbereitung auf eine schrittweise folgende Belastungserhöhung, aber auch für die Zeit des Überganges zum Hochleistungstraining (Verletzungsanfälligkeit bei steigender Trainingsbelastung), vorbereitend auszubilden ist. In der Abbildung „Ausbildungspyramide“ machen die bei der Ausbildung von Läufern und Gehern komplex zu lösenden wichtigsten Trainingsaufgaben deutlich, dass dafür viel Trainingszeit gebraucht wird, mehr als sie gegenwärtig im Nachwuchstraining in vielen Fällen eingesetzt wird. Vor allem für einen breiten Unterbau (Kondition, allgemeine Kraft, Grundlagenausdauer, Aufbau der allgemeinen und speziellen Belastbarkeit, Technikausbildung, Beweglichkeit und Schnelligkeit) wird zu Beginn der jeweiligen Makrozyklen bekanntlich viel Zeit benötigt, die in der Regel nicht vorhanden ist.

Nachwuchsarbeit

Jugend-Trainings- und Wettkampfsystem „ neu“

Die Abbildung „Periodisierung im Jugend-Aufbautraining neu ordnen“ zeigt einen konkreten Vorschlag zur Erschließung von
Reserven auf dem Weg junger Athleten in Vorbereitung auf das Erwachsenentraining. Die Hauptaufgabe besteht in der Gewinnung von Trainingszeit zur Verbesserung der inhaltlichen Ausbildung.

Das neue Trainingsjahr beginnt jeweils bereits in der 38. Woche (Mitte September). Um eine Übergangsperiode von 3 Wochen zu sichern, muss der September wettkampffrei sein, das Wettkampfjahr mit der 34. Woche beendet werden! Damit wären ein 3-wöchiger Urlaub (auch mit den Eltern) und die notwendige Regeneration gesichert. Bereits nach einer 14-tägigen trainingsfreien Zeit ist bekanntlich der Verlust an z.B. aerober Leistungsfähigkeit deutlich, nach etwa 3 Wochen gehen alle erarbeiteten Fähigkeiten z. T. schnell zurück.
Gleichzeitig wäre eine Verlängerung der VP I auf 19 Wochen, der VP II auf 15 Wochen möglich. Im Gesamtjahr beträgt damit das Verhältnis der Trainingswochen zu Wettkampfwochen 34:13, der Winterwettkampfabschnitt könnte 4 – 5 Wochen dauern,
in dieser Zeit finden „wichtige Wettkämpfe“ statt, deren Höhepunkt in der letzten Woche die Deutschen Jugendmeisterschaften
sein könnten. Vorher sind zusätzlich Aufbauwettkämpfe als Bestandteil des Trainings möglich. Für die schnellen Disziplinen (800 m – 5000 m) wäre eine Doppelperiodisierung mit Hallensaison, für Langstreckler und Geher ein langfristiger Aufbau mit Cross- / Straßenwettkämpfen wünschenswert.

Im Sommer werden 2 Wettkampfabschnitte (5 + 3-4 Wochen) durch 2-3 Zwischentrainingswochen (evtl. auch Urlaub mit aktiver Erholung / Training / Sommertrainingslager wie in anderen Ländern üblich) verbunden. Am Ende der WP I könnten die Deutschen Jugendmeisterschaften liegen, in der WP II auch internationale Höhepunkte. Wichtig ist noch, dass der Mai eigentlich zu den wichtigen „Trainingsmonaten“ (auch mit Aufbauwettkämpfen / Unter- bzw. Überdistanz) zählt und schwerpunktmäßig auch der Leistungsausprägung dient. Denkt man an den gerade vergangenen langen und intensiven Winter bis ins späte Frühjahr, besonders in Süddeutschland, wird eine solche trainingsmethodische Konsequenz noch dringlicher! Für das notwendige spezielle Training (Intensitätssteigerung) mit entsprechenden Erholungsphasen und verstärkten Regenerationsmaßnahmen muss ausreichend Zeit zur Verfügung stehen. Schnellschüsse unter Zeitdruck führen nicht zu den gewünschten Leistungsfortschritten.

In der folgenden Abbildung werden unter MEZ auch zu planende Mesozyklen im Sinne von Belastungs- und Erholungswochen (4:1 – 3:1 – 2:1) bei systematisch ansteigender Intensität im Jahresverlauf vorgeschlagen.

Periodisierung im Jugend-Aufbautraining neu ordnen heißt

- VP I ist länger als VP II (19:15 Wochen)
- Der Winterwettkampfabschnitt dauert ~ 4-5 Wochen - zusätzliche Aufbauwettkämpfe sind Bestandteil des Trainings
- 2 Wettkampfabschnitte im Sommer (5 + 4 Wochen) werden durch 2-3 Zwischentrainingswochen (evtl. auch Urlaub) unterbrochen
- die Übergangsperiode dauert 3 Wochen und beginnt bereits im August (Urlaub)
- Im September finden keine Wettkämpfe statt!
- das neue Trainingsjahr beginnt jeweils in der 38. Woche (Mitte September)
- die Deutschen Meisterschaften könnten als Höhepunkte der Wettkampfperioden jeweils in der letzten Woche dieser Abschnitte ( hier 8. bzw. 28. Woche ) stattfinden
- für die schnellen Disziplinen (800 – 5000 m) ist eine Hallensaison, für die Langstreckler und Geher ein langfristiger Aufbau mit Cross- /Straßenwettkämpfen im Winter zu empfehlen

Periodisierungstabelle

von Lothar Pöhlitz

Optimismus, Leidenschaft, aufopferungsvolle Teamarbeit sind ein Weg (Teil 4)

Teil 4: Darüber muss nachgedacht werden – Aufgabenkatalog zur Leistungsoptimierung

20. September 2006 (Pöhlitz)

  • Was bedeuten neue höhere Anforderungen, bzw. Schwerpunkte für meine(n) Läufer oder Geher? Durch welche neuen oder anderen Organisationsformen (Trainingslager, Tageszeitplanung, Partnertraining, Trainingsstützpunkte, Höhentraining, komplexe Regenerationsplanung, sportmedizinische Begleitung / Leistungsdiagnostik / nationale und internationale Wettkampfgestaltung, Trainingsinhalte etc.) kann der neue Jahrestrainingsplan in die Praxis umgesetzt werden?

  • Alle Sportler unterziehen sich sofort einer gründlichen sportmedizinischen Komplex-Untersuchung, heilen Krankheiten und Verletzungen aus und beginnen mit einem umfassenden, systematischen Basistraining. Dabei sollten zuerst muskuläre Defizite festgestellt und systematisch beseitigt werden. Parallel müssen die Entwicklung disziplinorientierter spezifischer Kraftfähigkeiten und der Beweglichkeit als wichtige Voraussetzungen für schnelleres Laufen bzw. Gehen von Beginn an (jedes Jahr bis April) auf ein neues höheres Niveau gebracht werden.

  • Leistungsziele und Trainingsinhalte / -belastungen müssen übereinstimmen.
    Umfangssteigerungsraten von jährlich 15 – 30 % in vergleichbaren Mikro-, Meso- bzw. Makrozyklen sind Basis für den Leistungsfortschritt.
    Im Jahresverlauf sind aber Entlastungen (Erholungswochen) genauso wichtig wie hohe Belastungsphasen. 4 : 1 / 3 : 1 / 2 : 1 / 1 : 1 Belastungs- Erholungswochen sind entsprechend der Inhalte (aerob / anaerob / wettkampfspezifische Ausdauer / Wettkampfphasen ) wichtig für die Belastungsverarbeitung.
  • In den Jahren ist ein Reizwechsel in den Trainingsbereichen /-inhalten von Jahr zu Jahr zu empfehlen. Schwerpunktmäßig sollte in 2007 ein „Umfangsjahr“ und 2008 ein „intensitäts-orientiertes Jahr“ realisiert werden. Das Olympiajahr 2008 sollte also ein „Intensitäts-/Qualitätsjahr“ sein.
  • Grundlage für eine weitere Belastungserhöhung im speziellen Training als Voraussetzung für eine schnellere Leistungsentwicklung ist ein höheres Niveau im Unterbau / Basis:

    Grundlagenausdauer + Kondition
    Allgemeine + spezielle Kraft
    Motorik / Schnelligkeit
    Dehnfähigkeit / Lockerheit / Gelenkbeweglichkeit

  • Die Qualität der Übungsausführung in allen Trainingsübungen ist ein wichtiges Belastungskriterium. Nicht die Anzahl der Wiederholungen an sich, sondern die Anzahl der Wiederholungen in höchster Ausführungs-Qualität müssen vorrangiges Kriterium für die Belastungswirkung sein!
    Alle Teilinhalte des Trainings müssen der Vorwärtsbewegung (Vortrieb) dienen, eine gute, ökonomische Lauf- bzw. Gehtechnik ist Voraussetzung zur optimalen Umsetzung der Energie und Voraussetzung für schnelles Laufen.
    (Muskelverkürzungen nicht zulassen, Gelenkamplituden vergrößern, Hebellauf verbessern, Fußgelenkskraft steigern, Beweglichkeit erhöht die Geschmeidigkeit der Bewegungen – siehe afrikanische Läufer / Innen – und ist Voraussetzung für eine anzustrebende individuell optimale Schrittlängenvergrößerung)

  • Die weitere Erhöhung der aeroben Leistungsfähigkeit (vL2 – vL3 – vL4 ) als Basis für das Training im Bereich der Zielgeschwindigkeiten ( 93 - > 105 % vom Leistungsziel) der einzelnen Disziplinen bleibt im Sinne des Ausbaus der Stärken in einem komplexen Training eine immer vorrangig zu lösende Aufgabe ! Aber es ist nicht der allein zu lösende Schwerpunkt.
    Eine schnellere Entwicklung der aeroben bzw. aerob-anaeroben Schwellen nach oben setzt die Nutzung des Geschwindigkeits- und Laktatspektrums unterhalb und oberhalb der Schwelle (Laktatbereich 1,5 – 7 mmol/l) voraus. Je nach Ausgangsposition ist vor allem zu prüfen, ob die Trainingsanteile im aerob-anaeroben Übergangsbereich zu erhöhen sind. Trainingsumfänge in Tempolauf-TE müssen individuell grenzwertige Anforderungen stellen, wenn sie im Sinne des Ziels optimal wirksam sein sollen.
    Zur Ausschöpfung / Anpassung aller erforderlichen Systeme des Organismus, wie sie für eine hohe Wettkampfleistung am Tag X gebraucht werden, ist ein Lauftraining unter Einsatz aller Geschwindigkeitsbereiche (75 – 120 % vom Leistungsziel) erforderlich.
    Die Unterdistanzleistungsfähigkeit ist für die Leistung auf der Spezialstrecke genauso wichtig, wie eine hohe aerobe Basis ( Entwicklungsbereich ). Ihre Ausbildung muss für die schnellen Disziplinen im Gegensatz zur bisherigen Praxis früher (VP I) und parallel zum speziellen Training erfolgen. Mehr als bisher muss die Leistungsstruktur der jeweiligen Spezialstrecke die Trainingsstruktur ganzjährig bestimmen, d.h. Alle Teile des „Mosaiks individuelle Spitzenleistung“ müssen rechtzeitig ausgebildet und zum Wettkampfhöhepunkt hin systematisch „zusammengefügt“ werden. Dies ist Voraussetzung für die höchste sportliche Form bei der WM oder OS.

  • Höhentraining beinhaltet die größte Reserve für den Leistungsfortschritt bei Läufern und Gehern. Dabei muss bedacht werden, dass durch Höhentraining erzielter Leistungsgewinn, das Höhentraining immer wieder erforderlich macht. Individuell unterschiedliche Wirkungen erfordern Höhen-Erfahrungen. Den Sportlern (und auch Trainern, die noch keine Erfahrung mit der Höhe haben ) ist die Struktur des Höhentrainings und der Akklimatisierung nach der Höhe und ihr eigener Anteil am Erfolg, zu vermitteln.

  • Kraft ist Voraussetzung für Geschwindigkeit, dabei sollte folgender Aufbau 2-3x jährlich bei ansteigenden Anforderungen realisiert werden (immer in Verbindung mit Dehn -und Lockerungsübungen):

    • Athletik (Ganzkörperkraft / Beweglichkeit) + Kondition
    • Speziell vorbereitendes Krafttraining ( mit Geräten / auch Hantel-Kraft ), Koordination / Lauf-ABC / Laufschule » Lauftechnik
    • Spezielles Kraftausdauertraining ( BAL / ZWL / Sprünge ) + Motorik (dabei ist zu bedenken, dass z.B. Berganläufe in bestimmten Phasen des Jahrestrainings die Intervallprogramme auf der Bahn sehr gut ersetzen können)

    Für alle Läufer und Geher sollte eine spezielle Fuß- und Fußgelenkskräftigung ganzjährig Bestandteil des Trainings sein. Individuelle Programme sind mit den Sportärzten und Physiotherapeuten gemeinsam zu erstellen und die regelmäßige Durchführung durch die Trainer zu überwachen.
    Krafttraining für Läufer vermeidet Muskelhypertrophie (Ziel schlanke Muskulatur)
  • Die Vor-, Zwischenlauf- und Endlaufgestaltung z.B. bei den olympischen Spielen weist besonders auf ein notwendiges Tempowechsel- und Spurt orientiertes Training hin. Die Beherrschung dieser Fähigkeiten kann ein wesentlicher Vorteil gegenüber den Tempo orientierten afrikanischen Läufern sein.
    Die durch ein stereotypes Ausdauertraining eingefahrenen Bewegungsmuster sowie die Muskelstruktur sind schon früh im Jahr durch intensive Trainingsformen (à FT-Fasern) zu mehr Schnellkraft und damit zu mehr Vortrieb zu befähigen. Eine Vernachlässigung in den Wintermonaten kann vor allem für die „schnellen Disziplinen“ (800 – 5000 m) fatale Folgen haben ( Rückgang dieser Fähigkeit ).
    Neben Schnelligkeits- und Schnelligkeitsausdauertraining sind

    • kurze schnelle Berganläufe ( BAL) bzw. Zugwiderstandsläufe (ZWL)
    • Intervall – Schnelligkeit
    • Tempowechsel-Sprints
    • maximale Einsätze in den Endphasen ( Spurttraining )
    • An- und Entspannungsläufe

    zu empfehlen.

    Offensichtlich in Vergessenheit geraten sind vor Jahren erfolgreiche Vorbereitungen durch Training der Zielgeschwindigkeit von Beginn des Trainingsjahres an!
  • Für die Langzeitausdauerdisziplinen Marathon und Gehen sind Reserven in der Fettstoffwechselentwicklung durch Überdistanztraining zu erschließen. Dafür sind individuelle Programme auf der Grundlage der Leistungsdiagnostik (wie lang, wann, Geschwindigkeiten, wie oft?) festzulegen und deren Wirkung zu kontrollieren. Querfeldeinläufe bzw. -gehen über Stunden unterstützen gleichzeitig die Beinkraftentwicklung.
    Marathonspezifische Läufe (MSL = ab 35 km) sind mit systematisch steigenden Anforderungen in der spezifischen Marathonvorbereitung (12 Wochen) bis zur Wettkampfstreckenlänge und bis ~ 95 % der Leistungszielgeschwindigkeit einzusetzen (auch für Geher). Der Anteil der Läufe von 18 - 25 km > 87 % vom Leistungsziel ist als Voraussetzungstraining dafür zu erhöhen.
  • Der Aufbau der Energieversorgung und die Ernährungsgewohnheiten beim Marathonlauf und Gehen sollten ein Schwerpunkt sein. Eine ausreichende Energieversorgung in der Endphase von Marathonläufen und im 50 km Gehen wird durch folgende Maßnahmen geübt und unterstützt:

    • systematischer vertretbarer Muskelaufbau ( Speicher )
    • Individuelles Energiegetränk für Training und Wettkampf
    • Im Training und Wettkampf aller 5 km ( bzw. 20 Minuten ) klimaabhängig ~ 150 – 200 ml „austrinken“ (Flasche mitführen)
    • langfristig Trinkgewohnheiten herausbilden ( Flaschengurt )
    • „Flasche danach“ – für erste 30´ nach hohen Belastung zur Unterstützung einer schnellen Regeneration nach hohen Belastungen
    • Ernährungsoptimierung, 5 Mahlzeiten, Mischkost, Hilfe bei Essstörungen
    • Sicherung eines individuell optimalen Hb-Standards

    Substratverarmung (Muskelglycogenmangel) wirkt negativ auf Qualität und Quantität des Trainings / Wettkampfes, auf die Aufrechterhaltung einer optimalen Bewegungsstruktur (Lauf- bzw. Gehtechnik), auf die Belastbarkeit des Stütz- und Bindegewebes, auf die Verletzungsanfälligkeit und aufs Immunsystem.
  • Für Geher sind durch höhere Anforderungen im Techniktraining (regelgerechte Technik unter Wettkampfbedingungen), besonders nach 2/3 der Wettkampfstreckenlänge, bei Grenzbelastungen und Stress) die Disqualifikationsgefahren und damit auch -ängste bei Wettkampfhöhepunkten nach langfristiger, intensiver Vorbereitung zu minimieren.
    Im Training sind nur solche Geschwindigkeiten zu tolerieren, die in regelgerechter Technik absolviert werden können und dies auf immer längeren Teilstrecken. Mit steigenden Voraussetzungen ( z.B. Kraft ) ist die Technik „neu zu justieren“!
  • Für die unmittelbare Vorbereitung auf wichtige Wettkämpfe sind Vorbereitungsstandards ( Programm für die Leistungsausprägung in den letzten 10 bzw. 3 Tagen )für alle Disziplinen zu erarbeiten und zu erproben (Wettkampfsicherheit). Die Anzahl der Läufer/Geher, die beim Wettkampfhöhepunkt ihre persönliche Bestleistung nicht abrufen können ist eindeutig zu hoch.
    Dies gilt auch für den Wettkampfrhythmus bei EM, WM und OS im Sinne von Vorläufen, Zwischenläufen, Halbfinals und Finals und ihrer Aufeinanderfolge. Die vielfältigen Möglichkeiten taktischer Varianten durch die Gegner sind langfristigauch durch „Üben“ vorzubereiten.
  • Leistungsentwicklungen sind wieder mehr durch eine verstärkte Wettkampfteilnahme zu unterstützen. Aufbauwettkämpfe sind als hochwirksames spezielles Training als Bestandteil eines schnelleren Entwicklungsprozesses zu sehen. Sie sollten als Training im aktuell hohen Geschwindigkeitsbereich ( wsA ) angesehen werden und zielgerichtet in der dem Entwicklungsstand des Läufers entsprechenden Niveau gestaltet werden. Insofern sind sie Bestandteil des Trainings und bedürfen keiner außergewöhnlichen Vor- bzw. Nachbereitung. Scheuen Sie sich nicht auch mal nur eine mittelmäßige Leistung zu zeigen. Im Hochleistungstraining kommt es vor allem darauf an, bei den Jahreshöhepunkten „seine“ beste Leistung, wie Ulrike Maisch und Jan Fitschen in Göteborg, abzurufen! Dies kann man auch den Medien erklären. In Wettkampfabschnitten muss mehr als bisher die Auseinandersetzung mit gleich guten oder besseren Gegnern gesucht bzw. auch organisiert werden. Dabei sind die inzwischen international üblichen Wechsel zwischen Wettkampf- und Trainingsphasen (2-4 Wettkämpfe wechseln mit 10-14-18-tägigen Trainingsphasen ab) auch für deutsche Läufer wirksam.

Wer glaubt oben zu sein darf es sich nicht leisten weniger zu tun!

Die Fußball–WM und die Wintersport-Events sowie auch die TV-Zuschauerzahlen von der Leichtathletik-EM haben gezeigt: Unsere Bevölkerung honoriert tolle Leistungen und wünscht sich das wir in der Welt konkurrenzfähig sind !!! Sie sind glücklich, dankbar und stolz wenn „Schwarz-Rot-Gold“ in den Stadion gefeiert wird. Vielleicht haben neben Jan Fitschen und Ulrike Maisch bald auch weitere Läufer/Geher Grund mit unserer Flagge eine Ehrenrunde zu laufen!
Schämt Euch auch nicht, Euch wie die anderen über gute Ergebnisse zu freuen! Man darf es auch zeigen, wenn man „nur“ eine persönliche Bestleistung erzielt hat.

Im Athletiktraining soll zugleich auch die Kondition entwickelt werden

Haferkamp Athletik29. September 2006 (Pöhlitz) - Ein hohes Niveau in der allgemeinen athletischen Ausbildung und individueller Kondition, wie es jeweils in den ersten Wochen der VP I und VP II erarbeitet werden muss, ist Voraussetzung für ein optimales spezielles Training und damit Basis für den Leistungsfortschritt. Athletiktraining im Bereich Lauf / Gehen ist zugleich Konditionstraining im umfassenden Sinne, fördert die Bewegungskoordination der Spezialsportart und sollte neben extensiven, auch ausreichende Reize zur Schnellkraftentwicklung beinhalten.

Während im Nachwuchsleistungstraining die Athletikausbildung ganzjährig, bei Schwer-punktphasen zu Beginn der VP I bzw.VP II und einem Auffrischungsabschnitt nach dem ersten Teil der Sommerwettkampfperiode erfolgt, sind im Hochleistungstraining Trainings-phasen zur Ausbildung/Auffrischung der allgemein-athletischen Voraussetzungen zu Beginn der VP I über ~ 6 Wochen, zu Beginn der VP II über ~ 4 Wochen und zu Beginn der UWV ~ über ~ 2 Wochen üblich. „Ausfallzeiten“ durch Verletzungen sind stärker als bisher nicht nur zu „speziellen Alternativen“ sondern zugleich für ein komplexes Athletiktraining – auch zur Schwachstellenbeseitigung und Auffrischung (soweit es die Verletzung zulässt)– zu nutzen.

Athletik-/Konditionstraining für Läufer und Geher über mehrere Wochen wird immer mit Lauf- bzw. Gehtraining kombiniert, um die speziellen Fähigkeiten in ihrem Niveau nicht so weit absinken zu lassen, ständig an der Technikstabilisierung oder auch einer frühen Fehlerkorrektur zu arbeiten und eine direkte Umsetzung der neu erworbenen Kraftfähigkeiten in den Vortrieb praktisch üben zu können. Für 800/1500 m LäuferInnen ist sogar darüber nachzudenken, ob eine TE/Woche zur Erhaltung der Laktatmobilisationsfähigkeit (TL in der Wettkampfzielgeschwindigkeit) sinnvoll einzufügen ist.

Wenn in solchen Ausbildungsabschnitten das Regenerationstraining mit anderen Sportarten (Rad, Schwimmen, Ski o.a.) durchgeführt wird, können die relativ wenigen Lauf – TE mit mittlerer Geschwindigkeit (Techniktraining z.B. auch auf der Bahn) absolviert werden. Sind entsprechende Möglichkeiten gegeben ( Halle, Bahn direkt neben Kraftraum ) haben sich dazu auch Läufe mit ansteigender Geschwindigkeit (STL) oder mit wechselnden Geschwin-digkeiten ( ins and outs ) unmittelbar nach einem Krafttraining bewährt.

Eine hohe Wirksamkeit des Athletiktrainings wird nur erreicht, wenn folgende Schwerpunkte beachtet werden :

  • Die Technik aller Trainingsübungen muss zuerst erlernt werden, eine stets korrekte Übungsausführung hilft dazu Verletzungen zu vermeiden und die Trainingseffektivität zu erhöhen.
    Ausdauer und Kraft sind Leistungszubringer. Die Fähigkeit durch eine gute technisch-koordinative Bewegungsstruktur schnell zu Laufen/Gehen das eigentliche Ziel am Ende der Ausbildungskette.
    Bei schweren oder schwierigen Übungen (z.B. mit der freien Hantel) sind immer die notwendigen Hilfestellungen durch den Trainer zu geben.
  • Athletiktraining in der Gruppe kann sehr gut durch Hausaufgaben (Fußgym- nastik, Beweglichkeitsprogramm, Dehnprogramm o.ä. zu Hause „auf dem Teppich“ o.ä.) ergänzt werden. Zur Kontrolle sind Tests zu Beginn und am Ende solcher Ausbildungsabschnitte sinnvoll.
  • Innerhalb eines Mesozyklus „Athletik“ sollten durch Variationen der Trai- ningsformen und Reizwechsel Verluste in der Motivation und Stagnation im Leistungsfortschritt durch Wechsel der Programme/Übungen vermieden werden. Die Schwierigkeit der Übungen, die Widerstände nehmen syste- matisch zu. Die Pausen bzw. –gestaltung ist entsprechend anzupassen.
  • Konditionsentwicklung durch Athletiktraining setzt wirksame Trainings- reize und eine systematische Belastungserhöhung innerhalb der jeweiligen Ausbildungs-Abschnitte voraus.

von Lothar Pöhlitz