Im Athletiktraining soll zugleich auch die Kondition entwickelt werden

Haferkamp Athletik29. September 2006 (Pöhlitz) - Ein hohes Niveau in der allgemeinen athletischen Ausbildung und individueller Kondition, wie es jeweils in den ersten Wochen der VP I und VP II erarbeitet werden muss, ist Voraussetzung für ein optimales spezielles Training und damit Basis für den Leistungsfortschritt. Athletiktraining im Bereich Lauf / Gehen ist zugleich Konditionstraining im umfassenden Sinne, fördert die Bewegungskoordination der Spezialsportart und sollte neben extensiven, auch ausreichende Reize zur Schnellkraftentwicklung beinhalten.

Während im Nachwuchsleistungstraining die Athletikausbildung ganzjährig, bei Schwer-punktphasen zu Beginn der VP I bzw.VP II und einem Auffrischungsabschnitt nach dem ersten Teil der Sommerwettkampfperiode erfolgt, sind im Hochleistungstraining Trainings-phasen zur Ausbildung/Auffrischung der allgemein-athletischen Voraussetzungen zu Beginn der VP I über ~ 6 Wochen, zu Beginn der VP II über ~ 4 Wochen und zu Beginn der UWV ~ über ~ 2 Wochen üblich. „Ausfallzeiten“ durch Verletzungen sind stärker als bisher nicht nur zu „speziellen Alternativen“ sondern zugleich für ein komplexes Athletiktraining – auch zur Schwachstellenbeseitigung und Auffrischung (soweit es die Verletzung zulässt)– zu nutzen.

Athletik-/Konditionstraining für Läufer und Geher über mehrere Wochen wird immer mit Lauf- bzw. Gehtraining kombiniert, um die speziellen Fähigkeiten in ihrem Niveau nicht so weit absinken zu lassen, ständig an der Technikstabilisierung oder auch einer frühen Fehlerkorrektur zu arbeiten und eine direkte Umsetzung der neu erworbenen Kraftfähigkeiten in den Vortrieb praktisch üben zu können. Für 800/1500 m LäuferInnen ist sogar darüber nachzudenken, ob eine TE/Woche zur Erhaltung der Laktatmobilisationsfähigkeit (TL in der Wettkampfzielgeschwindigkeit) sinnvoll einzufügen ist.

Wenn in solchen Ausbildungsabschnitten das Regenerationstraining mit anderen Sportarten (Rad, Schwimmen, Ski o.a.) durchgeführt wird, können die relativ wenigen Lauf – TE mit mittlerer Geschwindigkeit (Techniktraining z.B. auch auf der Bahn) absolviert werden. Sind entsprechende Möglichkeiten gegeben ( Halle, Bahn direkt neben Kraftraum ) haben sich dazu auch Läufe mit ansteigender Geschwindigkeit (STL) oder mit wechselnden Geschwin-digkeiten ( ins and outs ) unmittelbar nach einem Krafttraining bewährt.

Eine hohe Wirksamkeit des Athletiktrainings wird nur erreicht, wenn folgende Schwerpunkte beachtet werden :

  • Die Technik aller Trainingsübungen muss zuerst erlernt werden, eine stets korrekte Übungsausführung hilft dazu Verletzungen zu vermeiden und die Trainingseffektivität zu erhöhen.
    Ausdauer und Kraft sind Leistungszubringer. Die Fähigkeit durch eine gute technisch-koordinative Bewegungsstruktur schnell zu Laufen/Gehen das eigentliche Ziel am Ende der Ausbildungskette.
    Bei schweren oder schwierigen Übungen (z.B. mit der freien Hantel) sind immer die notwendigen Hilfestellungen durch den Trainer zu geben.
  • Athletiktraining in der Gruppe kann sehr gut durch Hausaufgaben (Fußgym- nastik, Beweglichkeitsprogramm, Dehnprogramm o.ä. zu Hause „auf dem Teppich“ o.ä.) ergänzt werden. Zur Kontrolle sind Tests zu Beginn und am Ende solcher Ausbildungsabschnitte sinnvoll.
  • Innerhalb eines Mesozyklus „Athletik“ sollten durch Variationen der Trai- ningsformen und Reizwechsel Verluste in der Motivation und Stagnation im Leistungsfortschritt durch Wechsel der Programme/Übungen vermieden werden. Die Schwierigkeit der Übungen, die Widerstände nehmen syste- matisch zu. Die Pausen bzw. –gestaltung ist entsprechend anzupassen.
  • Konditionsentwicklung durch Athletiktraining setzt wirksame Trainings- reize und eine systematische Belastungserhöhung innerhalb der jeweiligen Ausbildungs-Abschnitte voraus.

von Lothar Pöhlitz