“ Es gibt keine Denkverbote”

15. September 2006 - Unter diesem Motto soll diese spezielle Internetplattform Leichtathleten (zunächst schwerpunktmäßig für den Bereich Lauf/Gehen) und ihren Trainern auf dem Weg zur persönlichen Höchstleistung, auf dem Weg vor allem zur internationalen Spitze Hilfe und Unterstützung, Informationen, Wissen und Erfahrungen, Anregungen, Tipps und Motivation und ein Diskussionsforum zu den vielfältigen Problemen der Leistungsvorbereitung, bieten.

Schrittweise werden Beiträge zur Theorie und Praxis des Leistungs- bzw. Hochleistungstrai-nings, ausgerichtet auf die olympischen Disziplinen – ein-schließlich des Jugendtrainings - auf den folgenden Seiten platziert. Wir werden schwerpunktmäßig mit dem Bereich Lauf/Gehen, Langsprint und Sprint beginnen. Zur Mitarbeit sind alle aufgerufen, die im In- und Ausland im Hochleistungstraining arbeiten oder sich dieser Aufgabe verbunden fühlen. Aus der Erkenntnis, dass es in der Trainingsmethodik im Prinzip keine Geheimnisse mehr gibt – sieht man mal von der Dopingproblematik ab – Umwege zur Leistung aber vermieden werden können und wir gern helfen würden das Tempo der Leistungsentwicklung zu beschleunigen, hoffen wir, dass Trainer, natürlich auch Verbandstrainer, Sportwissenschaftler, Sportmediziner, Physiotherapeuten, Sportpsychologen, Institute, die sich mit diesem Anliegen beschäftigen etc. diese Möglichkeit mit möglichst kurzen, praxisorientierten Beiträgen ( nur in deutsch ) entsprechend unterstützen.

Wir würden gern die verschiedensten Wege einer erfolgreichen Vorbereitung auf sportliche Höhepunkte hier darstellen und auch deutlich machen, dass sportwissenschaftliche Lehrsätze nicht immer einfach in sportliche Höchstleistungen umzusetzen sind.

Wir werden auch über das Training der Weltbesten berichten, soweit die zur Verfügung stehenden Informationen aussagekräftig und einigermaßen glaubhaft sind.

In einer Foto-Galerie bieten wir professionellen Sportfotografen eine Plattform zur Präsentation ihrer Bilder aus dem Bereich Lauf / Gehen, die unsere Leser dann direkt bestellen können. Das Foto des Monats bzw. Fotos zur Illustration der Textbeiträge werden aus dieser Galerie ausgewählt. Natürlich können auch Sie mit ihren privaten außergewöhnlichen Schnappschüssen das Glück haben sich hier wiederzufinden.

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Trotzdem ist diese Internetplattform ein guter Werbeträger mit großer grenzüberschreitender Verbreitung und ständiger Präsenz: Sie finanziert sich ausschließlich über Werbung / Sponsoren/ Spenden und ist deshalb für unsere Leser kostenfrei. Eine begrenzte Anzahl von Werbeplätzen wird zu einer dem Anliegen entsprechenden Auswahl führen . Eine Honorierung eingesandter Beiträge / Fotos ist nicht möglich, bzw. nicht vorgesehen.

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15. September 2006 - www.la-coaching-academy.de wird als unabhängige Trainer- und Athletenfortbildung ins Netz gestellt. Die Fäden im Hintergrund werden Lothar Pöhlitz, Kurt Ring und Dr. Dr. Homayun Gharavi (Sportmedizin) gemeinsam ziehen. Lothar Pöhlitz

Lothar Pöhlitz bringt Wissen und Erfahrung aus einer 41-jährigen hauptberuflichen Tätigkeit im Hochleistungssport mit. Er hat, was in der heutigen Zeit fast außergewöhnlich ist, in all den Jahren Sportler/Innen aller olympischen Lauf- und Gehdisziplinen selbst trainiert, hat 8 Jahre als Sportwissenschaftler und Trainingsmethodiker für den Leichtathletik Verband der DDR gearbeitet und war ab 1980 bis zu seiner Pensionierung 18 Jahre lang als Bundestrainer Lauf einschließlich der darin enthaltenen olympischen Vorbereitungen im DLV tätig. Die Trainer Aus- bzw. -fortbildung in Vereinen, Landesverbänden und an der Trainerakademie gehört seit vielen Jahre zu seinen Aufgaben.

Kurt RingKurt Ring bringt Wissen und Erfahrung als langjährig erfolgreicher Trainer, Cheftrainer und Teammanager der LG Domspitzmilch Regensburg ein. Sein Verdienst ist es, dass die LG Domspitzmilch zu einem in ganz Deutschland anerkanntem Verein herangewachsen ist. Besondere Erfahrung hat Kurt Ring im Trainingsmanagement und in der Nachwuchsausbildung. Verdienste hat er sich in den letzten Jahren als Organisator von vielen Landesmeisterschaften, drei deutschen Crossmeisterschaften, deutschen Straßenlaufmeisterschaften über 10 km und nicht zuletzt von der außerordentlich gut gelungenen Europacupausscheidung des DLV erworben. Er gilt als ausgesprochener Querdenker, der gerne eingefahrene Wege verlässt.

Homayun GharaviDer Vereinsarzt der LG Domspitzmilch (05/2006 - 10/2008), Dr. Dr. Homayun Gharavi, in Teheran geboren und bereits als Kleinkind nach Deutschland gekommen, schloss die Studiengänge Medizin und Sportwissenschaften jeweils mit der Promotion an der Georg-August-Universität Göttingen ab. Seine trainingswissenschaftlichen Arbeiten absolvierte er übrigens unter dem ehemaligen Olympioniken, Leichtathleten und Langstreckler Professor Dr. Arnd Krüger, wo er aktuell habilitiert. Von 1997 - 2001 arbeitete er in den USA, wo er die Ausbildung zum Athletic Trainer durchlief und unter anderem die College-Leichtathleten der Universität Davis (Kalifornien) unter der Leitung von Deanne Vochatzer (Olympia-Coach der US-Sprinterinnen in Atlanta) medizinisch betreute. Derzeit ist er als freier Dozent am Institut für Sportwissenschaften der Uni Regensburg tätig und leitet als Direktor der Deutschen Akademie für angewandte Sportmedizin eine international renomierte Fachgesellschaft, der zahlreiche hochkarätige Experten aus Medizin und Sportwissenschaft angehören. Er verfügt über eine beachtliche Liste an Profisportlern, Olympia- und WM-Teilnehmern sowie Kaderathleten, die sich erfolgreich in seiner Betreuung befinden.

Außenansicht: Geführt und verführtDas Publikum fragt nicht, ob Sportler dopen oder nicht - nur der Staat ist in der Lage, Stars vor sich selbst zu schützen Tübingen, 25. September 2006 (Digel)- In einer Sportsendung des Hessischen Rundfunks wurden

Außenansicht: Geführt und verführt

Das Publikum fragt nicht, ob Sportler dopen oder nicht - nur der Staat ist in der Lage, Stars vor sich selbst zu schützen

Tübingen, 25. September 2006 (Digel)- In einer Sportsendung des Hessischen Rundfunks wurden die Zuschauer vor kurzem über eine Ted-Umfrage gebeten, ihre Meinung zu einer Freigabe des Dopings zu bekunden. In der ersten Runde sprachen sich 50 Prozent der Zuschauer für eine Freigabe der Doping-Manipulation aus, nach einer 20-minütigen Studiodiskussion wuchs die Zahl der Befürworter auf 62 Prozent. Gewiss ist dieses Ergebnis nicht repräsentativ. Dennoch besitzen diese Zahlen eine alarmierende Aussagekraft.

Für immer mehr Zuschauer des Sports hat das Prinzip des Fairplays als leitendes Wertesystem des Hochleistungssports an Bedeutung verloren. Immer mehr Zuschauer erfreuen sich offensichtlich am Spektakel des Sports, und ihre Freude soll möglichst ungetrübt sein. Und dies scheint eher dann der Fall zu sein, wenn endlich die unendliche Diskussion über Doping beendet wird und man wieder den spektakulären Leistungen der Athletinnen und Athleten seine volle Aufmerksamkeit schenken kann.

Die hohe Zahl der Befürworter einer Dopingfreigabe kann niemanden wirklich überraschen. Die Empörung der Öffentlichkeit über aufgedeckten Betrug im Sport und entdeckte Betrüger des Sports ist stets nur vordergründig und äußerst kurzfristig. Kommen die Stars nach ihrem Betrug jeweils zurück in die Arena, so werden sie erneut als Helden gefeiert, ganz gleich, auf welcher Grundlage ihre sportlichen Leistungen erbracht werden. Beim ersten Tour-de-France-Skandal im Jahr 1998 hielt die Empörung lediglich wenige Wochen an. Die Zuschauer wendeten sich von der Sportart nicht ab, eher schien das Gegenteil der Fall zu sein. Beim diesjährigen Skandal wiederholte sich derselbe Sachverhalt. Im Fall der Sprinterin Grit Breuer war es in den neunziger Jahren so, dass sie nach ihrer zweijährigen Dopingsperre von den Zuschauern begeistert gefeiert wurde. Die italienischen Fußballbetrüger, die noch wenige Wochen vor der Fußball-Weltmeisterschaft in einer inszenierten öffentlichen Empörung als eine Art Mafia-Gang wahrgenommen wurden, wiederum sind wenige Wochen später als Weltmeister die gefeierten Helden der italienischen Gesellschaft.

Es ist kein neuer Befund, dass in Zeiten der Massenmedien die öffentliche Moral oft höchst widersprüchlich ist. Öffentlichkeit ist geführte und verführte Öffentlichkeit zugleich, sie wird gebildet und verbildet, wird aufgeklärt und hinters Licht geführt. Und ohne Zweifel sind es die Massenmedien, an allererster Stelle das Fernsehen, die dies auch noch begünstigen und verstärken. Wir können zwar nur spekulieren, wie wohl die Zuschauer vor 50 Jahren geantwortet hätten, wenn ihnen die Frage nach der Freigabe des Dopings gestellt worden wäre. Es kann jedoch unterstellt werden, dass damals die Idee des Fairplay sehr viel tiefer im Wertesystem von Sportlern und Zuschauern verankert war als heute. Heute hingegen muss man feststellen, angesichts der ständig wachsenden Verfehlungen im Hochleistungssport, im Breiten- und Gesundheitssport, im Fitnesssport, angesichts veränderter Einstellungen zum Gebrauch von Medikamenten und angesichts veränderter Lebensstile: Das Unrechtsbewusstsein in Bezug auf den Doping-Betrug erodiert. Wenn man mit US-Athleten über die Gefahren von Nahrungsergänzungsmitteln und Anabolika diskutiert, stößt man bei ihnen auf Unverständnis. Und auch in Deutschland scheint das Bewusstsein über die Bedeutung von Regeln zu schwinden, dem Sport scheint sein eigener Sinn abhanden zu kommen.

Der Sport hat sich ganz offensichtlich seine eigene Masse erzeugt. Doch Masse ist immer eben auch verführte und verführbare Masse, und sie liefert gewiss keine Richtschnur für verantwortliches politisches Handeln. Will der Sport ein schützenswertes und förderungswürdiges Kulturgut sein, will er über pädagogische, soziale und gesundheitsfördernde Qualitäten verfügen, so hat er sich vor seiner eigenen verführten Masse zu schützen. Er benötigt Schutz aus sich selbst heraus. Er benötigt aber auch Hilfe von außen, wobei gerade jene gesellschaftlichen Institutionen gefordert sind, die mit dazu beigetragen haben, den Sport zu jenem Massenphänomen zu entwickeln, das er heute ist. Politik, Wirtschaft und Massenmedien haben sich der Idee des Sports und deren ethischer Grundlagen zu versichern - und sich selbst auf diese zu verpflichten, soll der Sport auch künftig ein wünschenswerter Inhalt unserer Alltagskultur sein.

Betrachtet man den immer massiveren Doping-Betrug, so muss man erkennen: Über Reichweite und Struktur dieser Verbrechen kann lediglich spekuliert werden. Es liegt deshalb auf der Hand, dass der Beitrag des Sports ganz offensichtlich nicht ausreicht, um sie angemessen zu bekämpfen. Der Sport ist auf die Unterstützung des Staates angewiesen, und das heißt vor allem: auf staatliche Strafverfolgung. Notwendig ist, dass auch die Verantwortlichen des Sports begreifen, dass es sich bei Doping nicht um ein

Kavaliersdelikt handelt, dass alle Verantwortlichen wirklich bestraft gehören. In erster Linie muss der Sport vor Kriminellen geschützt werden, die als Dealer, Manager, Trainer, Ärzte, Pharmakologen und Funktionäre den Doping-Betrug des Athleten beziehungsweise der Athletin möglich machen. Der Sport muss aber auch vor kriminellen Sportlern geschützt werden, die ihre sauberen Konkurrenten betrügen, wirtschaftlich benachteiligen und die ethisch-moralische Grundlage des Kulturguts Sport gefährden. Wünschenswert wäre dabei, dass auch der Athlet und die Athletin bei einem Schuldnachweis mit staatlichen Strafen zu rechnen haben. Sie sind ja die zentralen Figuren bei diesen Verbrechen.

In Deutschland ist es üblich, Athleten, insbesondere in der Zeit, in der sie erfolgreich sind, zu verhätscheln. Es ist jedoch nicht nachvollziehbar, wenn dopende Athleten milder behandelt werden als jene, die mit ihnen gemeinsam die Verantwortung und damit auch die Schuld an Doping tragen. Wer den Athleten eine Amnestie zusagt, aber Strafen für Ärzte, Funktionäre und Trainer fordert (wie einst bei der Aufarbeitung der DDR-Dopingvergehen), der verkennt jene Strukturen, die den modernen Hochleistungssport prägen. Vom mündigen Athleten sollte deshalb nicht nur bei der Verleihung der Verdienstkreuze durch den Bundespräsidenten die Rede sein. Wenn Athleten als hinreichend kompetent gelten, um hoch dotierte Verträge mit Sponsoren abschließen zu können, wenn sie als Privatunternehmer des Sports auftreten, so sollten sie auch für ihr eigenes Handeln haften.

von Helmut Digel

Helmut Digel, von 1993 bis 2001 Präsident des Deutschen Leichtathletikverbandes(DLV), ist Vizepräsident des Leichtathletikweltverbandes IAAF. Professor Dr. Helmut Digel

mit freundlicher Genehmigung des Verfassers


Anmerkung der Redaktion

Herzlichen Dank für diesen Artikel!
Trotzdem möchten wir zwei Dinge anmerken:
  • So vehement der Kampf gegen Doping im innerdeutschen Sport geführt wird, so vehement muss nun auch der Druck auf Weltsportverbände mit dem Ziel qualitativ gleich guter und unabhängiger Kontrollen auf der ganzen Welt erhöht werden. Unsere Athleten/Innen benötigen diese Chancengleichheit dringend, um dopingfrei konkurrenzfähig zu bleiben.
  • Die Beurteilung unserer zum Hochleistungstraining bereiten Talente muss vom DOSB und DLV so geändert werden, dass die derzeit vorhandene, vielleicht sogar immer im größeren oder kleineren Maße bestehend bleibende Ungleichheit mit berücksichtigt wird.
Redaktion la-coaching-academy.de

WADA lenkt wiedermal vom Hauptproblem in der Dopingbekämpfung ab

Unsere Position: Trainingskontrollen ganzjährig und weltweit !

23. September 2006 (Pöhlitz) - Die Diskussion zur Dopingproblematik in den Medien hat seit Monaten Hochkonjunktur. Mit dem angedrohten Verbot von Höhentrainingskammern und -zelten, die die Weltantidopingagentur WADA auf die Verbotsliste setzen will, wird ein neuerlicher Versuch gestartet, die Diskussion in Gang zu halten und von der Hauptproblematik abzulenken : den ganzjährigen Trainingskontrollen weltweit ! Seit Jahrzehnten schafft es die IAAF nicht diese für eine „Waffengleichheit“, eine „Konkurrenzfähigkeit aller“ ( auch für unsere deutschen Athleten, die vergleichsweise einem Kontrollsystem gegenüberstehen, dass weltweit durchgesetzt zu erdrutschartigen Leistungsveränderungen führen würde !) wichtigste Form der Dopingbekämpfung funktionierend zu installieren. Sicher mag es an Finanzen, an Funktionären in den höchsten Gremien, die die Interessen ihrer Länder oder auch Kontinente zu vertreten haben oder sogar an Regierungen liegen, dass dies bisher nicht wirklich wirksam ist.

Wer aber weiß, dass verschiedene Dopingmittel schon nach Stunden oder auch Tagen nicht mehr nachweisbar sind, wundert sich über Reden, Drohungen und mit Stolz verkündeten scheinbaren Erfolgen, dass es z.B. bei der EM in Göteburg oder bei der Junioren-WM keine positiven Dopingfälle gab, überhaupt nicht. Dabei klingt es wie Hohn, wenn IAAF-Präsident Lamine Diack dazu verkündet : „......und jetzt sind wir genauso erfreut, dass diese Leistungen in einem sauberen, fairen und ehrenvollen Wettkampf erbracht wurden“. Wer sich heutezutage, nach etwa 45 Jahren weltweiter Dopingexperimenten bei Wettkämpfen wie EM, WM oder Olympischer Spiele noch erwischen läßt ist unfähig. Es reicht nicht mehr, wie zuletzt bei der EM gegenüber den russischen Frauen Verdächtigungen auszusprechen und gleichzeitig zu übersehen, dass z.B. in 14 Laufdisziplinen der Männer und Frauen die natürlich höhenbevorteilten Afrikaner so dominant sind, dass in der derzeitigen Weltbestenliste ( in Leichtathletik 38 / 2006 ) allein 91 (!) Kenianer ( 61 Männer + 30 Frauen, ohne die, die gerade im benachbarten Ausland „Dienst tun“) unter den jeweils 20 Weltbesten platziert sind. Die Schweizer und viele andere geben sich in ihrem Eldorado St.Moritz seit Jahren im Höhentraining sicher ähnliche Mühe, aber irgendwo hakt es am Ende doch. Woran mag es wohl liegen ? Vielleicht wird eines Tages das Höhentraining in Europa ganz verboten, damit die Afrikaner allein bei der Golden League um Weltrekorde rennen ? Wer könnte denn daran interesse haben ?

Dazu kommt, dass die Nachweisverfahren wohl auch nicht ganz wasserdicht sind, wenn Herr Schänzer vom weltweit anerkannten Antidopinglabor in Köln in LA 37/2006 erklärt, dass das EPO-Nachweisverfahren verbesserungswürdig sei und das Blutdoping momentan grassiert. Kein Wunder, das Wundersprinterin Marion Jones (USA) nach einer postiven A-Probe und negativen B-Probe laufengelassen wurde, US-Sprint-Erfolgscoach Graham ( nach Medienberichten trainierte er in den letzten Jahren 11 gedopte Sprinter) nach einem negativen Lügendetektor-Test wie nach einem Freispruch behandelt wird. Es ließe sich fortsetzen.

Wir würden uns gern dem DLV-Präsidenten Clemens Prokop anschließen, der nach LA 34 / 2006 „bei der nächsten EAA-Counsil-Sitzung den Antrag stellen will, künftig Athleten, die weniger als 5 x unangemeldete Trainingskontrollen nachweisen können, einem Start bei der EM ( wir möchten ergänzen : und bei den großen Events in Europa ) zu verweigern“! Bitte, Herr Prokop, geben sie gleich dem IAAF-Vize Herrn Prof. Diegel eine Kopie diese Antrages an die IAAF, an den Präsidenten Liame Diack mit, aber mit dem Vermerk : dringend und ernst gemeint.

Unsere Forderung : Trainingskontrollen weltweit, auf allen Kontinenten, auch in USA, Afrika und Asien. Vor allem in Phasen, in denen die Wettkampfleistung speziell vorbereitet wird. Fragen sie die besten Trainer der Welt und ihre Manager (auch die müssten bei positiven Tests mit gesperrt werden), sie wissen immer, wo sich ihre Athleten / Camps gerade zum Zwecke des Trainings ohne Kontrollen verstecken !

von Lothar Pöhlitz

 

"Lieber Lamine . . ."Weltverbands-Chef Diack hört Kritik aus der Leichtathletik-Szene 25. September 2006 (Hahn) - Der Schweizer Hansjörg Wirz, Präsident des Europäischen Leichtathletik-Verbandes EAA, unterliegt den Pflichten seines Amtes, das keineswegs

"Lieber Lamine . . ."

Weltverbands-Chef Diack hört Kritik aus der Leichtathletik-Szene

25. September 2006 (Hahn) - Der Schweizer Hansjörg Wirz, Präsident des Europäischen Leichtathletik-Verbandes EAA, unterliegt den Pflichten seines Amtes, das keineswegs das Nachbrüllen griffiger Parolen vorsieht. Und deswegen bewertet er den jüngsten, sehr offensiven Diskussionsbeitrag seines früheren EAA-Kollegen Luciano Barra nun auch nach zweierlei Kriterien. Erstens nach seinem Inhalt, zweitens nach seiner Form. Die Form also findet Wirz eher schäbig. Dem Präsidenten des Weltverbandes IAAF, Lamine Diack, hat Barra nämlich eine offene Rücktrittsforderung geschickt, die nicht nur an die 28 Mitglieder der IAAF-Ratsversammlung - des so genannten Councils - ging, sondern via E-Mail auch an mehrere Medienredaktionen. Und in dem Brief gibt es Formulierungen, die Wirz zu polemisch sind: "So eine Form geht sofort auf die emotionale Ebene." Aber der Inhalt? Den findet Wirz nicht schlecht. "Da gibt es verschiedene Inhalte", sagt er, "die sind als Probleme erkannt."

Der Privatier Luciano Barra aus Cortona in Italien, 64, ehemals EAA-Eventmanager und zuletzt leitender Geschäftsführer im Organisationskomitee für Olympia in Turin, hat auf seinen sieben eng beschriebenen Seiten den Frust einiger Leichtathletik-Funktionäre über Diack
bestimmt ganz gut wiedergegeben. Gerade in Europa, dem Kontinent mit den wichtigsten Meetings, fühlen sich viele gebremst von dem behäbigen IAAF-Chef aus dem Senegal. In der Tat ist Diack, 73, in den sieben Jahren seiner Amtszeit nicht gerade als Visionär aufgefallen, sondern eher als etwas fahriger Verwalter des Bestehenden. Und die Zeit ist reif für seine Gegner, sich zu formieren, denn nächsten August sind Neuwahlen, direkt vor der WM in Osaka.

Der Brief ("Lieber Lamine . . .") ist ein bisschen eitel, und er bemüht das Stilmittel der Dramatisierung. Barra schreibt: "Als mir einer der besten IAAF-Organisatoren zu meiner Arbeit bei Olympia gratulierte, sagte er: ,Kein Skifahrer in Turin ist so schnell abwärts gefahren wie unser Sport im Moment."" Aber seine Vorwürfe sind gut ausformuliert und mit Zahlen belegt.
Barra beklagt Diacks mangelnde Reformfähigkeit, zweifelhafte Investitionen sowie einen Schwund an Fernsehzeiten und Sponsoren-Engagement. Sogar eine gewisse Anarchie mit zu viel Macht für Manager und Athleten, die nach Gutdünken ihre stärksten Gegner meiden. Eine Abkehr von der Weltrekord-Hatz fordert er. Und in der Antidopingfrage wendet er sich gegen Diacks Forderung nach einer Sperre von vier statt zwei Jahren bei positiven Fällen. Das bringe nichts, findet Barra: "Die einzige Lösung ist, den politischen Willen und die Stärke zu haben, die Finger tiefer ins System zu legen, wenn nötig, zu ermitteln und letztlich alle im Umfeld des Athleten zu suspendieren, inklusive des nationalen Verbandes." Das klingt gut.

Die Frage ist nur, wem Barra dient. Sich selbst nicht, behauptet er ("auf keinen Fall bewerbe ich mich um irgendeinen Platz"). Allerdings genießt Barra einen Ruf als treuer Adlatus. Diacks Vorgänger Primo Nebiolo, der die Leichtathletik dem Kommerz öffnete und sie bis kurz vor seinem Tod 1999 als absoluter Herrscher prägte, diente Barra einst als ergebener Assistent. Nach der WM 1987 in Rom stellte sich sogar heraus, dass Barra, damals Generalsekretär des italienischen Verbandes, einen absichtlichen Messfehler abgesegnet hatte, der dem heimischen Weitspringer Giovanni Evangelisti Bronze brachte. Nebiolo liebte italienische Erfolge. Barra musste gehen.

Und jetzt? Es heißt, dass Luciano Barra dem griechischen Milliardär und IAAF-Council-Mitglied Minos Kyriakou nahe steht. Das könnte bedeuten, dass Barra mit seinem Angriff die Stimmung im Verband ausloten soll, damit Kyriakou seine Chancen auf eine Nachfolge Diacks besser einschätzen kann. Noch gibt es keine Gegenkandidatur, aber eine Karriere im Sport findet Kyriakou offensichtlich attraktiv, sonst wäre er kaum Präsident des Nationalen Olympischen Komitees Griechenlands geworden. Sein Interesse gilt vor allem dem Internationalen Olympischen Komitee, aber auf dem Weg dorthin kann es nicht schaden, sich als Chef des mitgliederstärksten olympischen Fachverbandes zu profilieren. Was wiederum einen etwas zu harschen Kontrast zum trägen Diack bedeuten könnte. Wie ernst Kyriakou es mit den Werten des Sports meint, ist nicht ganz klar. Seit diesem Jahr ist er auch Präsident der Internationalen Olympischen Akademie, eine Art Oberwächter der olympischen Ideale also, aber sein erster Auftritt als solcher bei der Session diesen Sommer in Olympia wirkte nicht sehr beseelt. Er kam mit dem Hubschrauber, ließ sich mit dem Golfwagen über das Gelände chauffieren, sprach ein paar routinierte Worte und flog nach ein paar Stunden wieder mit dem Hubschrauber weg. Ist das die Zukunft der Leichtathletik? Luciano Barra wird es wohl wissen.

von Thomas Hahn

mit freundlicher Genehmigung des Verfassers