Zur Lehre von der Führung des sportlichen Kampfes

Bis 2020 optimal auf VL, ZL, HF und F vorbereiten

© Lothar Pöhlitz - 11. November 2017 - Die Taktik zielt in den Laufdisziplinen auf das Erreichen eines individuell besten Ergebnisses im Wettkampf, auf Erfolg gegenüber den Gegnern, im Hochleistungssport bei den jeweiligen sportlichen Höhepunkten des Jahres. Sie wird vor allem bestimmt vom eigenen konditionellen Niveau, der mentalen Stärke und Bereitschaft, von langjähriger Wettkampferfahrung, der Bedeu-tung des Wettkampfes, vom Niveau der Gegner, dem Leistungs- und Platzier-ungsziel (Zeit / auch persönliche Bestleistung) und den klimatischen Bedingungen.

 

Besseres Anschauungsmaterial als von den VL, HF oder Finals der Leichtath-letik - Weltmeisterschaften 2017 in London präsentiert wurde können Läufer und ihre Trainer nicht erhalten. Alles war dabei, mich haben vor allem die Spurtfähigkeiten, nicht nur der Besten, beeindruckt. Damit haben wir auch gegen die Afrikaner eine Chance, zumindest bis in die Finals.

Die individuelle Taktik, wie sie in den Laufdisziplinen gebraucht wird, muss vor allem auch die Fähigkeit einschließen, das eigene Wettkampfkonzept gegen das der Gegner, auch unter Berücksichtigung eventueller Misserfolgsrisiken, offensiv durchzusetzen. Dabei müssen die Sportler im unmittelbaren Vorfeld der Rennen auch auf in der Praxis übliche, gestreute Fehlinformationen zur geplanten Strategie aus dem gegnerischen Lager, vorbereitet sein, oder sogar selbst zu solchen Mitteln greifen. Wissen ist auch das Olympiasieger von vor 10 Jahren in der Regel ihre sportliche Form längst verloren haben und vor allem um Geld unterwegs sind.

Zur Strategie des Sieges gehört auch, dass sich die Sportler „verdeckt“ mit Freunden oder eigenen Vereins- bzw. Landeskollegen zur gemeinsamen Wettkampfgestaltung zusammenschließen. Dies ist in den letzten Jahren oft von den afrikanischen Läufern demonstriert worden. Hier ist eine gewisse Vorahnung aus der Erfahrung früherer Wettkämpfe für die Vorbereitung einer Gegenstrategie bzw. die Nutzung der Gegnerstrategie zum eigenen Vorteil, hilfreich.

Es ist auch wichtig wie ökonomisch man mit den Energiedepots umzugehen versteht, wie man, trotz effektiven Laufens während des Rennens in der Lage ist seine Gegner zu beobachten, bereit ist schnell und mit möglichst geringen Kraft- und Nerven-verschleiß auf Gegnerattacken (Alternativvarianten) zu reagieren bzw. wenn nötig selbst zu handeln. Dazu gehört auch, bestimmte kurze Streckenabschnitte zu einer gezielten, vor allem auch geistigen Entspannung zu nutzen, in dem man einfach mal mit weniger Krafteinsatz ein Stück „mitrollt“, die Gegner beobachtet, ohne die eigene Spannung zum Wettkampf zu verlieren.

Ein Läufer muss verschiedene Strategien - am besten nur zwei - erprobt parat haben, wenn es eines Tages um seinen wichtigsten „Wettkampf“ geht!

Auf diesem Weg nach oben sollte man auch nicht erschrecken, wenn man eines Tages überraschend in einen Wettkampf gerät, in dem Weltbeste mit Hilfe von „Hasen“ und einem höllischen Tempo versuchen Weltrekord zu laufen! Schnell die Situation erkennen, ruhig bleiben, die beste Leistung für sich selbst anpeilen, sich die Gegner im eigenen Leistungsbereich suchen und sie besiegen wollen, das sollte das neue Ziel sein. Im Langstreckenlauf hilft die richtige Gruppe auf dem Weg zum individuellen Ziel.

Sei immer auch auf Niederlagen vorbereitet, man kann gegen gleichstarke Läufer trotz bester Taktik verlieren. Tagesform. Wer fit und gut trainiert war, sollte sich keine Vorwürfe machen:  eine Niederlage ist nicht fatal, ist Teil des Sports. Arbeite weiter hart um beim nächsten Versuch besser zu sein.

Eigene Strategien, taktische Konzepte führen nur dann zu einem erfolgreichen Wettkampf, wenn neben einer optimalen trainingsmethodischen Vorbereitung die Motivation und das Selbstvertrauen des Athleten groß sind und er seine Angst oder auch Aggressivität unter Kontrolle hat. Wer in jedem Moment des Rennens wachsam ist, reagieren kann oder auch selbst zu agieren bereit ist verfügt über gute Chancen seine Pläne zu realisieren.

Oft rücken die Sportler von ihren eigentlichen Zielen und der zurechtgelegten Strategie ab, je näher der Wettkampf kommt. Nicht so selten werden sie spätestens beim Einlaufen immer ruhiger, sind saft- und kraftlos, ratlos und im Prinzip bereits Verlierer, weil eine im Vorfeld übertriebene mentale Beschäftigung mit dem Rennen und der Erwartungs-druck aus der näheren Umgebung (Familie, Trainer, Freunde, Gegner) nicht bewältigt wurde. In solchen Fällen müssen vor allem Trainer und Athlet in Klausur gehen, überlegen welche Fehler im Vorfeld gemacht wurden und was in Zukunft zu verändern ist. Bei schwierigen Fällen kann sicher auch der versierte Sportpsychologe helfen.

HARRE 1979, S. 219 definiert Taktik als „ ....die Lehre von der Führung des sportlichen Kampfes“.

Da das Ziel des sportlichen Trainings im Leistungssport Erfolge im Wettkampf sind, sollte schon früh im Nachwuchstraining mit der Vermittlung taktischen Wissens begonnen werden. Erfahrung sammeln durch zunächst einfache Aufgabenstellungen in Wettkämpfen, abhängig vom eigenen Trainingszustand. Nach dem Wettkampf immer auch in einem ruhigen, sachlichen Gespräch auswerten, auch wenn es gut war. (Rennanalyse).

Für den Trainer sollte immer der Grundsatz gelten: der Sportler hat die Fehler nicht mit Absicht gemacht oder um ihn zu ärgern. Es scheint das es hier vielerorts „Nacharbeitungsbedarf“ gibt.

Noch besser ist, wenn die Sportler nach dem Rennen eine Rennanalyse für sich schriftlich fixieren, weil dadurch die Erfahrungen / Fehler genauer abgerufen werden und die Nachhaltigkeit für künftige Strategien größer ist.

In Abhängigkeit von der zunehmenden sportlichen Qualifikation sind auch die Anforderungen an die Lösung taktischer Aufgaben zu erhöhen.
Die Taktikausbildung wird zunächst von den beiden unterschiedlichen Möglichkeiten bestimmt, im Wettkampf erfolgreich zu sein, d.h. die Anderen bestimmen den Wettkampfverlauf – ich laufe mit und suche den Erfolg durch einen kurzen oder langen Spurt – oder ich bestimme selbst den Rennverlauf durch die Übernahme der Tempogestaltung von vorn. Dabei sollte man zwischen „langsam vornweg laufen“ und „tempomachen“ unterschieden

Für die Lehre von der erfolgreichen Führung des sportlichen Kampfes innerhalb des Nachwuchstrainings muss die Vermittlung möglichst vielseitiger taktischer Varianten des Bewegens innerhalb von Wettkämpfen gelten, dabei sollte jede taktische Handlung vom eigenen Vorteil bestimmt werden. Jedes Rennen läuft anders ab, aber viele Rennen ähneln sich. Geben sie ihrem Sportler deshalb nie nur eine taktische Order mit auf den Weg, er sollte immer auch eine, besser zwei Ausweichvarianten parat haben.

Reicht das eigene Können gegen die Gegner nicht hilft auch die beste Taktik nicht.

Taktikausbildung und Wettkampferfahrung

Die Taktikausbildung muss Bestandteil des Nachwuchsleistungstrainings sein. Sie umfasst:

  • Taktik-Kenntnisse (Wettkampfbestimmungen / Streckenverläufe beim Straßenlauf)
  • Taktik-Fertigkeiten (Im Training erarbeitete Bewegungsabläufe)
  • Taktik-Fähigkeiten (Umsetzung Theorie und Praxis im Wettkampf)
  • Wettkampferfahrung

Die Taktikausbildung beginnt mit der Kenntnis- und ersten Fertigkeits-vermittlungen bereits im Grundlagentraining, ist im Aufbautraining als eine vorrangige Ausbildungsaufgabe anzusehen, um im Hochleistungsalter in Feinform individuelle Topleistungen oder Siege zu ermöglichen. Eine wichtige Voraussetzung zu einem späteren optimalen Umgang mit den umfangreichen Taktikvarianten ist eine möglichst breite Wettkampferfahrung, die durch eine vielseitige Wettkampf-teilnahme im Jugend- und Juniorenalter zu erarbeiten ist. Da helfen auch gewollte Niederlagen.

Die praktische Umsetzung im Wettkampf ist vom aktuellen konditionellen Niveau, der Güte der technischen Bewegungsabläufe (Bewegungs-ökonomie / optimaler Einsatz der Kräfte), von der Kenntnis der taktischen Möglichkeiten und der Intelligenz des Sportlers abhängig. In den Laufdisziplinen müssen alle vor dem Wettkampf besprochenen Taktikvarianten unter den sich vielfach ändernden Rennsituationen mit möglichst großem Erfolg situationsgerecht ausgewählt und eingesetzt werden.
Diese Voraussetzung ist schwerpunktmäßig im Ausbildungsabschnitt Aufbautraining zu schaffen, sie beinhaltet also sowohl die theoretische Vermittlung von Wissen über die Taktik, als auch ihr praktisches Üben in der Gruppe.

Bei der Taktikausbildung sollten folgende Möglichkeiten gelehrt, aber auch durch bewusstes Handeln, zunächst im Training, später in Wettkämpfen, praktisch erprobt werden:

  • Grundvarianten der Rekord- oder Siegtaktik beherrschen
  • Erkennen von Wettkampfsituationen mit selbständiger Lösung
  • Lösung vorgegebener Positionsanweisungen (Innenbahn, vorderes Feld, keine Innenbahn einnehmen, 300 m vor dem Ziel an 3. Stelle)
  • Üben von Spurtvarianten (kurzer, langer Spurt, Tempowechsel)
  • Tempolauf von vorn mit vorgegebenen Geschwindigkeits-aufgaben, einschließlich möglichst zweier Ersatzvarianten bei anderem Verlauf
  • Verhalten bei unterschiedlichen Startbedingungen in unterschied-lichen Disziplinen (Startposition auf der Innen- oder Außenbahn, im getrennten Startfeld der Langstrecke)
  • Tempoläufe oder Rennen mit „Hasen“ (Tempogefühl erarbeiten)
  • Üben von Gegnerbeobachtung während der Rennen (Aufgaben stellen), in den Endphasen auch wissen wer hinter Dir läuft
  • Vorbereiten und Üben der Feldbeobachtung über die Videowand während des Wettkampfes
  • Laufen in und Befreiung aus einem Pulk (z.B. von der Innenbahn nach außen) ohne Kollision oder Sturz
  • Einnehmen der richtigen Ausgangsposition für verschieden lange Spurtsituationen (z.B. im 800 m Lauf: 120 m vor dem Ziel direkt auf die 2. oder 3. Bahn wechseln um freien Platz zum Spurt zu haben).
  • Setzen Sie nicht auf den Endspurt, wenn Sie kein starkes Finish haben (realistische Selbsteinschätzung)
  • Im Hindernislauf laufen im Pulk über die Hindernisse bzw. Wassergraben üben, letztes Hindernis geschwindigkeitsüberhöht bewusst angehen
  • Auf der Zielgeraden ohne sich umzuschauen, bis 3 m hinter der Ziellinie kämpfen

R e k o r d – und S i e g t a k t i k beherrschen

In der gegenwärtigen internationalen Rennpraxis kann man bei den großen Meetings beobachten, dass die Veranstalter durch hohe Leistungs- oder Rekordprämien und den Einsatz von „Hasen“ Stadion- oder Weltrekorde anstreben, weil sie glauben, damit die Attraktivität ihrer Veranstaltungen zu erhöhen. Schade ist, dass diese Wettkämpfe für die Mehrzahl der Starter nie ein optimales Ergebnis bringen, weil die vorgegebenen Geschwindigkeiten nicht ihrem Niveau entsprechen und so meistens innerhalb eines Wettkampfes zwei oder sogar drei voneinander unabhängige Rennen stattfinden. Diese auf „Rekorde oder auch persönliche Bestleistung“ ausgerichteten Rennen werden deshalb auch von der Rekord-Taktik bestimmt. Bei einem möglichst gleichmäßigen, durchschnittlich auf das Ziel ausgerichtetem Tempo, dass auch von den Tempomachern so lange wie möglich gestaltet wird – denen aber auch oft das notwendige Tempogefühl fehlt – ist das Ziel eine geplante Zeit. Dabei muss der Athlet in der Regel neben einem guten Tempogefühl (Rundenzeiten kontrollieren) über die Fähigkeit verfügen, das letzte Drittel des Rennens ohne Tempoverlust allein gegen die Uhr zu laufen.

Ganz anders sind die taktischen Zwänge bei Meisterschaften, nationalen Titel-kämpfen oder bei den Europa-, Continental-, Weltmeisterschaften (auch in der Halle) die im Prinzip zweimal pro Jahr oder alle 4 Jahre bei den Olympischen Spielen durchgeführt werden.
Hier geht es in der Regel nach mehreren „Runden“ (Vor- Zwischen-, Endläufe) um Medaillen oder den Sieg. Es zählt kein im Zwischenlauf erzielter Rekord, es kommt nicht auf die Zeit an, es ist Sieger, wer im Finale als Erster über den Zielstrich läuft.

Es entscheiden die komplexen Fähigkeiten des Läufers, einschließlich seines möglichst vielfältigen taktischen Repertoires. Spurtsieg im Vorlauf, Tempowechsel-fähigkeiten im Zwischenlauf oder Stehversuche zu Beginn und sehr schnelle 1000 m in der Endphase der Finals sind für den Zuschauer das Salz in der Suppe und führen den Besten / die Beste zum Sieg. Dabei ist nicht ungewöhnlich, dass in den Finals auch tempoorientiert von vorn gelaufen wird.

Nur große Persönlichkeiten, mit Vertrauen in die eigene Leistungsfähig-keit und außerordentlicher psychischer Stärke – ohne Angst – sowie einer großen Willensspannkraft in den Endphasen, haben Voraus-setzungen für Platzierungen unter den Besten, Medaillen oder Siege.

Für diese eigentlich wichtigsten Wettkämpfe müssen die fast unerschöpflichen taktischen Varianten in den Jahren erlernt und immer wieder am Gegner erprobt werden. Siege unter Ausschöpfung des ganzen Könnens, ein wenig Schlitzohrigkeit kann dabei nie schaden, sollten deshalb immer wieder das vorrangige Ziel eines jeden Läufers sein, die einen ganzen Lebensabschnitt dem Hochleistungstraining opfern.

Die physischen Fähigkeiten sind Voraussetzung für die Beherrschung der Sieg – Taktik

Noch ein Tipp: beobachte die wichtigsten Gegner immer wieder in unterschiedlichen Wettkämpfen, fertige möglichst Aufzeichnungen / Notizen über ihre Stärken und Schwächen an. Wenn es eines Tages darauf ankommt, bist Du vielleicht besser vorbereitet als sie. Sei aber auch darauf vorbereitet, dass sie Dich, auch durch ihr Team, in eine taktische Falle locken können.

Während für den Rekord oder die Bestleistung das möglichst gleichmäßig geführte Rennen bei dem geplanten hohen Durchschnittstempo ohne Geschwindigkeitsabfall in der Endphase entscheidend ist, sind sehr unterschiedliche Anforderungen für mit verschiedensten Strategien geführte Sieg-Rennen erforderlich. Die wichtigste Voraussetzung für Siege sind die genannten Varianten der Spurtfähigkeit in Abhängigkeit von der Wettkampfstreckenlänge. Wer aber in solchen Rennen nicht zu jeder Sekunde hellwach ist, auf die Gegnerattacke gedanklich nicht eingestellt ist, sich am Ende des Feldes für den kurzen Spurt schont, oder „das Loch“ vor ihm nicht rechtzeitig schließt, wird schnell überrumpelt und hat schneller verloren, als ihm lieb sein kann.
Auch auf die Taktik mit „Schüttelfrosteinlagen“, oftmaligen Rhythmuswechseln, vor allem wenn man gerade darüber nachdenkt, dass das Tempo so ruhig weitergehen könnte, vor allem auf den langen Strecken (3000 m Hindernis, 5000 m und 10000 m) hin und wider vorgeführt, muss der Topläufer vorbereitet sein. Diese Gewohnheit ist nicht zu erlernen, wenn sie im Training nie vorkommt.

Vorwettkampfdetails sind Teil der Wettkampfvorbereitung

Neben der taktischen- und Tempogefühlausbildung im Vorfeld großer Wettkämpfe sind die Informationen, das Wissen und Verhalten rund um den entsprechenden Wettkampf für den eigenen Erfolg von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Dabei stehen ein realistisches Leistungsziel und die Rennstrategie zur erfolgreichen Verwirklichung dieses Zieles an der Spitze. Der Trainer muss dem Athleten aber nur soviel Wissen vermitteln, wie er zur erfolgreichen „Gefechtsführung“ unbedingt wissen muss. Da der Trainer seinen Sportler aus dem „ff“ kennt, wird alles zurückgehalten, was auf ihn negativ wirkt. Der Athlet muss zum selbständigen Handeln befähigt werden.

Über die Startphasen sollte immer wieder geredet werden, weil sie unsichere Athleten schnell von ihrem Konzept abbringen. Deshalb nach bekannt werden der Start-Aufstellung noch mal kurz erinnern: Stehst Du auf der Innenbahn musst Du an die Spitze des Feldes und Dich danach an der gewünschten Position einordnen. Leichter ist es von der Außenbahn aus. Nie scharf nach innen „kurven“, auf der Geraden lässt sich gut von außen die geplante Laufposition finden, also besser erst einmal fast geradeaus laufen und erst relativ spät, nach einer gewissen Beruhigung der Startphase innen Kontakt suchen.

Außer bei verrückt hohen Startgeschwindigkeiten sollten Sportler maximal bis 200 m am Ende des Feldes zu laufen, auch wenn sie über hohe Spurtfähigkeiten verfügen. Nicht nur das sie von taktischen Varianten vorn überrascht werden können, die Mehrzahl der Zuschauer hat für solch ein „überhebliches“ Verhalten meist wenig Verständnis.

Im Verlaufe einer langjährigen Ausbildung zum erfolgreichen Läufer müssen folgende Hinweise verinnerlicht werden und sie in den jeweiligen Momenten auch abrufen zu können:

  • Rechtzeitige Anreise zum Wettkampf, wenn das Rennen vormittags startet besser am Vortag (Staugefahr „einplanen“ / Ortskenntnisse berücksichtigen)
  • Startzeit, wann und wie zum Stadion, evtl. Zeitplanverschiebung, wann (rechtzeitig), wo und welche letzte Mahlzeit einnehmen, Getränkeflasche dabei?
  • Wann, wo einlaufen (allein), Aufruf (Call-room) und Weg zum Start erkunden
  • Gegnersituation (Anzahl, wer, wie stark, letzte Ergebnisse, Tempomacher, geplantes Tempo erkunden, eigene Tempoplanung)
  • Taktikerwartung (eigene Taktik, Gegner-Taktik, Bahnverlosung)
  • Wettkampfkleidung, Spikes, Startnummer, alles dabei?
  • Klimatische Bedingungen - Hitze, Wind, Luftfeuchtigkeit
  • Zuschauer lassen keine Zurufe (Zwischenzeiten) zu, der Trainer hat keinen Zugang zum Einlaufplatz (z. B. bei Olympischen Spielen)
  • Informationen zu erwartenden Dopingkontrollen, nicht allein hingehen
  • Wettkampfnachbereitung (vor allem nach Vor- oder Halbfinals) Auslaufen wo, wie lange, Physiotherapie, Regenerationsgetränk, Abendessen
  • Vor dem Start sind Sie ruhig, sie halten sich warm, auch wenn sich der Start verzögert. Bei kühlem Wetter Jacke und lange Hose möglichst lange anbehalten, die Betriebstemperatur muss stimmen, wenn es endlich losgeht.
  • Die Konzentration richtet zuerst auf die Startphase, sie wissen genau was sie tun wollen und führen es auch so aus, bevor Sie so rasch wie möglich Ihren Laufrhythmus finden. Das gedrängelt wird und sie auch mal aus dem Tritt kommen regt sie nicht auf, es wird gleich ruhiger. Wichtig ist das Rennen schnell „unter Kontrolle“ zu haben.

Eine moderne komplexe Taktikausbildung muss den Athleten befähigen durch „Hasen“ gestaltete tempoorientierte Rennen mitzulaufen bzw. sie selbst aktiv zu gestalten (natürlich in seinem individuellen Leistungsbereich) sowie bei Qualifi-kationsserien (EM, WM, OS) und Einzelrennen die variablen Anforderungen einer spurtorientierten Taktik mit langen und kurzen Endspurts zu beherrschen.

Siehe auch LCA vom 19. Mai 2008 - Lothar Pöhlitz „Die letzte Stunde vor dem Wettkampf ist der Sportler allein“