Marcel Fehr 3:40,06 – 13:39,10 und zum Geburtstag in einer russischen Klinik

Ein LCA Interview

2015-09-15-Interview-Marcel-Fehr© Lothar Pöhlitz - 15. September 2015 - Das Wettkampfjahr 2015 begann für Marcel Fehr von der SG Schorndorf am 23.5. in Oordegem/BEL mit 13:39,10 (Bestleistung 2014 13:38,53) vielversprechend. Als am 5.Juni im französischen Montbéliard mit 3:40,06 auch noch eine neue schöne persönliche Bestleistung über 1500 m folgte waren sich er und sein Trainer Uwe Schneider bewusst das es eine gute Saison des erst 23 jährigen Lauftalents werden würde. Mit 2010 noch wenig Training wurde Marcel bereits Deutscher Jugendmeister und Vierter & Sechster bei den U20-EM und U20-WM über 1500 m. Ein „Goldkörnchen“? Vorsichtig und behutsam von seinem Trainer über die Jahre aufgebaut – weil Leistung und Trainingsbelastung noch lange nicht zusammen-passten – kam nach kontinuierlichem Fortschritten, aber auch Rückschlägen durch Blessuren 2014 – die im Hochleistungssport keinen verschonen - der große Sprung. Von 14:11,19 über 5000 m im Vorjahr auf 13:38,58 Minuten - endlich der Durchbruch. Über die Nominierung zur Team-Europameisterschaft am 20./21.Juni im russischen Cheboksary war die Freude groß. Für seine erste größere Aufgabe innerhalb der DLV-Nationalmannschaft hatte er sich eine Platzierung ganz vorn vorgenommen – alle 5000er im Rahmen der Team-EM in den Vorjahren gingen als Spurtrennen über die Bühne und da rechnete er sich eine Chance weit vorn aus.

Marcel Fehr (1992) – SG Schorndorf – Trainer: Uwe Schneider

Leistungsprofil 2015:

 

Freiluft 800 m 13.08.2011 1:48,84
  1.000 m 22.05.2011 2:24,91
  1.500 m 05.06.2015 3:40,06
  3.000 m 18.05.2014 7:54,63
  5.000 m 31.05.2014 13:38,53
  10 km 12.10.201 30:16

 

  • Vierter U20-EM 2011 (1.500m)
  • Sechster U20-WM 2010 (1.500m)
  • Deutscher U23 Meister 2014 (5.000 m)
  • Deutscher Jugendmeister 2010
  • Deutscher B-Jugendmeister 2010
  • Deutscher Jugend-Hallen-Meister 2010

... und dann ging bei etwa 3000 m plötzlich das Licht aus? Was ist passiert?

Nach ungefähr der Hälfte des Rennens war meine ganze Kraft von einen auf den anderen Moment - innerhalb von 100 m - komplett weg. Und das bei einem Tempo, das selbst für eine Trainingseinheit noch sehr niedrig wäre. Das hatte ich noch nicht erlebt. Meine einzigen Gedanken waren Du musst es ins Ziel schaffen, nicht aufgeben. Ich wollte ja möglichst viele Punkte für die Mannschaft retten. Besonders vernünftig war dieser Gedanke von mir jedoch nicht, hat man mir in Nachhinein gesagt.

Hat sich das im Vorfeld irgendwie angedeutet?

Das Training war zu 100% auf diesen Wettkampf abgestimmt, die Tage vorher waren gut, regenerativ und ruhig. Ich habe vorher auf einen geplanten Wettkampf sogar verzichtet. Am Wettkampftag selbst habe ich die Hitze (über 35°) gemieden, mich bis kurz vor dem Rennen im Hotelzimmer aufgehalten, viel getrunken, im Schatten warm gemacht und mit Wasser und Eis kühl gehalten. Selbst im Rennen habe ich mich nach dem Startschuss gut gefühlt und nach den ersten langsamen Runden schon auf einen Endspurt (so wie er mir normalerweise entgegenkommt) gefreut.

Der restliche Geburtstag endete im Krankenhaus von Cheboksary?

Nach dem Rennen wurde ich erst einmal lange vor Ort medizinisch versorgt. DLV-Arzt Dr. Schreiber und die russischen Ärzte vor Ort haben sich richtig bemüht. Meinen restlichen Geburtstag habe ich dann im dortigen Krankenhaus verbracht.

Eine für mich positive Überraschung erlebte ich in der Klinik. Alle sorgten sich um mich. Eine Krankenschwester kümmerte sich wohl nur um mich, der Chefarzt war Spitze und stellte mich auf den Kopf. Auf meine vorsichtige Frage nach der Finanzierung kam auf Englisch: „You don´t have to pay – you are our guest !“

Danke noch einmal nach Cheboksary!!! Danke an alle die vor Ort und im Nachhinein auch zu Hause und im Klinikum Tübingen an Dr.Nieß und seine Crew, die um meine Gesundung bemüht waren. Auch für die zahlreichen Aufmunterungsnachrichten, die mich per Handy, E-Mail oder persönlich erreicht haben, haben mir wieder auf die Beine geholfen.

Und ein Rückblick in diese Juni-Tage?

Bis jetzt kann ich mir nicht erklären, wie und warum das passiert ist. Wer meinen Trainer und mich gut kennt weiß dass wir uns vor so einem Ereignis alles andere als naiv und blauäugig verhalten. Was passiert ist schmerzt mich in doppelter Hinsicht. Trotz eines optimalen Rennverlaufs bei meinem ersten Nationalmannschaftseinsatz bei den Aktiven konnte ich nicht zeigen was ich kann und nur wenig zum tollen Team-Ergebnis beisteuern. Die für dieses Jahr angedachte Leistungsausprägung näher nach Olympia und der Universiade – Start im Sommer wurde schließlich unmöglich und viele Wochen Training habe ich versäumt.

Das Ergebnis der vielen Untersuchungen – bist Du wieder trainingsfähig?

Kreislaufkollaps, Virusinfektion, Ozon-Allergie ...es konnte alles sein. Und es bleiben noch viele Fragen offen. Die Erholung war richtig langwierig, nach 3 Wochen Pause und zwei Wochen Anlauf-Training bekam ich für die 1500 m bei den Deutschen Meisterschaften in Nürnberg grünes Licht. Nach meiner Quali für das Finale habe ich gemerkt, dass ich noch nicht 100% fit bin. Und obwohl ich mich auf Anhieb wieder fürs Finale der besten 12 in Deutschland qualifiziert habe, habe ich aus sportlichen und gesundheitlichen Gründen darauf verzichtet.

Die Nachwirkungen von der Team EM sind komplizierter als wir erwartet hätten. Inzwischen geht es mir besser. Die Ursachenforschung und Untersuchungen haben zum Glück erste Anhaltspunkte geliefert für diesen Totalausfall. Es gibt immer noch offene Fragen, aber eine „heiße Spur“. Wichtig ist für mich und meinen Trainer, dass das Herz-Kreislaufsystem gesund und die Lunge in Ordnung sind.

Wie geht es nach der neuesten Planung weiter?

Der Blick ist natürlich nach vorn gerichtet, das neue Trainingsjahr beginnt früher als sonst. Kilometer sammeln, die Kräfteverluste aufarbeiten und ein paar verlorene Pfunde wieder anlegen sind die ersten Aufgaben. Der Traum von Olympia in Rio ist trotz verlorener „Sekunden – Annäherung“ an die Norm im Sommer noch nicht aufgegeben, schließlich bin ich erst 23 Jahre alt. Und wenn ich es, wider Erwarten, nicht schaffe, kommen erneut Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und auch wieder Olympische Spiele. Man hat mir von vielen Seiten immer gesagt, dass ich dafür das Potential hätte. Das will ich beweisen!

Danke Marcel für das Gespräch – wir drücken Dir die Daumen

Foto Markus Herkert

„Gesunde Knochen ermüden nicht“ - Läuferrisiko Ermüdungsbruch

Mit Kalzium + Vit. D – Milchprodukten und grünem Gemüse kann man vorbeugen

2015_01_10_Ermuedungsbruch© Lothar Pöhlitz  -  10. Januar 2014  - Zu den unangenehmen z.T. langwierigen Läufer-Verletzungen gehören Ermüdungsbrüche im Bereich der unteren Extremitäten. Zwar verweist der auch bekannte Begriff Stressfraktur im Schien- und Wadenbein oder auch im Bereich des Mittelfußes gern auf Über- oder Fehlbelastungen durch Training und es gibt vielfältige meist länger andauernde Reparaturempfehlungen oder sogar Ruhigstellungen. In der Regel ist sie mit Lauf-Trainingsausfall verbunden. Die Aussage von Prof. Michael Ameling  (Uniklinik Hamburg – Eppendorf) „ein gesunder Knochen kann nicht ermüden“ macht die Praxis aber darauf aufmerksam das durch frühzeitige Vorsorge für alle Läufer – bevor 8 Wochen Pause notwendig werden – solche negativen Erfahrungen weitgehend auszuschließen sind.

Im Knochen ist Leben, ihre Dichte sichert ihre Stabilität, Trainingsbelastungen macht sie stärker. Die Osteoporose – ein Knochendichteverlust (die messbar ist) beginnt individuell unterschiedlich, Frauen früher als Männer – Knochen bauen ab wenn sie bereits früh immer weniger belastet werden – wenn Knochenauf- und -abbau nicht mehr in Balance oder sie unterversorgt sind. Obwohl Knochen ein Leben lang umgebaut und erneuert werden erhöht sich, nicht selten schon jenseits der 30 Jahre beginnend, auch durch Versäumnisse in der Ernährung oder Fußfehlstatiken die Gefahr von Knochenbrüchen. Die Knochendichte nimmt ab, der Knochen ermüdet und bricht schließlich. Ein wesentlicher Schlüssel ist dabei dass sich an feine Kollagenfäden offensichtlich nicht mehr ausreichend Kalziumphosphat anlagert. Eine u.a. Kalziumunterversorgung in der Ernährung macht diesen Schlüssel und damit die Knochenstabilität brüchig.

Trainer klären junge Läufer über optimale Ernährung auf
...und auch über Nahrungsergänzungsmittel

Um Medikamente möglichst außen vor zu lassen sollte Traineraufgabe bereits im Nachwuchstraining sein immer wieder auf die Bedeutung einer Qualitäts-Ernährung für junge Leistungssportler hinzuweisen. Aber auch für die ambitionierten Senioren wird die Gefahr eines Knochendichteverlustes von Jahr zu Jahr mehr. Praxis-erfahrung ist, dass vor allem auch Essstörungen mit Kalzium-Unterversorgung verbunden bei Mädchen und Jungen diese Problematik verstärken.

Kalziumhilfen bekommt man z.B. von Milchprodukten, grünem Gemüse und kalziumreichem Mineralwasser

Beraten sie sich frühzeitig mit dem Arzt ihres Vertrauens und leiten sie rechtzeitig Maßnahmen ein wenn sie das Gefühl haben das ihre Läufer Betroffene sein könnten, auch um später im Hochleistungstraining auf Pillen dagegen verzichten zu können! Vermeiden sie auch in diesem Zusammenhang Extreme und verbessern lieber die Qualität ihrer Mischlost á la Mama bevor sie weiterhin zu den oft teuren und nicht immer sauberen Nahrungsergänzungsmitteln greifen.

Foto: Kiefner

Nicht ausreichend beanspruchte Systeme entwickeln sich nicht oder bilden sich zurück

Reizwirksame Belastungen im Herbst / Winter bereiten die p.B. vor

2015_01_27_Nicht ausreichend-beanspruchte-Systeme© Lothar Pöhlitz  -  27. Januar 2014  -  Die in den letzten Jahren vollzogenen Veränderungen des internationalen Wettkampfkalenders hin zu ganzjährigen Leistungsabforderungen (Cross, Halle, Strasse, Bahn), die stürmische Weiterentwicklung der Rekorde in den Laufdisziplinen, die Leistungsdichte im Spitzenbereich, sowie die praktischen Erfahrungen aus der Vorbereitung von Spitzenathleten unter diesen „neuen veränderten Bedingungen“ und immer öfter unter den Bedingungen mittlerer Höhen zwingen zu einer effektiveren Form, zum neuen Denken innerhalb des Jahrestrainingsaufbaus. Besonders die von NEUMANN, WEINECK, MADER u.a. in den letzten Jahren geleisteten Beiträge und Veröffentlichungen zu sportwissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Physiologie und Sportmedizin, die aus einer verstärkten Zusammenarbeit mit der Trainingspraxis des Hochleistungstrainings entstanden sind, sollten  alle anregen das bisherige Vorgehen zu modernisieren.

Effizienter trainieren – Anpassungen optimieren

Aus vielen Veröffentlichungen sollte man für die Trainingspraxis schlussfolgern, dass alle sportlichen Aktivitäten zuerst unter dem Gesichtpunkt der Anpassung (Adaptation) der biologischen Systeme des Organismus (auf der Grundlage der sportmedizinischen, aber auch trainingspraktischer Erkenntnisse) als Grundlage einer Wirksamkeitssteigerung des Leistungstrainings, gesehen werden müssen. Dies führt zu der Notwendigkeit, auf der Grundlage einer möglichst hohen konditionellen Basis dem speziellen, qualitativen Teil der Trainingsbelastung, als wichtigste Voraussetzung für die sportliche Spitzenleistung, mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Dies beinhaltet auch darüber nachzudenken, ob es richtig sein kann, z.B. für Mittelstreckler über Wochen oder auch Monate in der Phase der Grundlagenausdauerentwicklung bestimmte für den Wettkampf notwendige Systeme und Muskelstrukturen durch eine vor allem aerobe Schwerpunktlegung aus dem Trainingsprozess fast ganz ausklammert und so zulässt, dass das ererbte oder bereits erarbeitete Niveau z.B. in der Muskelstruktur  (schnelle FT-Fasern)  sowie im Muskelstoffwechsel nur in einer bestimmten Richtung gefordert wird. Zwingend ist auch über die Effektivität der Ausbildung in den verschiedenen Entwicklungszeiträumen der Sportler (Schüler-Talentausbildung, Jugend-Aufbautraining, Anschlusstraining, Hochleistungstraining) nachzudenken. Durch bessere Nutzung z.B. der Trainingseinheiten („Mischtraining“ mit verschiedenen Aufgaben und Intensitäten im Lauftraining: niedrige à hohe à mittlere Intensität) das Entwicklungstempo zu erhöhen. Erfahrung ist dass bei Sportlern mit mittlerem Leistungsniveau mittlere Belastungen umfangsorientiert (ohne niedrige bzw. hohe Intensitäten auszuschließen) am besten wirken. Im Hochleistungstraining dagegen stehen vor allem mittlere und hohe Belastungen / Intensitäten – bei ausreichenden Anteilen mit niedriger Intensität zur aeroben Stabilisierung oder  Beschleunigung der Regenerationsprozesse im Mittelpunkt. Eigene Beobachtungen lassen den Schluss zu, dass umfangreichere Belastungen mit mittlerer Intensität wichtige Voraussetzung für das spezielle Training sind, positiv auf den Verlauf der biochemischen Prozesse wirken, zur Steigerung der Laktattoleranz und zur schnelleren Reduzierung erhöhter Laktatkonzentrationen beitragen. Da hilft oft ein Training nach Gefühl mit z.B. Rasenrunden schneller voran als ein Druck durch den Trainer mit der Uhr.

2015_01_27_Nicht ausreichend-beanspruchte-Systeme

Das Hochleistungstraining erfordert von den Trainern umfassende Kenntnisse der biologischen Gesetzmäßigkeiten der Anpassung, sowie der Gesetzmäßigkeiten der Spezialisierung des Organismus für eine bestimmte Disziplin des Laufbereichs in einem langfristigen Leistungsaufbau. Damit ist auch das Wissen verbunden, welche Trainingsbelastung mit welchen Pausen, einschließlich der notwendigen Regenerationszeiten, für welche benötigte Fähigkeit erforderlich ist und an welcher Stelle des Jahrestrainingsaufbaus in welchem Zeitraum die jeweiligen Fähigkeiten auszuprägen sind. Zeitverluste in der Leistungsentwicklung lassen sich vermeiden, wenn rechtzeitig Übungen oder Inhalte gewechselt werden sobald sich der Organismus in der gewünschten Richtung angepasst hat.

Ein Kernproblem jeder Leistungsentwicklung ist die Lösung des oftmaligen Widerspruches zwischen der durch Training notwendig auszulösenden Anpassungen und der Trainingsbelastung die auf die individuell aktuelle Leistungssituation des Athleten trifft.

Das Wissen und die Fähigkeiten des Trainers entscheiden weitestgehend über Tempo, Höhe und Stabilität der Leistungsentwicklung. Zum Schutz des Trainers soll aber auch unterstrichen werden, dass realisiertes Training und dargestellte Leistung vielseitig beeinflusst, keine stabile Abhängigkeit garantiert. So lassen sich oft Phasen beschleunigter oder auch verlangsamter Leistungsentwicklung bzw. auch längerfristige Stagnationen oder auch die Wirkung des Höhentrainings „wissenschaftlich“ nicht hinreichend erklären. Es lässt sich aber die Erfahrung vermitteln, dass zu geringe Trainingsumfänge oder ungenügende Belastungsfortschritte im Wintertraining für nicht ausreichend stabile Leistungsdarstellungen im Sommer verantwortlich gemacht werden können.

Anpassung vor Periodisierung

2015_01_27_Nicht ausreichend-beanspruchte-SystemeDie in der Vergangenheit relativ starre Orientierung an den Mikro- bzw. Mesozyklen der Periodisierung berücksichtigt die biologischen Prozesse und damit eine optimale Adaptation zu wenig und führt oft zu trainingsmethodischen Entscheidungen, die die individuell aktuelle Verfassung des Sportlers (beispielsweise nach Trainingsausfällen) sowohl im positiven als auch im negativen Sinne zu wenig berücksichtigt. So kann man in der Praxis beobachten, dass in einer Phase hoher Leistungsfähigkeit und hoher Leistungsbereitschaft des Organismus die weitere Belastung abgebrochen wird nur weil die 3.Woche eines 3:1 Belastungszyklus gerade vorbei ist und der Plan nun eine ruhige Woche vorsieht. Im umgekehrten Fall wird, obwohl der Sportler „platt“ ist, die vorgesehene hohe Belastung trotzdem durchgeführt. Deshalb müssen z.B. 4 Wochen Trainingsaufall im Winter zu Konsequenzen im Sinne „wirksamer nachzuholender Versäumnisse“ führen.

Damit sollen die Gewohnheiten im Umgang mit Makro-, Meso-, oder Mikrozyklen nicht abgeschafft werden, weil sie zur Ordnung und Organisation des Trainingsprozesses und zur gegenseitigen Verständigung, zur Trainingsplanung und Analyse des absolvierten Trainings hilfreich sind. Die Trainer sollten aber besser als bisher die Reaktion der biologischen Systeme ihrer Athleten beobachten, sich von leistungsdiagnostischen Verfahren oder Tests begleiten lassen und wenn nötig auch zu aktuellen Trainingsplanänderungen bereit sein, damit die geplante Belastungssteigerung möglichst effektiver als bisher zur gewünschten Anpassung führt. Die Vorbereitungsperioden I + II dienen der „Vorbereitung auf die persönliche Bestleistung“ beim Jahreshöhepunkt im Sommer.

Trainingsanpassungen, die nur durch entsprechend starke, anforderungsspezifische Trainingsbelastungen (Schwierigkeitsbewältigung) ausgelöst werden, vollziehen sich unter diesen Bedingungen in den Systemen:

  • im Herz-Kreislaufsystem und der Ganzkörper - Durchblutung (Beanspruchung und Wiederherstellung, Ökonomisierung, Sportherz, Sauerstoffaufnahme- und -transportkapazität – VO2max )
  • in der Atmung und Sauerstoffversorgung (Herz- bzw. Atemfrequenz / Ökonomisierung der Herz- und Lungenarbeit )
  • in  der Vergrößerung der Energiespeicher und verstärkter Mobilisation des Energiestoffwechsels, Enzymaktivitäten, Vermehrung der Kapillaren und Mitochondrien (Ausdauerfähigkeiten),
  • in der Laktattoleranz
  • in den Kraftfähigkeiten - Bewegungskoordination, Beweglichkeit, Muskelfaserstruktur, Belastbarkeit
  • in der Schnelligkeit und Schnellkraft / FT-Faserstruktur, energiereiche Phosphate
  • Lauf – Technik und Laufökonomie
  • im Bindegewebe, bei Sehnen, Knorpeln, Kapseln und Bändern
  • dem Willen zur Leistung und der Konzentration auf das Wesentliche
  • „Spaß“ an Grenzbelastungen und anaeroben Toleranztraining (natürlich verbunden mit optimaler Regeneration)

Trainingsbelastungen führen nur dann zu Anpassungen wenn die zu entwickelnden Funktionssysteme, auf der Grundlage des individuell - aktuellen Belastungsniveaus richtig dosiert, ausreichenden Anforderungen ausgesetzt werden. Die Belastungsentwicklung kann allmählich, aber auch sprunghaft akzentuiert erfolgen (Störung des inneren Gleichgewichtes à Ermüdung à Wiederherstellung à Superkompensation). Überhöhte Reize (submaximale, maximale und unterdistanzorientierte Intensitäten) im Vergleich zur aktuellen Leistungsfähigkeit + optimale Regeneration bilden die Grundlage für die Leistungsentwicklung. Hohe Reize haben vor allem dann einen großen Wirkungsgrad, wenn sie auf einen nicht ermüdeten, dafür ausreichend vorbereiteten, Organismus treffen.

Wohldosierte physiologische Ausdauer-Überlastungen passen die energiebereitstellenden, sauerstofftransportierenden- und sauerstoffverarbeitenden Systeme an. Im Hochleistungstraining nimmt mit zunehmendem Alter die Wirkung der Belastung ab. Bei schon hohem Trainingsumfang muss eine weitere Belastungserhöhung über die Intensität und zunehmend spezifischen Anteile erfolgen. Durch Training angepasste Systeme, die nicht mehr ausreichend beansprucht werden, bilden sich zurück und schwächen das Gesamtsystem.

Fotos: Ayadi

Die Kälte unterstützt die schnellere Regeneration

Kältekammer – Kältebox - Kältekissen – Kältespray – Eiswasser – Kühlwesten

2015_02_17_Regeneration_durch_Kaelte© Lothar Pöhlitz – 17. Februar 2015  -  Kälte zur Regenerationsbeschleunigung wurde bereits 1996 von der australischen Olympiamannschaft in Vorbereitung auf die Spiele in Atlanta eingesetzt. Schon 12 Jahre früher nutzte Charlotte Teske beim Olympischen Marathon 1984 in Los Angeles bei grenzwertigen Temperaturen einen mitgeführten „Eisschwamm“ zur Kühlung von Armen, Halsbereich und Körper. Physioprophylaktische Maßnahmen zur Selbstbehandlung wie Kältekissen, Kältesprays und Eisbehandlungen werden von Läufern „schon immer“ zur Verminderung bzw. Verhütung von Schwellungen, Einblutungen nach Prellungen, Entzündungen und Schmerzen nach Verletzungen wirksam eingesetzt. Langjährig positive Erfahrungen gibt es beispielsweise auch mit „Eisbädern“ für die Füße bis zum Knie, Kältebehandlungen bei Knochenhautentzündungen, mit Kalt-Warm-Wechselduschen und „Kneipp - Beinebaden im kalten Meer-Salzwasser“ nach harten Lauftrainingseinheiten. Die Durchblutung wird unter Kälte gedrosselt, die Hauttemperatur sinkt, die Gefäße ziehen sich zusammen. Unterkühlung wirkt stoffwechselaktivierend, der Sauerstoffverbrauch und andere chemische Abläufe im Körper werden zeitweilig reduziert. Wird die Kälteeinwirkung beendet steigen die Durchblutung und die Hauttemperatur wieder an und der Stoffwechsel wird beschleunigt.

Seit 2009 Kältekammer Kienbaum

Die Empfehlungen der „DLV-Kältekonferenz“ 2008 haben sicher die Aktion „Kältekammer Kienbaum“ – eine hilfreiche Einrichtung auch für die Leichtathleten - beschleunigt.  Am 14. Juli 2009 wurde im Bundesleistungszentrum Kienbaum eine „Kältekammer“ eröffnet, eine Bereicherung für die Trainingsarbeit in der zentralen Sportschule des DOSB nicht nur für Läufer.

Mit Kopf- und Mundschutz, Schuhen, Stirnband sowie Handschuhen ausgestattet und freiem Oberkörper nutzen die Sportler nach harten Belastungen diese Möglichkeit zur Regenerationsunterstützung über -10° C  und -60° C - Schleusen bis in die Hauptkammer in der sie sich bei -110° C  2 bis zu 2 ½  Minuten lang bewegen / „gehen“. Da es derzeit keine transportablen Kältekammern gibt, bleibt die Methode vorerst auf das Training vor Ort beschränkt. Wer zu Hause keine Kältekammer hat dem hilft ersatzweise ein Bad mit Eiswürfeln oder kaltes Duschen, Läufern das Fußbad bis zum Knie im Eiswasser nach harten TE. Auch der Umgang mit Kälteeinwirkungen bedarf gemachter Erfahrungen und sollte keineswegs bei Wettkämpfen „ohne vorheriges Probetraining“ genutzt werden. Die hin und wieder empfohlenen 800 g Kühlwesten bei warmen Marathontemperaturen sind sicher nur für Trainingsläufe unter solchen Bedingungen sinnvoll oder man kann gleich einen Marathon jenseits der 25 Grad C bei etwa 80 – 85 % der HFmax ohne „Zusatzlast“ in Angriff nehmen.

2015_02_17_Regeneration_durch_Kaelte

Keine Wunder erwarten – das Training bleibt entscheidend

Allerdings sollte man nie Wunder erwarten weil auch zukünftig vor allem die Trainingsbelastung über den Leistungsfortschritt entscheidet. Diese Form der „Regenerationsbeschleunigung“ zielt vor allem darauf den Zeitraum bis zur nächsten reizwirksamen Trainingsbelastung zu verkürzen umso Belastungsreserven zu erschließen. Da ein Läufer wöchentlich 3 – 4 anspruchsvoll-harte Trainingseinheiten pro Woche absolviert würde ein 2 – 3 wöchiger Aufenthalt in Gipfelwochen wie in der Kältekammer in Kienbaum sinnvoll erscheinen lassen. Erst eine längerfristig wissenschaftlich begleitende Kienbaum – Studie – vor allem zur Unterstützung der „Wiederbelastbarkeit“ - würde eines Tages zu wichtigen Erkenntnissen in der praktischen Nutzung im Lauf - Hochleistungsbereich führen und hilfreiche Hinweise geben nach welchen Belastungen welche Kältereize wirklich sinnvoll sind.

Kältetherapieanwendungen rufen komplexe Reaktionen im Organismus hervor die reflektorisch über das Nervensystem ausgelöst werden. Nicht nur Herz-Kreislauf und Energiehaushalt, sondern auch die Muskulatur wird besser versorgt und zentrale Strukturen im Gehirn werden beeinflusst. Sportler berichten dass der Aufenthalt in der Kältekammer auch positiv auf die Psyche, auf ihre Frische und ihre Leistungsbereitschaft wirkt.

Leistungssteigerung und Verkürzung der Regenerationszeit (Schweiz)

„Im Spitzensport etabliert sich die Ganzkörper-Kältetherapie als eine der effektivsten Methoden zur Steigerung der Kraft und Ausdauer und zur effektiven und schnellen Regeneration nach oder zwischen den Wettkämpfen. Der Körper reagiert auf die Kälte auch mit der Mobilisierung von Abwehrkräften und der Ausschüttung von Endorphinen. Die extreme Kälte bewirkt eine Erhöhung der Blutzirkulation in den Muskeln und damit die Regenerationszeiten herabzusetzen. Dadurch können toxische Stoffe und Laktate schneller abgebaut werden. Zusätzlich enthält die kalte Luft in der Kältekammer ein Vielfaches an Sauerstoff. Der Körper und die Muskeln werden so mit extra Sauerstoff versorgt. Der Sportler kann schneller regenerieren, wird vitalisiert und zum Wettkampf gestärkt“. (www.med-ice.ch - Dr. med. Arnold Eggerschwiler)

Eiserfahrungen aus Frankreich favorisieren auch die Kältekammer

„Nach extremer sportlicher Belastung soll ein Sprung ins eiskalte Nass empfehlenswerter sein als der Gang in die Sauna. Das ist das Ergebnis einer Studie französischer Wissenschaftler des Institut National du Sport, de l’Expertise et de la Performance in Paris, die den Einfluss von Wärme und Kälte auf die Muskelregeneration untersucht haben. Die Testpersonen waren neun gut trainierte Läufer, die drei Mal einen anstrengenden Lauf absolvieren mussten. Nach dem Workout wurden die Muskeln jedes Läufers mit einer von insgesamt drei Erholungstherapien behandelt: mit einer Infrarotwärmelampe, mit einer 30-minütigen Ruhephase oder mit einem Gang in eine -110° C kalte Kältekammer. Die Behandlung erfolgte drei Mal, jeweils eine Stunde, 24 Stunden und 48 Stunden nach dem Training. Nach allen drei Tests stand die Kältekammer auf Platz eins“. (Raphaela Baur © MensHealth.de 8.12.2011)

Fotos: Volke, Pöhlitz

Meine 3 Jahre Training an einem College in den USA

Erfahrungen und Details zum Training von Regina Neumeyer

2015_02_28_USA-Bericht© Lothar Pöhlitz – 1. März 2015 - Mein Fazit nach drei Jahren Training am Iona-College in den USA fällt sehr gemischt aus. Meine Leistungsentwicklung wurde unterbrochen, es gab keine stetige Steigerung über die Jahre, mit behutsamerem Training hätte die eine oder andere meiner Verletzungen bestimmt vermieden werden können. Hätte ich den Mut gehabt zwischen der dortigen Hallen- und Bahnsaison noch einen Ausdauerblock einzuschieben – wie das in Deutschland üblich ist, wäre sicher das eine oder andere danach besser gelaufen. Die Zeit am US College hat mir aber den unnötigen Respekt sowohl vor hohen Umfängen, als auch vor hohen Intensitäten genommen. Ich habe neue und unterschiedliche Herangehensweisen an den Leistungssport kennengelernt, hatte viele tolle Begegnungen mit Athleten aus aller Welt und auch echte Motivationsspritzen durch die - im Gegensatz zu Deutschland - übliche Teamarbeit im Training und Wettkampf. Die amerikanische Wettkampfatmosphäre hat mir unheimlich viel Inspiration gegeben und ich kann auch zukünftig von der lockeren, aber positiv anspornenden Einstellung profitieren. Es schadet nicht in der NCAA internationale Wettkampfluft zu schnuppern, mit Spitzenläuferinnen aus aller Welt an der Startlinie zu stehen. Dies ist noch heute für mich Anreiz zu mehr Leistung. Außerdem habe ich sehr von dem Rundum - Sorglos Paket für Leistungssportler profitiert. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland fällt dies mir besonders  auf, weil hier die Förderung von Sportlern leider nicht so groß geschrieben wird wie in den USA.

Ein Blick zurück auf 3 Jahre in den USA

In meinem folgenden Erfahrungsbericht über mein Training in den 3 Jahren am Iona College möchte ich die Herangehensweise im Training an US Amerikanischen Colleges näher vorstellen und auch einmal über Details berichten. Dabei werden ausschließlich trainings- und wettkampfspezifische Aspekte vorgestellt und die finanziellen, akademischen und sozialen Gesichtspunkte eines USA Aufenthaltes außen vor gelassen.

Es gibt schon Besonderheiten am Iona College

Das Iona College ist ein sehr kleines, privates College am nördlichen Rand von New York und Teil der NCAA Division 1. NCAA steht für National Collegiate Athletic Association und ist als der Amerikanische Studentensportverband zu verstehen. Division 1 ist die höchste der drei Ligen der NCAA. Das bedeutet, dass die dazugehörenden Colleges die höchste Anzahl an wöchentlichen Trainingsstunden (20h pro Woche bei einem freien Tag) absolvieren und dafür Sportstipendien ausgeben dürfen. Das Iona College steht in irischer Tradition, welche in Kombination mit den ausschließlich europäischen Cheftrainern des Laufteams sicher zur internationalen Ausrichtung des Teams immer wieder beigetragen hat. Momentan waren zwölf der dreizehn Vollstipendiaten des Männer Teams keine US - Staatsbürger und alle sechs Vollstipendiatinnen des Frauen Teams Europäerinnen. Mit Kate Avery (GBR) und Leonard Korir (KEN) sind zwei NCAA National Champions Teil der Iona Sportgeschichte. Thorsten Baumeister, Daniel Lipus, Sebastian Hendel und Johannes Motschmann sind deutsche Athleten, die für Iona gestartet sind bzw. momentan starten. Da das College nur ein reines Mittel- und Langstreckenteam hat, also keine anderen Leichtathletik Disziplinen abdeckt, spielt Iona in der NCAA Track and Field Gesamtwertung keine Rolle. Deswegen werden die Athleten auch nie gezwungen bei punktebringenden Meisterschaften doppelt zu starten um das Abschneiden des Teams zu maximieren. Diese Doppelstarts, die lediglich zur Punktmaximierung vieler Colleges beitragen, aber für die individuelle Leistungsentwicklung der einzelnen Athleten nicht gerade förderlich sind, gibt es häufig in den USA.

Zur Struktur des Wettkampfjahres an unserem College

Mittel- und Langstreckler in der NCAA nehmen an drei ‚Seasons‘ pro Studienjahr teil:

  • Im Herbst an der Cross Country Season,
  • von Januar bis März an der Indoor Season und
  • von April bis Mai/Juni an der Outdoor Season.

Wie lang die jeweilige Saison für die Athleten ist, hängt von deren Weiterkommen bei der Qualifikation für die Nationals ab. Die Crosslauf Saison beginnt bereits im September und weist durch die Fokussierung auf die Teamwertung den größten Unterschied zu unserer deutschen Wettkampfsaison auf. Anfang November finden die Regional Cross Country Championships statt, bei denen die Teams sich für die National Cross Country Championships Mitte November qualifizieren müssen. Dies geschieht fast ausschließlich über die Teamwertung, in der sieben Athleten pro Uni Team an den Start gehen, von denen die besten fünf in die Wertung kommen. Sowohl in der Cross-, wie auch in der Hallen- und Freiluftsaison ist die Struktur der Wettkampfplanung relativ steif, sie orientiert sich ausschließlich an dem Qualifikationsmodus für die NCAA-Meisterschaften, welche den Höhepunkt jeder Saison darstellen.

Zur Struktur des College - Trainingsjahres

a)      In der allgemeinen Vorbereitungsperiode 150 bzw. 200 km pro Woche (Juli-August)

Der allgemeine Jahrestrainingsaufbau beginnt mit dem Sommertraining. Nach ca. zwei Wochen Saisonpause / Übergangsperiode startet Ende Juni (!) das Aufbautraining fürs neue Jahr. Während der also relativ  langen Sommerferien werden viele Kilometer (Männer bis zu 200km pro Woche, Frauen bis zu 150km pro Woche) gelaufen. Ein großes Problem ist: wer im Sommer noch in Deutschland Bahnwettkämpfe läuft verpasst diese erste wichtige umfangreiche Aufbauphase.

b)     In der Crosslaufperiode 140 bzw. 190 km pro Woche (September – November)

Während der Cross Country Saison gibt es einen Trainingsrhythmus der für alle Athleten gleichermaßen gilt. Nach jeweils drei umfangreichen Wochen (die Männer bis zu 190km, die Frauen bis zu 140km) folgt eine Woche mit reduzierten Kilometern. Die Spanne zwischen hohen und niedrigen Wochen ist sehr gering und beträgt lediglich ca. 20-30km Differenz. Dienstags und freitags sind workout days, sonntags ist der long run day, wie im unten aufgeführten Auszug meines „Trainingsplans“ zu erkennen ist.

Fazit ist das die Trainingsstruktur und das Wettkampfsystem relativ einfach und überschaubar sind, das Training im Umfang und in den Intensitäten die Gewohnheiten in Deutschland ganzjährig deutlich übertrifft.

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Fig. 1: Trainingsplan der US Coaches

Und danach die Beine 10 Minuten in kaltes Wasser

Am Trainingsplan deutlich erkennbar ist u.a. der Spielraum, der uns Athleten in der Erfüllung des vorgegebenen Umfangs zur Verfügung stand. An allen Tagen, außer samstags und sonntags, durften wir theoretisch eine zweiten Einheit absolvieren - je nachdem wieviel nötig war um die vorgegebene Mileage zu erfüllen. Diese zweite Einheit fand nie im Team statt, sondern wir haben uns individuell mit unseren Trainingspartnern für einen Dauerlauf getroffen. Montags und mittwochs standen mit Drills, Strides und Core nach dem Dauerlauf noch Koordination, Steigerungen und Athletik auf dem Programm – allerdings unangeleitet. Zu Workouts zählen alle Einheiten – von Tempodauerläufen über Berganläufe bis zu Intervalltraining auf der Bahn. Danach wurden wir zum Eisbad angehalten, also die Beine für ca. 10 min. in ca. 8-12°C kaltes Wasser stecken.

Die Inhalte der Workout - Einheiten werden erst nach dem Einlaufen bekannt gegeben. Alle Athleten laufen das gleiche Workout, nur eben in unterschiedlichen Geschwindigkeiten.

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Fig. 2: Bekanntgeben des Workouts (Foto privat)

Während der Cross Saison bestehen die Workouts von August bis September dienstags immer aus einer Art von Berganläufen und freitags aus Tempodauerläufen. Da die Crosslauf Wettbewerbe ausschließlich Teamwettbewerbe sind und alle Athleten während der Cross Country Saison gleich oder zumindest sehr ähnlich trainieren, entsteht eine in Deutschland ungekannte Teamdynamik. Diese sorgt neben erhöhter Motivation automatisch auch für höhere Intensitäten im Training. Die folgenden Trainingsbeispiele sind alle aus dem Jahr 2011/2012, da danach mein Training aufgrund von Verletzungen nicht mehr so repräsentativ war.

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Fig. 3: Trainingstagebuch September; Aufbauphase (Bem: In der Pause bei den BALs am Dienstag werden wir mit Vans den Berg runter gefahren um die Pause möglichst kurz zu halten).

Von September bis Anfang November werden die Berganläufe und Tempodauerläufe durch längeres Intervalltraining im Profil ersetzt.

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Fig. 4: Training Profilrunde (Foto privat)

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Fig. 5: Trainingstagebuch November, zwei Wochen vor den Northeast Regional XC Championships

In den Wochen der wichtigen Cross Rennen wird  auf der Bahn trainiert und es werden 400m und 200m Programme  im schon recht ordentlichen, für Crossläufe fast unnötigen Geschwindigkeiten, absolviert.

c)      Übergangsperiode (Mitte November – Anfang Januar)

Nach den National Crosslauf Championships wird eine Woche komplett pausiert um dann über die Winterferien, ähnlich wie im Sommer, noch einmal nur Kilometer zu sammeln. Da die Athleten über die Semesterferien nicht vor Ort sind, stehen vor allem Tempodauerläufe und Fahrtspiele unter Eigenregie auf dem Trainingsplan.

d)     Die Hallenwettkampfperiode (Januar – März)

Sobald im Januar die Hallensaison beginnt, wird das Training etwas individueller. Die Läufer werden in eine Mittel- und eine Langstreckengruppe unterteilt. Die Mittelstreckengruppe absolviert dreimal pro Woche Tempoläufe, die Langstreckengruppe nur zweimal pro Woche. Ähnlich wie gegen Ende der Crosslauf Saison, sind sehr kurzen Pausen, trotz relativ hoher Intensität, Programmbestandteil.

2015_02_28_USA-Bericht

Fig. 6: Trainingstagebuch Ende Januar, Start Indoor Season

e)      Die Freiluftwettkampfperiode

Die Hallensaison endet Anfang/Mitte März und geht im Prinzip fliesend in die Bahnsaison über, welche Anfang April startet. Während der DLV also seine Athleten über Ostern noch einmal ins Grundlagentrainingslager schickt, ist es für die Athleten an den US Colleges schwer möglich, einen GA1/GA2-Block zwischen Hallen- und Bahnsaison zu schieben.  Grundsätzlich werden in den USA hohe Umfänge gelaufen, die zu Beginn der Wettkampfphase auf der Bahn jedoch  z.T. drastisch reduziert werden. Die Umfänge kommen hauptsächlich von Dauerläufen, da selten eine Tempolaufeinheit länger als 5-6km ist. Eine beliebte Einheit gegen Saisonhöhepunkt war das 4*(600m-150m) Programm mit 90sec Pause bzw. 2:30min. Serienpause. Die 600er sollten wir in 1:45min. laufen, die 150er in 21sec. Im Vergleich zu meinem Training in Deutschland sind die Workouts in den USA schon sehr früh in der Saison wesentlich kürzer und intensiver, im Laufe der Wettkampfphase werden sie weiter gesteigert. Je intensiver die Tempoeinheiten werden desto weniger Umfänge werden auch innerhalb der Woche gelaufen. So lief ich im Mai / Juni schon nur noch zwischen 60 und 70 Wochenkilometer und absolvierte ausschließlich kurze, schnelle Tempoläufe, die selten länger als 300m waren.

Intensität der Workouts

Ich war immer relativ schnell fit und bin früh in der Saison relativ gut gelaufen; konnte mich aber zum Höhepunkt der Saison hin nicht mehr steigern. So war ich, als ich im Sommer 2012 die Bahnsaison in Deutschland absolvierte ziemlich platt und entschied mich, nach den Deutschen Meisterschaften in Wattenscheid die Saison zu beenden. Dazu will ich sagen, dass ich – zumindest nach Meinung meines deutschen Trainers Eckhardt Sperlich – von Natur aus eine „Hau drauf“ Athletin bin; also grundsätzlich bei jeder Einheit mit der Keule raushole was geht, anstatt etwas vorsichtiger und mit Köpfchen zu laufen. Ich bin also eine Athletin, die vom Trainer gebremst werden muss. Die Trainer in Iona waren aber in dieser Richtung sehr entspannt; sie haben uns nie in irgendeiner Form übermäßig in den Workouts gepusht – aber sie haben uns eben auch nie gebremst. Gepusht wird allerdings in einem großen Team mit vielen Athleten auf ähnlichem Leistungsniveau ganz automatisch. Wie also das Training in den USA anschlägt, hängt also sehr  von der persönlichen Trainingseinstellung ab. Ich war es von zu Hause einfach gewohnt, im Training immer etwas schneller laufen zu können als vom Trainer vorgegeben und dabei trotzdem jede Einheit relativ locker zu schaffen. Fast nie stehen bei Eckhardt Sperlich Einheiten auf dem Plan, die zu schwer sind um sie ordentlich zu Ende laufen zu können.

In den USA hingegen wird viel nach dem Motto „go for it until you can’t go anymore“ trainiert. Die Zeitvorgaben sind immer an der oberen Grenze des Machbaren und die Anzahl der Wiederholungen vage formuliert; quasi um dem Athleten individuell die Möglichkeit zu geben, bis an seine Grenzen heranzulaufen. So heißt es zum Beispiel bei 300m Wiederholungen: „try to get to anywhere between twelve and sixteen“. Wenn man dann nach zehn Wiederholungen schon  am Anschlag ist so dass man abbrechen muss, beendet man das Training mit subjektiver Unzufriedenheit – auch wenn die zehn Wiederholungen objektiv ein gutes Training sind. Rein psychologisch gesehen war ich nach den Trainingseinheiten immer eher unzufrieden, da ich das Gefühl hatte, die Vorgaben nicht erfüllt zu haben – obwohl ich nach jeder Einheit völlig platt und viel erschöpfter war als nach einer Einheit unter Eckhardt Sperlich – sicher auch weil die aeroben Energiebereitstellungssysteme schon sehr früh in der Saison nicht mehr aufrecht erhalten wurden.

Weiterentwicklung Kraft und Motorik

Was die Erholung anging, so ist diese zwar mit lockeren Dauerläufen an den Tagen zwischen den intensiven Einheiten vorgesehen. Aufgrund der Teamdynamik werden die lockeren Dauerläufe jedoch nie so ruhig wie wenn man sie allein laufen würde. Nach den Dauerläufen soll Athletik und Koordination auf Eigeninitiative durchgeführt werden. Das wird von den Trainern erwartet, aber nicht geleitet oder kontrolliert. Dies ist ein deutlicher Unterschied zum deutschen Training wo viel Wert auf Technik, Koordinationsschulung und Kraftentwicklung gelegt wird. Wir haben nie an individuellen Schwächen oder Laufstildefiziten gearbeitet da den Trainern dazu einfach bei der Vielzahl an Athleten die Zeit fehlt. Allgemein hat der Trainer in den US amerikanischen Colleges neben der eigentlichen Trainertätigkeit sehr viel Bürokratisches zu erledigen, um die „Compliance“ des Colleges mit den NCAA Regeln zu sichern. Dazu kommt außerdem noch das zeitintensive Recruiting. Dies ist das Anheuern von neuen Athleten, wovon der erfolgreiche Fortbestand eines jeden College - Teams abhängig ist, da jeder Athlet maximal nur für fünf Jahre im Uniteam bleiben darf.

Teamdynamik hilft  – birgt aber auch Gefahren

Während ich von Eckhardt Sperlich gewohnt war dass im monatlichen Trainingsplan keine Woche der anderen glich und die Planung individuell in sich stimmig war, wurde in Iona ein generischer Trainingsplan nur minimal in den Aspekten Umfang und Intervallzeiten an die Trainingsbedürfnisse der einzelnen Athleten angepasst. Athleten, die ein gutes Gespür für ihre eigenen Grenzen und Schwellen haben, können sicherlich die motivierenden Vorteile einer großen US College Trainingsgruppe nutzen, ohne dabei ihre Leistungsentwicklung langfristig zu beeinträchtigen. Athleten die Schwierigkeiten haben, allein in höhere Intensitäten reinzulaufen und sich mit der Bekämpfung ihres „inneren Schweinehundes“ schwer tun, können von der amerikanischen Teamdynamik im Training profitieren. Athleten die verletzungsgefährdet sind und auf Athletik- und Technik - Training angewiesen wären, laufen im US-amerikanischen College System eher als unter der individuellen Athleten-Trainer Betreuung in Deutschland in die Gefahr, unterzugehen. Dennoch lässt sich nicht abstreiten, dass Athleten in den USA von den großen Trainingsgruppen auch profitieren. Sie laufen dank deren Dynamik müheloser hohe Umfänge und höhere Intensitäten.

Team-Organisationsstrukturen haben mehrere Vorteile

Der Teamaspekt trägt außerdem wesentlich zur Wettkampf- und Trainingsmotivation bei. Dieses Potential wird in Deutschland besonders im Mittel- und Langstreckenbereich nicht ausreichend genutzt - bzw. kann auch nicht ausreichend genutzt werden, da eine vereinsbasierte und von beruflicher Bildung losgelösten Struktur eine Teambildung wie sie unter Universitätsrahmenbedingungen stattfindet, dies nicht erlaubt. Das incentive-basierte Konzept der US Colleges, das jeden ambitionierten und talentierten Athleten finanziell und organisatorisch rundum versorgt, kann zu einer höheren Trainings- und Wettkampfmotivation führen und kann damit auch Athleten fördern, die nur durch eben diese Förderung den Sprung in die nächste Leistungsklasse schaffen. Das Sponsoring in Deutschland hingegen ist individuell auf Einzelne fokussiert und fängt erst ab einem weitaus höheren Niveau an, zumeist frühestens mit dem Erreichen der erweiterten europäischen Spitze. Dies motiviert Einzelne zu Spitzenleistungen, sorgt aber nicht für eine angemessene Leistungsbreite, die in Deutschland fehlt. Genau diese Leistungsbreite jedoch würde auch der Spitze helfen, durch verbesserte Konkurrenzsituationen – auch in der Wettkampfgestaltung - den internationalen Anschluss zu finden.

Mein Fazit

Mein Fazit von drei Jahren Training am US College ist somit ein gemischtes. Meine Leistungsentwicklung ist unterbrochen worden und ich konnte keine konstant stetige Steigerung über die Jahre hinweg genießen, wie es unter einer langfristigeren Trainingsplanung in Deutschland vielleicht gelungen wäre. Im Rückblick wäre ich an manche Dinge etwas anders herangegangen, z.B. hätte ich mir den Mut gewünscht zwischen der Hallen- und der Bahnsaison  einen Ausdauerblock einzuschieben. Außerdem hätten mit behutsamerem Training eventuell manche meiner Verletzungen vermieden werden können. Dennoch habe ich sehr von dem Rundum - Sorglos Paket für Leistungssportler profitiert, was mir besonders jetzt auffällt, da ich wieder in Deutschland bin, wo die Förderung von Sportlern nicht so groß geschrieben wird wie in den USA. Außerdem bin ich besonders dankbar dafür, neue und unterschiedliche Herangehensweisen an den Leistungssport kennengelernt zu haben. Die vielen Begegnungen mit Athleten aus aller Welt als Motivationsspritzen für Training und Wettkampf möchte ich nicht missen, sie dienen mir heute noch als Anreiz zur Leistung. Auch die amerikanische Wettkampfatmosphäre hat mir unheimlich viel Inspiration gegeben und so kann ich heute noch von einer lockeren, aber positiv anspornenden Einstellung profitieren. Wenn man also langfristig international mitlaufen möchte schadet es nicht in der NCAA internationale Wettkampfluft zu schnuppern und mit der ein oder anderen späteren Spitzenläuferin an der Startlinie zu stehen. Trainingstechnisch hat mir die Zeit am US College den unnötigen Respekt sowohl vor hohen Umfängen, als auch vor hohen Intensitäten genommen. Ob ich dabei an Intensitätsschrauben gedreht habe, an denen ich lieber noch nicht hätte drehen sollen und die mir eine weitere Entwicklung erschweren könnten, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beurteilen – immerhin kann ich  vom heimgebrachten Amerikanischen Optimismus zehren!

Foto: Neumeyer