Die Keino´s sorgen sich um die Läuferkonkurrenz Europas

Deutsche Trainer und Läufer zur „Fortbildung im Rift Valley“ willkommen

2012-04-02_kip-keino-interviewVon Christophe Chayriguet im Auftrag der Leichtathletik-Coaching-Academy

Regensburg, 02. April 2012 (Von Christophe Chayriguet) -Kipchoge Keino – kenyanischer Nandi - einer der erfolgreichsten Mittel- und Langstreckler der Geschichte – zweifacher Olympiasieger und gleichzeitig Silbermedaillengewinner bei den Olympics 1968 in Mexico und 1972 in München (persönliche Bestleistungen : 3:34,91 – 13:24,2 – 8:23,64 – 28:06,64) kommt das Verdienst zu mit seinen frühen Erfolgen einer der großen Vorbilder und Botschafter nicht nur für Kenyas Jugend sondern auch für die Läufer der Welt zu sein. Er demonstrierte die Wirksamkeit des Trainings im Rift Valley, in Höhen zwischen 2000 – 3000 m und gab zugleich seinen Landsleuten Hoffnung und Optimismus. Nach seiner Karriere half er als Nationaltrainer Wissen zu verbreiten und seit 1999 als Leichtathletik- Präsident, im IOC und Chef des NOK Kenias einem langfristigen Entwicklungsprozeß Führung zu geben. In unserem Interview mit ihm und seinen Sohn Ian Keino sagen sie was sie heute tun und das sie sich um die Zukunft des Mittel- und Langstreckenlaufs in Europa sorgen, weil sich die Zuschauer und Veranstalter demnächst abwenden könnten, wenn immer öfter bei den großen Stadion-Events die ersten 10 Plätze oder mehr von Afrikanern belegt werden.

Mr. Keino, wie geht es Ihnen heute und wie ist Ihre Beziehung zu Deutschland, seit Ihrem Olympiasieg 1972 in München?

Mir geht es sehr gut! Meine Arbeit als IOC Mitglied und Chef des kenyanische NOK spannen mich voll ein. Darüber hinaus habe ich meine Farmen, sowie meine beiden Schulen die ich im Auge behalten muss. Zu Deutschland habe ich noch immer  ein sehr gutes Verhältnis, Thomas Bach ist ein sehr guter Freund von mir. Einen meiner Söhne Ian habe ich zur Ausbildung nach Deutschland geschickt. Er ist insgesamt 7 Jahre dort geblieben, dass zeigt wie es ihm gefallen hat. An meiner High School wird selbstverständlich Deutsch unterrichtet. Zurzeit arbeite ich an einer Solarfarm mit einem Deutschen Unternehmen.

Wie bewerten sie die sportliche Situation Kenyas?

Im Laufbereich war die letzte WM sehr erfolgreich für uns. Den Doppelsieg von Vivian Cheruiot würde ich hervorheben. Das Abschneiden unserer Männer über die 5000 m und 10000 m war allerdings nicht zufriedenstellend. Für die Langstreckler lockt immer das Geld von Straßenläufen. Wenn wir in London auf diesen Strecken um Gold mitlaufen möchten, ist eine stärkere Fokussierung auf die Spiele notwendig.

Was ist mit den anderen Disziplinen, Leichtathletik besteht nicht nur aus Laufen?

Unsere 4x400 m war 1972 Olympiasieger, was zeigt das wir nicht nur auf längeren Strecken Siegen könnten. In Kenya besteht aber ein großer Fokus auf die Ausdauerdisziplinen, uns mangelt es an der Tradition, Trainern und Sportanlagen für die technischen Disziplinen. Unsere 4x400 m ist in Daegu ein paar Plätze vor der deutschen Staffel ins Ziel gekommen und der aktuelle afrikanische Meister im Speerwurf kommt aus Kenya, mit einer Weite von über 78 m.

Das hört sich ja so an als könnten wir gegenseitig von einander profitieren! Deutschland hilft Ihren Athleten und Trainern im technischen Bereich und Kenyaner greifen uns im Ausdauerbereich unter die Arme?

Für einige unserer Athleten und Trainer aus dem technischen Bereich wäre das großartig! Und unsere Lauftrainer sind jeder Zeit offen ihr Wissen zu teilen. Dies setzt die Bereitschaft seitens europäischer Trainer voraus zu kommen und dazu lernen zu wollen. Europäische Trainer in Kenya sind in der Vergangenheit erstaunlicherweise nicht immer an einem Erfahrungsaustausch interessiert gewesen.
Ich habe aber das Gefühl dass sich da gerade etwas verändert.

Wie bewerten Sie die aktuelle weltweite Dominanz der Ost-Afrikaner im Laufbereich?

Global betrachtet ist diese Entwicklung natürlich gut für unser Land, nicht gut aber für den Sport. Der bereits zu spürende starke Rückgang am medialen Interesse ist u.a. darauf zurück zuführen, daß es an konkurrenzfähigen Stars aus den großen Industrienationen mangelt. Spannende Wettbewerbe mit Stars aus europäischen Ländern die um den Sieg mitrennen sind aber von großer Wichtigkeit um das mediale Interesse in Zukunft wieder zu beleben.

Was würden Sie den europäischen Läufern empfehlen?

Kenyaner kochen auch nur mit Wasser, sie trainieren. Sebastian Coe und Dieter Baumann würden heute noch mit der Weltspitze mithalten, dass zeigt, dass es möglich wäre. Im IAAF Trainingszentrum auf meiner Farm in Eldoret arbeitet mit Jimmy „Simba“ Beauttah einer der besten Mittel- und Langstrecken - Trainer der Welt. Sie haben ihn ja bereits gut kennengelernt. Er ist seit 2004 Cheftrainer im IAAF Camp  und mit der Ausbildung auch von Nachwuchssportlern beschäftigt. Einer der auffälligen Erfolge der jüngsten Vergangenheit, war der Olympiasieg von Asbel Kiprop 2008, der im Herbst 2006 mit einer Bestleistung von 3:42 zu uns kam.
Mein Sohn Ian Keino, der das Center leitet und ich heißen deutsche Trainer und Läufer die Interesse haben anstatt nur an „Kenyan Altitude“ Training auch an „Kenyan Attitude“ Training bei uns im Camp teilzunehmen herzlich willkommen. Zu viele Sportler kommen wegen der Höhe nach Kenya und übersehen die außerdem notwendigen kleinen Details. Interessenten können sich gerne auf unserer Website hierzu weiter informieren.

Danke für das Gespräch und das Angebot, da kann man gespannt sein ob sich mehr Trainer und Athleten für eine solche Kenya - Fortbildung interessieren und dieses „Attitude – Angebot“ nutzen werden. Die letzten Wochen haben vor Ort ja bereits spürbare Veränderungen gezeigt.


Foto: Privat