Konstanze Klosterhalfen (18) im Sommer 4:09,58 – 8:53,21 und im Dezember U20 – Cross-Europameisterin 2015

Im LCA-Interview

2016-01-21-Interview-Konstanze-Klosterhalfen© Lothar Pöhlitz – 21. Januar 2016 - Nach Sarah Schmidt´s U20-EM Silbermedaille über 800 m und Alina Reh´s Doppelsieg bei den Junioren-Europameisterschaften im schwedischen Eskilstuna über 3.000 und 5.000m freute sich die deutsche Leichtathletik im Dezember über Konstanze Klosterhalfen´s Cross-Europameistertitel – nachdem sie bereits bei der U20-EM 2015 im Sommer über 1500 m Bronze gewann – und damit über ein weiteres „Lauf-Goldkörnchen“. Früher hätte man gesagt über ein neues „deutsches Fräuleinwunder“. Seit „KoKo“ mit 12 Jahren eine 2:38,42 über 800 m lief ging es langsam, aber kontinuierlich bergan. Vielseitig, auch sprung-sprintorientiert aufgebaut, hat sie nun 2015 mit ihren 1500 m in 4:09,58 und den 3000 m Jugendrekord am 20.8. in Bergisch Gladbach – sozusagen zum Ende der Saison – mir scheint erstmals ihre Stärken auch für die Zukunft beeindruckend offengelegt. Wir sahen dort ein aerob-anerobes Talent, das sich auf Grund ihrer derzeitigen Konstitution und bei Ausschöpfung der Reserven auch in der Unterdistanz ein breites Leistungsspektrum für eine hoffentlich gesunde Zukunft bauen kann. Nach einer kontinuierlichen Leistungsentwicklung in den Vorjahren waren die 4:09,58 und die 8:53,21 für eine 18 Jährige schon etwas Besonderes. Mit ihrem Trainer Sebastian Weiß und dem TSV Bayer 04 Leverkusen hat sie die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft.

Konstanze Klosterhalfen (18. Februar 1997) - TSV Bayer 04 Leverkusen

Trainer: Sebastian Weiß

Leistungsprofil: 2:06,42 – 4:09,58 – 8:53,21

Sportliche Erfolge 2014 / 2015

 

  • Deutscher U18-Hallenrekord 1.500m (4:21,52min), Erfurt

  • 2. Platz: Diamond League Meeting 1500m Jugend, Lausanne

  • 1. Platz: Olympische Jugendspiele Vorentscheid, Baku
  • 4. Platz: Olympische Jugendspiele, Nanjing (China)

  • 1. Platz: Deutsche U18-Meisterschaften 1.500m
  • 3. Platz: Europa U20-Crossmeisterschaften / Team, Samokov

  • 1. Platz: Deutsche U20-Hallenmeisterschaften 2015 - 1.500m,
  • 2. Platz: Deutsche Hallenmeisterschaften Frauen 1.500m
  • Europahallenrekord U20 1.500m (4:15,25min), Karlsruhe (22.02.15)

  • 3. Platz: Europameisterschaften U20 1.500m, Eskilstuna (Schweden)
  • 2. Platz: Deutsche Meisterschaften Frauen 1.500m
  • 1. Platz: Deutsche U20-Meisterschaften 1.500m - Jena

  • Deutscher U20-Rekord 3.000m (8:53,21min), Bergisch Gladbach
  • 1. Platz: Cross Europameisterschaften, Einzel & Mannschaft, Hyères

Erst einmal Glückwunsch – ein tolles Jahr und nun bist Du auch Europameister- mit 18! Am Ende vor Alina Reh die Du bestimmt mit ihren zwei Europameistertiteln über 3.000 und 5.000 Meter aus dem Sommer vor dem Rennen vor Dir gesehen hast. Hat sie nach dem Rennen noch mir Dir geredet???

Ja natürlich, wir verstehen uns sehr gut und der gemeinsame Titel in der Mannschaft bei der Cross EM schweißt ja auch noch zusätzlich zusammen.

Viele schaffen den Spagat zwischen Leistungssport und Schule/Beruf nicht. Wie ist es Dir gelungen die schulischen Anforderungen, das Training und die Wettkampfreisen unter einen Hut zu bekommen?

Ich denke dafür ist Disziplin und die richtige Einstellung wichtig. Außerdem hatte ich super Unterstützung durch meine Familie, die Schule und meinen Verein.

Wie geht es nun weiter? Welches Studium hast Du wo favorisiert?

Ich studiere seit Oktober in Köln Jura und an der Sporthochschule Sportjournalismus. Für was ich mich entscheide, weiß ich noch nicht.

Gibt es da noch ein oder vielleicht sogar mehrere Hobbys neben dem Training?

Ich mache auch Ballett, spiele Klavier und Querflöte.

Wann hast Du mit Leichtathletik begonnen, ab wann leistungsorientiert trainiert? Welchen Übungsleitern / Trainern können wir an dieser Stelle einmal danken?

Mit 5 Jahren habe ich mit allgemeiner Leichtathletik begonnen. Seit 2008 – also vor 7 Jahren - habe ich mich auf das Laufen spezialisiert, mit zunächst 2 Mal die Woche Training. Vor meinem jetzigen Trainer war in der U16 Sigrid Bühler meine Trainerin.

Dein jetziger Trainer ist seit 2011 Sebastian Weiß - würdest Du ihn für uns einmal charakterisieren?

Ich würde ihn als qualifiziert und motiviert beschreiben. Sein ruhiger Charakter wirkt positiv auf mich und hilft in wichtigen Situationen die richtige Entscheidung zu treffen.

Und wie schätzt der Trainer seine Athletin ein?

Koko ist ehrgeizig, fokussiert und sehr diszipliniert. Ich muss sie häufig im Training eher bremsen. Es macht sehr viel Spaß mit solch einem Talent zu arbeiten. Sie ist ein sehr angenehmer Mensch.

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Hochleistungssport erfordert 10-12 TE /Woche wie von den Weltbesten bekannt ist, in Trainingslagern hast Du es ja schon probiert. Wirst Du es packen?

Da freue ich mich drauf, habe keine Angst und hoffe, dass ich trotz der hohen Belastungsintensität verletzungsfrei bleiben werde.

Der Herbst endete nun „Top“ mit der Cross-Europameisterschaft. Welcher Höhepunkt ist nun für den Sommer 2016 geplant?

Die U20- WM steht an der Spitze. Außerdem könnte die EM der Aktiven in Amsterdam ein Ziel sein.

Frauen im Spitzenbereich trainieren oft mit einem männlichen Sparringspartner, hast Du diese Hilfen bisher auch genutzt?

Ja, ich trainiere hauptsächlich mit Jungs aus meiner Laufgruppe.

Wo siehst Du Deine Stärken? Gibt es auch Schwachstellen?

Stärken: Aerob-Anaerobe Kapazität, Durchsetzungswille
Mögliche „Reserven“: Schnelligkeit, Kraft, Beweglichkeit

Ich habe Deinen sehr gelungenen Lauf zum Deutschen Jugendrekord 8:53,21 in Bergisch-Gladbach erlebt. Was hast Du im Ziel gedacht als Du gesehen hast, dass Du ihn geknackt hast?

Die Zeit konnte ich nicht fassen, dass es der deutsche Jugendrekord war, wusste ich da noch nicht.

Nenne uns einmal die aus Deiner Sicht 3 wichtigsten Gründe für diesen Leistungsfortschritt im Trainings- und Wettkampfjahr 2015.

Weiterer langfristiger behutsamer Aufbau, kontinuierliche Arbeit im täglichen Training, die aerobe Ausdauer konnte stark verbessert werden

Dein Leistungsprofil stellt sich derzeit so dar: 2:06 – 4:09 – 8:53,21 Wo siehst Du gegenwärtig Deine Zukunft? Gibt es noch Sprint-, und Schnellkraftreserven für die 800 m?

Im Moment noch auf den 1500m, dafür arbeiten wir an der Sprint- und Schnellkraft, auch die 800 m bleibt im Blick

Hast Du als 18 Jährige schon einmal über die EM 2018 in Berlin und Olympia 2020 nachgedacht?

Das könnten schon langfristige Ziele sein, aber zunächst konzentriere ich mich auf 2016.

Nicht nur wir interessieren uns bei diesen Fortschritten natürlich für Dein Training. Willst Du es uns - die Schwerpunkte - kurz schildern?

Wir versuchen alle Trainingsinhalte kontinuierlich und ganzjährig in das Training einzubauen: Grundlagenausdauer, Kraftausdauer, Schnelligkeit, Wettkampfausdauer, Kraft, Athletik etc. So sah eine Woche im Mai aus:

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Welche Programme trainierst Du am liebsten – welche Programme hasst Du eher?

Eigentlich mag ich alle Programme, nur bei Sprints sind mir manchmal die Pausen ein bisschen zu lang.

Welche Rolle spielt in Eurem Training das Kraft- und Schnellkrafttraining?

Eine große Rolle, natürlich nicht die alleinige bzw. die entscheidende.

Seit 2012 nimmst Du die Leistungsdiagnostik (4x2000 m) wahr, seit 2 Jahren auch am IAT Leipzig. Nach der Abb. Ist mehrjährig die angestrebte Verbesserung der Ausdauer (Rechtsverschiebung der Kurve) gelungen. Wo liegt gegenwärtig deine aerobe vL-3 Schwelle?

Ich konnte mich in diesem letzten Trainingsjahr auf 4,9 m/s verbessern, die Laktatkurve hat sich deutlich nach rechts verschoben

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Steht das Höhentraining künftig auf Eurer Agenda?

Ende 2016 werden wir das erste Höhentraining angehen, aus derzeitiger Sicht mit dem DLV in Flagstaff / USA.

Die immer unangenehmste Frage nach den Leistungszielen in den nächsten Jahren ersparen wir Dir und wünschen Dir und Deinem Trainer Sebastian Weiß ein gesundes und erfolgreiches Jahr und in Zukunft viele Erfolge auf den Laufbahnen dieser Welt.

Danke Euch für das Gespräch

Weiß / Boyde

Trainer - Beruf auf Zeit oder auf Lebenszeit

Quelle: Trainer - Letter der Trainerakademie Köln (12/2015, aufbereitet und gekürzt von Lothar Pöhlitz

2016-02-27-Beruf-Trainer© Lothar Pöhlitz – 27. Februar 2016 - Was ist nötig damit Trainer wiederholt ihre Athleten und Teams auf höchstem Niveau (OS, WM) zum Erfolg führen können.

Das war die zentrale Frage beim „Serial Winning Coach“-Projekt des ICCE unter Leitung von Sergio Lara-Bercial (ICCE und Leeds Beckett University, UK) und Prof. Cliff Mallet (University of Queensland, AUS) unter Beteiligung auch der Trainerakademie Köln. Prof. Mallet hatte den Koordinatoren und Mitarbeitern der TA schon vor zwei Jahren in Köln ausgewählte Ergebnisses zur Trainerpersönlichkeit vorgestellt. Jetzt stellte S. Lara-Bercial weitere Kernpunkte vor, die wir im Folgenden kurz wiedergeben.

Wie Trainer Spitzen-Erfolge wiederholen können

Wie erwartet sind Trainer sehr unterschiedlich, es gibt kein „magisches“ Rezept für ihren Erfolg. Es gibt aber eine Anzahl an bedeutsamen Persönlichkeitsmerkmalen und Verhaltensmustern, die bei den beobachteten Trainern zu andauernden Erfolgen führten. Wie diese Punkte beim jeweiligen Trainer und der jeweiligen Sportart genau ausgeprägt sind variiert stark und ist kontextabhängig. Manche dieser „golden nuggets“ mögen trivial sein, andere sind wohl überraschend.

Fazit: Die Top 10 der Autoren:

Die “richtigen” Sportler und Mitarbeiter im gesamten Betreuerteam sind ein entscheidender Punkt, nicht nur in Bezug auf die sportliche Seite, sondern auch charakterlich und ins Team passend.

Der Trainer ist Unterstützer und Förderer des Sportlers, nicht umgekehrt.

Die Zeiten des einseitigen Machtausübens sind längst vorbei. Erfolgreiche Trainer arbeiten wenn möglich konsensorientiert. Innerhalb dieses Rahmens respektieren die Sportler aber auch, wenn der Trainer gelegentlich unpopuläre Entscheidungen – dennoch im Sinne des Teams oder Athleten, treffen muss.

Athleten und Betreuerteam zu führen und zu motivieren haben ebenso hohen Einfluss wie unter Druck einen klaren Kopf und das Selbstbewusstsein zu behalten.

Alles, was ein Trainer tut steht unter Beobachtung und Bewertung. Kritikfähigkeit ebenso wie die Annahme von Lob sind unerlässlich.

Serial Winning Coaches sehen auch sich selbst als Leistungserbringer. Deshalb arbeiten sie auch für eine gute eigene physische und mentale Verfassung. Sie legen deshalb Wert auf Zeit für die Familie und Freunde, auf eigenes Training, Hobbys und alles, was ihnen trotz ihrer besonderen Tätigkeit ein wenig Normalität bringt.

Einmal zu siegen ist nicht genug. Serial Winning Coaches trachten dauernd nach dem nächsten Erfolg. Dies sorgt für ihre Bodenhaftung wie für ihre andauernde Strebsamkeit („hellseherische“ Fertigkeiten). Die befragten Trainer wie auch ihre Sportler sprachen viel darüber was man für den folgenden Sieg braucht.

Mangelnder Fortschritt erscheint als Zeichen für Rückschritt. Klare einfache Vorstellungen über das Zukunftsziel hilft Prioritäten zu setzen und auf die wichtigen Ressourcen zu fokussieren.

Vorherrschende Überzeugung war dass selbst der beste Trainer der Welt nicht zum Seriensieger wird, wenn seine Sportler und der Stab nicht an ihn, an sich selbst und an das Team glauben.

Die Trainer gehen davon aus, dass Erfolg sich an der Nahtstelle zum Chaos befindet. Sie sind darauf vorbereitet kalkulierbare Risiken einzugehen und gelegentlich auch Fortschritte durch ungewöhnliches Vorgehen zu erreichen.

Foto: Pöhlitz

Wenn im Rennen die Startnummer zum Rucksack wird

Trainer und Athleten müssen die Handbremse im Kopf gemeinsam lösen

2016-02-17-Startnummer-im-Wettkampf© Lothar Pöhlitz - 17. Februar 2016 - Wer für den Erfolg nicht bereit ist, Schnelligkeit oder aerobe Kapazität nicht geerbt hat, wer Hindernisse nicht überwindet sondern sie umgeht, wer Disziplin und Leidenschaft nicht ins tägliche und zweimal tägliche Training einbringt, wer Kilometer, Kraft und Geschwindigkeit nicht positiv entschlossen in Angriff nimmt, nicht bereit ist immer wieder um die bestmögliche Geschwindigkeit zu kämpfen wird spätestens in der Bewährung den Unterschied zwischen Fortschritten und Erfolgen, Stagnation und Scheitern schmerzlich erfahren. Viele unterschiedliche Charaktere kommen ins Training und die Trainer sind bemüht sie alle körperlich und geistig besser zu machen damit sie konkurrieren können. Wenige sind untrainierbar, einige wollen vor allem Spaß - in der Regel ist das nicht mit Erfolgen verbunden - bei dem einen oder der anderen erkennt man das Talent wenn sie sich in der Gruppe bei gleichem Training schneller entwickeln. Parallel zu den sportlichen Leistungsfortschritten auf dem Weg zum perfekten Lauf - Profi – das hat die Vergangenheit gezeigt - müssen Schule bzw. Ausbildung bestmöglich absolviert werden. Viele gute Jugendliche machen trotz täglichem Training ein gutes Abitur jenseits der „2“. Für die Entwicklung der Persönlichkeit und die Bewältigung aller Aufgaben sind professionelle Bedingungen, Intelligenz und eine verständnisvolle Familie natürlich nicht hinderlich.

Für die Genies unter den Talenten kann früh die Distanz zwischen Nachwuchstraining und Profibereich auch durch „Arbeit im Team der Großen“ verkürzt werden. Trotzdem sind eine gewisse Geduld und Demut in Richtung Leistungserwartung für alle – auch für Funktionäre – dringend zu empfehlen. Die jungen Talente brauchen sehr viel Erfahrung, gute individuelle Lösungen, einem komplexen Belastungsaufbau ohne zu überfordern, Gipfelbelastungen in allen Ferien, keinen Druck vom privaten Umfeld, Hilfen bei Rückschlägen und vor allem Wettkampferfahrung. Dabei hat sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt dass unerfahrene Trainer oft überfordert waren wenn sich solche Goldkörnchen mit „normalen Training“ überraschend gut oder sich sogar sensationell schnell entwickelten und später „unerwartet“ die Stagnation folgte, weil sie versäumt hatten die Basis für mehr weiter anzuheben. Es ist so einfach und zugleich unfair dann dem jungen Talent die Schuld zuzuweisen. Vielleicht wurden auf der Strecke in verschiedenen Bereichen Versäumnisse übersehen, auch in der Ausdauerqualität, im Bereich der 10 % über dem Renntempo, der Lauftechnik, im Ausbau der Belastbarkeit, in auch einmal harten, grenzwertigen Trainingseinheiten, der speziellen Kraft für mehr, der Erziehung oder – oder – oder.

Förderung – Forderung – Ermutigung – Fortschritte – Lob - Erfolg

Trainerglück ist wenn junge Menschen siegen, die Besten sein wollen und dafür kämpfen. Bis das junge Talent - wie z.B. Mo Farah 2012 bei den Olympischen Spielen unter ohrenbetäubenden Gebrüll der 80000 - auf den letzten 400 Meter unter außerordentlichem Druck „scheinbar leicht“ zum von allen erwarteten „Olympiasieg fürs Leben“ lief, bedurfte es einer vieljährigen Hinführung zum Siegläufer, der er aber auch selbst sein wollte. Auf solchen Wegen muss auch gegen die Erfahrung „angeübt“ werden dass gutes Training und ein toller Wettkampf nicht von der Schuhmarke oder dem neuesten „Leibchen“ abhängen oder Trainer nicht so selten an sogenannten Trainingsweltmeistern verzweifeln.

Vor allem Versagensängste, Konzentrationsschwächen, fehlende Risikobereitschaft oder die Angst im Wettkampf die Erwartungen des Trainers, des Papa-Coaches, der Funktionäre, der Medien oder des privaten Umfeldes nicht zu erfüllen kann die mögliche Leistung verhindern. Das führt zu Verlusten von Selbstvertrauen, Überzeugungen und Motivation und vertreibt die Ängste vor der Niederlage eher nicht. Die Gründe für ein Versagen von Talenten im Wettkampf aber liegen zu oft in überhöhten unrealistischen Erwartungen oder mangelhaftem, den Leistungserwartungen nicht entsprechenden Geschwindigkeitstraining.

Der Umgang mit Niederlagen ist eine hohe Trainerkunst

Vor allem der Umgang mit unerwarteten Niederlagen ist für alle, sowohl für die Sportler, das private Umfeld als auch für ihre Trainer nicht immer glücklich. Oft ist es besser erst eine Nacht darüber zu schlafen, als kurz nach dem missglückten Rennen mit unüberlegten Konfrontationen viel Porzellan zu zerschlagen und das Selbstvertrauen oder die Lust zum nächsten Training in den Keller zu verbannen. Vor allem sollten schnelle falsche Schuldzuweisungen vermieden werden, weil dadurch erste Risse ins gute Athleten – Trainer - Vertrauensverhältnis kommen. Die Startnummer beim nächsten Rennen wird dann noch schwerer. Nutzen sie die Niederlage besser um in den nächsten TE auf die Fehler zurückzukommen und durch praktisches Üben den nächsten Wettkampf besser vorzubereiten.

Jede Niederlage beinhaltet die Lehren für demnächst, man muss die Fehler aber aufarbeiten. Trainerkunst ist ihre Sportler in die Lage zu versetzen ihr volles Leistungspotential auszuschöpfen wenn es darauf ankommt. Das ist der lange Weg zur persönlichen Bestleistung beim jeweiligen Jahreshöhepunkt. Gute Kondition, hohe sportliche Form allein reichen dafür nicht, Training dient dem Ziel Körper und Geist so vorzubereiten das die Mittel- oder Langstreckler gegen „ihre“ Besten im Wettkampf konkurrenzfähig sein können und siegen wollen. Trainingsweltmeister haben vor allem Defizite im Kopf, manchmal sind sie auch überheblich.

Die großen Sieger haben den Umgang mit Druck erlernt

Die Angst vorm Versagen macht Druck und verhindert nicht selten die sehr gute Trainingsarbeit im Wettkampf auch zu demonstrieren. Die Sportler aber in die Lage zu versetzen ihr volles Leistungspotential auszuschöpfen wenn es darauf ankommt ist ein langwieriger Prozess mit viel gegenseitigem Vertrauen. Viele erfolgreiche Karrieren haben gezeigt das in diesem Prozess G e d u l d ein hervorragender Ratgeber sein kann.

Viele junge Läufer haben bereits die Erfahrung gemacht das sie große Schwierigkeiten hatten das zuletzt im Trainings-Kontrolllauf (Erfolge schaffen die meiste Zuversicht) abgelieferte gute Ergebnis beispielsweise bei den Deutschen Meisterschaften zu wiederholen, weil offensichtlich die Startnummer zum Rucksack wurde, Freunde oder Eltern den leichten Sieg voraussagten oder sie selbst die Handbremse im Kopf nicht lösen konnten. Auf den Langstrecken kann natürlich auch Müdigkeit im Ergebnis der letzten Trainingswoche oder ein ungenügender Trainingszustand Ursache sein die Lauf-Technik oder Laufökonomie unter Druck nicht aufrechterhalten zu können.

„Im Leistungssport beeinflussen psychische Prozesse (Gedanken und Vorstellungen) wie auch das soziale Umfeld (Familie, Beruf, Trainingsgruppe) maßgeblich die Leistung. Siegertypen zeichnen sich durch mentale Stärke aus. Sie sind in der Lage, ihr Bestes genau dann zu geben, wenn es darauf ankommt“ (L. Aderhold - germanroadraces 2013)

Im Training die psychophysischen Wettkampfeigenschaften entwickeln

Eine mentale Vorbereitung auf wichtige Wettkämpfe und auf die angestrebte persönliche Bestleistung wenn es darauf ankommt verlangt eine bewusste, gezielte Entwicklung der psychischen Wettkampfeigenschaften in Trainingseinheiten, die den Wettkampfanforderungen nahe kommen. Dazu zählt bereits die möglichst gute physische und psychische Vorbereitung der Sportler auf solche Trainingseinheiten, eine gute sportliche Form, eine hohe Konzentration von den ersten Metern an und eine hohe Bereitschaft die Aufgaben insgesamt, komplex gut erfüllen oder auch übererfüllen zu wollen. Es sind die Eigenschaften zu üben die die Sportler zum Kampf um den Sieg erziehen - die im Wettkampf gebraucht werden. Da kann der Trainer auch einmal unzufrieden sein und deutlich machen dass damit die Leistungsziele nicht zu erfüllen sind.

„Das menschliche Herz erweitert sich bei Freude, bei Angst zieht es sich zusammen“ (Hippokrates)

Charakter- bzw. Verhaltenseigenschaften können „mitgebracht“, durch Erziehung von Mama und Papa abgeschwächt oder verstärkt werden oder durch langjähriges Training und Wettkämpfe erworben werden. Auch im Spitzensport unterstützt „Erziehung zu“ die Persönlichkeitsentwicklung. Mentale Stärke, Durchhaltefähigkeit, Selbstvertrauen, Risikobereitschaft, Leidenschaft, Steigerungs- und Mobilisationsfähigkeit für den Wettkampf entwickeln sich nicht spontan sondern in einem längerfristigen Prozess grenzwertiger, den Wettkampfanforderungen naher Belastungen. Eine bereits hohe sportliche Form ist Voraussetzung, verbunden mit der kämpferischen Bereitschaft des Sportlers solche Belastungsaufgaben auch möglichst konzentriert lösen zu wollen. Es setzt voraus, dass sich der Sportler mit seinem Leistungsziel identifiziert und sich bewusst ist welche Anstrengungen über Monate, welche Trainingsqualitäten in wichtigen TE notwendig sind und wie hart das Rennen wird wenn die angestrebte Wettkampfleistung möglich sein soll.

Zuerst die körperlichen und geistigen Voraussetzungen schaffen – danach die Wettkampf-Aufgaben in Selbstgesprächen formulieren

„Es setzt aber auch das notwendige Selbstvertrauen beim Trainer voraus, der sicher und mit klarer positiver Ansprache vor die Sportler tritt, der überzeugt ist die richtigen Schlussfolgerungen aus z.B. der letzten Niederlage gezogen zu haben, der auch durch sein sicheres Auftreten und eine positive Körpersprache authentisch und selbstsicher wirkt. Leider sind mir in meinem langen Trainerleben auch immer wieder Trainer begegnet, die nie offen waren für Kritik oder Anregungen oder auch notwendige Führungsprinzipien nicht anerkennen wollten“ (Pöhlitz 2009)

Trainer unterstützen den Leistungsfortschritt durch ein positives Trainingsklima, Ansporn und Lob.

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Mit positiven Selbstgesprächen auf Wettkämpfe besser vorbereiten - auch die Psyche ist ein leistungsbegrenzender Faktor.

Wer nach einer sehr gut absolvierter „Abschlusstrainingseinheit“ mit hoher Konzentration, zielstrebig und leistungsorientiert mit Selbstvertrauen in wichtige Wettkämpfe gehen will muß überzeugt sein dass er/sie die Aufgabe auch lösen kann. Wer nicht bereit ist die psychophysischen und taktischen Herausforderungen gegen die Besten anzunehmen, sich selbst überschätzt oder von seinen Möglichleiten nicht hundertprozentig überzeugt ist wird in der Regel mit seiner Wettkampfleistung unzufrieden sein.

Selbstgespräche á la Yelena Isinbayeva entstehen im Ergebnis eigenen positiven Denkens. Sie sollen realistisch und Handlungsanleitungen für diesen Wettkampf ohne Selbstbetrug sein und die individuellen Aufgaben in Wettkämpfen leistungsorientiert – wenn möglich entspannt - steuern. Der Trainer beeinflusst durch sein Führungsverhalten und einen ebenfalls positiven Denkstil die Motivation seiner Athleten und gibt ihnen Sicherheit dass das geplante taktische Konzept realisierbar ist. Er ist der eigentliche Motor für Topleistungen.

„Selbstvertrauen sowie Durchhaltefähigkeit und Risikobereitschaft für den Wettkampf entwickeln sich vor allem aus Aufbauwettkämpfen und dem wettkampfspezifischen Ausdauertraining, d.h. aus Trainingseinheiten, in denen im Vergleich zur geplanten Zieldisziplin, in Streckenlänge und Geschwindigkeit wettkampfnahe Anforderungen zu absolvieren sind. Diese Belastungen können den Sportler am besten überzeugen, dass das Training zu den angestrebten Zielleistungen im Wettkampf führen wird. Motivation und Überzeugung in die eigenen Fähigkeiten werden vor allem durch positive Erfahrungen gesteigert. Erfolge in Training und Wettkampf verstärken Gefühle und Antriebe“ (Lothar Pöhlitz 2011).

Stellen sie zuerst ein persönliches STOPP – Schild auf

Der moderne Hochleistungssport hat gezeigt dass durch Selbstgespräche Leistungsreserven mobilisiert werden können. Dafür sollten sie zuerst ihr persönliches STOPP - Schild aufstellen, Stress und negative Gedanken aus ihrem Leben ausblenden und durch positive Handlungsanweisungen wie „ich werde und ich will“ ersetzen.

Wer sein Bestes gibt ist trotz Niederlage kein Versager

Positive, anspornende Selbstgespräche in die Wettkampfvorbereitung integriert erleichtern die Umsetzung der Wettkampfstrategie und geben Sicherheit für eigenes aktives, erfolgreiches handeln. Vor allem die „persönlichen Trainingsbestleistungen in der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung“ verstärken den Glauben an sich selbst. Sie zielen auf eine Verstärkung der Überzeugungen von der eigenen Leistungsfähigkeit („Heute werde ich s i e schlagen“) und schließen Gedanken oder Worte mit negativem Charakter aus.

In ihrem Plan für den Rennverlauf, den sie am besten aktiv-offensiv gestalten wollen, sollten sowohl die Normalität als auch schwierige Situationen in der Vorstellung vorkommen. Führen sie die richtigen, die aktuell-hilfreichen Gedanken in einen Tunnel, die nicht dazugehörigen „aus der Arena“. Damit können sowohl Ängste, Gedanken die gerade nicht dazugehören, als auch Unsicherheiten in den Handlungen wenn....... zugunsten ihrer bestmöglichen Entscheidung zurückgedrängt werden. Aber auch das kann und muss man trainieren. Die Ursache für eine mögliche Panik evtl. sogar mit Sturz oder Ausstieg im Wettkampf überrascht oft weil es keinen Plan für unvorherzusehende Situationen gab.

Mein kleines Vorwettkampf – Selbstgespräch (Beispiel für 800 m)

Ich habe besser trainiert als je zuvor. Ich bin fit. Das Rennen bei der DM – EM – WM oder OS im Vorjahr ging knapp am Finale vorbei – jetzt kann ich mehr. Diesmal will ich ins Finale, nein aufs Podium. Alle wichtigen Gegner werde ich während des Rennens beobachten, ich rolle mit, bis 300 / 400 / 500 m (wahlweise) vor dem Ziel halte ich locker Kontakt, dann lege ich sie mir zurecht, die Herausforderung werden die letzten 300 m, ich werde alles tun um sie (alle) zu schlagen. Im finalen Spurt entspannt bleiben, aber erst 3 m hinter dem Ziel darf ich mich über das Ergebnis freuen. Wer wagt gewinnt!

Fotos: Kiefner

GER - eine einst stolze Sport-Nation halbiert seit 1992 die Medaillen

Über Siege, Emotionen, Niederlagen, Tränen und Ansprüche

2016-08-25-Grenzen_Ueberschreiben© Lothar Pöhlitz - 25. August 2016 - Deutschland halbiert die Medaillen bei den Olympischen Spielen seit 1992 von damals 82 auf 42 in Rio de Janeiro. Die Leichtathletik kann nur 2x Gold (Thomas Röhler / Christoph Harting) und 1x Bronze (Daniel Jasinski) beisteuern, die Schwimmer gehen ganz leer aus. Für die deutschen Spitzenläufer waren die Ergebnisse zum Ende des Olympiazyklus 2013-2016 bei den sportlichen Höhepunkten in allen Altersklassen (bei der U-18 EM, U-20 WM, den EM in Amsterdam und den Olympischen Spielen in Rio) positiv und negativ zugleich. Die einen konnten sich in den Jahren über Finals oder sogar Siege und Beifall freuen, andere über Stagnationen oder Niederlagen ärgern. Sorgen macht, das deutsche Läufer nur in Ausnahmefällen international konkurrenzfähig sind, in zu vielen Finals oder der Champions League gar nicht vertreten waren. Die Ausnahmen waren zuletzt Gesa Felicitas Krause als Sechste mit DR in Rio und Gold bei der EM, sowie Richard Ringer mit Bronze bei der EM in Amsterdam. Übersehen darf man bei einem Rückblick nicht das die aktuelle Qualität der Laufleistungen in allen Altersklassen - beispielsweise bei den U-20 WM - für uns demnächst keinen schnellen Anschluss auf breiter Front an die Welt-Leichtathletik erwarten lassen. Auch Rio hat gezeigt das die Besten demnächst noch keinen Leistungsstillstand zulassen werden. Nicht übersehen darf man auch das aus der Lauf-Talentarbeit des letzten Jahrzehnts 2016 nur Gesa Felicitas Krause bei den Olympischen Spielen - dem wichtigsten Ziel der Abt. Olympischen Leichtathletik - konkurrenzfähig in der Weltspitze angekommen ist.

„Der Maßstab für bessere Leistungen im Spitzensport das sind Spitzenplätze und das heißt nun mal Medaillen im Sport. Sport ist international, die olympische Idee ist international, wir wollen uns mit den Besten der Welt messen. Die Sportler haben das übrigens am wenigsten kritisiert, sondern eher diejenigen, die ohnehin schon kritisch sind gegenüber der Spitzensportförderung“. (Quelle: BMI - Bundesministerium des Innern *Deutschlandradio.de / 06.12.2015 - Auszüge aus einem Interview mit dem Bundesinnenminister über die Olympischen Spiele, den Umbau der Spitzensportförderung und Doping.)

Medaillengeschichte 1968 - 2014 (nach WIKIPEDIA)

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Medaillenbilanz Deutschland seit 1992 (nach WIKIPEDIA)

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...und es ging auch 2016 in Rio um Medaillen

Besonders stark waren in Rio in allen Sportarten die US-Amerikaner mit 121 Medaillen vor China mit 70 und GBR mit 67. Großbritannien hat den Schwung ihrer Vorbereitung auf London 2012 und ihr nationales Sportsystem erfolgreich und verdient genutzt und sich im Medaillenspiegel vor Deutschland platziert. Sie investieren mehr, organisieren den Hochleistungssport besser und trainieren offensichtlich auch besser als wir.

Medaillen-Nationenwertung Gesamt:

  • USA 121 - China 70 - GBR 67 - RUS* 53 - GER 42 - FRA 42 - JAP 41
  • Insgesamt 88 Nationen gewannen Medaillen, *RUS ohne Leichtathletik

DLV - Bilanz:

  • 3 Medaillen (2x Gold / 1 x Bronze) in 47 Disziplinen.
  • London 2012: 8 Medaillen (1 x Gold / 4 x Silber / 3 x Bronze)

Quo vadis Deutschland

Mit den aktuell wirren Diskussionen rund um die Olympischen Spiele stellt sich natürlich für alle die möglichst schnell zu beantwortende Frage ob Deutschland, neben dem Fußball, in Zukunft überhaupt noch international konkurrenzfähig sein soll, die Wirtschaft und Politik noch Hochleistungssport wollen. Politik bedeutet nicht CDU / SPD - Koalition allein sondern auch alle anderen sportlich offensichtlich nicht interessierten Parteien für unser Land, die Grünen, die FDP und die Linken in allen Bundesländern. Schwimmen und Leichtathletik zwei „ehemalige deutsche Grundsportarten“ haben weiter verloren. Einen wichtigen Grund muss man an der Quantität und Qualität des Schulsports, der wichtigsten Basis für eine erfolgreiche Sportnation, ablesen.

Nicht alle die derzeit vor uns sind - sind gedopt. IOC und IAAF haben bis 2020 3 große Baustellen zu schließen

Zuerst sollte man den Nationen und ihren Sportlern gratulieren die in Rio wie z.B. im Schwimmen oder Laufen - ganzjährig von der WADA und ihren nationalen Laboren dopingüberwacht - nach IOC also dopingfrei - teilweise weit vor den Anderen Gold, auch bei Weltrekord mit Abstand für ihr Land gewannen. Wer eine Medaille hat ist Weltspitze und ist sauber bis die Kontrollen irgendwann das Gegenteil ans Licht bringen, das wurde als die aktuelle Wahrheit vom IOC übermittelt. Wir sollten also nicht Zweifel vorschieben sondern an die Arbeit gehen. Sicher werden demnächst wieder welche entlarvt, wie gerade die 4x100 m Goldstaffel der Russen aus dem Jahre 2008 !!!

Neben der Doping-Baustelle und den Laufsöldnern in vielen Ländern bleibt als dritte Baustelle das Problem rund um den Hyperandrogenismus / den erhöhten Testosteronspiegel von Frauen für das IOC und die IAAF. Nach dem 800 m Lauf der Frauen ist die Diskussion neu entbrannt. Caster Semenya (RSA), Francine Niyonsaba (Burundi) und Margaret Wambui (Kenia), die drei Läuferinnen die Medaillen gewannen, werden verdächtigt einen nicht unumstritten medizinischen, bisher nicht geklärten Status eines erhöhten Testosteronspiegels zu haben. Ist das nicht auch Betrug - wie Doping - an den folgenden „4-6 Frauen“ im Rennen? Auch hier gibt es dringenden Handlungsbedarf. Vielleicht können sich die Älteren noch erinnern das dieses Problem „mit einem Sex-Pass für Frauen“ schon bei den Olympischen Spielen 1964 in Tokyo präsent war und gelöst schien.

Sachlich feststellen muss man auch das Funk und Fernsehen - diesmal Tag und Nacht für viele Millionen Zuschauer übertragen - den vor Rio publizierten Wünschen von Innenminister de Maiziere, dem DOSB und auch DLV-Sportdirektor Kurschilgen nicht folgten, nun nicht mehr Medaillen zu zählen. Sie taten es nicht. Gold-Silber-Bronze, Verlierer und Blech waren, wie immer, die Botschaften die den ansonsten ganzjährig vorwiegend von Fußballübertragungen lebenden Sportfans, über den großen Teich transportiert wurden. Und am Montag danach wurde in allen Medien, wie immer, groß der Medaillenspiegel präsentiert und kommentiert. Dabei sollten sie auch einmal anerkennen das sie, durch ihre in den Jahren Sport-Abstinenz außerhalb des Fußballs in Spitze und Nachwuchs, einen großen Anteil am Niedergang der Sport-Nation Deutschland haben.

Die Politik muss Hoch-Leistungssport wollen und ermöglichen. Sport und Schulsport sind ein Teil deutscher Bildung und Erziehung

Eins ist auch wahr. Nicht alle die derzeit vor uns sind sind gedopt! Und trotzdem ging es seit 1992 weiter bergab, vor allem in den Sportarten die weltweit verbreitet, immer stärker wurden, wie Schwimmen und Laufen. Wenn DOSB, DLV und Regierung in Zukunft weniger Medaillen zählen wollen bleiben doch aber wohl Siege Ziele des Sports und erwünscht? Da kommen in dieser wirren Diskussionszeit - in der Schuld scheinbar immer die anderen haben - doch nicht etwa Regierung und Opposition auf den Gedanken bei noch weniger gewollter deutscher Konkurrenzfähigkeit im Weltsport, um noch mehr Geld für....... zu haben, vielleicht sogar die Mittel für die Abt. Olympische Leichtathletik beim DOSB oder den DLV weiter zu kürzen. Die 27 Millionen starke Mitgliedergemeinde in den DOSB-Sportvereinen, 7 Millionen DFB-Mitglieder und Millionen TV-Sportfans könnten ja bei den nächsten „Gelegenheiten“ einmal deutlich machen ob Deutschland in der Welt als Sport-Nation wieder präsent sein soll. Keiner müsste sich dann schämen unsere Nationalhymne mit zusingen und wieder ein wenig mehr Nationalstolz - wie ihn andere zeigen - könnte uns nicht schaden. Sicher würden die USA, China, Afrika, Türkei, Australien, Canada, Japan und auch Russland auch ohne Deutschland weiter gegeneinander um Medaillen kämpfen, ihre Olympiasieger ehren und ihre Nation stolz machen.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann : „Ich denke, das Ergebnis von Rio wird uns noch mal eindrucksvoll vor Augen führen, dass es höchste Zeit ist, die Dinge anzugehen und nicht weiter nur drüber zu reden, wir haben eindrucksvoll gesehen wohin sich der Weltsport entwickelt“. Wie recht er hatte.

Franziska van Almsick in der ARD: „Wir müssen etwas tun, nicht nur im Deutschen Schwimm-Verband. Wir sind nicht die einzigen. Das muss man jetzt nicht vertiefen, aber so geht es nicht weiter!“ Die mehrfache Olympia-Medaillen-Gewinnerin (viermal Silber und sechsmal Bronze) will „einen massiven Kurswechsel einläuten. Davon reden wir seit Jahren.“ (SID)

Geld macht Medaillen - so war es zumindest früher

Die geführten Diskussionen um die Zukunft Deutschlands Hochleistungssports und der weltweiten Überwachung des Dopings, über die Lauf-Söldner in immer mehr Ländern und über die “Testosteronspiegel von Frauen“ können natürlich unsicher machen was Fairplay ist und unsere Sportler und Trainer demnächst eigentlich wollen sollen. Dr. Thomas Bach als IOC-Chef ist sich scheinbar sicher das Doping weltweit demnächst nicht auszurotten sei, zumindest sind seine Signale und Entscheidungen so zu deuten, er will ja schließlich das IOC und seine Sponsoren erhalten. DOSB Präsident Alfons Hörmann wollte vor Rio weniger Medaillen aber „mehr Charakter, Herzblut und Leidenschaft“, - ob er da mehr die Funktionäre im Sinn hatte? Trotzdem gab er eine Orientierung um 44 Medaillen wie nach London 2012 vor. Auch DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen will den Medaillenspiegel nicht mehr als Symbol internationaler Sportwettbewerbe, das sollte sicher dem Verband erleichtern seine Arbeitsergebnisse zu erklären. Der mitverantwortliche DLV-Generaldirektor - eigentlich der Hausherr im Glaspalast Darmstadt - äußerte sich gleich gar nicht, wenigstens wurde es öffentlich nicht transportiert. Die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, Dagmar Freitag (SPD), hat in diesem Zusammenhang ein „Umdenken im Sport“, einen Weg aus der Glaubwürdigkeitskrise gefordert, IOC-Präsident Thomas Bach aufgefordert „eine Richtung vorzugeben“. Dabei vermisst man schon länger eine / ihre klare Orientierung aus der Regierung und ihrem Sportausschuss, eine Richtung, ein Statement zum wie weiter mit dem Hochleistungssport und Schulsport in Deutschland.

Eine Wende oder weiter wie bisher? Funktionäre die in der Vergangenheit zeigten das sie nur ein bisschen Hochleistungssport wollten, den Niedergang seit 1992 begleiteten, in ihrem Verantwortungsbereich für Sportler und Trainer keine Hilfe waren, sollten nun bereit sein an den notwendigen Veränderungen mitzuarbeiten. Es ist peinlich nach Rio immer wieder lesen zu müssen das die Sportler und ihre Trainer „schuld sind“. Über die die ihnen die Bedingungen für den Hochleistungssport - vor allem die notwendige Trainingszeit - im Olympiazyklus 2013-2016 nicht zur Verfügungen gestellt haben, müsste auch geredet werden.

2016-08-25-Grenzen_Ueberschreiben

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Was können, sollten oder müssten Läufer nun bis Olympia 2020 tun - Voraussetzungen, Aufgaben und Ansprüche

Was tun mit dem zu wenigen Geld, fehlenden Hochleistungs-Trainingsbedingungen, fehlenden Fachpersonal, fehlenden Profis, fehlender im Prinzip täglicher sportmedizinisch - physiotherapeutischen Begleitung und fehlenden nahen Talenten die auf breiter Front nachdrängen? Wie gegen die höhenvorbereiteten Besten innerhalb eines weltweit nicht beherrschbaren Dopingkontrollsystems siegen. Auf das das angekündigte neue Konzept zum Hochleistungssport von Regierung und DOSB darf man gespannt sein.

Bessere Vorlagen als sie die „Russin Stepanova und Hajo Seppelt“ in Sachen Dopingbekämpfung gegeben haben kann man als Sportpolitiker doch nicht bekommen. Manchmal hat man das Gefühl das sie das alles gar nicht glauben wollen. Dabei sind die Praktiken in Ost und West innerhalb des kalten Krieges für Insider doch erst 26 Jahre alte bekannte Geschichte. Sie wollen das „neue Wissen“ aber offensichtlich gar nicht nutzen, die Einflüsse von „außen“ sind offensichtlich sehr groß. Die Basis aber will Signale, besser Entscheidungen, wie Betrüger in Zukunft konsequent - überall in der Welt - gejagt werden sollen, bald. Sollen deutsche Läufer weiterhin 10-15 Kenianern bei deutschen Veranstaltungen hinterherlaufen? Auch wollen die Eltern junger Leichtathleten wissen ob sie ihre Kleinen in Zukunft überhaupt noch zum Vereinssport schicken sollten.

Der Schulsport ist auf dem Tiefpunkt, viele Sporthallen für die Flüchtlinge entfremdet, der Vereinssport kränkelt, Ärzte schlagen Alarm. Keine Kinder - keine Talente. Da lässt sich gut mit dem „schwarzen Peter Russland“ von den Problemen ablenken. Dicke Lobe für einen gerade so Einzug ins Halbfinale bei Olympia bringt uns nicht ins Weltniveau. Wäre die Teilnahme ohne Medaille unserer Fußballer allein Volkes Wille gewesen? Vielleicht zählen DOSB und Regierung in Zukunft die Siege und die Presse und TV die Medaillen, so wie sie es während der Spiele jeden Tag getan wurde. In dieser Zeit überlegt gleichzeitig der Fußball was er in Zukunft mit den Milliarden machen soll, Ausländer machen die Bundesliga stark, sie bauen Nachwuchsleistungszentren für ausländische Talente, hielten junge Talente von Olympischen Spielen ab und wundern sich selbst warum es in dieser Sportart keine Dopingdiskussion gibt, in unserer Demokratie.

Wenn „wir“ Hochleistungssport und aufs Podium wollen...

...muss nicht nur der DLV innerhalb einer Hochleistungssport - Strukturreform die professionellen Bedingungen schaffen die in die Finals führen und Siege gegen die Weltbesten möglich machen. Dazu müssen persönliche Bestleistungen beim Höhepunkt - vom Marathon bei mehr als 30 Grad im Schatten oder 95 % Luftfeuchtigkeit einmal abgesehen - Ziele sein. Die jungen Leistungssportler müssten besser unter Führung von hauptamtlichen Hochleistungssport-Fachpersonal ihre Anstrengungsbereitschaft erhöhen, wie die Besten trainieren, sich neu organisieren und wissen das nur wenn auch der Kopf, das Gehirn das will, man eines Tages mit dem Finale oder sogar dem Podium belohnt wird, unabhängig von der Altersklasse. Talent allein bringt noch keine Medaillen, das lernt man aus den letzten Jahren. Übungsleiter die im normalen Leben einem Vollzeit-Job nachgehen können Talente nicht auf das Hochleistungstraining vorbereiten. Warum haben Staat und DOSB eigentlich Eliteschulen des Sports vor inzwischen „vielen Jahren“ ermöglicht?

Wer den notwendigen psychophysischen Zustand zu Hause lässt, erwartet hat das in Rio 20 Grad herrschen, bei Olympia Spaß haben will ist nicht Olympiareif. Viele hatten Tränen in den Augen nach Siegen aber auch nach Niederlagen. Das die Olympiateilnehmer im Vorfeld nicht gegen die Besten das taktische Verhalten üben konnten, die Wettkampflehre offensichtlich unterschätzt wird, muss sich der Verband ankreiden. Zu oft wird übersehen dass die jeweiligen „kleinen Teams Trainer - Athlet“ nicht allein die Ursache des Erfolgs oder Misserfolgs sind, wenn ihnen die notwendigen Bedingungen für die Wunschziele, für das tägliche Training nicht zur Verfügung stehen und es auch mit der Teamarbeit im DLV nicht so recht passt. Man hatte beim zusehen das Gefühl das nun neue höhere Ansprüche - die es schon gab - wieder dringend notwendig sind.

An Erfolgen und Niederlagen sind also immer alle beteiligt, nicht nur die Sportler und ihre Trainer, sondern alle die für die Olympische Leichtathletik arbeiten, beim DLV und in den Landesverbänden, auch die Funktionäre die zu oft glauben nur an Erfolgen teilzuhaben. Auch die die glauben das mit weniger Geld mehr Medaillen möglich seien. Wer an dieser Stelle übersieht das die derzeitigen Laufergebnisse in Rio Ergebnis der Arbeit, auch der Nachwuchsarbeit des letzten Olympiazyklus sind, und auf die zu wenigen Goldkörnchen im Nachwuchs für demnächst verweist, negiert die Notwendigkeiten für einen Neuanfang.

„Von ganz oben muss jetzt was kommen. Davon hängt ab, wie gut die Leute sind, wie gut ich sie ausbilden kann, wie gut die Trainingsbedingungen sind und wie viele Leute ich mitnehmen kann um die Sportler herum und wie oft ich ins Trainingslager fahre. Adam Peaty aus Großbritannien kann drei Monate nach Australien zum Training. Da kann ich ja hier mal fragen, ob Mami oder Papi das Geld geben. So funktioniert es nicht. Die Engländer sind ein kleineres Volk als wir, haben gleich viele Aktive hier wie wir, aber mehr Geld im Hintergrund, mehr Leute um die Sportler und somit professionellere Strukturen“ (Schwimm-Bundestrainer Henning Lambertz noch in Rio)

Das letzte Wort bekommt DOSB-Präsident Alfons Hörmann:

„Wir haben Verbände wie Schwimmen, Leichtathletik, die Radfahrer die ihre Ziele klar und deutlich verfehlt haben. Es gibt Rede- und Handlungsbedarf"

„Wir alle wissen dass die ganz großen Helden, im Sommer wie im Winter und über alle Sportarten hinweg, deshalb irgendwann große Helden sind, weil sie große Siege errungen, aber auch bittere Niederlagen haben einstecken müssen. Auch diese Seite der Medaille sollten wir mit Respekt und Anstand würdigen, weil das Wiederaufstehen nach Niederlagen manchmal die größte Kunst und die größte Gabe im Sport ist. Neben den klassischen deutschen Tugenden, der jahrzehntelangen Vorbereitung sind Themen wie Akribie und Präzision, aber auch die Fokussierung und Hingabe auf das große Ziel entscheidend.“

Fotos: Kiefner, Kiefner, Neuthe

„Es gibt Rede- und Handlungsbedarf“ (DOSB-Präsident Alfons Hörmann)

2017 ist die WM in London - 2018 die EM in Berlin und 2020 Olympia in Tokyo

2016-09-10-Rede-und-Handlungsbedarf© Lothar Pöhlitz - 10. September 2016 - Mit der Saison und Rio 2016 ist für Läufer gleichzeitig der Olympiazyklus 2013-2016 vorüber. Nach der Aufforderung von DOSB-Präsident Alfons Hörmann, besonders auch an die Leichtathleten, nun zu reden und zu handeln haben die Trainer und Läufer sicher ihre Arbeit bereits analysiert und über die neuen Ziele und das wie weiter schon gesprochen. Sie haben dabei sicher berücksichtigt das man nicht alle Ergebnisse der vergangenen Jahre dem Doping in der Welt unterschieben darf, dass nicht alle die vor uns sind dopingunterstützt laufen.

Die Stärken und Schwächen in der Organisation und Führung des Hochleistungssportsystems müssen andere aufarbeiten, z.B. die Analyse zum DLV-Strukturplan 2013-2016, über die Zurverfügungstellung der materiellen Bedingungen, zum Fachpersonal, zur Teamarbeit, der Führung der Trainer und ihrer Ausbildung und der zukünftigen Organisation von Trainingslagern in mittleren Höhen, in Höhenketten, für die Ausdauerdisziplinen. Vielleicht berücksichtigt der DLV mit seinen Förderbedingungen demnächst auch das es in den 47 olympischen Disziplinen große Unterschiede in der Konkurrenzsituation und Leistungsdichte in der Welt gibt. Man könnte den Fans auch einmal erklären warum Gesa Felicitas Krause wie berichtet schon mehrere Jahre und in der Vorbereitung 2016 5 x 3 Wochen Höhentraining die notwendigen professionellen Bedingungen zur Verfügung gestellt wurden, warum aber ähnliche Bedingungen (wie sie von vielen europäischen Läufern seit Jahren genutzt werden) nicht auch für unsere Kaderathleten im Team organisiert wurden. Die Läuferwelt demonstrierte auch 2016 wieder: schnell laufen ohne Höhentraining geht nicht. Beim Marathon in Rio wurde deutlich über welche Basisausdauer für die Bahndisziplinen z.B. Galen Rupp (USA) verfügt.

Sinnvoll scheint zwischendurch ein kurzer Seitenblick auf die Laufleistungen bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Mönchengladbach. Eine Tendenz? Diese U-20 Generation hat bestimmt nicht nur das Fachpersonal erschreckt. Noch dazu wenn man darüber nachdenkt wie lange man braucht um wenigstens die Besten dieser Altersklassen an beispielsweise den Elite-Nachwuchs- oder B-Kader heranzuführen ohne an Final - Ansprüche bei Olympischen Spielen zu denken.

Auch die „verlorenen Talente“ aus dem letzten Jahrzehnt sollten einmal ein Thema sein.

Zur Organisation des Trainings und der Wettkampfleistung - Verlorene Zeit bedeutet verlorene Leistung

Nachfolgend sollen nun Läufern und ihren Trainern aller Altersklassen Erfahrungen und Tipps angeboten werden, die für den Bereich Hochleistungstraining und Kader 2017-2020 neue höhere Ziele möglich machen.

Um individuelle Grenzen zu überschreiten, um in die Lauf-Finals zu wollen oder sogar von Medaillen zu träumen bedarf es für viele einer individuell neuen Organisation des Trainings und der Wettkampfleistung, einer Bereitschaft ab sofort innerhalb eines komplexen Trainings Umfang und Intensität zu erhöhen und gleichzeitig Belastung und Erholung dafür in Balance zu bringen. Verlorene Zeit bedeutet verlorene Leistung. Für ein professionelles Training braucht man Partner, auch für duale Karrieren die das Vorhaben im Olympiazyklus 2017-2020 mehr zu tun als bisher möglich machen, wie die Vereine, die OSP, Sponsoren, funktionierende BLZ, eine sportmedizinisch-physiotherapeutische Begleitung und die Fach-Bundestrainer. Dazu gehören auch hilfreiche Trainingspartnerschaften, gemeinsam auch in Wochenendlehrgängen oder Trainingslagern.

Die Leistungsfortschritte und Leistungsverdichtungen im letzten Jahrzehnt in den Weltbestenlisten in allen Lauf-Disziplinen resultieren aus neuen höheren Belastungen, höheren Geschwindigkeiten bei kürzeren Pausen, ökonomischer Lauftechnik, Höhentraining und mehr Kraft. Erkenntnisse für die weiterentwickelte Trainingsmethodik kamen vor allem aus der Trainingspraxis. Neues aber auch von der Sportwissenschaft und Trainingspraxis aus Übersee, Canada, Australien und USA, aus unserem eigenen trainingsmethodischen Wissen, aus Beobachtungen aus der Distanz und der Lauf-fachliteratur. Daraus zusammenfassend werden nun Empfehlungen und Tipps angeboten um individuelle Grenzen auch unserer deutschen Läufer zu verschieben: bei Starts bei U-18 bis U-23 EM oder WMs, die WM 2017 in London, die EM 2018 in Berlin und auch schon für die Olympischen Spiele 2020 in Tokyo.

2016-09-10-Rede-und-Handlungsbedarf

„Als ich 2005 erstmals erleben durfte wie hart Weltklasseläufer trainieren ging es für mich nur noch um essen, schlafen und trainieren“ (Mo Farah)

Für und mit den Läufern jetzt neu denken und handeln - Mit geringen Ansprüchen sinken auch bei Läufern die Anstrengungen

In einer Neuorganisation des Trainings und der Wettkampfleistungen muss zuerst für jeden Einzelnen das bisherige Training in den MIZ, MEZ und MAZ analysiert und Reserven offengelegt und fixiert werden. Dabei bilden ein verändertes Wochenschema mit mehr Trainingszeit, mögliche Gipfelwochen und Trainingslager (auch im Höhentraining) die erste Voraussetzung für das mehr. Vielleicht braucht es für solche Veränderungen da und dort auch neuer Führungsqualität, auch einmal von „außer-halb“.

Mit komplexen Training hat man den Schlüssel um die individuellen Grenzen zu verschieben. Dazu gehören die Lauftechnik auf dem Mittelfuß im Dauerlauf und dem Vorfuß für das schnelle Laufen, die spezielle Kraft für kurze, vortriebswirksame Bodenkontakte, eine verbesserte Laufökonomie um Energie auf der Strecke für die Endphasen zu sparen, das Unterdistanztraining und ein reizwirksames spezielles Ausdauertraining, orientiert an der jeweiligen Spezialstrecke.

Innerhalb des täglichen Trainings bedeutet komplexes Kader-Training das öfter in Trainingseinheiten von 2-3 Stunden Schwachstellen bekämpft und Voraussetzungen für den nächsten MEZ geschaffen werden und dadurch das Training effektiver wird. Für 45 Minuten DL sollten sich Spitzenathleten nicht mehr umziehen.

Bei der Schaffung des komplexen Athleten sollte langfristig an der mentalen Stärke in wichtigen Rennen gearbeitet und innerhalb der Wettkampflehre eine optimale Renntaktik für die verschiedensten Rennsituationen gelehrt und öfter praxisnah geübt werden. Dafür sollten in Wettkampfphasen mehr Wettkämpfe mit „Taktik-Ausbildungscharakter“ realisiert werden. Dafür ist eine geeignete Wettkampfstruktur zu schaffen.

Das Partnertraining mit möglichst stärkeren „pacemakern“ für Frauen und Männer, vor allem für das Schnelligkeitsausdauer- und spezielle Ausdauertraining, sollte man ganz oben innerhalb der Neuorganisation des Trainingssystems ansiedeln. Dabei muss die Chemie stimmen, im Team, mit dem engen Umfeld und natürlich mit dem Heim- und Bundes-Trainer.

Mit der Geschwindigkeit im Trainingsumfang und den kürzeren Pausen, systematisch ansteigend im Jahresverlauf, beginnend aber früh in der VP I sowohl im mittleren DL-2, den DL-3, den Tempodauerläufen, dem Schnelligkeitstraining und allen Tempolaufaktivitäten organisiert man ganzjährig den Leistungsfortschritt. Die notwendig höchste Belastung im Frühjahr ist nur möglich wenn im Herbst dafür die Grundlagen und das Rhythmustraining langfristig aufgebaut und vorbereitet wurden.

Ex- Schwimm-Bundestrainer Dirk Lange über seine Erfahrungen mit der Nachwuchsarbeit im Schwimmen:

„Junioren-Europameister werden hofiert wie Olympiasieger. Die denken alle, sie sind schon Champions League, überschätzen sich, wie auch viele Trainer. Die meisten Athleten, die hier waren, sind aber nur Landesliga. Sie glauben, sie spielen oben mit, tun sie aber nicht. Die Sportler sind das Ergebnis ihrer Trainer. Ich kenne kein Land, in dem so sehr auf Sportler eingegangen wird wie in Deutschland.“ (BILD 17.8.2016)

2016-09-10-Rede-und-Handlungsbedarf

Wer eine Medaille will muss um Gold kämpfen

Gewichtarbeit, die Füße und Körpermitte stärken

Um stärker zu werden und schneller zu Laufen sollten Mittel- und Langstreckler noch einmal über das Krafttraining für die Füße und schlanke, stärkere Muskeln nach-denken. Die Mär das 5000 m oder 3000 m Hindernisläufer kein anspruchsvolles Krafttraining brauchen ist Geschichte und hält sich immer noch hartnäckig. Es ist Zeit den Erfahrungen auch von „außerhalb“ zu folgen, neu zu Denken und das immer noch vorrangig praktizierte Zirkeltraining durch ein schnelleres „UMO“-Ganzkörper-Stationstraining um das „Zentrum und die Füße zu stärken“ - auch mit dem Medizinball - und eine „schwere schnelle Gewichtarbeit mit nur 8-4 Wiederholungen“ (siehe auch LCA vom 6.10.2014) zu praktizieren, wobei in der VP I zunächst 2x pro Woche, in der VP II 3 x 30-40 Min. pro Woche die Bewältigung des eigenen Körpergewichts, später aber auch das 1 ½ fache Ziel sein sollte. Und wenn man dann noch zur Fußkräftigung 2x wöchentlichem Barfuß t r a i n i n g einsetzt, wäre schon in einem Jahr nicht nur der Fortschritt in der Körperstatik sondern auch in der Lauftechnik „unverkennbar“. Wichtig wäre dafür schon im Winter eine neue Basis zu erarbeiten. Wer nicht über die nötige Kraft in der Körpermitte und im Oberkörper verfügt wird nicht in der Lage sein, in einer optimalen Lauftechnik bis ins Ziel zu laufen.

Auf den Weg in die Spitze brauchen Langstreckler nicht nur 160-180 km/Wo sondern nach dem Vorbild von Mo Farah, Galen Rupp und anderen auch noch 4-5 x 1 Stunde/Woche im Kraftraum. Fitness-Coach Mc.Henry berichtete auf einer Fortbildung das Farah und Rupp auch nach zwanzig Kilometer Dauerlauf noch Gymnastik, Balance-Übungen, Medizinball-übungen und Kraft machten um belastbarer zu werden.

Das Training war erst gut wenn die ganze Woche gut war

Nicht nur die großen Muskeln, auch die kleinen tiefliegenden, die bei Verbesserungen im Detail helfen, sind für das Ergebnis bedeutend. Das Auffinden von Schwachstellen des Körpers und deren Beseitigung ist eine bedeutende „Physio“- und Traineraufgabe. Auch die Sicherung von Belastung und Erholung braucht Zeit. Viele Verletzungen in den Beinen haben ihre Ursachen in einer zu schwachen Körpermitte und der Rückenmuskulatur. Wer mehr und intensiver trainiert sollte auch die Maßnahmen zur schnelleren Regeneration, zur Verringerung eines erhöhten Muskeltonus, verstärken, die Erholung und die sportmedizinisch-physiotherapeutische Begleitung einbauen und sich aller 2 Wochen einen Ruhetag für das Nervensystem gönnen. Hochleistungs-training „ohne Physio“ geht gar nicht.

Mehr Beweglichkeitstraining macht „weicher, effizienter“ und vergrößert die Gelenkbeweglichkeit, das mögliche Schrittmaß

Mehr Kraft muss natürlich in Geschwindigkeit umgesetzt werden. Deshalb kommt vor allem für Mittelstreckler, aber auch für die schnellen Langstreckler, dem Schnelligkeits- und Schnelligkeitsausdauertraining im Streckenbereich zwischen 30-300 m eine große Bedeutung zu. Das funktioniert natürlich erst wunschgemäß wenn die Bewegungs-amplituden, die Gelenkbeweglichkeit die notwendig Schrittstruktur ermöglicht. Der Fortschritt über 400 m ist dafür letztendlich der Maßstab. Von Galen Rupp wurde einmal berichtet das er sein Intervalltraining mit maximaler Anstrengung schon mal mit einer 400 m in 51 Sekunden plus einem 100m Lauf in 11 (!) Sekunden abschloss. Und in Rio haben wir gesehen er kann auch Marathon !

Wer jetzt die Frage stellt wie das alles in den nächsten 4 Jahren zu bewältigen sei muss sich zuerst zum echten Leistungssport bekennen, seine Wochen neu organisieren, das alles richtig wollen, die Nebenkriegsschauplätze reduzieren, zwischen normalen Wochen und Gipfelwochen differenzieren, öfter zum Partner-Training in Trainingslagern bereit sein oder auch an mögliche 2-3 TE an den Wochenenden denken. Auch über die Möglichkeit zwischen dem Morgenlauf und dem Abendtraining 2-3 x mittags eine Stunde im Krafttraum die „schwere Kraft“ aufzubauen, um eines Tages den Weltbesten auch in diesem Voraussetzungsbereich folgen zu können, sollte man ernsthaft nachdenken. Vielleicht sollte man für eine solche neue Struktur in den drei ersten Monaten einmal auf Wettkämpfe verzichten. Dafür könnten im Winter einige „schnelle Lauf-TE“ nach der Kraft im Studio auf dem Laufband aushelfen. Mann sollte auch darauf vorbereitet sein das es in den ersten Wochen ungewohnt schwer werden könnte und die Muskeln auch einmal zumachen wenn das Entmüdungsbad oder der Physio danach ausgelassen wurden.

"Talent hilft nur so weit, sagte Mo Farah einmal, wie wir bereit sind es zu nutzen. Wenn man wirklich eine Gold-, Silber oder Bronze – Medaille will muss man hart arbeiten. Jede neue Übung die mich zu einem Bruchteil einer Sekunde besser macht lohnt sich einzusetzen. Meine Botschaft ist: hart trainieren, Ruhe und Erholung, gut essen und schlafen, und gegen die eigenen Schwächen arbeiten“.

“Eliteschulen des Sports sind an Olympia-stützpunkte angebunden: Die besten Nachwuchsathleten können auf diese bewährten Serviceeinrichtungen der Bundeskader zugreifen“ (DOSB)

Fazit und Ausblick 2017 - 2020:

  • Es gibt also Reformbedarf im und für den Leistungssport, auch im DLV - die Grenzen müssen jetzt verschoben werden, in allen Institutionen, auf allen Ebenen. Steht eines Tages das für Hochleistungstraining notwendige Geld und das Fachpersonal für das Training zur Verfügung müssten 3 Aufgaben in den Mittelpunkt: Aufgabe 1: die Struktur für das Hochleistungstraining neu schaffen 2.Talentsuche und Talentausbildung für Spitzenleistungen in den Landesverbänden neu organisieren und durch-setzen, 3. Aufgabe: echte Talente mit mehr Anspruch durch Fachpersonal anders, „leistungszielgerecht“ fördern und fordern. - Nicht länger verwalten, neu gestalten !
  • Es sollten nach den Rio-Ergebnissen nicht die Athleten allein „vorgeführt“ werden. Die Trainer, Cheftrainer, Generäle und Funktionäre beim DLV, in den LV und DOSB und auch die - wie z.B. Hauptsponsor NIKE in den USA - die die materiellen Bedingungen für das Hochleistungstraining in der Vergangenheit nicht zur Verfügung stellten sind am Niedergang der Leichtathletik beteiligt. Es sind nicht nur die gegenwärtigen Strukturen und das Training die z.B. im Laufen nicht mehr zuließen sondern auch das fehlende, nur von Ausnahmen genutzte, mehrjährig aufzubauende Höhentraining, das für alle Ausdauerdisziplinen eine Selbstverständlichkeit sein sollte.
  • Es wäre aber zu einfach die materiellen Bedingungen oder die Bundestrainer allein für die Ergebnisse verantwortlich zu machen. Die über Jahre unbefriedigenden Leistungsfortschritte der Läufer sind auch das Ergebnis der Heimtrainerarbeit, das Wettkampfsystem oder der fehlenden Massagen die sich mehr als bisher an dem Training der Weltbesten orientieren müssten.
  • Deutschland brauchte zeitnah eine „Schulsportrevolution“ - 4 x 90 Min./ Woche und Ernährungslehre z.B. - das bringt auch Gesundheit, Fitness, Leistungsfähigkeit, Talente, weniger Übergewichtige und Intelligenz. Bildung und Erziehung sind Teil der Kultur einer Nation. Sport ist Teil der Bildung und darf nicht länger Privatsache von Eltern und Vereinen sein.
  • Im Kinder- und Jugendsport in den Landesverbänden und in den Sportschulen der Länder werden die Voraussetzungen für die internationale Konkurrenzfähigkeit geschaffen, dabei fängt alles bei einer offensiveren Arbeit der Sportbünde der Länder, Kreise und Gemeinden an. Nachwuchsarbeit mit Anspruch und Scouts wie im Fußball um Talente zu finden wäre eine Lösung.

2016-09-10-Rede-und-Handlungsbedarf

Auch für die Jüngsten müssen neue höhere Ansprüche gelten

2016-09-10-Rede-und-Handlungsbedarf

 

  • Der deutsche Sport braucht Bedingungen unter denen echte Talente und die Kader in Sportschulen und den Eliteschulen des Sports auf das Hochleistungstraining vorbereitet werden. Sie dürfen aber nicht nur diesen Namen tragen sondern müssen auch in ihren Ausbildungsinhalten das Hochleistungstraining vorbereiten, damit die so ausgebildeten Schüler danach über Jahre 10-12x pro Woche bzw. 25-30 Std. + 4-5 Std sportmedizinisch - physiotherapeutischer Begleitung trainieren können. Olympische Medaillen schaffen von Fachtrainern in Eliteschulen des Sports und Profi-Trainern in Bundesleistungszentren vorbereitete Athleten.
  • Die Leichtathletik muss mehr als bisher die Eliteschulen des Sports nutzen - mit 4-5 x 2 Std. Grundlagentraining am Vormittag und 5-6x Training am Nachmittag durch hauptamtliche Fachtrainer, vielleicht kombiniert für die Disziplinbereiche: Sprint / Laufen bzw. Mehrkampf / Sprung / Wurf. Die bisherige Wertschätzung dieser wichtigen DOSB - Ausbildungseinrichtungen durch den DLV wird deutlich wenn man sie innerhalb der Verbandsstruktur z.B. auf der Homepage leichtathletik.de / Jugend vergeblich sucht !
  • Die Leichtathletik braucht eine Hochleistungssport-Ausbildungs-Akademie an der Trainer für Spitzenleistungen und Nachwuchsleistungssport ausgebildet, über die international modernen Trainingsmethoden informiert und fortgebildet werden.
  • Die WADA muss neutral, sportpolitisch unabhängig weltweit agieren und darf nicht nur unter amerikanischer oder britischer Führung stehen. Nur wenn die ganzjährigen Dopingkontrollen auf alle Länder ausgedehnt werden können kommt man „sauberen - dopingfreien“ Leistungssport näher. Betrüger sollten 2 Olympiaden oder besser lebenslang gesperrt und bekannte Dopingsünder von deutschen Veranstaltern nicht länger zu Wettkämpfen nach Deutschland eingeladen werden.
  • Deutschland braucht sportinteressierte Politiker in der Regierung und in den Ländern - natürlich auch die aus der Opposition sind herzlich eingeladen, auch wenn viele von ihnen offensichtlich nicht so viel vom sporttreiben halten wie man sieht. Sie müssen die Präsentation einer leistungsfähigen Nation auch durch mehr Sport für unsere Kinder und Jugendlichen, aber auch bei Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen wollen und ermöglichen. Das bisherige Desinteresse der Bundeskanzlerin und ihrer Minister wurde durch die Abwesenheit in Rio noch einmal unterstrichen. Es muss ihnen doch peinlich sein der Welt zu demonstrieren wie nach dem Niedergang deutscher Infrastruktur nun auch Olympische Spiele für Deutschlands Regierung unwichtig geworden sind. Vorbild für unsere Kinder und Jugendlichen sollten nicht die sein, die vor allem eine Sportart favorisieren, bei der der Sportlerhandel derzeit bei 120 Millionen pro Person angekommen ist !
  • Seit der Wiedervereinigung um das Jahr 1990 ist die internationale Repräsentation Deutschlands durch Sport innerhalb 6 Olympiazyklen systematisch zurückgegangen, die Medaillen wurden halbiert. Neu ist das kurz vor Rio Sportdirektor Thomas Kurschilgen auch den gesunkenen DLV-Anspruch dadurch deutlich machte das er den Medaillenspiegel als Monstranz bezeichnete und Medaillen keine Auskunft über die Leistungsfähigkeit eines Verbandes gäben. Sicher hätte er sich aber ein positiveres Ergebnis mit mehr als 2 Siegern für die Abt. Olympische Leichtathletik im DLV -gewünscht.

Die Leichtathletik hat 2016 mit 3 Medaillen in Rio einen nicht erwarteten Tiefpunkt erreicht. Hinweise, dass einige Athleten knapp an einer Medaille gescheitert sind sollte man nicht gelten lassen weil Siege und Niederlagen Teil des Hochleistungssports sind und diese Tatsache für alle vorherigen Olympischen Spiele auch gilt !

Fotos: Kiefner, privat, Steininger, Rigal