Ab Morgen muss auch der Kopf trainiert werden

Coaching im Wettkampf

 

04. April 2007 (Pöhlitz) - „Coaching umfasst in Anlehnung an HAHN 1989 und HOTZ 1994 alle Maßnahmen eines Trainers zur pädagogisch-psychologischen Führung, Betreuung, Bewertung und fachlichen Beratung mit dem Ziel, leistungsförderndes Verhalten und die Entfaltung der individuellen Leistungsreserven der Sportler im Wettkampf zu unterstützen, das heißt den Sportler zur Selbstregulation seines aktuellen (insbesondere emotionalen) Zustandes, seines Antriebs (Wollen) und seiner Bewegungsausführung zu befähigen“ (FRESTER / WÖRZ 1997).

Für Wettkämpfe im Hochleistungsbereich, bei Europameisterschaften, Weltmeisterschaften, Olympischen Spielen und bei Wettkämpfen mit vielen begeisterten Zuschauern (wie z.B. beim traditionellen Internationalen in Zürich oder beim ISTAF in Berlin) muss vorangestellt werden, dass durch die Geräuschkulisse bzw. auch dem Abstand des Trainers von der Laufbahn eine Einflussnahme (Coaching) durch den Trainer meist nicht möglich ist. Das bedeutet, dass die Sportler für solche Wettkämpfe umfassend informiert und „mental trainiert“, ohne Hilfen von außen sowohl in die unmittelbare Vorbereitung, als auch in die Rennen gehen müssen. Eine Möglichkeit zur taktischen Orientierung für die Athleten während der Rennen bieten in vielen Stadien nur noch die großen Videowände, die aber meist nur die Spitzengruppe zeigen. Aber auch diese Form der Orientierung muss geübt sein.
Eine ausnahmsweise funktionierende Form der Hilfe durch Zeichengebung, die vorher genau abgesprochen wurde, praktizierte der australische Coach Percy Cerutty in den 60er Jahren mit einem großen weißen Handtuch, dass je nach Halteposition über dem Kopf die entsprechende Handlungsanweisung an den Athleten übermittelte.

Die Tatsache, dass bei Wettkämpfen der Nationalmannschaften oft die Heimtrainer die Verantwortung an die Bundestrainer oder Olympiatrainer übergeben müssen, macht einen umfassenden Wissensaustausch zwischen den beteiligten Trainern im Vorfeld der Wettkämpfe erforderlich.
Die Bundestrainer haben vor allem dann eine besondere Verantwortung, wenn junge Sportler sich erstmals für solche Wettkämpfe qualifiziert haben. Für sie ist vieles neu, auch wenn in der UWV schon viele Informationen übermittelt wurden. Sie müssen vor Ort nicht nur alle Informationen zu ihren Wettbewerben erhalten, sondern sollten rechtzeitig alle Wege (Einlaufplatz à Callroom à Stadion und die dazugehörigen zeitlichen Abläufe) gegangen sein. Sie sollten auch darauf vorbereitet werden, dass auch bei Olympischen Spielen organisatorische Pannen möglich sind (z. B. die rechtzeitige Busfahrt vom Olympischen Dorf zum Wettkampf), wie ich selber 1984 in Los Angeles erfahren musste, als sich ein unwissender Busfahrer ins Stadtzentrum verfuhr und der Bus im Endeffekt erst mit einer Stunde Verspätung am Stadion eintraf! Oder als einmal zwischen dem Aufruf im Callroom zum 800 m Lauf, bis zum Verlassen des Callrooms zum Start 45 Minuten vergingen und zwischenzeitlich die Athletinnen keine Bewegungsmöglichkeiten hatten. Erstaunlich war, dass alle Athletinnen trotzdem ein sehr gutes Rennen machten und am Ende im Bereich ihrer persönlichen Leistungsfähigkeit lagen.
Für die Heimtrainer gilt, dass sie in solchen Situationen Vertrauen zu den Trainern haben müssen, die vor Ort die Aufgaben zu lösen und ihren Athleten zu betreuen haben. Halten sie besser Abstand, „mehrere Köche verderben den Brei“.

Im Hochleistungsbereich sind also die Möglichkeiten des Coachens direkt in vielen, vor allem wichtigen Rennen  eingeschränkt (ausgenommen der Wettkämpfe im Gehen, bei denen die Sportler auf den derzeit aktuellen 2 km – Runden ja oft beim Trainer vorbeikommen). Sie müssen sich deshalb auf die Arbeit im Heimtraining, auf die Erfahrungen aus bisher erfolgreichen Wettkämpfen und die letzten Tage vor Höhepunkten, an denen die Mannschaften in der Regel schon vor Ort sind, konzentrieren. Diese Ausbildungsaufgabe sollte bereits im Nachwuchstraining in Angriff genommen werden. Nehmen Sie die Gelegenheit war und beobachten ihre Kollegen einmal im „Wettkampfstress“, sie können daraus für sich selbst eine Menge Schlussfolgerungen ziehen. Sie sollten sich deshalb auch der Unart ihrer Kollegen nicht anschließen, bei „kleineren Rennen“ bis auf die Laufbahn zu treten, um so lauthals zusammen mit 6-8 anderen die gleiche Zwischenzeit reinzurufen.

2007-04-04-motivation-fuer-das-training-3

Höchstleistungen im Wettkampf setzen vermitteltes Wissen und Handlungsbereitschaft voraus, nicht der Trainer, sondern der Athlet muss es wollen! Die Umsetzung der Folgenden Erfahrungen kann helfen:

  • realistische, erreichbare Ziele. Diese Ziele werden bewusst verfolgt, der Weg zum Ziel wird ständig vorausdenkend verbessert, der Athlet darf aber auch nicht nachlassen seine Ziele zu verfolgen
  • die Freude an der Leistung und den Spaß am „Kampf“ (auch wenn es wehtut und die Oberschenkel mal „brennen“). Der innere Antrieb ist entscheidend, der Sportler bestimmt selbst wie gut er werden will
  • Motivation und Willensqualitäten
    Konzentrations- und Mobilisationsfähigkeit. Ich will die Leistung und werde im Training alles dafür tun. Nur wenn ich noch härter arbeite kann ich es schaffen. Ich bin zu mehr fähig, ich werde noch konsequenter trainieren. Zuerst muss ich mich besiegen
  • Disziplin ( im Training und Freizeit ) und Risikobereitschaft, der Profi nutzt seine Zeit zielgerichtet, er ist sich immer bewusst, dass er für seinen Erfolg viel investieren muss
  • Höchste physische Leistungsfähigkeit, hohe sportliche Form einschließlich Toleranz von Mangelzuständen (Laktattoleranz, Energiedefizite) und Stress, Vorstartbewältigung. Das Top-Gefühl vor dem Rennen muss auch im Wettkampf in eine Topleistung umgesetzt werden können
  • Emotionen Optimismus, keine Angst, Positive Gefühle, Hochstimmung Ich laufe gut weil ich mich gut fühle. An die Bestleistung denken, nicht an die Niederlage
  • Mentale Stärke – Mentale Kraft – Selbstvertrauen » immer. Wettkampf- und Belastungsstabilität. Ich bin voller Energie, habe sehr gut trainiert, bin sicher und denke positiv » ich kann es, ich werde entspannt sein, ich werde es heute zeigen, ich werde in der Endphase kämpfen » Ich werde gewinnen , ich gebe alles (Leistungsmotivation)
  • Mentales Training / Begleitung durch einen Psychologen und natürlich den eigenen Trainer

© Lothar Pöhlitz

Ab Morgen muss auch der Kopf trainiert werden

Trainer als praktizierende Psychologen im Hochleistungssport

 

06. April 2007 (Pöhlitz) - Trainer im Hochleistungstraining sind täglich mit Athleten konfrontiert die Sieger werden sollen bzw. dies auch wollen. Die Aufgabe „gewinnen lehren“ ist im Prinzip täglich und über Jahre mit psychologischen Problemen und Aufgaben verbunden. Das Endziel muss sein, dass der Athlet bei wichtigen Wettkämpfen allein handlungsfähig ist! Wir stimmen voll mit den leitenden Bundestrainer im DLV überein, der formulierte:

 

 

 

2007-04-06-motivation-fuer-das-training-4

Viele Trainer verfügen durch ihre Trainerausbildung oder ein Sportstudium zumindest über eine psychologische Grundausbildung, andere schöpfen aus ihrer Intuition. Besonders ältere Trainer haben durch einen langjährigen Umgang mit immer wieder neuen, aber auch unterschiedlichsten „Sportlerpersönlichkeiten“ umfangreiche Erfahrungen gesammelt. Im Verlaufe eines Trainerlebens lernten sie immer besser und genauer zu beobachten, zu beurteilen und die richtigen Schlussfolgerungen für ihre Athleten, aber auch die Gegner, zu ziehen. Wer bei vielen 1000 – DL-Kilometern am Wegesrand gestanden hat, viele 1000 Tempoläufe aufmerksam beobachtet hat oder viele erfolgreiche oder auch weniger erfolgreiche Wettkämpfe und die Reaktionen und Verhalten seiner Sportler „studieren“ durfte, gehört bestimmt zu den guten, den „praktizierenden Psychologen“ im Laufbereich. Den noch jungen Kollegen an der Laufbahn kann man deshalb vor allem empfehlen:

2007-04-06-motivation-fuer-das-training-4

Das Wissen des Trainers und seine psychologischen Einsichten, das Erkennen der Fähigkeiten und Fertigkeiten seiner Sportler, aber auch ihrer psychologischen Schwachstellen sind Grundlage für ein gutes allgemeines Verhältnis, für gute zwischenmenschliche Beziehungen zwischen Trainer und Athlet und Voraussetzung zur ständigen Optimierung der sportlichen Leistung.
Es ist eine Kunst den Athleten immer öfter zu Grenzbelastungen im Verhältnis zu seiner Spezialstrecke zu animieren, die dann auch mit optimaler Motivation und hohen Einsatz realisiert werden. Der Weg vom Anschlusstraining zur sportlichen Spitzenleistung verläuft umso schneller je vernünftiger, behutsamer und einfühlsamer der Trainer seinem Athleten die Belastungen auf der Grundlage seiner jeweils aktuellen Leistungsfähigkeit abverlangt. Problemtrainer  trennen sich besser frühzeitig von Problemathleten, weil sie in der Regel nicht gemeinsam zum gewünschten Ziel kommen.
Trainer die im Hochleistungsbereich erfolgreich sind, zeichnen sich meist durch eine besondere Persönlichkeitsstruktur, durch für die Erarbeitung sportlicher Spitzenleistungen besonders wichtiger Charakterzüge aus:

2007-04-06-motivation-fuer-das-training-4

nach Ogilvie ,/ Tutko 1980 - modifiziert

Neben den genannten Persönlichkeitseigenschaften lassen sich aber auch bei „Großen“ dieser Gilde Charakterzüge ausmachen, die sich für die Wirksamkeit der Zusammenarbeit nicht so günstig auswirken (OGILVIE/TUTKO 1980) - nennen eine ungenügende Bereitschaft bzw. geringes Interesse „wenn ein Sportler den Wunsch hat umsorgt zu werden, Gehör für seine persönlichen Sorgen sucht und jemanden braucht, der ihn verteidigt, wenn er in Schwierigkeiten ist bzw. emotionale Unterstützung sucht.“ Besonders den amerikanischen Trainern wird „ein Fehlen von Wärme und Flexibilität“ nachgesagt. Sie haben aber den Vorteil dass sie aus dem Vollen schöpfen können, wenn es um Talente geht.

Neben umfangreichen Aufgaben, die auf einen nebenamtlichen Trainer mit einer noch dazu großen Trainingsgruppe zukommen, sind sie nicht auch noch daran interessiert „als Sozialarbeiter“ zu fungieren. Hier liegen sicher auch die Ursachen dafür, dass die Manager ihnen heutzutage mehr ins „Handwerk pfuschen“, als ihnen lieb sein kann. Dazu kommt, dass meist die schwächsten Athleten der Trainingsgruppen die „Unbequemsten“ sind, die größte Aufmerksamkeit und Hilfen erwarten, die meiste Zeit in Anspruch nehmen.

Im Gegensatz zu den Erfahrungen aus der DDR-Zeit, wo neue Trainingserkenntnisse jährlich in Weiterbildungsveranstaltungen allen Trainern mündlich und schriftlich (RTP) vermittelt wurden, kann man leider für die Jetztzeit für viele Trainer feststellen, dass sie über Jahre ihr einmal „erfolgreiches Wissen“ konservieren, sich nicht oder oft nur passiv an Fortbildungsmaßnahmen beteiligen und sich damit neuen Informationen oder Denkweisen, dem Erfahrungsaustausch verschließen. Das ändert sich auch nicht, wenn sie über eine längere Zeit von Misserfolgen oder Stagnation begleitet wurden. Dies gilt auch für Spitzentrainer.
Profitrainer im modernen Hochleistungstraining müssen ihre Methoden ständig hinterfragen, fortbilden, über den Zaun schauen, weiterentwickeln und in der Lage sein ihre Eliteathleten so auf die internationalen Höhepunkte vorzubereiten, dass sie dort auch erfolgreich sein können! Auch Hospitationen bei erfolgreichen Trainern im Ausland sind nicht verboten.

Trainer motivieren ihre Athleten durch:

  • Lob und anerkennende Worte, positive Orientierung
  • ein positives Trainings- und Wettkampfklima - „nutze Deine Gegner im Training um sie im Wettkampf zu besiegen“
  • realistische, aber auch herausfordernde Trainings- und Wettkampfziele, Überreinstimmung mit den Zielen der Athleten
  • Herausbildung des Leistungs- und Siegeswillens (Ziel : Verschiebung der individuellen Grenzen)
  • Erziehung zur Selbständigkeit und Selbstverantwortung
  • Vorbildwirkung und positive Selbstdarstellung
  • Vertrauen in die Athleten und weitere Verstärkung ihrer Stärken, aber auch Abbau der Schwächen
  • sachliche Analysen positiver, aber auch negativer Wettkampfergebnisse, ehrliche Beurteilung der Anstrengungsbereitschaft, aber auch durch Aufzeigen der Perspektive
  • Erfahrungsanalysen nach Niederlagen

Essstörungen zerstören die Karriere, Anorexia nervosa -“Ana“- oft sogar das Leben

Leistungsverluste durch Ernährungsdefekte

23. Mai 2007 (Pöhlitz) - Auf dem langen Weg zu sportlichen Spitzenleistungen in den Lauf- und Gehdisziplinen mussten in den vergangenen Jahren durch Essstörungen bis hin zur Magersucht (Anorexia nervosa), Bulimie (Ess-Brechsucht) und Zyklusstörungen beträchtliche Verluste hingenommen werden. Talentierte Läufer/Innen konnten ihre mögliche Leistungsperspektive nicht entfalten, blieben auf der Strecke, weil sie durch verschiedene Einflüsse falsche Vorstellungen vom Idealtyp des Läufers aber auch zu geringe Kenntnisse über die notwendigen Leistungsvoraussetzungen hatten, meinten, dass man je leichter um so schneller laufen oder gehen könne.

Dazu war die vor Jahren von Manfred Steffny im Spiridon geprägte Orientierung: „vorne laufen die Bleistifte, hinten die Radiergummis“ für alle Betroffenen, aber auch für die Trainer, keineswegs hilfreich. Der Spruch sitzt leider fest und wird heute noch zitiert! Dabei soll von vornherein klargestellt werden, dass dies nicht allein ein Thema für Frauen ist, wenn auch der prozentuale Anteil der Erkrankten Männer – bei hoher Dunkelziffer – geringer ist. Dabei achten nicht nur Schwule, Jockeys, Modells oder in den letzten Jahren offensichtlich auch Skispringer auf das angestrebte manchmal auch noch mit einem schlanken Schönheitswahn verbundene „Federgewicht“. Von den weltweit vielen Hunderttausenden sollen bereits 10-15 % ihre Besessenheit, diese psychische Erkrankung, mit dem Tode bezahlt haben. Außerhalb des Sports hat sich aktuell eine Bewegung namens „Pro Ana“ etabliert, die mit großem Beifall die gerade von Amerika herübergeschwappte Jeansgröße Null (Maße einer Zwölfjährigen) begrüßen, um sich nach außen sichtbar von der Masse abzuheben.

Das glücklicherweise der Anteil der LeistungssportlerInnen an dieser Krankheit relativ gering ist, sollte uns auf Grund der geschilderten Tendenzen nicht unaufmerksam werden lassen, zumal nicht selten richtige Talente darunter sind. Die Aussage einer Psychologin in den 80iger Jahren, dass sie gerade eine Violinistin in Behandlung hätte, „die geigt 8 Stunden hintereinander, nur um nicht Essen zu müssen“ beruhigte mich damals nur insoweit, dass wir nicht allein mit diesem Problem befasst waren. Durch mannigfaltige Einflussfaktoren wie falsche bis zu „keiner“ Ernährung (ein Glas Wasser zum Salatblatt), falsche Essgewohnheiten, übertriebener Ehrgeiz, ungelöste Bezugskonflikte im Elternhaus/Familie/Schule, vielleicht auch genetische Faktoren, Leistungsdruck, falsche Figurvorstellungen, vermisstes Selbstwertgefühl, Störung der Körperwahrnehmung, ungenügendes Wissen über eine optimale Energieversorgung für das Leistungstraining, falschem Trainerehrgeiz mit unpassenden Ansprachemethoden u.a. entsteht ein Missverhältnis zwischen erforderlicher Trainingsbelastung, notwendiger Energiebereitstellung, Belastungsverarbeitung, Regeneration, physischer und psychischer Leistungsfähigkeit und auch Leistungsbereitschaft.

Unter diesen Gesichtspunkten muss allen klar sein, dass sich die Betroffenen unter einem zunehmenden Druck befinden, bestimmte Leistungen erbringen zu wollen oder auch zu müssen, dem sie aufgrund biologischer, genetischer, psychischer oder und familiärer Einflussfaktoren auf Dauer nicht gewachsen sind. Der zunächst selbst gewählte Lösungsweg „abnehmen“ wird zum Zwang, zur Sucht, der sie schließlich hilflos ausgesetzt sind! Wenn das Umfeld irgendwann, nach einer ersten „Wegsehphase“, bereit ist darüber zu reden, ist es meist schon zu spät. Die Trainer sind oft die naheste Bezugsperson, deshalb müssen sie sehr früh energisch handeln, solche gefährdeten Sportler/Innen möglichst früh therapeutischer Hilfe zuführen! Beraten Sie sich immer mit einem Arzt und Fachpsychologen. Es ist große Gefahr im Anzug. Vielleicht setzen sie wenn nötig auch das letzte hilfreiche Mittel ein: Trainingsverbot!

2007-04-23-essstoerungen

Körperliche Beeinträchtigungen, Leistungsverluste treten oft erst nach längeren Zeiträumen einer Mangelernährung ein. Hinweise erhält man bereits im weniger fortgeschrittenen Stadium durch Elektrolytstörungen (Mineralien, besonders Kalium), das Immunsystem schwächelt, Störungen im Eisenstoffwechsel, Ermüdungsbrüchen nicht nur an den Füßen, sondern z.B. auch im Bereich des Beckens und Zyklusstörungen. Beobachtungen lassen den Schluss zu, dass die vom Athleten verstärkt eingesetzten Ersatzlösungen wie Vitamintabletten, Elektrolygetränke, Literweise Mineralwasser und Mineralien längeranhaltende Mangelernährungen nicht kompensieren. Das Gewicht sinkt „sichtbar“, die Muskulatur wird „als Energiereserve“ abgebaut, die Infektanfälligkeit auch durch zunehmende Kälteempfindlichkeit, nimmt zu, die Regenerationszeiträume nach hohen Trainingsbelastungen und Wettkämpfen verlängern sich, die Sportler sind oft müde, immer öfter verletzt, klagen immer öfter über Magen-Darmprobleme, die für den Leistungsfortschritt notwendig hohen Geschwindigkeiten sind immer öfter nicht mehr zu leisten, in Wettkämpfen werden die letzten Viertel mehr und mehr zur Qual.

Verhaltens-Charakteristiken und Symptome von Athleten mit Anorexia

  • Auffälliger Gewichtsverlust
  • Dehydration
  • Umgehung von Essen bzw. Essensituationen
  • Ungewöhnliches Wiegeverhalten
  • Meiden des sozialen oder sportlichen Umfeldes
  • Schlafprobleme und Depressionen, Ruhelosigkeit, Hyperaktivität
  • Knochendichteprobleme und Streßfrakturen
  • Muskelschwäche bis zu Muskelabbau, verstärkte Müdigkeit
  • Menstruationsprobleme, Amenorrhoe
  • Sprechen gern über Essen und Ernährungsprobleme anderer
  • Fühlen sich immer noch zu dick, obwohl sie schon auffällig dünn sind
  • Bereitschaft zu ungewöhnlichen Trainingsbelastungen

Aufklärung und Information im Zusammenhang mit Wachstum, Knochendichteverhalten innerhalb einer Lebensperiode, Persönlichkeitsentwicklung und Ernährung sollten schon im frühen Jugendalter offensiv erfolgen und „Ausbildungsbestandteil“ sein. Das Wissen um die Krankheit und eine mit dem Leistungssport notwendig verbundene optimale Ernährung muss schon möglichst früh vermittelt werden. Kontrollen allein über die Waage reichen nicht aus. Es sollten gezielte Untersuchungen (Einzelkonsultationen) zuerst im Zusammenhang mit allgemeinen Gesundheitschecks erfolgen. Im Verdachtsfall ist eine Zuführung zu Therapeuten, die sowohl gute Kenntnisse über Essstörungen, als auch Erfahrungen möglichst aus der Sportart haben, empfehlenswert. Trainingsverbote führen in der Regel nicht zum Ziel.

2007-04-23-essstoerungen

Foto: Ein Glas Wasser zum Salatblatt (Pöhlitz-Foto)

Kinder mehr bewegen – Elternverantwortung für Ernährung und Bewegung

Erziehung beginnt im Säuglingsalter und erfordert Aufklärung

 

2007-06-01-kinder-mehr-bewegen-101. Juni 2007 (Pöhlitz) – Die gegenwärtige öffentliche Diskussion um die Übergewichte in allen Altersbereichen, um mehr Fitness und die stark gesunkene Leistungsfähigkeit unserer Kinder bewegt auch uns. Nicht in erster Linie wegen der abgestürzten Leistungsfähigkeit der Nation, wegen der in vielen Sportarten nicht mehr gegebenen Konkurrenzfähigkeit im Spitzensport, sondern zunächst erst einmal wegen der alarmierenden Meldungen zur Gesundheit und Leistungsfähigkeit unserer Kinder, der Jugendlichen und der vielen sich langsam bewegenden Übergewichtigen auf den Straßen oder auch in den Betrieben. Sinkende Lebensqualität, steigende Krankheiten, sinkende Lebenserwartung – Medikamentenkosten bilden eine Einheit. Natürlich würde es irgendwann in 10 Jahren oder später auch dem Sport helfen, wenn die Nation in allen Altersbereichen wieder leistungsfähiger und gesünder wäre. Wenn nur der Ansatz dem Anliegen, einer möglichst schnellen Wirkung, auch gerecht werden würde.

Seit langen warnen Ärzte und appellieren, dass dringend etwas getan werden müsse weil sie sich um die Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu allererst unserer Kinder und Jugendlichen sorgen, weil:

2007-06-01-kinder-mehr-bewegen-1

Nun beobachten wir seit die Regierung dem Fett den Kampf angesagt hat und die Fitness der Nation beklagt, ziemlich hilflose, oberflächliche Versuche der Medien und Politiker, die sich dringend erst einmal mit ihrem eigenen Body-Mass-Index (BMI) beschäftigen sollten, zu Aktivitäten zu animieren. Ohne Systematik werden auf jedem Sender die jungen grausam „Fetten“ bei Bewegungsübungen im Schwimmbecken ohne Ausdaueranforderungen vorgeführt und aufgefordert doch vor dem Fernseher weniger Chips, Schokolade, Alkohol oder Süßigkeiten zu konsumieren. Sogar die Ampelkennzeichnung soll helfen, vielleicht die etwas teureren Bio-Möhren zu kaufen. Dabei lesen die „Suchtkranken“ noch nicht einmal die Inhaltsangaben. Es werden die mit dem dicksten Hintern oder dem beeindruckensten Bauch in der Fußgängerzone von den Kameraleuten aufgespürt, auch wenn sie schon in Rente sind. Glauben sie in Wahrheit, dass bei diesem Klientel die erforderliche Wirkung erzielt wird?

Unser Vorschlag: Für die „Überdreißigjährigen“ eine qualitativ hochwertige Broschüre anbieten, die überzeugend Auskunft über gesunde Lebensweise, Ursachen für Übergewicht und Fettsucht und deren Folgen, über gesunde Ernährung und Dickmacher und über das Normalgewicht (BMI), das ja bekanntlich die beste Prophylaxe gegen viele Krankheiten ist, gibt. Es muss aber auch vermittelt werden, dass der Hauptweg zum Abnehmen mehr aktive Bewegung auf der Grundlage der gegenwärtigen individuellen Möglichkeiten ist!

2007-06-01-kinder-mehr-bewegen-1

Es wäre doch eine dankenswerte Aufgabe wenn sich der Sport (Vereine für Bewegungsübungen, Schwimmvereine, Bewegungsspiele, Fitness-Studios o.ä.) dieser Aufgabe annehmen würden. Selbstverständlich sollten ausgebildete Sportlehrer dafür bereitgestellt und vielleicht durch die Teilnehmer selbst finanziert werden, beim Krankengymnasten oder Physiotherapeuten müssen sie ja auch bezahlen! Das Übergewicht hat ihnen ja der Staat nicht beigebracht.
Ansprechpartner könnten die regionalen Sportbünde und Vereine sein. Vielleicht können sich auch die Betriebe mit dem Gedanken anfreunden, für die Fitness ihrer Arbeiter und Angestellten den Sport in der Firma, was es ja früher schon gab, wieder zu organisieren. Erfahrungen lehren, dass sich dies gut auszahlt, mehr Fitness heißt auch mehr Ausdauer und Konzentration bei der Arbeit. Sie sollten aber in einen gut qualifizierten Sportlehrer investieren.

2007-06-01-kinder-mehr-bewegen-1

2007-06-01-kinder-mehr-bewegen-1

Fotos: Leichtathletik in Aktion

Kinder mehr bewegen – Elternverantwortung für Ernährung und Bewegung

Erziehung beginnt im Säuglingsalter und erfordert Aufklärung

Der Schulsport muss reorganisiert werden.

2007-06-05-kinder-mehr-bewegen-205. Juni 2007 (Pöhlitz) – Der einfachste Weg alle unsere Kinder und Jugendlichen zu erreichen ist den Schulsport zu reorganisieren. Das setzt natürlich flächendeckende Investitionen in Schulsportstätten, Sportlehrer, Sportlehrerqualifizierung und Unterrichtszeit voraus. Aber nur wenn im Sportunterricht keine „Stehgeiger“ ausgebildet werden oder die mit dem Kopftuch weiterhin auf der Bank sitzen dürfen, sondern eine ausbildungsorientierte Lehre, ein echter Bewegungsunterricht mit systematisch steigenden Anforderungen von der 1. bis zur 10. / 12.Klasse mit im Verhältnis zu anderen wichtigen Fächern konkurrenzfähiger Benotung, stattfindet, können Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Normalgewicht der Kinder optimiert werden. Um einen echten Bewegungsunterricht wirksam durchzuführen sind 3-4 Doppelstunden pro Woche der täglichen Sportstunde vorzuziehen (Zeitverluste durch umziehen, Weg zur Sportstätte und zurück usw.)
Begleitend sollte im Biologieunterricht Ernährungslehre Bestandteil der Ausbildung werden.

2007-06-05-kinder-mehr-bewegen-2

Der einfachste Weg wäre die vielen Millionen an Steuergeldern die gegenwärtig in die Kultur, auch für viele nicht gebrauchte Projekte fließen, zukünftig teilweise in den Schulsport und den außerschulischen Kinder- und Jugendsport zu leiten. Dabei wäre eine brauchbare Möglichkeit, die teilweise Wahnsinns-Gehälter von Schauspielern, Sängern, Moderatoren, Comediens usw. sowie die Gelder der vielen überflüssigen Radio- und Fernsehstationen, mit teilweise erschreckenden Niveau, die z.B. ihre Nachrichtensendungen einschließlich Bildmaterial in der Regel gegenseitig abkupfern – aber ständig nach mehr Geld schreien -, auf das Gehaltsniveau von Diplomsportlehrern oder Diplom-Trainern außerhalb des Fußballs abzusenken.

Ein erster demonstrativer und notwendiger Schritt der Regierungen wäre neben die Kulturminister, die die gegenwärtige Situation im Sport und im Schulsport zu verantworten haben, endlich Sportminister mit auch entsprechender Kompetenz, einzusetzen. Sie sollten mit den dringend zu lösenden Aufgaben und entsprechender Kompetenz an der Basis möglichst schnell etwas zu „bewegen“. Dazu gehört auch eine zu verändernde quantitative und qualitative Sportlehrerausbildung. Die gesundheitliche Entwicklung unserer Kinder duldet keinen weiteren Aufschub!

Zu dieser Aufgabe sollte gehören die Bewegungsarmut unserer Kinder auch z.B. in Ganztagsschulen oder Gymnasien durch wiedereinzuführende, in den letzten Jahren sehr rückläufige, Arbeitsgemeinschaften in den unterschiedlichsten Sportarten, durch außerschulischen Sport, zu bekämpfen.

Elternaufklärung in ihrer Verantwortung für Bewegung und Ernährung

2007-06-05-kinder-mehr-bewegen-2Mit der Ernährung und Bewegung können sie vom ersten Lebensjahr an wesentlichen Einfluss auf die körperliche und geistige Entwicklung ihres Kindes nehmen. Bis zum Eintritt ins Schulalter sind vor allem die Eltern für die Erziehung, für anzuerziehende Gewohnheiten, für Hygiene, Ernährung, auch für Schulung von Körpergefühl und Ausbildung der Koordinationsfähigkeiten, für Bewegungserfahrungen, für den sozialen Umgang mit anderen Kindern, auch in der Krippe oder im Kindergarten zuständig, auch wenn sie nicht immer präsent sind. Die längste Zeit sind ja in diesem Altersbereich sie mit ihren Kindern zusammen, dies wird gerade durch die umfassende Diskussion um Kinderkrippen- und Kindergartenplätze bestätigt. Und es wird sich auch nicht ändern.

Gesunde Kinder werden nicht dick geboren, sondern „fett“ gefüttert, lernte ich in meiner Jugend. Meine Beobachtungen bestätigen diese „Lebensweisheit“. Kinder, die im Vorschulalter vor allem in der Ecke liegen und geistig und körperlich nicht gefordert werden, entwickeln sich nicht wie lebhafte, interessierte, auch körperlich geforderte Kinder (Bewegungsvielfalt).

Stellen Sie sich einen jungen Baum mit nur 2 kahlen Ästen vor. Mit der Zeit entwickelt sich der Baum, bildet immer neue Verästelungen, wird größer und hat am Ende viele „Abzweigungen“ mit Millionen Blättern. Das Gehirn ihres Säuglings ist in seiner Ausprägung in etwa mit dem jungen, noch kahlen Baum zu vergleichen. Mit jeder neuen Bewegung, mit immer vielseitigeren Bewegungen von Händen und Füßen, mit dem Krabbeln auf einer Decke, mit jeder Erfahrung im Laufställchen, bis zum freien Laufen, mit dem hantieren mit immer neuen Gegenständen, die sie damit kennen- und beherrschen lernen, mit der ersten Ausfahrt oder mit den ersten Schritten in der freien Natur bilden sich immer neue „Verästelungen“ im Gehirn ihres Kindes, es lernt täglich, stündlich tausend Dinge neu, vorausgesetzt, sie bieten sie ihm an. Eingeschlossen in diesen ständigen Lernprozess ist auch das Bewegungslernen. Je mehr sie ihrem Kind schon im frühen Kindesalter anbieten, um sie beweglicher werden seine Nervenprozesse, seine Beweglichkeit. Die „Intelligenz“ entwickelt sich.

Spätestens ab dem 3. Lebensjahr müssen ihre Kinder selbst aktiv werden. Wenn Sie diese Aufgabe nicht selbst übernehmen können, bringen sie es zum Mutter- und Kindturnen, zum Kleinkinderschwimmen oder sorgen sie dafür dass in „ihrem“ Kindergarten ausgiebig Sport getrieben wird. 60 Minuten und mehr tägliches „Training“ der körperlichen Fähigkeiten sollten es sein, sie schaden im Vorschulalter ihrem Kind durch Bewegung nicht.

Mit Beginn des Schulalters bis etwa zum 10. Lebensjahr sollten sie zum Ausgleich des stundenlangen ruhigsitzens in der Schule ihr Kind Sportarten zuführen, die den ganzen Körper fordern, Bewegungsgefühl, Koordination, Ausdauer, Motorik weiterentwickeln. Das bietet z.B. die Leichtathletik, die Spielsportarten und das Schwimmen. Dort lernen die Kinder auch sich in der Gruppe zu bewegen und durchzusetzen. Hier ist eigentlich die Form der Bewegung noch egal, alles ist „Training“. Wichtig ist möglichst „täglich an die Luft“, Spaß an der Bewegung, auch Kräftemessen und Erster sein wollen sollte gefördert werden! So ist doch das spätere Leben.

Denken Sie daran, nur in einem gesunden, leistungsfähigen Körper wohnt in gesunder Geist! Das schließt den frühzeitigen sinnvollen Umgang mit dem Computer nicht aus. Aber auch das kann man steuern, wenn man es nur will. Man kann auch Kinder schon frühzeitig an einen Tages-Organisationsplan gewöhnen. Das spätere Leben funktioniert erfolgreich auch nicht im Chaos. Sie dürfen nicht froh darüber sein, wenn Ihr Kind sie in Ruhe lässt, sich an den PC verzieht und dort Räuber und Schandarm oder das Töten schon einmal virtuell übt oder schon sehr früh plötzlich mit der Pornographie konfrontiert wird! Innerhalb des Elternhauses kann niemand anderes die Verantwortung übernehmen als sie selbst.

Etwa ab dem 11. Lebensjahr haben sich nach einem solchen Weg bereits Vorlieben für bestimmte Sportarten herausgebildet. Gehört Ihr Kind zu den Begabten, Talenten in einer Sportart, sollten sie es bereits jetzt einem kompetenten Verein zuführen, wo sie wissen, dass qualifizierte Trainer den weiteren sportlichen Weg ihres Kindes bereiten. Aber auch für alle diejenigen, für die der Sport weiterhin Sport als Spaß an der Bewegung ist, sollten Sie ihr Kind nun in die Obhut eines gut geführten Vereins in ihrer Umgebung geben.

Fotos: 1, 2, 3 - Dann fliegt das Ding (Leichtathletik-in-Aktion), Hütchenläufe (Lutz-Foto)