Asymmetrien nicht länger „unerkannt verstärkend trainieren“

Beide Körperseiten sind für a l l e Läufer gleich wichtig

(Foto: Pöhlitz)© Lothar Pöhlitz - 25. November 2017 -  Im Schülertraining, im Lauf-Spitzenbereich aber auch im Training ambitionierter Senioren sollte das Ziel des Trainings auch sein ein ausgewogenes Kraft- und Beweglichkeitsverhältnis der Muskeln, Muskelgruppen und auch beider Körperseiten aufzubauen oder auch „nachzuarbeiten“. Oft denken Bahnläufer zu wenig darüber nach, dass die Innen- und Außenfüße in den Kurven unterschiedlichen Belastungen bzw. Drücken ausgesetzt sind und in der Regel kaum darauf vorbereitet sind. Aber auch im Straßenlauf behindern ungleichmäßige Fußabdruckkräfte auf schräg abfallenden Straßenprofilen die Geschwindigkeit.

Beide Körperseiten sind für a l l e Läufer gleich wichtig

Mit diesem Beitrag sollen Trainer von Schülern, Jugendlichen und Aktiven einmal auf diese Problematik, auf muskuläre Dysbalancen, auf Ungleichgewichte in der Körperstatik, auf eine ungenügende Gelenkbeweglichkeit, auf die hin und wider unterschiedlich langen Gliedmaßen aufmerksam gemacht werden. Oft erfährt man erst von Schwachstellen, wenn der Orthopäde bei Beschwerden ein 2 cm zu kurzes Bein, einen Beckenschiefstand, verklebte Muskulatur, ungeeignete Füße für das leistungsmäßige Laufen, ein Hohlkreuz oder eine Skoliose diagnostiziert.

Trainer wissen auch das nicht so selten die rechte bzw. linke Körperseite von unten bis oben - also in der Fuß-, Bein- und Armkraft - „schwächer“ ist.

Sie wissen natürlich auch, dass solche Asymmetrien im Leistungstraining früher oder später zu Beschwerden, zu Verletzungen, führen können. Immer wieder erfahren wir, aber oft auch zu spät, dass beispielsweise Achillessehnenentzünden oder Kniebeschwerden ihre Ursachen in vielen Kilometern auf „zu schwachen unausgebildeten Füßen“, Bindegewebsschwächen, durch Wadenverhärtungen, Blockaden oder Beckenschiefständen haben. So werden Asymmetrien jahrelang „unerkannt verstärkend trainiert“ und führen schließlich eines Tages für zu viele „überraschend“ zu länger andauernden Verletzungen durch Überlastungen und Abnutzungserscheinungen.

(Foto: Poehlitz)Vor allem für "Leistungsläufer, die ein Leben lang" ihr Ganzkörperkraft-Training vernachlässigen, Ungleichgewichte zulassen, ihre Schwachstellen nicht früh erkennen und "zielgerichtet bekämpfen", Belastung und Erholung nicht in Balance halten, glauben ohne eine psychologische Begleitung auszukommen, lassen zu, dass ungleichmäßige Kräfte auf das Skelettsystem wirken und eines Tages durch ungleichmäßige Spannungszustände Muskelverkürzungen entstehen. Zerrungen, Muskelfaserrisse entstehen häufig durch chronisch überstrapazierte Strukturen, Myogelosen, durch Überspannungen in der Muskulatur und plötzliche, zu hohe oder ungleichmäßig ungewohnte Krafteinwirkungen. Das ungenügende Belastungs-Erholungsregime leistet dazu noch einen oft unberücksichtigten Beitrag. Nicht nur die Kilometer, sondern auch die tiefe Muskulatur rund um die Wirbelsäule, die Faszien, Bänder und Sehnen, das gesamte Binde- und Stützgewebe entscheiden eines Tages ob Hochleistungstraining erfolgreich ist.

Für diese Ausbildungsaufgaben haben die Schüler- und Jugendtrainer die größte Verantwortung, aber auch Senioren könnten noch eine Menge mehr tun!

grafikSchnellkraftFach-Trainererfahrung ist, dass man muskuläre Dysbalancen, zu schwache Körperseiten oder Fußstatikschwächen selbst erkennen und "bekämpfen" kann. Besser aber ist mit Beginn eines Leistungstrainings den jungen Sportler - je früher umso besser - einem Facharzt "zur Bestandsaufnahme" nicht nur eines großen Blutbildes vorzustellen, sondern auf der Grundlage einer Ganzkörper - Schwachstellen- und Stärkenanalyse - nach einem individuellen Schwachstellen - Trainingsplan - möglichst langfristig entwicklungsbegleitend aufzustellen. Es sind doch erst die Voraussetzungen zu schaffen, die einer Belastungserhöhung vorausgehen sollen. An Sportschulen bzw. Eliteschulen des Sports sollten deshalb der Sportarzt, ein Chiropraktiker und im Zusammenhang mit den Olympiastützpunkten auch eine physiotherapeutische Begleitung selbstverständlich sein.

Besonders in Wachstumsphasen junger Läufer ist darauf zu achten, dass in der Regel das neue äußere Größenerscheinungsbild nicht mit einem gleichmäßigen Wachstum der inneren Organe parallel läuft. Das erfordert Geduld. Bei zukünftigen Läufern kommt dabei besonders der Entwicklung eines leistungsfähigen Herzens durch Ausdauertraining eine besondere Bedeutung zu.

.......und man kann auch nach einem Dauerlauf noch 20-30 Minuten Kraft machen!

P.S. Muskelfunktionstests nach Janda gehören zu den gängigsten Verfahren der manuellen Muskelfunktionsdiagnostik. Siehe dazu auch Klug & Fit: Testbeschreibung (eine Initiative des bm:bwk)/ www.klugundfit.at)