Crossveranstaltungen richtig gemacht

Tipps zum Gelingen einer Crosslauf-Veranstaltung

 

Die Strecke

2007-02-13-crossveranstaltungen-richtig-gemacht-113. Februar 2007 (Ring) –Sie sollte überschaubar, also gut einsichtig, abwechslungsreich und angemessen schwierig sein. Vorbei sind die Zeiten, wo die Läufer kurz nach dem Startschuss in der Landschaft verschwanden und irgendwann nach Bewältigung ihrer Strecke unvermittelt wieder am Ziel auftauchten. Die beiden letzten Deutschen Crossmeisterschaften 2001/02 haben gezeigt, dass man selbst beinahe zwei Kilometer lange Schleifen spielend in ein sehr kleines Terrain bringt. Vom Untergrund her gesehen ist es natürlich am besten, wenn man von weich bis hart alles im steten Wechsel anbieten kann. Nur Morast oder nur Rennbahn, keines von beiden ist optimal. Kleine Anstiege, schroff oder gemäßigt, sollten auch nicht fehlen. Die vielen Wenden und Kehren, wo man immer wieder Tempo rausnehmen muss, um dann erneut beschleunigen zu müssen, ergeben sich auf einem kleinen Gebiet von selber. Was man auf alle Fälle vermeiden sollte, sind schräge Laufuntergründe, die die Beine permanent einseitig belasten. Da sich in der Crosssaison die Witterung und damit auch das Geläuf sehr schnell ändern kann, sollte man unbedingt Alternativstreckenführungen parat haben, die den Nachwuchsklassen oder aber auch jenen der Senioren/Innen entsprechen.

Die Absperrungen

2007-02-13-crossveranstaltungen-richtig-gemacht-1Die totale Absperrung der Strecke mit Trassierbändern ist eigentlich ein Muss. Dazu die einfache Faustregel: für einen Kilometer braucht man zirka 250 bis 300 Pflöcke aus Holz oder Metall (leicht bei größeren Baufirmen kostenlos auszuleihen) und ungefähr fünf Rollen Trassierband, die Rolle mit 500 Metern (Kosten pro Rolle ca 10 Euro oder eben über einen Sponsor kostenlos). Die Pfosten sollten weniger als acht Meter auseinander sein, weil sonst der Wind mit den Bändern ein übles Spiel (Abreißen, Einbuchten) treiben kann. Wer in der ganz kalten Jahreszeit einen Cross ausrichten will, sollte bedenken, dass die Dinger, vor allem wenn sie aus Holz sind, nicht so ohne weiteres in den gefrorenen Boden gehen. Bei der DM in Regensburg wurden die Holzstäbe, dort immerhin 750 Stück, übrigens bereits vier Monate vorher, Anfang Dezember, im Boden versenkt. Besonders toll ist es, wenn man die oberen Stabenden, vor allem wenn sie aus Metall sind, mit aufgeschlitzten Tennisbällen schützt. So bleiben Athleten, die im Eifer des Gefechtes einen Pfahl berühren, unverletzt. Noch etwas zu den Kurven. Kurven werden nur dann runde Kurven, wenn die Stöcke dort besonders eng gesetzt werden - macht echt etwas her! Noch ein kleiner Hinweis zur Breite: vier bis fünf Meter reichen allemal, außer natürlich im etwa 50 bis 60 m langen Startbereich, der sich von der ca zwanzig Meter breiten Startlinie eben diese Strecke lang gleichmäßig konisch verjüngen sollte. Starts bergab und solche die sofort in eine Kurve führen sollten vermieden werden. Abschließend noch die Arbeitszeit: mit drei bis vier kräftigen Helfern schafft der Kurssetzer spielend einen Kilometer in drei bis vier Stunden. Das ist trotzdem viel Arbeit, die sich aber allemal lohnt.

Ziel und Zeitnahme

2007-02-13-crossveranstaltungen-richtig-gemacht-1Wer auch immer den Zielkanal erfunden hat, war nie in der Urlaubszeit auf deutschen Autobahnen unterwegs. Engstellen erzeugen Stau, Stau erzeugt Stress, Unfälle und Fehler. Lasst den Läufern die volle Breite, um bis zum Zielstrich die Entscheidung suchen zu können. Zwei gute Teams mit jeweils zwei Einlaufrichtern (der eine schreibt, der andere diktiert die einlaufenden Startnummern) und ein Zeitnehmer mit einer Seiko-Uhr plus Drucker haben selbst größte Felder im Griff. Eine gesonderte Videoaufzeichnung von vorne kann bei Einläufen mit über hundert Teilnehmern nicht von Schaden sein, bei kleineren Veranstaltungen ist sie nicht nötig. Finger weg von der Elekronik! Die Lichtschrankentechnik ist viel zu störungsanfällig, bei einer Genauigkeit einer ganzen Sekunde Zeittoleranz auch gar nicht nötig. Mit den nötigen "Abräumhelfern" im Zielbereich braucht man dann schon meist 10 bis 12 Personen, um klar zu kommen. Ein Zieltransparent ist eigentlich schon Pflicht, die nötigen Metallstangen mit Verankerungsspitzen für den Boden und Metallösen zum Festzurren des Transparents sind eine einmalige Anschaffung. Fast jeder Verein hat einen Tüftler in seinen Reihen, der so etwas auch zum Rohstoffpreis herstellen kann. Das ganze lässt sich mit starken Leinen und Zeltheringen so stark verspannen, dass sich selbst beim stärksten Wind nichts mehr bewegt. Der Zielraum sollte natürlich schon noch, zumindest provisorisch auf einer Fläche von 6x12 Metern abgsperrt werden, sonst läuft Ihnen Hinz und Kunz bei der nicht gerade einfachen Arbeit über den Weg. Bei größeren Veranstaltung bietet sich selbige Absperrung natürlich auch mit etwas anderen Dimensionen für den Start an, wobei hier (ein) Startzelt(e) auch nicht schaden können (kann). Wer seinen Zieleinlauf bergab gestaltet, braucht sich am Ende nicht wundern, wenn alle sehr schnell und kompakt ins Ziel kommen und man beim Einlauf Probleme bekommt.

Fotos: DM-Cross 2003 (Archivbilder)

Crossveranstaltungen richtig gemacht

Tipps zum Gelingen einer Crosslauf-Veranstaltung

 

Startnummern

2007-02-16-crossveranstaltungen-richtig-gemacht-216. Februar 2007 (Ring) – Jeden Lauf mit eigenen Startnummern von eins beginnend auszustatten, ist nicht nur für die Zuschauer ein besonderer Service. Der Zieleinlauf wird Ihnen die niedrigen Nummern mit weniger oder gar keinem Fehler danken. Sollten Sie zwei oder auch mehrere Altersklassen in einem Lauf vereinen, bietet sich eine Unterscheidung mit farbigen Klebepunkten an. Auch diese Arbeit im Vorfeld der Veranstaltung lohnt sich. Für die unverbesserlich Vergesslichen sollten Sie jederzeit eine Schachtel Sicherheitsnadeln zum Verkauf vorrätig haben. Der Satz Startnummern kostet etwa 25 Euro (100 Stück - Tyvec), die Kosten sind eigentlich hier am einfachsten auf einen Sponsor abzuwälzen. Sollten Sie alles genau so gemacht haben und dabei aber vergessen haben, die einzelnen Startnummern auch nach den Läufen zu differenzieren, haben Sie wieder ein Problem, weil Kunde Athlet in der Aufregung gern zum Verwechseln der Dinger neigt. Daher auch hier ein guter Tip. Verwenden Sie ganz einfach zum Beispiel Vierhunderter-Nummern für die Mittelstrecke, Fünfhunderter-Nummern für die Langstrecke usw. Die Hunderterstelle der Nummer ist dann die Kennzahl für den Lauf, der Einlaufkampfrichter braucht aber nur die Zehner- und Einerstelle der Nummer beachten, weil eben in dem bestimmten Lauf nur Fünfhunderter- oder Vierhunderter- usw. Nummern vorkommen.

Auswertung

2007-02-16-crossveranstaltungen-richtig-gemacht-2Warum experimentieren um Gottes Willen so viele Ausrichter mit selbstgebastelten Auswertungsprogrammen herum? Die Cosa- oder Rieping-Programme sind so ausgefeilt, dass sie schon nach wenig Übung auch einer bedienen kann, der nicht so viel von EDV versteht, zudem sind sie auf die Bedürfnisse der Läufe zugeschnitten. Gefährlich ist natürlich auch jene andere Variante, wo sogenannte "PC-Profis" glauben, sie könnten sich eine Viertelstunde vor der Veranstaltung einfach vor den Monitor setzen und die Sache ist geritzt. Wie in allen Dingen ist eben auch hier der Fleiß vor dem Preis nötig. Eine diffizile Programmierung auf die speziellen Bedürfnisse der jeweiligen Veranstaltung im Vorfeld zahlt sich allemal aus. Welche Altersklassen werden zusammen gewertet, zählen alle Einlaufenden zur Mannschaftswertung? Ist der Druck der Urkuden eingerichtet? Solche Fragen weiß das Programm nicht alleine zu beantworten. Wehe dem, der im Notfall dann das Handbuch herausholen muss! Bei größeren Veranstaltungen ist es durchaus angebracht, dem Mann am PC einen "Einleser" zu gewähren. Dann geht die Sache einfach schneller. Bei ganz großen Events mit Einläufen von jeweils über hundert Teilnehmern sind sogar zwei Auswertungsteams anzuraten, die sich von Lauf zu Lauf abwechseln und so überlappend arbeiten können. Eine andere Fehlerquelle besteht oft darin, dass die Auswertung kilometerweit vom eigentlichen Geschehen postiert ist und auf Änderungen nur zeitversetzt und träge reagieren kann. Siegerehrungen lassen dann oft über eine Stunde lang warten, gibt's Unregelmäßigkeiten (im Cross kann das schnell passieren) kann es dann auch bis zu drei Stunden dauern. Schnelle Ergebnisse gibt's nicht, das Rätselraten um den Mannschaftssieger wird zum Geduldsspiel. Hektik, miese Laune aller Beteiligten, Unruhe und gegenseitige Schuldzuweisungen sind die Folge. Alles unnötig, selbst in einem normalen Campingbus ist eine Auswertung für 400 Teilnehmer spielend unterzubringen, ein Stromaggregat ist meist auch leicht aufzutreiben. Die Siegerehrung sollte höchstens (ohne Einspruch) dreißig Minuten nach dem letzten einlaufenden Läufer stattfinden. Die Vorab-Ergebnisse müssen sogar noch schneller im Bereich der Laufstrecke veröffentlicht werden.

Urkunden und Ergebnislisten

2007-02-16-crossveranstaltungen-richtig-gemacht-2Schöne, dicke Urkunden mit Papiergewichten über 200 g sind eine feine Sache, wer sich aber schon einmal damit am Drucker geplagt hat, kehrt schnell zum gängigen Gewicht von 150 bis 170 g zurück. Wem das Ganze zu lasch ist, der kann die Dokumente letztendlich noch laminieren. Dann kann's wirklich Hunde und Katzen regnen. Das schöne Stück wird locker alles unbeschadet überstehen. Zu den Ergebnislisten ist zu sagen, dass kaum noch welche in Papierform gebraucht werden. Selbst bei Landesmeisterschaften pendelt sich der Absatz unmittelbar nach Abschluss der Veranstaltung bei vier bis fünf Stück ein. Die Veröffentlichung im Internet nimmt jedoch immer mehr an Bedeutung zu. Es sollte eigentlich inzwischen jeder Veranstalter in der Lage sein, diesen Service bis ca 2-3 Stunden nach dem Veranstaltungsende anbieten zu können. Todsünde ist, wenn man das gute Stück erst Tage später veröffentlicht. Einmal ganz im Ernst - wie sollen denn die vielen freien "Pressemitarbeiter" unter den Betreuern Infos an die Regionalzeitungen weitergeben können, wenn ihnen wichtigstes Instrument, die Ergebnisliste, dazu vorenthalten wird.

Öffentlichkeitsarbeit

2007-02-16-crossveranstaltungen-richtig-gemacht-2Die rechtzeitige Anmeldung ihrer Veranstaltung im Sommer des vorhergehenden Jahres hat zwar nicht direkt mit der Öffentlichkeitsarbeit zu tun, gibt Ihnen aber die Gewähr, dass Ihr Crosslauf in allen offiziellen und inoffiziellen Kalendern erscheinen wird, sofern Sie dem etwas nachhelfen (Anzeigen etc.). Außerdem haben Sie nun schon einmal die Grundlagen für Ihre Veranstaltung geschaffen. Werbung über einen Folder will auch wirtschaftlich überlegt sein, die Kosten für den Druck sollten Sie auf alle Fälle durch Anzeigen abdecken. Wenn Sie hier fleißig sind, kann Ihnen sogar noch etwas übrig bleiben. Die oft aufwendigen Arbeiten am Design der Broschüre erfordern viel Geschick und vor allem Zeit, machen aber schon etwas her. Im Vorfeld der Veranstaltung sollten Sie nicht erst warten, bis die regionale Presse auf Sie zukommt, sondern offensiv mit einer Vorschau und Veranstaltungsinfos an die örtliche Presse rangehen. Die fast bei allen Vereinen inzwischen vorhandene Homepage bietet ebenfalls eine tolle Plattform zur Vorabinformation. Anfahrtsbeschreibungen und rechtzeitig veröffentlichte und immer wieder aktualisierte Teilnehmerlisten sind wichtige Hinweise für Ihre Teilnehmer. Ihre gute Zusammenarbeit mit der örtlichen Zeitung wird einen Quantensprung nach vorne machen, wenn Sie diese unmittelbar nach der Veranstaltung mit einem Bericht plus Ergebnisliste plus eventuellen Fotos auf dem digitalen Weg per E-Mail bedienen. Legen Sie sich eine digitale Fotodatenbank zu. Es lohnt sich. Ein noch so schöner Bericht drei, vier Tage später, am Donnerstag oder Freitag, ist nicht einmal mehr die Hälfte wert. Im Zeichen der EDV ist Schnelligkeit der absolute Trumpf.

Fotos: DM-Cross 2003 (Archivbilder)

Crossveranstaltungen richtig gemacht

Tipps zum Gelingen einer Crosslauf-Veranstaltung

 

Zeitplan und Durchführung

2007-02-18-crossveranstaltungen-richtig-gemacht-318. Februar 2007 (Ring) – Gehen Sie lieber einmal das Risiko von zehn Minuten Verspätung bedingt durch einen straff gehaltenen Zeitplan ein, als dass Sie sich durch ein Sechsstunden-Mammutprogramm mit Miniläufen für wirklich jede Altersklasse und vielen großen Pausen dazwischen, durchquälen. Nicht immer scheint bei Crossläufen die Sonne mit fünfzehn Grad vom Himmel. Alle Beteiligten werden es Ihnen danken. Die letzten Bezirksmeisterschaften haben wir in knapp neunzig Minuten mit über zwei hundert Teilnehmer/Innen in nur vier Laufentscheidungen durchgezogen und selbst da ist einigen Zuschauern schon recht kalt geworden. Zusammenlegung von Altersklassen heißt die Zauberformel, auf der Straße läuft schließlich auch alles miteinander. Siegerehrungen sollten unmittelbar nach den jeweiligen Läufen direkt an der Strecke durchgeführt werden. Der Rahmen dafür hängt natürlich von der Größe des Crosslaufes ab.

Infrastruktur

2007-02-18-crossveranstaltungen-richtig-gemacht-3Damit ist das ganze Drum herum mit Toiletten, Umkleiden, Organisationsräumen, Verpflegung etc. gemeint. Grundsätzlich ist dazu zu sagen, dass es immer einfacher ist, eine bestehende Infrastruktur in der Nähe des Parcours zu nutzen, als eine solche mit Zelten, Clohäuschen, Ständen und Fahrzeugen aufbauen zu müssen. In der Nähe heißt dabei immer in einem Umkreis von ca 200 bis 300 Metern zum Streckenzentrum, möglichst mit Start und Zielbereich. Eine Strecke kann noch so schön sein. Wenn sie mitten in der Wildnis liegt, wird es schwer werden, drum herum ohne größeren finanziellen Aufwand eine gute Veranstaltung zu machen. Bei größeren Events sollten Sie die nötige Strom- und Wasserversorgung mit Fachleuten besprechen. Sie glauben gar nicht, wie schnell ein Stromkreis von ein paar Haushaltsmaschinen lahmgelegt wird. Besonders peinlich ist es, wenn exakt dort auch noch die Lautsprecheranlage und die EDV angeschlossen war. Crossläufe sind oft Schlammschlachten. Bieten Sie deshalb allen Teilnehmern eine Möglichkeit an, ihre Spikes außerhalb der Umkleidekabinen sauber machen zu können. Damit ersparen Sie sich im Anschluss deftige Reinigungskosten für die Umkleide- und Duschräume. Zu den Umkleideräumen muss ferner gesagt werden, dass eben solche in ausreichender Form vorhanden sein sollten, pro hundert Teilnehmer mindestens zwei. Ferner ist anzuraten, mit den Besitzern des Laufterrains (meistens sind das Kommunen oder öffentliche Einrichtungen) die "Flurschäden" des Crosslaufs und deren Beseitigung schon im Vorfeld zu regeln. Damit gehen Sie viel Ärger nach der Veranstaltung aus dem Weg. Das Uni-Gelände in Regensburg hat jedenfalls nach den Deutschen Meisterschaften wie ein Schlachtfeld ausgeschaut.

Personalbedarf und Leitung

2007-02-18-crossveranstaltungen-richtig-gemacht-3Das richtige Planen des Personalbedarfs ist auch so eine Sache. Selbst beim kleinsten Cross ohne selbst verwaltete "Fressmeile" und sonstigem Schnickschnack, braucht man sicher nicht unter zwanzig Helfer. Größere Veranstaltungen haben dann schon andere Kennzahlen. Pro hundert Teilnehmer jeweils zehn Helfer zusätzlich zum Grundbedarf ist ein knappes, aber machbares Verhältnis. Als Organisationschef sollten Sie am Veranstaltungstag von allen speziellen Aufgaben entbunden sein. Nur so können Sie die Fäden sicher in der Hand halten, wobei sich hier Handfunkgeräte bzw. eine Handy-Liste der wichtigsten Leute als äußerst hilfreich erweisen, weil man im Gewirr der Leute den Ansprechpartner selbst im Umkreis von fünfzig Metern nur schlecht findet. Alle Entscheidungen, auch die der Verbandsoberen, dürfen nur über Sie laufen, schließlich halten Sie auch den Kopf für die ganze Veranstaltung hin. Wie gut Ihr Event läuft, hängt natürlich von der Güte Ihrer "Stabchefs", den Obleuten für die verschiedenen Bereiche ab. Erziehen Sie sie zur Selbstständigkeit, damit sie Ihnen nicht nur bei jeder Kleinigkeit ein Loch in den Bauch fragen, sondern eben schon Lösungen anbieten können. Nur so können Sie im Problemfall blitzschnell reagieren. GAU's werden Sie niemals in den Griff bekommen, wenn Einweisungen erst unmittelbar vor dem Wettkampf stattfinden. "Was ist, wenn …" sollte schon Tage vorher in aller Ruhe durchgespielt werden.

Moderation und Beschallung

2007-02-18-crossveranstaltungen-richtig-gemacht-3Eine Flüstertüte und der Organisationschef selbst am Mikrofon ist die schlechteste aller Lösungen. Sie werten Ihre Veranstaltung mit einem fachkundigen Sprecher, vielleicht sogar deren zwei, die eben dann miteinander nicht nur ansagen, sondern eben moderieren, um Klassen auf. Diese Fachmänner lohnen sich für größere Events auf alle Fälle, waren aber leider selbst bei Deutschen Crossmeisterschaften der letzten zehn Jahre nicht immer usus. Sollten Sie solch Personal engagiert haben, müssen Sie denen auch professionelles Handwerkszeug anbieten mit genügend großen Lautsprechern in ausreichender Anzahl und mit den heute üblichen schnurlosen Mikros. Pausen sollten mit der passenden Musik zum Ereignis gefüllt werden. Interviews der Sieger/Innen lockern das Ganze auf. Glauben Sie ja nicht, dass eine lockere Moderation so einfach vom Himmel fällt. Die Leute, die so etwas machen, kennen sich meist in der Szene verdammt gut aus, eine spröde Ansage, wie man sie im Stadion immer noch all zu oft antrifft, ist beim Cross völlig unangebracht. Eins sollte Ihnen aber auch klar sein. Wenn Sie den Sprecher "verhungern" lassen, ihm die Lauflisten vorenthalten, die Ergebnisse zu spät bringen, wird er auch nur allgemeines Zeug reden können. Nirgends ist die Bringpflicht so wichtig wie hier.

Eins sollte Ihnen nach all den Erläuterungen klar sein: Crosslauf kann man nicht nebenbei machen und locker damit Geld machen kann man auch nicht. Was den Cross so faszinierend macht, ist, dass Ihrer Kreativität keinerlei Grenzen gesetzt sind. Wenn Sie nun noch das Glück haben, Olympiasieger wie Nils Schumann oder Dieter Baumann am Start zu haben, kann Ihnen auch das mieseste Wetter keinen Strich mehr durch die Rechnung machen.

Fotos: DM-Cross 2003 (Archivbilder)

Der Crosslauf als wertvoller Baustein für die Leistungsentwicklung

Cross-DM-Organisator Kurt Ring im Gespräch mit dem ehemaligen DLV-Teamleiter Lauf Lothar Hirsch

2007-02-20-cross-interview-hirsch20. Februar 2007 (Ring) – Deutsche Läufer/Innen werden in internationalen Finals immer weniger gesichtet. Das war in den letzten Jahrzehnten ganz anders. Cross-DM-Organisator Kurt Ring führte mit dem ehemaligen DLV-Teamleiter Lauf Lothar Hirsch, der diese erfolgreiche Aera mitbestimmt hat, ein Gespräch.

Ring: Welchen Stellenwert hat bei Ihnen der Crosslauf bei der läuferischen Leistungsentwicklung?

Lothar Hirsch: Die Hochzeit des deutschen Langstreckenlaufes in den siebziger/achtziger Jahren mit Hildenbrand, Uhlemann, Orthmann, Fleschen, Zimmermann oder Herle hatte einen wesentlichen Grund, den Crosslauf. All diese Athleten haben bei der Cross-Weltmeisterschaft (WM) sowohl im Einzel- wie im Mannschaftswettbewerb erfolgreich ihren Mann gestanden. Hier haben sie sich jene physischen und psychischen Qualitäten geholt, die einen erfolgreiche Langstreckler auf der Bahn auszeichnen. Neben hohen Anforderungen im aeroben-, anaeroben - und Kraftausdauerbereich. Durch schwieriges Gelände auf schwerem Boden werden vor allem jene spezifischen Charakter- und Willenseigenschaften wie Kampfgeist, Mut, Risikobereitschaft oder Beharrlichkeit geprägt, die auf der Bahn den erfolgreichen vom weniger erfolgreichen Athleten unterscheiden. Das dies nach wie vor Gültigkeit besitzt, zeigen die afrikanischen Läufer, die alljährlich die Cross-WM dominieren. Der Crosslauf besitzt aus meiner Sicht eine große Bedeutung für die läuferische Entwicklung.

Ring: In den 70iger Jahren stellte der DLV mit Orthmann und Uhlemann Medaillengewinner bei Cross-WM's. Sehen Sie für deutsche Läufer/Innen angesichts der immer größer werdenden Stärke der afrikanischen Läufer/Innen noch jemals Chancen, solche Erfolge wiederholen zu können?

2007-02-20-cross-interview-hirschHirsch: Bei der Cross-WM 1985 in Lissabon belegte Ch. Herle als letzter dieser Crossära trotz aller Afrikaner einen hervorragenden 7. Platz mit einem dann folgenden Leistungsbild auf Bahn und Straße von 3:40.2 min(1500 m) 7:42.07 min (3000 m) über 13:19.25 min und 27:50.27 min (5000/10.000 m)und als Krönung, ein dritter Platz beim London Marathon in 2:09:23 Std. Einen Athleten solcher Größenordnung sehe ich derzeit nicht.

Ring: Detlef Uhlemann, der derzeitige Bundestrainer Langstrecke hat sich die Entsendung kompletter deutscher Mannschaften zur Cross-WM als Ziel gesteckt. Wie stehen dazu die Chancen angesichts der sehr speziellen Saisonplanungen der besten deutschen Läufer/Innen?

Hirsch: Ich bezweifle, ob es derzeit Sinn macht, komplette Mannschaften zur Cross-WM zu schicken. Der Motivationseffekt der Teilnahme wird erschlagen durch den destruktiven Erlebnis- und Ergebniseffekt. Die Forderung bezogen auf die Cross-Europameisterschaft halte ich für sinnvoller und langfristig motivierender.

Ring: Skilangläufer, Biathleten und auch der Eisschnelllauf glänzte bei den Olympischen Spielen mit einem Medaillenregen. Viele Experten führen dies auf die zentrale Steuerung der jeweiligen Nationalkader durch den Bundestrainer zurück. Die stärksten Athleten/Innen trainieren unter professionellen Gesichtspunkten in wenigen Stützpunkten miteinander. Halten Sie das auch im deutschen Lauf für erfolgsversprechend?

2007-02-20-cross-interview-hirschHirsch: Gestatten sie mir zu Beginn als Bemerkung ein Zitat von C. Pechsteins Heimtrainer Joachim Franke nach den Spielen von Turin zur Situation im Eisschnelllauf: " Die Männer befinden sich schon länger am Boden, die Frauen in starkem Sinkflug". Die Zeit ist schnelllebig und der Eisschnelllauf könnte dann, in Anlehnung der Aussage des Insiders J. Franke, schon nicht mehr als Beispiel gelten. Ohne die Leistungen der genannten drei Sportarten schmälern zu wollen, sie sind aus meiner Sicht nicht vergleichbar mit der internationalen Leistungsdichte in der Leichtathletik und vor allem auch im Lauf. Die genannten Sportarten haben weniger die zentrale Steuerung durch den Bundestrainer, sondern eine Konzentration auf wenige Stützpunkte mit eigenen Trainern und differenzierten Konzepten. Der Bundestrainer übernimmt lediglich die Koordinierung der Leistungsentwicklung der verschiedenen Stützpunkte. Die genannten Sportarten haben es in der organisatorischen Umsetzung eines solchen Konzeptes insofern einfacher, weil die Athleten aufgrund der technischen Notwendigkeiten dieser Sportarten gezwungen sind, dort zu trainieren. Die zentrale Steuerung und Kontrolle in einem solchen System ist sicherlich effektiver. Die Vereine, anders als in der Leichtathletik, spielen keine entscheidende Rolle. Aber eines sollte man bei allen Struktur- und Organisationsdiskussionen nicht vergessen, Weltklasseathleten sind und bleiben Individualisten mit herausragenden Eigenschaften auf allen Ebenen. Wenn wir diesen Athletentyp nicht finden oder haben, nützen die perfektesten Systeme nichts. Der Eisschnelllauf wird dies bald bestätigen.

Ring: Wie viel Erfolgsaussichten geben Sie einem neuen System, auch vom ehemaligen DLV-Präsidenten Professor Digel favorisiert, alle "Macht" den Heimsystemen zukommen zulassen und als Bundestrainer nur noch koordinierend zu arbeiten?

Hirsch: Eine solche Konstellation in effektiver Auswirkung wird stark abhängig sein von der Qualität der/s Heimtrainers sowie der Vereine. Im Rahmen meiner langjährigen Tätigkeit beim DLV mit vielen "Richtungsänderungen" habe ich auch diese Variante bereits erlebt. Strukturen und Systeme kommen immer dann in die Diskussion, wenn entweder die Leistung oder aber das Geld fehlen. Es stellt sich ohnehin die Frage, ob im Rahmen der voranschreitenden Kommerzialisierung der Hochleistungssport in der jetzigen Verbandsanbindung noch entsprechend aufgehoben ist.

Ring: Sehen Sie im deutschen Langstreckenbereich Fortschritte seit den Athener Spielen und wenn ja, welche?

Hirsch: Als Langzeitdisziplin kann man nicht erwarten, dass im Langstreckenlauf leistungsmäßig Schnellschüsse passieren. deshalb muss man Geduld haben. Angesichts der extremen Leistungssituation im Laufbereich durch die Afrikaner und mittlerweile "Zweitstaatenafrikaner", wird es ohnehin immer schwieriger, junge Menschen für den Lauf zu gewinnen. Der europäische Langstreckenlauf männlich, dies haben die Ergebnisse der OS 2004 und vor allem der WM 2005 gezeigt, ist international nicht mehr konkurrenzfähig. Wir sollten in diesem Bereich unseren Blick europäisch ausrichten, zum einen als realistische Motivation für junge Menschen, zum anderen als Möglichkeit des realistischen Leistungsvergleichs. In diesem Sinne sehe ich einige Athletinnen und Athleten auf einem guten Weg zur Europameisterschaft 2006.

Ring: Danke für das Gespräch.

Fotos: Lothar Hirsch

Sportmedizinische Leistungsdiagnostik - Ein kurzer Überblick

von Dr. med. Frank Möckel - 22. Februar 2007

Was bedeutet Leistungsdiagnostik?
Eine Leistungsdiagnostik ist allgemein erst einmal die Prüfung der so genannten konditionellen Fähigkeiten Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit, Schnelligkeit und Koordination auf ihren Entwicklungsstand mittels verschiedener Testverfahren. In der Praxis sind dabei insbesondere Testverfahren für die Ausdauer und Kraft in Anwendung, da diese direkte Informationen für die Trainingssteuerung zulassen.

Was ist eine sportmedizinische Leistungsdiagnostik?
Frank MöckelMittels einer sportmedizinischen Leistungsdiagnostik wird sowohl der Gesundheitszustand als auch die Leistungsfähigkeit gründlich überprüft. Während der Belastung werden das Herz-Kreislauf-System (EKG, Puls, Blutdruck), der Stoffwechsel (Laktat = Milchsäure) als auch wahlweise das Atemsystem (Atemfrequenz, Atemvolumina, Sauerstoffaufnahme, Ausmaß der Fettverbrennung etc.) einer gezielten Kontrolle unterzogen. Dieser Test lässt u.a. Aussagen über den aktuellen Ausdauerzustand zu und gibt Hilfe zur optimalen individuellen Trainingssteuerung.

Wie funktioniert eine Leistungsdiagnostik?
Während einer stufenförmig ansteigenden Belastung auf dem Fahrradergometer oder Laufband (ähnlich dem Belastungs-EKG, jedoch immer sportartspezifisch notwendig) wird zusätzlich aus dem Ohrläppchen die Milchsäure (= Laktat) bestimmt. Bei einer Spiroergometrie hat man zusätzlich noch eine Maske auf, über welche die Atmung, der Stoffwechsel als auch die maximale Sauerstoffaufnahme bestimmt wird. Anhand der Messdaten wird anschließend mittels eines speziellen Programms die so genannte Laktat-Leistungskurve erstellt sowie die individuellen Schwellen berechnet. Diese bilden dann die Grundlage für ein gezieltes und effektives individuelles Training.

Frank Möckel

Welchen Nutzen hat man von der sportmedizinischen Leistungsdiagnostik?
Aufgrund der Analysedaten kann der Arzt eine genaue Beurteilung des Gesundheitszustandes als auch der momentanen Fitness und  Ausdauer-leistungsfähigkeit geben. Zusätzlich erhält man genau auf die Person zugeschnittene individuelle Trainingsempfehlungen in Abhängigkeit der aktuellen Voraussetzungen und Ziele. Häufig wird im Training entweder mit zu hohen oder zu niedrigen Intensitäten trainiert. Damit bleiben die Trainingsfortschritte aus, auf längere Sicht können sogar  Beschwerden oder Erkrankungen auftreten. Mittels der sportmedizinischen Leistungsdiagnostik werden so für jede Person die für ihn / sie richtigen Intensitäten und Pulswerte für ein gezieltes und effektives individuelles Training bestimmt.

Frank MöckelWelcher Puls für wen?
Die individuellen Pulswerte für das Training können sehr stark zwischen den Personen variieren. So können bei einer Person Pulswerte um die 100 Schläge pro Minute für ein Grundlagentraining optimal sein, bei einer anderen Person sind jedoch bis zu 180 Schläge pro Minute notwendig. Die bekannten Formeln für die Berechnung des Trainingspulses wie u.a. 180 – Lebensalter liefern häufig falsche Werte. Über- und Unterforderung sind die Folge. Zudem setzt sich ein intelligentes Training aus mehreren Trainingsbereichen zusammen, die einer bestimmten Abfolge bedürfen.

Für wen geeignet?
Frank MöckelPrimär macht eine Leistungsdiagnostik Sinn für Sportler, die gezielt Ihre Leistung verbessern wollen. Insbesondere hier ist die genaue Kenntnis der individuellen Trainingsbereiche für die Grundlagenausdauer und für die Tempoeinheiten sehr wichtig. Die weltweit im Leistungssport gewonnenen Daten werden zunehmend nun auch dem Breitensport zugänglich gemacht.
Im Bereich des Gesundheits- und Breitensports nimmt die Überprüfung des Gesundheitszustandes eine immer wichtigere Rolle an. Gilt es doch zu überprüfen, ob intensive Belastungen möglicherweise mit einem gesundheitlichen Risiko verbunden sind. Auch hier können Trainingsempfehlungen auf Basis der Testdaten zu einer gezielten Verbesserung von Gesundheit und Leistungsfähigkeit beitragen.
Weniger geeignet ist eine Leistungsdiagnostik für Walker und Nordic Walker, da die Belastungsintensität zumeist im aeroben Bereich angesiedelt ist und eine Trainingssteuerung hier zumindest im Gesundheitssport wenig Sinn macht.

Frank MöckelAuf welche Qualitätskriterien ist zu achten?
Olympiastützpunkte, lizenzierte Untersuchungsstellen oder auch neuerdings zertifizierte Einrichtungen der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) durchlaufen ein standardisiertes Zulassungsverfahren und garantieren damit Qualität. Im Optimalfall wird die Untersuchung von einem sportmedizinisch erfahrenen Arzt durchgeführt und dann gemeinsam mit dem Sportler und ggf. mit dem Trainer besprochen.

Fotos: Frank Möckel


2007-02-22-sportmedizinische-leistungsdiagnostik-moeckel