Mischkost für alle & 5 Mahlzeiten

 

Mischkost16. Juni 2007 (Pöhlitz) - Ernährungsempfehlungen prasseln aus allen Richtungen vor allem auch auf die Sportler ein, die dem Leistungssportbereich zuzuordnen sind. Die Orientierung auf wenig Fett aber auf Kohlenhydrate möglichst früh, mittags und abends trägt zusammen mit einem negativen Image von Fleisch, einer Eiweißunterversorgung und stark umworbenen Nahrungsergänzungsmitteln oft zu einer großen Unsicherheit und zu einer gewissen Einseitigkeit in der Ernährung bei. Aus Trainingslagern mit Gipfelbelastungen hört man immer wieder von der täglichen Pasta-Pizza-Selbstverpflegung. Ein komplexes Training erfordert aber auch eine komplexe Ernährung.

Eine optimale Belastung und Erholung sind die Grundlage für den Leistungsfortschritt. Einen wesentlichen Beitrag zur Belastungsverarbeitung, zur Regeneration, zum Regenerationstempo und -tiefe leistet die Ernährung. In den letzten Jahren hat sich leider das Wissen um die Ernährung auf der Grundlage von „Überlieferungen“ verfestigt und durch selbst auferlegte Beschränkungen zum Qualitätsverlust geführt. Oft wird nicht bedacht, dass in den Kurzzeitausdauerdisziplinen die Glykogenreserven nur relativ gering ausgeschöpft werden, das in den Mittelzeitausdauerdisziplinen die Größe der Glykogenspeicher leistungsbestimmend sind, in den kürzeren Langstrecken die Glykogendepots leistungslimitierend sind und mit zunehmender Streckenlänge der Fettstoffwechsel anteilig zunimmt. Die entscheidenden Energieträger für die Langzeitausdauer (> 90 Minuten) sind die freien Fettsäuren. Sie ermöglichen auch einen hohen aeroben Trainingsumfang. Beobachtungen von Marathonläufern lassen aber manchmal den Schluss zu, das an der Zuführung der unentbehrlichen Fette als Energieträger zu sehr gegeizt wird. Ein sehr gut trainierter Fettstoffwechsel lässt länger eine höhere Geschwindigkeit zu und schont die Glykogenreserven!

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Die Sportler achten in der Regel auf kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Nudeln, Reis, Brot, Getreideprodukte und Kartoffeln, auf eine fettarme Kost, mit der auch wenig Fleisch, keine Wurst und oft auch keine fetten Milchprodukte (Käse, Quark) verbunden werden. Im Extrem endet es im Salatblatt mit einem Elekrolytgetränk, 1-2 Riegeln und 10 oder mehr verschiedenen Vitamin-/ Mineralstofftabletten. Essstörungen wiesen in der Vergangenheit sowohl bei Mädchen/Frauen als auch bei Jungen/Männern immer wieder darauf hin, dass auf diesem Gebiet noch eine Menge „Kopfarbeit“ notwendig ist. Sie bedenken zu wenig oder gar nicht das zur Wiederauffüllung ausgeschöpfter Glykogenspeicher bis zu 2 Tage gebraucht werden!

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Viele Sportler denken kaum darüber nach, wo antioxydative Nährstoffe, Ballaststoffe, wo Fettsäuren, Kalzium, Kalium, Magnesium, Eisen, Eiweiß, Jod, die A-B-C-D-E-Vitamine, Zink usw. herkommen sollen, wodurch das Immunsystem am oberen Level gehalten werden soll, die Infekt- und Verletzungsanfälligkeit in Grenzen gehalten werden sollen, wenn sie sich nicht komplex ernähren. Für ein komplexes Training in allen Lauf- und Gehdisziplinen und ein noch hohes Niveau in den letzten Dritteln von anspruchsvollen Trainingseinheiten oder in Wettkämpfen ist entscheidend ob der „Sprit“ auch bis zum Ende reicht.
Für die Ausdauerdisziplinen wird ein Anteil von

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an der Ernährung empfohlen. 60 % KH sind aber sehr schwer zu essen und Kohlenhydrate sind nicht immer reich an Vitaminen + Mineralstoffen. Für eine erhöhte Resorption wird zudem in der Fachliteratur auch auf eine ausreichende Versorgung mit Kalium und Vitamin B1 hingewiesen.

MischkostSicher ist es zeitaufwendig und vor allem auch nicht gerade preiswert Salate, Gemüse und Obst mehrmals wöchentlich, besser täglich, in ausreichendem Maße frisch auf den Tisch zu bringen, mit mageren Fleisch, Wild und Fisch nicht nur Abwechslung zu schaffen, sondern auch die notwendig hochwertige Versorgung mit allen Mikronährstoffen und Eisen aus natürlichen Nahrungsquellen zu sichern. Kuchen, Gepäck und Schokolade werden gern unbewusst zur Deckung des KH-Bedarfs gewählt, dabei aber nicht bedacht, dass sie oft vom Bäcker mit viel minderen Fetten hergestellt werden. Besser wäre den Speisezettel mehr mit hochwertigen pflanzlichen Ölen, wie z.B. Olivenöl, Leinöl, Sonnenblumenöl, Oliven, Nüsse usw. zu optimieren.

Wenn die Eiweißversorgung Stiefkind ist

Obwohl in der Literatur immer wieder auf die Bedeutung einer ausreichenden Eiweißversorgung für leistungsorientierte Ausdauersportler hingewiesen wird, muss dieser Teil der Ernährung, besonders auch bei kalorischer Unterversorgung und Vegetariern, zusätzlich zur Normalkost optimiert werden. Vor allem in Phasen die auf die Steigerung der Ausdauerleistungsfähigkeit, der Muskelkraft, Schnellkraft und der Kraftausdauer, ausgerichtet sind, sowie zur Unterstützung der Regeneration, auch in Wettkampfphasen, wird eine zusätzliche Eiweiß- und Aminosäurezufuhr (Arginin, Ornithin, Leucin, Isoleucin, Valin, Glutamin) empfohlen. Die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, die Funktionalität des Nervensystems, der Verschleiß in der Muskelstruktur und den Mitochondrien erfordern eine verstärkte Eiweißsynthese. Zur Vermeidung von Mängeln sollen in Abhängigkeit von der Trainingsbelastung 1,5-3 g pro kg Körpergewicht (Verdoppelung im Verhältnis zur Normalkost, auch unterschiedlich in den Tagen) aufgenommen werden. Das Körpergewicht wird durch erhöhte Proteinaufnahme nicht negativ beeinflusst. Von Aminosäuren - Überdosierungen wird in der Literatur nicht berichtet.
Als gute Eiweißspender kommen Bohnen, Erbsen, Sojabohnen, mageres Fleisch, Vollei, Milch, Quark, Käse, Fisch, Huhn (je 50 % tierische bzw. pflanzliche Proteine) in Frage.

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Gerade dort, wo eine komplexe Ernährung hilfreich, der Bedarf am höchsten ist (Trainingslager oder auch Gipfelwochen zu Hause mit zweimal täglichem Training + Physiotherapie), sollte keine Selbstversorgung angesagt sein! Die möglichst 5-6 „Ruhestunden“ zwischen den zwei Trainingseinheiten müssen umfassend zur Regeneration genutzt werden; da sollten im TL neben einer Vollkost wenn möglich auch die zwei Stunden Mittagsruhe dazugehören. Hier wird oft genau an der falschen Stelle gespart.

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Viele Sportler erfüllen bei entsprechender Belastung diese Notwendigkeiten nicht. Sinnvolle 5000 kcal/Tag, hin und wider auch mehr sind für ein optimales Marathontraining (in 250 km-Wochen auch mehr) nicht leicht zu schaffen, auch wenn sie nötig wären. In der kalorischen Versorgung gibt es nicht nur bei Frauen deutliche Reserven für den Leistungsfortschritt. Wie oft kann man in Trainingslagern, vor allem auch im Höhentraining, beobachten, dass die Fleischportionen der Frauen dem Nachbarn (oder Physiotherapeuten) zugeschoben werden und die Nudeln oder Kartoffeln auch nur zum Teil aufgegessen werden. Dann ist nicht nur der Eisenmangel, das Regenerationstempo, sondern auch die nicht funktionierende Belastungsverarbeitung nach der Rückkehr nicht verwunderlich.

Fotos: Mischkost, frisches Obst (Ziegler-Foto)

Enzymtherapie – im Laufbereich einsetzbar?

Interview der Apothekerin und Langstreckenläuferin Eva Karg mit Dr. med. Hellmut Münch zur Enzymtherapie

Dr. Münch


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Sehr geehrter Herr Dr. Münch, Sie sind als Arzt, Leiter der Medizinischen Enzymforschungsgesellschaft (MEF) und anti Aging Spezialist durch ihre Veröffentlichungen und Vorträge sehr bekannt. Deswegen würde ich gerne ihre persönlichen Gründe erfahren, warum sie ihr Leben der Erforschung der Enzyme gewidmet haben?

Ich hatte das Glück, einen der interessantesten Menschen der Wissenschaft, Dr. Karl Ransberger, Entwickler der Enzymtherapie und Gründer der MEF als meinen Mentor und Ziehvater kennen gelernt zu haben. Ransberger war ein enger Freund meines 1987 verstorbenen Vaters und hatte letztlich bewirkt, dass ich als junger Mann die Liebe zur Medizin entdeckte, eine Liebe, die auch heute noch nichts von ihrer Faszination verloren hat. Ich erkannte schnell, wie vielen Menschen man mit Enzymen sowohl in der Prävention als auch in der Unterstützung von Therapien helfen kann. Heute, als wissenschaftlicher Nachfolger von Ransberger, kann ich einen Beitrag leisten, diese Erkenntnisse weiter voran zu treiben.

Was sind Enzyme und wofür sind sie gut?

Enzyme sind biologische Katalysatoren, die als Bausteine des Lebens fungieren. Sie helfen allen Lebensformen auf der Welt, also Pflanzen, Tieren und uns Menschen auch bei niedrigen Temperaturen einen schnellen Stoffwechsel zu ermöglichen. So wie sie bei 37 °C keine Kartoffeln kochen könnten, kann auch unser Stoffwechsel bei 37° eigentlich nicht funktionieren. Deshalb hat uns die Natur die faszinierenden Helfer „Enzyme“ mitgegeben, die alle Reaktionen des Stoffwechsels um das Millionenfache beschleunigen und unser Leben in Form von Bewegung, Kommunikation, Verdauung oder auch der Abwehr von Schädigungen erst ermöglichen.

Also spielen Enzyme auch für das Immunsystem eine wichtige Rolle?

Ja natürlich, auch alle Reaktionen unseres Abwehrsystems sind ebenfalls enzymgesteuert. Sollte es also zu einem Enzymmangel, gerade bei hohen sportlichen Belastungen und extremen Stresssituationen kommen, ist eine Leistungsschwäche des Immunsystems vorprogrammiert.

Haben Naturvölker, die sich reichlich mit Enzymen, z.B. in Ananas und Papaya, versorgen, deshalb eine so viel bessere Gesundheit?

Zum Teil kann man dies wohl darauf zurückführen. Neben einer gesunden mentalen Einstellung zum Leben an sich, fällt auf, dass sich Naturvölker sehr rohkostreich und fleischarm ernähren, sich viel bewegen und insgesamt auch ohne aufwendige technische Medizin eine sehr hohe Lebenserwartung haben. Insbesondere scheint eine vitamin- und enzymreiche Nahrung sehr positive Effekte auf Lebenserwartung und Lebensqualität zu haben.

Also sollte ich viel Ananas etc. essen, um meine Enzymkonzentration zu erhöhen?

Prinzipiell ja, weil eine rohkostreiche, vitaminreiche Ernährung durch nichts zu ersetzen ist. Wir empfehlen deshalb auch, jeden Tag 5 Stück Obst, Gemüse oder Salat zu sich zu nehmen. Trotzdem haben wir in den industrialisierten Ländern bei den meisten Menschen einen Mangel an Vitalstoffen und ganz besonders an Enzymen festgestellt. Dies liegt daran, dass lange Transportwege und Lagerhaltung den natürlichen Vitalstoff- und Enzymgehalt reduzieren. Auch eine höhere Umweltbelastung (z.B. Feinstaub in den Städten) trägt zu einem höheren Vitalstoffverbrauch bei.

Was kann ich also tun, um mich optimal für die täglichen Belastungen zu wappnen?

Ich selbst nehme jeden Tag eine Enzym/Vitalstoffkombination, um neben einem allgemein gesunden Lebensstil, optimal für die täglichen Ansprüche des Arbeitslebens in unserer Leistungsgesellschaft gerüstet zu sein. Hier erscheint mir eine Kombination wie „Innovazym“ sehr gut geeignet und für die tägliche Vorsorge sinnvoll.

Sie sprachen jetzt über die Vorsorge, wie ist das aber im Falle von Krankheiten oder Sportverletzungen, z.B. von Entzündungen, Gelenkproblemen, rheumatischen Beschwerden oder gar Krebs?

Diese Frage ist sehr interessant. Es gibt sehr viele Studien, die belegen, dass Wirkstoffe, wie Enzyme, Vitamin A oder E oder auch Omega -3- Fettsäuren bei oben genannten Erkrankungen einen positiven Effekt in Bezug auf Dauer der Erkrankung und in Bezug auf die Lebensqualität für den Patienten zeigen. Natürlich versuche ich als Arzt zunächst direkt mit schulmedizinisch wirksamen Arzneimitteln den Notfall oder das erste Auftreten einer Erkrankung oder Verletzung zu behandeln. Es ist somit immer sinnvoll, eine ausführliche Diagnostik wie Blutbild, Schmerzscore, Röntgen oder andere bildgebende Verfahren durchzuführen. Daraufhin kann auch ein Schmerzmittel oder auch ein Entzündungshemmer wie das Cortison kurzfristig zum Einsatz kommen.
Leider wird aus dieser Notfallbehandlung oft ein Dauerzustand, der dann beim Patienten zu erheblichen Nebenwirkungen führen kann.
Deshalb überlege ich mir spätestens zu diesem Zeitpunkt, welche langfristig wirksamen Alternativen ich meinen Patienten noch bieten könnte. Bei näherer Beschäftigung mit dem Immunsystem stellt man schnell fest, dass alle Abwehrreaktionen des Immunsystems in Form einer Entzündung ablaufen, die durch Enzyme und Vitalstoffe gesteuert werden. Diese zuzuführen kann den Körper in seiner eigenen Abwehr so unterstützen, dass weniger schulmedizinische Medikamente notwendig sind.

Das heißt also, Enzyme und Vitalstoffe ergänzen sich und helfen dem Immunsystem, sich selbst zu helfen?

Genau so!

Um noch mal sicher zu gehen, ist es richtig, wenn ich sage, dass ich die Heilung aller entzündlichen Prozesse im Körper durch die Einnahme von Enzymen beschleunige?

Genau so, mit teilweise erheblichen Vorteilen für die Lebensqualität unserer Patienten.

Spüre ich denn in der Vorbeugung merkbar, wenn ich Enzyme und Vitalstoffe einnehme?

Viele Sportler und Patienten berichten mir, dass sie sich fitter fühlen, mehr Leistung zeigen können und gerade in Erkältungszeiten besser „durchkommen“. Hier möchte ich aber noch einmal darauf hinweisen, dass Enzyme und Vitalstoffe, auch das optimal dosierte Innovazym keine Wundermittel sind, die man nur einnehmen braucht und dann mit seiner Gesundheit Schindluder treiben kann, wie man will, also zunehmen, Rauchen, Alkohol trinken und … Ich verstehe unter einer Ergänzung der gesunden täglichen Nahrung mit Enzymen und Vitalstoffen eher die Chance als normaler Mensch, erhöhte Anforderungen an die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit besser abzufangen und ein fittes, gesundes Leben in hoher Lebensqualität zu führen.

Dann sind Enzyme auch für Leistungssportler ideal?

Genau, ich behandle in meiner Praxis auch Leistungssportler, wie Mitglieder der Nationalmannschaft Ju-Jutsu, Karate, auch Fußballspieler der Bundesliga, sowie F-1Fahrer. Bei diesen extremen Anforderungen an Körper und Geist halte ich eine gezielte Zufuhr an Enzymen und Vitalstoffen für unabdingbar.

Wenn das so einfach ist, warum weiß das denn keiner?

Das wissen sehr viele Patienten, allein in Deutschland werden pro Jahr fast 2 Millionen Patienten mit Enzymen und Vitalstoffen versorgt. Ich kenne auch viele meiner Kollegen, die vorbeugend zur Ergänzung ihrer täglichen Nahrung Enzyme/Vitalstoffe, z.B. auch Innovazym einnehmen.

Herr Dr. Münch, zum Schluss noch eine ganz private Frage. Nehmen sie selbst Enzyme und würden Sie Ihrer Familie auch eine Ergänzung mit Vitalstoffen und Enzymen empfehlen

(lacht...) Na klar, wissen Sie, man sollte immer erst mal selbst zu den Dingen stehen, die man von anderen erwartet. Seien Sie versichert, dass ich jeden Tag sehr auf meine eigene Gesundheit achte, Sport treibe und bis an mein Lebensende täglich Enzyme und Vitalstoffe einnehme. Was meine Frau und meine Liebsten betrifft, nehmen sie alle ebenfalls Enzyme und Vitalstoffe, da sie schnell eingesehen haben, wie viele Vorteile das für ihre Lebensqualität bringt.

Herr Dr. Münch, vielen Dank für das interessante und aufschlussreiche Interview.

Foto: Herr Dr. Münch

Schon im Kindergarten und in der Schule „bewegen lehren“ lassen

Oft ist weniger mehr – Ins Wenige muss aber dann kräftig investiert werden

Von Kurt Ring / Lothar Pöhlitz

2007-06-22-bewegen-lehren-lassen22. Juni 2007 - Im Auftrag der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) ermittelte das Meinungsforschungsinstitut Forsa bei einer Befragung von 100 Kindergärten das Laufen, Radfahren, Schwimmen oder Fußballspielen bei vielen Kindern ein Graus „wäre“ und das diese Entwicklung zu Bewegungsmuffeln in den vergangenen zehn Jahren stark zugenommen habe. (Bericht Bergische Rundschau 12.6.2007) Mangelnde Beweglichkeit, Koordinationsprobleme und Haltungsschäden seien häufig. Schon ein Ball oder die Balance zu halten bereite vielen Kindern Schwierigkeiten. Nach Meinung von 98% der Ärzte liege es an zu intensivem Fernsehkonsum und stundenlangen Sitzen vor dem Computer, dass den Jugendlichen häufig schon nach wenigen Minuten die Puste ausgehe (dpa). Abhilfe soll die bundesweite Aktion „Bewegungscamps“ von DAK und DLV in verschiedenen Städten Deutschlands schaffen.

Solche Aktionen des DLV kann man nur begrüßen. Sind sie aber nicht nur punktuelle Anstöße? Werden sie auch von den örtlichen Organisationen oder der Politik aufgegriffen und weitergeführt? Verantwortung für die Gesundheit und Fitness unserer Kinder und Jugendlichen zu übernehmen ist die Aufgabe der Stunde, Rauchverbot und Alkoholmißbrauch sind nur die ersten Schritte zur Wiedergesundung der Nation.

Wir möchten gern Anstöße für „mehr“ geben. In einem unserer früheren Beiträge zu diesem Thema haben wir bereits auf die Verantwortung vor allem der Eltern für Ernährung und das Bewegen ihrer Kinder im frühen Kindesalter hingewiesen und die Verantwortung der Schule innerhalb eines dringend weiterzuentwickelnden Sportunterrichts für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit aufmerksam gemacht. Viele Jahre haben Kindergärten und Schule Einfluss auf die Erziehung und Wissensvermittlung, auf die Ausprägung der Intelligenz. Die mögliche Einflussnahme auf die körperliche Fitness, auf mögliche Anforderungen die für jeden Einzelnen – auch für die, die bereits in die 1. Klasse mit teilweise erstaunlichem Übergewicht eingeschult werden – die Möglichkeit böte, ihre Leistungsfähigkeit von Jahr zu Jahr weiterzuentwickeln, ist vielerorts zu gering. Deshalb regen wir weitere Aktivitäten an, die zum Ziel haben:

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2007-06-22-bewegen-lehren-lassenDazu bedarf es vor allem der Qualifizierung der KindergärtnerInnen und der Sportlehrer in den Schulen, zunächst vorrangig in den 1.-4.Klassen – später mehr. Die Phase des „Wohlfühlens beim Ball über die Schnur“ muss möglichst schnell überwunden werden. Dazu Bedarf es sicher auch entsprechender Vorgaben der Schulbehörden und weitreichenden Überlegungen, wer dafür in Zukunft zuständig sein könnte bzw. müsste. Wir sind sicher, eine solche Mammutaufgabe in Ost und West ist nur im TEAM, vielleicht auch zusammen mit der Deutschen Sporthochschule Köln zu lösen.
Auch unsere Regierung und die Regierungen der Länder tragen Verantwortung, müssten sich bei dieser Aufgabe mit nationalen Interesse im Rahmen ihrer Bildungsoffensive an die Spitze stellen. Parallel dazu müsste eine solche Schwerpunktaufgabe ab sofort in die Schulsportlehrer-Ausbildung aufgenommen werden. Es darf keine weiteren Verzögerungen geben, der Zug ist doch schon lange abgefahren. Ein sofortiges „STOP“ ist erforderlich mit der entsprechenden Kehrtwendung. Die Frage muss heißen: was kann sofort getan werden, welche Aufgaben müssen eingeleitet werden.

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Sicher wird auch der Leichtathletik-Verband helfen, sein eigentliches Anliegen kann es aber nicht sein. Dafür erfordern die eigenen Baustellen bereits mehr Kraft, als gegenwärtig aufzubringen ist. Also stellt sich die Frage welche Politiker nehmen sich dieser dankenswerten Aufgabe an, wer stellt sich an die Spitze? Die Ernährungslehre und Bewegungssport müssen deshalb einen bedeutenden Platz in Kindergärten und in der Schule einnehmen. Allein den immer noch fast komplett ehrenamtlich geführten Vereinen diese Aufgabe aufzubürden, würde kläglich am Ziel vorbeiführen. Aktionen wie Sport nach eins oder die KISS (Kindersportschule) werden verpuffen, wenn nicht professionelle Partnerschaften zwischen Eltern, Kommunen und Vereinen entstehen. In Zeiten, in denen die Nachmittagsbetreuung unseres Nachwuchses im Fokus der Öffentlichkeit ist, wie nie zuvor, darf die Erziehung unserer Kinder nicht unter der Schwerpunktlegung Beaufsichtigung stattfinden.

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Es wird höchste Zeit, sich zu überlegen,was unsere Kinder in ihrer Freizeit wirklich brauchen. Viele Ausbildende, aber auch der Lehrkörper aller Schularten vermissen vor allem Kreativität, körperliche und geistige Gewandtheit, konstruktives Denken und Verantwortlichkeit für eigene Lösungen. Hand auf’s Herz: Was haben wir denn in den letzten Jahrzehnten dafür in die Erziehung eingebracht. Geld macht bequem und leider auch geistig träge. Anstatt den Kindern das beste Spielzeug, die freie Natur anzubieten, stopfen wir sie mit von Erwachsenen erfundenen Elekronikschrott zu, verhinderten „blutige Knie“ und damit auch das ungehemmte schnelle Herumtollen, würden unsere Liebsten einfach am besten in Watte packen. Der Satz „Ich weiß am besten, was mein Kind braucht“, dokumentierte in all den Jahren die immer größere Allmacht Erziehender, die mit immer größeren Zeitaufwänden ohne lang nachzudenken, den Kindern ihre Erwachsenenwelt überstülpten.

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2007-06-22-bewegen-lehren-lassenSo müssen denn unsere Kinder lernen, in ihrer Freizeit nicht nur zu konsumieren. Erster Punkt ist dazu ein guter Schuss Langeweile. Wer sich langweilt, muss Ideen entwickeln, wie er sich diese Umstandes möglichst schnell entledigen kann. Ein zweiter wichtiger Punkt ist der Entzug. Wo 16 Jungs mit 16 Topbällen auf der Wiese stehen, wird der Egoismus blühen. Wenn 19 Jungs sich einen Ball teilen müssen, wird Teamarbeit gefragt sein. Ich weiß nicht mehr genau, was ein kluger Schweizer Pädagoge für das Spielen der Kids forderte. Eins weiß ich aber daraus noch genau: Wiese, Wasser, Ball und ein bisschen Wildnis, mehr wollte der Mann gar nicht für die Kinder haben. Weg also mit den globigen Kinderspielplätzen, hin zum „wilden“ Gelände, mit dem sich natürlich kein ehrgeiziger Kommunalpolitiker schmücken kann. Weg vom allumfassenden, strangulierenden Aufsichtsparagraphen, der jegliche Kreativität abschnürt und Unfälle bei ständig beaufsichtigten, fremdgeleiteten und dadurch quengeligen Kindern nur noch fördert. Weg mit der ständigen Angst, unsere Kinder würden schon hinter der Haustür vom schwarzen Mann verführt, trotz Rettungsschwimmerabzeichen in der nächsten Pfütze ertrinken und sich an der nächsten Treppe zu Tode stürzen. Unsere Kinder sind genauso stark wie wir vor etlichen Jahrzehnten, wir müssen sie nur wieder gewähren lassen und ihnen schlicht und einfach all jene dummen modernen Spielzeuge rechtzeitig abnehmen.

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So wäre denn auch eine KISS auf den fast überall verwaisten, inzwischen von den meisten Kommunen aufgekauften Vereinsanlagen ein erster Schritt von der Degeneration zur Regeneration und Förderung der geistigen und körperlichen Kräfte unseres Nachwuchses. Die Verantwortung dafür muss aber kommunal oder regional sein. Man muss nur mal richtig Geld in die Hand nehmen, ein paar erfahrene Pädagogen und Sportlehrer mit wenig Selbstdarstellungstrieb und viel dezenter Zurückhaltung, was hier einfach nicht als Faulheit zu verstehen ist, einstellen. So manches unnütze Vereinsgelände nicht allein als Seniorentummelplätze (wir brauchen wirklich nicht mehr Senioren-Weltmeister als wir eh schon haben!) sondern für freies Sporttreiben freigeben und den Eltern das Gefühl geben, dass ihre Kids prächtig und sicher aufgehoben sind. Eine vernünftige Hausaufgabenbetreuung sollte noch dazukommen und ebenso ein professionelles Management, das den Eltern transparent macht, dass alles Gute im Leben auch ein wenig kostet.

Fotos: Formel 1 - 3; Gut gedreht und weit hinaus; Anlaufen, abspringen und weit fliegen (Leichtathletik-in-Aktion)

Die Energie aus den elastischen Bändern

Der Einsatz von Terabändern zu Verbesserung der Rumpfkraft von Leichtathleten

Teraband26. Juni 2007 (Gharavi) - Es gibt unzählige Übungen zum Training und zur Verbesserung der Rumpfkraft. Einige laufen unter 'Athletik' andere unter Gymnastik, wieder andere sind in Ballspielen versteckt, die unsere Leichtathleten zum Auflockern des gewöhnlichen Trainings zugefüttert bekommen. Im Folgenden darf ich einige ganz einfache, aber nicht minder effiziente Übungen vorstellen, die wir mit Hilfe von elastischen Gummibändern einsetzen.

Übung 1:

„Der Sumo“

Das Band wird derart geknotet und um die Fesseln gelegt, dass es in schulterbreiter Stellung gespannt ist. Hinterteil senken, Arme hinter dem Körper verschrenken. Und jetzt!... langsam ...
ein Bein heben, Band weitest möglich spannen, langsam in größerem Schritt herablassen und zum Stand kommen. Nun das andere Bein in gleicher Manier nachziehen. Diesen Schritt entlang einer 5 - 8 Meter langen Linie seitwärts ausführen. Achtung! Kontrolle ist alles! Der Athlet muss in der Lage sein die Bewegung zu jedem Zeitpunkt einzufrieren und so stehen zu bleiben! Also keine schnellen, fallenden Bewegungen! Po bleibt immer unten! Knie nicht in X-Beinstellung fallen lassen! Ihre Athleten werden schnell das Brennen am Po (in den Glutäen) spüren. Insbesondere der Glutäus maximus ist für die Spannung des Iliotibialtraktes verantwortlich. Dieser wiederum kann bei schlechter Führung zum Friktionssyndrom (Runner's Knee) führen.
Ebenfalls eine sehr gute Präventivübung zur Stabilisierung der Knieführung bei Läufern, Springern, etc. In Sportarten mit abrupten Richtungswechseln und ggf. Kontakt (z.B. Fußball, Basketball, Rugby, American Football, etc.) bietet diese Übungen zusätzlich seine Wirkung in der Senkung von Kreuzbandrissen (Mechanismus des Kreuzbandrisses: erzwungene X-Beinstellung, Außenverdrehung des Unterschenkels unter dem Oberschenkel und Beugung im Kniegelenk), da es den Eingangsmechanismus bis zum gewissen Grad verhindern kann.

Der Sumo
(zum Vergrößern auf Grafik klicken)


Übung 2:

„Der Sumo 2“

Übung 2: ist eine Erweiterung von Übung 1. Hier wird das Bewusstsein auf das Kniegelenk gerichtet. Hier muss darauf geachtet werden, dass die Unterschenkel immer senkrecht zum Boden aufgestellt werden.

Der Sumo
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Übung 3:

„Die Mühlen“

Hierbei wollen wir die Rumpfkraft, die ja immer als Widerlager für die Kraft aus den Extremitäten dient, Trainieren. Die Bänder können eigentlich nach Belieben gespannt und verteilt werden.
Wichtig ist nur, dass die Bewegungen aus einer stehenden, festen Position eingeleitet werden. Ohne Konzentration auf den Nachbarn, sollten große 8en vor dem Körper in die Luft gemalt werden. Je größer die 8 umso anspruchsvoller! Eine Erweiterung wäre, wenn jeder Athlet noch einen eigenen externen Assistenten hätte, der/die im die Zahlen, die er ziehen soll, mit den Fingern vorzeigt (die Zahlen vorzusagen, wäre ein Unterschied, da die Aufnahme dann über das akustische System und nicht erst über die visuelle Bahn - andere Hirnhälfte - eingespeist werden würde.). Das Band um die Hüfte stellt eine variable, sich ständig ändernde, Zugkraft dar. Das ganze kann man auch alleine an einem Pfosten und dann auch noch einbeinig versuchen. und, und, und,...

Der Sumo
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Der Sumo
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Übung 4:

„Die Strafgefangenen“

mit dem Gummiband eine Schlaufe bilden, die sich festsurrt. Vorsicht! Es kann zu Blasen und Abschürfungen kommen! Also bitte lange Socken darunter anziehen! Die normale Schrittlänge muss das Band schon unter Spannung setzen! So. Damit jetzt einfach Steigerungen laufen! Hilft bei Problemen wie: kurz Schrittlänge, Knie zu niedrig, Zerrungen. Letzteres deshalb, weil es die exzentrische Bewegung akzentuiert (Zerrungen und Rissen passieren fast immer (wahrscheinlich immer) in dieser Phase!) und der Athlet unbewusst auch diese Phase kontrollierter durchführt. Und die ganze Übung wäre dann auch gleich im Hauptmetier - dem Lauf, Sprung, Stoß absolviert.

Der Sumo
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Übung 5:

„Die Schleuder“

Das Band wird derart geknotet und um die Fesseln gelegt, dass es in schulterbreiter Stellung gespannt ist. Hinterteil senken, Arme hinter dem Körper verschrenken. Und jetzt!... langsam ...
ein Bein heben, Band weitest möglich spannen, langsam in größerem Schritt herablassen und zum Stand kommen. Nun das andere Bein in gleicher Manier nachziehen. Diesen Schritt entlang einer 5 - 8 Meter langen Linie seitwärts ausführen. Achtung! Kontrolle ist alles! Der Athlet muss in der Lage sein die Bewegung zu jedem Zeitpunkt einzufrieren und so stehen zu bleiben! Also keine schnellen, fallenden Bewegungen! Po bleibt immer unten! Knie nicht in X-Beinstellung fallen lassen! Ihre Athleten werden schnell das Brennen am Po (in den Glutäen) spüren. Insbesondere der Glutäus maximus ist für die Spannung des Iliotibialtraktes verantwortlich. Dieser wiederum kann bei schlechter Führung zum Friktionssyndrom (Runner's Knee) führen.
Ebenfalls eine sehr gute Präventivübung zur Stabilisierung der Knieführung bei Läufern, Springern, etc. In Sportarten mit abrupten Richtungswechseln und ggf. Kontakt (z.B. Fußball, Basketball, Rugby, American Football, etc.) bietet diese Übungen zusätzlich seine Wirkung in der Senkung von Kreuzbandrissen (Mechanismus des Kreuzbandrisses: erzwungene X-Beinstellung, Außenverdrehung des Unterschenkels unter dem Oberschenkel und Beugung im Kniegelenk), da es den Eingangsmechanismus bis zum gewissen Grad verhindern kann.

Der Sumo
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Übung 6:

„Ben Hur“

Diese Übung eignet sich nicht nur zum Training eines guten Abstoßes beim lauf, sondern auch insbesondere für all jene, die nicht in der nötigen Vorlage laufen und somit Energie dadurch verlieren, indem sie den Körperschwerpunkt nicht optimal vor ihrem Kraftvektor führen (also in Rücklage laufen). Der Kutscher (hält die Zügel hinten fest) lässt zunächst eine ordentliche Spannung entstehen und läuft dann mit angezogener Handbremse mit. Dann beginnt der Kutscher, in unregelmäßigen Abständen, die Handbremse kurzzeitig zu lösen und sie wieder anzuziehen. Das Pferd (Vordermann/Frau) darf das Tempo nicht verändern! Schnelles Reagieren ist gefragt, um den Schwerpunkt kontrolliert in Vorlage zu führen.

Diese Übung hatte ich schon einmal vorgestellt im Rehaalgorithmus nach Ermüdungsbruch im Vorfuß einer unserer Sprinterinnen. Da diente Sie der frühen Anpassung an die Laufposition in Vorlage. Wenn der Körper noch nicht soweit genesen ist, um hohe Beschleunigungen aufzubauen, kann mit dieser Methode auch bei niedrigen Geschwindigkeiten (Gehtempo oder gar im Stand!) die Vorlage problemlos gehalten und der Bewegungsablauf kontrolliert geübt werden. Dies gelingt derart nicht einmal im Wasser.

Der Sumo
(zum Vergrößern auf Grafik klicken)

Ein Blick voraus: WM Osaka

Wo steht der deutsche Lauf kurz vor der DM?

2007-06-30-wm-osaka30. Juni 2007 (Ring/Pöhlitz) - Die WM-Saison 2007 kommt langsam ins Rollen. Die erste Serie der German Meetings haben wir hinter uns, das erste Golden League Meeting in Oslo auch. Nun beginnt die heiße Phase vor den Deutschen Meisterschaften am 21./22. Juli in Erfurt. Dort soll der WM-Kuchen fertiggebacken werden. Die Werfer haben ihre Hausaufgaben bereits im Mai beim Werfertag in Halle auf den Tisch gelegt. Viel Feines ist dabei. Auch danach haben sie sich nicht nur in den Kraftraum verzogen, die Konkurrenz angenommen. Die 70,20 m von Christina Obergföll im Paket zusammen mit Europameisterin Steffi Nerius sind schon ein Pfund für die anstehende WM. Im Bereich Sprung zeigt die Abteilung Stabhochsprung wie gewohnt Besonderes. Eicke Onnen springt konstant jenseits der 2,30 m. Götzis beruhigte vorab alle deutschen Mehrkampfenthusiasten und in Ratingen wurde nachgelegt. Der Sprint zeigt größere Geschlossenheit als früher. Die beiden Staffeln sind durch. Und trotzdem fällt es schwer, den Prognosen des leitenden Bundestrainers Jürgen Mallow zu folgen. Er ist fest davon überzeugt, „dass wir in Osaka besser abschneiden werden als in Helsinki.“ Auch der Lauf präsentierte zwei Silberstreifen am Horizont. André Pollmächer hat über 10.000 m eine schöne 27:55,56 hingelegt und Hindernisläufer Filmon Ghirmai hat die Norm, siegt zusätzlich beim Europacup. Der Start eines WM-Teams im Marathon der Frauen ist vielleicht ein weiteres Indiz, derjenige der Männer eher eine Motivationshilfe. Fakt bleibt, dass im Block Lauf der Damen derzeit noch keine Normerfüllung vorliegt, sieht man einmal von den Marathonläuferinnen ab.

Der statistisch recht bewanderte leitende Bundestrainer hat bestimmt alles im Notizbuch, sicher auch dass Pollmächer und Ghirmai und unsere Marathonfrauen im Finale nicht die Kastanien aus dem Feuer holen können. Dort wo im Mittelstrecken-Männerbereich für 2009 junge Pflänzchen (Schemberra, Keiner) nachwachsen, herrscht bei den Frauen Funkstille. Auf den Kernstrecken 800 m, 1500 m und 5000 m wird sicherlich keine deutsche Frau vertreten sein und auf der Hindernisstrecke sorgen derzeit zwar im Juniorenbereich vier Talente mit vollendeter U23-EM Normerfüllung für ein klitzekleines Luxusproblem, von der Weltspitze sind sie indessen noch meilenweit entfernt. Von guten Endlaufplatzierungen im Bereich Lauf im fernen Osaka zu träumen, scheint derzeit geistige Energieverschwendung zu sein.

Dort wo man im Sprint, Sprung und Wurf mit einer scheinbar größeren Geschlossenheit des Kaders und solider Arbeit ansetzt, herrscht bei den Läufer/Innen noch Dornröschenschlaf. Kein Team, keine Schritte nach vorn. Koblenz, das große Lauf-Mekka Mitte Mai, ist zum 5000 m Event geschrumpft. Danach geht man sich tunlichst wieder aus dem Weg. Normwettkämpfe wären Angebote, das in Koblenz Angefangene fortzusetzen. Individuelle Interessen lassen indessen kein weiteres gemeinsames Handeln zu. Für Starts bei Golden League Veranstaltungen reicht es gegenwärtig für deutsche Läufer/Innen nicht. „Mocki“, die man noch vor der Saison ohne Schwierigkeiten auf dem Weg nach Japan wähnte, scheint sich nun auch „verlaufen zu haben“. Nach Norm - Maßstäben jedenfalls hat sie die Osaka-Fahrkarte noch nicht in der Tasche, auch wenn Bundestrainer Detlef Uhlemann glaubt, „dass sie unbedingt dorthin gehört.“ Vielleicht aber hat sie auch ihre langfristige Marathonplanung vom Hier und Heute der Aufgabe, von der notwendigen „Bahngeschwindigkeit“, etwas abgebracht.

Jürgen Mallow hat in leichtathletik den Aufschwung der deutschen Leichtathletik an vier Eckpfeilern bereits festgemacht:

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Gelten die nun auch für den Bereich Lauf? Oder sind Ghirmai und Pollmächer nicht einfach nur gute derzeitige Produkte ihrer „Heimnester“? All das, was Jürgen Mallow als Hoffnungsschimmer für die deutsche Leichtathletik ausgemacht hat, kann von uns schlecht beurteilt werden. Mit seinem „geliebten“ Laufbereich scheint er indessen auch nicht zufrieden zu sein. Recht deutlich wird er mit Aussagen, dass man sicher auch ohne Dopingunterstützung eine 3:36,60 anbieten können müsste, wenn man über 1500 m zur WM wolle. Zum Thema „Mocki“ äußerte er sich noch drastischer: „Vor zwei Jahren lief Mocki im Alleingang als Deutsche Meisterin 15:08,17 und bei der WM 2005 wurde sie 17. mit 31:28. Jetzt sollen 31:40 zu viel sein? Ich kann Ihr Gejammere nicht mehr hören!“

Bisher klemmts im Lauf noch beträchtlich

Betrachtet man die bisherigen internationalen Großevents weltweit wird es für Deutschland aus derzeitiger Sicht in Osaka bei Bahnwettbewerben betreffs einer Endkampfplatzierung (Platz 1-8) auf den Strecken 800 m, 1500 m, 5000 m, 10.000 m und den 3000 m Hindernis schwer. Hindernisläufer Filmon Ghirmai und 10.000 m Mann André Pollmächer drücken wir natürlich ganz toll die Daumen. Für die Top-Ten wird’s dennoch nicht reichen. Festzuhalten ist, dass es beim Lauf derzeit gegenüber den anderen Disziplinblöcken noch immer ganz schön klemmt. Ein positives Zeichen ist, dass man sich zu einer Teilnahme am Marathon-Weltcup durchgerungen hat, wobei speziell die Nominierung des Männerteams eher als Motivationshilfe auf niedrigem Niveau zu betrachten ist. Die Vergangenheit betrachtend, ist ein solches Vorgehen des DLV völlig neu. Der Ansatz über einen Durchschnitt einer 2:18 entspricht eher dem Leistungsanspruch läuferischer Entwicklungsländer. Den Frauen könnte man bei geschlossenem Auftreten und vor allem Gesundheit (Ulrike Maisch), Überraschungen zutrauen, wie die einer Sonja Oberen bzw. des EM-Teams von 2002.
Die internationale Konkurrenz nicht nur aus Ostafrika ist derzeit erdrückend. Allein unsere große Differenz zur Weltspitze, darf aber doch nicht dazu führen, den eigenen Problemen nicht Einhalt gebieten zu wollen und zu resignieren. Die noch vor wenigen Jahren arg gescholtenen deutschen Zehnkämpfer haben sich inzwischen kräftig regeneriert. Ein Blick über den Zaun könnte auch dem Lauf helfen. Am besten noch vor Beginn des neuen Trainings- und Wettkampfjahres.

Zur Nominierungsproblematik im DLV

Die deutsche Leichtathletik verwendet zur Nominierung für die WM kein Trialsystem nach amerikanischem oder kenianischem Muster. Es wurden Richtlinien mit einer Normenliste, die weitgehend den Normen der IAAF entspricht, festgelegt. Der Erfüllungszeitraum ist recht weit gefasst. Ausschlaggebend für die feste Nominierung ist in den Kerndisziplinen das Abschneiden bei den Deutschen Meisterschaften im Stadion. Für weitere Großevents gibt es ähnliche Ausscheidungsverfahren, wobei in den letzten Jahren ein deutlicher Trend zu echten Ausscheidungswettkämpfen Frau gegen Frau oder Mann gegen Mann zu erkennen war. Nach dem wohl einmaligen Trialverfahren für die Europacup-Besetzung im letzten Jahr (Regensburg/Schönebeck) ist man für 2007 beim DLV wieder zu einer moderateren Form mit mehreren Möglichkeiten zurückgekehrt, wobei der Qualifikationszeitraum sehr eng gefasst wurde (Ende Mai bis 10. Juni). Einige Disziplinen sind deshalb gleich beim Trialsystem geblieben und haben einen Wettkampf zur alleinigen Qualifikation gemacht. Am Unübersichtlichsten zeigte sich der Block Lauf.

Nominierungsverhalten im Block Lauf

2007-06-30-wm-osakaWährend alle anderen Disziplinblöcke den engeren Rahmen mit wenigen Qualifikationswettkämpfen suchen, setzt der Block Lauf auf einen gestreckten Zeitraum mit differenzierten Wahlmöglichkeiten. So starteten die 10.000 m Aspiranten ihren Qualifikationsmodus bereits Anfang April bei den European Challenge und ließen Anfang Mai mit den Deutschen Meisterschaften auf dieser Strecke Normerfüllungsmöglichkeit zwei folgen. Während die anderen Blöcke in der beginnenden VP2 (ab Anfang April) wettkampftechnisch weitgehendst Ruhe walten ließen, herrschte bei Deutschlands Topläufern schon früh rege Betriebsamkeit. Vor allem individuelles Vorgehen konnte registriert werden. Sabrina Mockenhaupt z.B., derzeit einzig verbliebene Topläuferin mit internationalem Anschluss, (vielleicht kommt „Miki“ ja noch), wählte den Weg über die Challenge (Anfang April, 10.000 m, dnf), die Deutschen Meisterschaften (Anfang Mai/10.000 m/ Norm verpasst), Koblenz (dritte Hälfte des Mai/nicht abgeklärtes gemischtes Rennen 5000 m/Norm verpasst) und Oslo (Mitte Juni/5000 m/Norm verpasst). Jan Fitschen, der Euromeister des Vorjahres über 10.000 m, trifft keine eindeutige Streckenwahl, scheitert bei den deutschen Meisterschaften über 10.000 m, wohl beabsichtigt, als Meister deutlich an der Normerfüllung, ist dann beim 5000er in Koblenz nicht fit und muss nun vor den immer näher kommenden Deutschen Meisterschaften (Erfurt, 21./22. Juli) auf der favorisierten Strecke 5000 m alles auf eine Karte setzen. Verena Dreier, EM-Teilnehmerin des Vorjahres über 3000 m Hindernis läuft zunächst bei Landesmeisterschaften eine für die U23-Junioren-EM ausreichende 10:03, verbessert sich beim nächsten qualitativ hochstehenden Rennen in Dommelhof auf 9:53, lässt dann aber wohl auf Grund der in Fülle stehenden Aufgaben (EC-Einsatz, wahrscheinlich 2x U23-EM-Einsatz und DM) weitere Möglichkeiten in Prag, Oslo, Warschau und Regensburg aus. André Pollmächer riecht nach seinem überraschenden Challenge-Sieg den für ihn faulen, weil viel zu frühen DM-Braten und macht unter der Führung seines erfahrenen Trainers Bernd Dießner (Glückwunsch) Anfang Juni in Dommelhof den Sack zu. Auch Hindrnisläufer Filmon Ghirmai hat seine Aufgabe im zweiten Anlauf (Prag, Anfang Juni) inzwischen erfolgreich erledigt. Arne Gabius meldet in Koblenz Mitte Mai mit 13:27 Ansprüche an, der Möglichkeiten viele hat er dennoch nicht mehr. Ingesamt stellt sich ein stark individualisiertes Angehen internationaler Startmöglichkeiten dar, ein echter Ansatz zur Struktur wie in anderen Blöcken ist nicht zu erkennen.

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Überflüssige Regeldiskussionen

Weil Deutschlands Laufbereich nicht schon genügend Probleme hätte, macht „Oberkampfrichter“ Volker Wollschläger eine neue Baustelle auf. Dem jahrelangen Gewohnheitsrecht folgend, suchen vor allem die immer weniger werdenden Klasseläuferinnen nach echten Wettkampfmöglichkeiten in gemischten einheimischen Rennen. Dies ist der AG Wettkampfwesen seit Jahren bekannt, ist mit der Platzierung der erzielten Leistungen in den jeweiligen Bestenlisten auch toleriert worden. Explizit an jenem Beispiel zeigt sich indessen eine der größten Schwächen des DLV. Der Leistungssport ist in den Fängen vieler Stäbe, die nur periphär die Belange des Leistungssports verstehen, sich neben ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit offensichtlich weniger um den Leistungsfortschritt sorgen. Es fehlt ihnen in der Regel an der notwendigen Kompetenz. Ein Leistungssportdirektor, sofern es ihn denn innerhalb des DLV gäbe, hätte wohl schon längst das Auslichten der nachkommenden Elite von Nachwuchslangstrecklerinnen erkannt. Am Beispiel von Sabine Mockenhaupt soll verdeutlicht werden: nach dem derzeitigen Stand der Dinge hat Sabrina Mockenhaupt kaum Optionen, in Deutschland auf der Bahn gegen weibliche Konkurrenz zu laufen. Nachdem derzeit die nächstbeste deutsche 5000 m Läuferin eine 16:00 anzubieten hat, muss sie hierzulande eben alleine um die Bahn kreisen, in der Regel alle Gegnerinnen überrunden. Das Problem, eine Stufe weiter unten, im Nachwuchs, stellt sich dort im Übrigen nicht anders dar. Den wenigen auftauchenden wirklichen Talenten wird die Konkurrenz, das schnellere Vorankommen verwehrt. Ein Start gegen Gleichstarke ist kaum möglich. Leistungsgruppen sind nicht nur im Training der Weg zum schnelleren Fortschritt. Deshalb plädieren wir auch für die Wettkämpfe außerhalb von Meisterschaften für Durchlässigkeit, gemischte Rennen nach dem Leistungsprinzip, zumal das bei Straßenläufen normal ist.
Die Gerechtigkeit hat dort ein Ende wo bei Männern pro Rennen bis zu 3 Hasen agieren dürfen, am Ende dem Sieger alle uneingeschränkt zujubeln, den Frauen und Mädchen aber die Hilfen bei ihrem Bemühen um ein höheres Entwicklungstempo versagt bleiben.
Anstatt sich mit allerlei unsinnigen, weil unnützen und für den Hochleistungssport irrelevanten Regeländerungen (siehe Startgemeinschaften für DMM-Durchgänge) zu beschäftigen, sollte sich die AG Wettkampforganisation darüber im Klaren sein, dass man in der Not durchaus auch mal eine „nationale“ Lösung braucht. Auch sie sind für die Sportler da.

Es beim Alten lassen, heißt den Fortschritt zu verhindern

2007-06-30-wm-osakaOb die Trainer oder auch Bundestrainer mit ihren Schützlingen „besser trainiert“ haben können und wollen wir nicht beurteilen. Auch für die Beurteilung der weiteren drei Mallowschen Eckpfeiler fehlt uns der nötige tiefere Einblick. Trotzdem halten wir es für nötig eine Reihe Dinge zu ändern, in Richtung Qualifikation, bei den Nominierungsrichtlinien und der Wettkampforganisation für die Kaderathleten und die Talente unter dem Nachwuchs, in der Teambildung, in der Vorbereitunsstruktur; vielleicht sollte man beim DLV noch einmal über die früheren Teamleiter nachdenken, ein Chef könnte nicht schaden. Und nur mit nebenamtlichen scheint Hochleistungssport auch nicht zu funktionieren.
Es kann in diesem Zusammenhang durchaus über den Sinn von frühzeitigen Qualifikationen nachgedacht werden. An anderer Stelle haben wir bereits einmal darauf hingewiesen, dass es doch sinnvoll wäre, bei unserem Leistungsrückstand den Monat Mai in erster Linie als Trainingsmonat zu nutzen. Unter diesem Gesichtspunkt kann es doch sicher nicht problematisch sein, den Koblenz-Termin leistungsorientierter nach hinten zu verlegen. Viele Starts sind nicht gleich viele Qualimöglichkeiten. Aber 2-3 Rennen alle gegeneinander im Juni nach mehrmonatigem Training müssten doch zu machen sein. Sicher ist es zu regeln, im Einklang mit Veranstaltern und Managern zukünftig die Starterfelder bei den German Meetings noch mehr auf deutsche Belange zuzuschneiden. Dabei können zwei, drei Ausländer nicht schaden.
Müssen die Deutschen Meisterschaften (10.000 m/5000 m weibliche Jugend) inmitten des wohl zu diesem Zeitpunkt recht trainingsintensiven Vorbereitungsabschnittes liegen? Was spricht gegen ein offenes Championat im Juni oder wieder bei der DM? Die dann unter Umständen ungünstigeren klimatischen Bedingungen könnten locker durch eine späte Startzeit (vielleicht sogar unter Flutlicht) aufgefangen werden. In der Regel ist es bei EM, WM oder OS auch immer warm. Bei etwas geschicktem Management und der dafür nötigen Teamarbeit DLV-geeignete Ausrichter mit passender Rahmenveranstaltung müsste das doch zu packen sein, wie z.B. in der belgischen Provinz Dommelhof mit prächtigen Mittel- und Langstreckenrennen.

Bernd Dießner, Trainer von André Pollmächer, hat diese jahrelange Gewohnheit heuer verlassen. Eigentlich mit der schwierigsten Aufgabe von allen WM-Aspiranten betraut, eine 27er Zeit mit einem noch ganz jungen Mann anbieten zu müssen, hat er unserer Ansicht nach die Wochen zwischen Challenge (seines ersten Jahres-Standings) und dem 1. Juni für’s Training gut genutzt. Geplant, gezielt und perfekt umgesetzt. Der Autor dieser Abfassung konnte sich in Dommelhof über Dießners „gezielte Planung“ selbst vergewissern. Auf dem Notizblock stand eine 27:56 und André Pollmächer hat es punktgenau umgesetzt. Der mögliche DM-Titel wurde für Osaka „geopfert“.
Noch eins zum Schluß: zu verändern ist auch das meist wenig geschlossene Auftreten der deutschen Läufer/Innen bei Inlandrennen. Bis auf die Meisterschaften und in Koblenz geht man sich in der Regel ein wenig aus dem Weg. Uhlemann, Fleschen und Zimmermann usw. fabrizierten zusammen schon vor gut dreißig Jahren 27er Zeiten gemeinsam, in schon legendären Abendmeetings der 70er Jahre war sich keiner zu schade, auch mal für den anderen Tempo zu machen, zumindest sich im Rennen sinnvoll in der Führungsarbeit abzulösen. Es kann doch nicht so schwer sein, Läufer zu finden, die bereit sind, für die Kollegen mal Tempo zu machen, der gute Trainingseffekt einer solchen „Opferrolle“ mit eingeschlossen. Wer sich scheut, mal einige Runden Tempo zu machen, ist wahrscheinlich auch nicht reif für große Events. Die meist gehörte Frage zu Meetings bei Deutschlands Läufer/Innen und ihren Managern heißt aber: „Wer ist der Hase, wer macht Tempo und wie schnell, kann international Adäquates angeboten werden?“ Resultiert dieses Verhalten nicht in erster Linie aus den ausgeprägten Egoismen, aus der fehlenden Teamzugehörigkeit. Haben Deutschlands Läufer/Innen noch nicht realisiert, dass doch alle im gleichen Boot in eine Richtung rudern müssen, wenn sie wieder bei Golden League- Veranstaltungen dabei sein wollen.

Hilfreich für einen schnelleren Leistungsfortschritt wären:

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Fotos: René Herms, Sabrina Mockenhaupt und Filmon Ghirmai (Kiefner-Fotos)