Die TRAININGSLEHRE gilt auch für das Nachwuchstraining von Talenten

2012-01-26-Trainingslehre_auch_fuer_Nachwuchs(Von Lothar Pöhlitz) - Wenn man Trainingslehre als zusammenfassende Erfahrungen und Erkenntnisse der Trainingspraxis, Sportmedizin, Sportwissenschaft, Sportpsychologie und Bewegungslehre mit dem Ziel immer besserer Wettkampfergebnisse verbindet, sollten Trainer von Talenten im Leistungssport die moderne Trainingslehre im umfassenden Sinne anwendungsbereit beherrschen. Wir wollen anregen die eine oder andere kleine Schwachstelle zu entdecken, aufzuarbeiten, um auch in Zukunft bei der Trainingsarbeit mit ihren jungen Talenten immer ein reines Gewissen zu haben.

Wenn Du willst kannst Du Dich verbessern, immer !

Talente erkennt man im Trainingsprozess, weil sie sich bei gleicher Belastung innerhalb einer Gruppe schneller entwickeln. Dies ist aber mit der Problematik verbunden, dass ihre kontinuierliche, schnellere Entwicklung nur dann gewährleistet wird, wenn sie auf der Grundlage ihres schnellerer Leistungsfortschritts ständig mit für sie auch reizwirksamen Belastungen konfrontiert werden. Auch für deutsche Talente gelten die Prinzipien der TRAININGLEHRE im umfassenden Sinne wenn ihre Anlagen eines Tages in außergewöhnlichen Leistungen sichtbar werden sollen. Da wurden nicht wenige Trainer in den letzten Jahren offensichtlich „rechts überholt“.

Ziele des Lauftrainings

  • Verbesserung des Blut- und Sauerstofftransports
  • Ökonomisierung der Sauerstoffnutzung
  • Annäherung der aeroben Schwelle an die Wettkampfgeschwindigkeit
  • Steigerung der aeroben Kapazität (V02max)
  • Systematische Erhöhung der Geschwindigkeiten in allen Bereichen
  • Verbesserung der Laufökonomie mit dem Ziel den Energieverbrauch zu senken

2012-01-26-Trainingslehre_auch_fuer_NachwuchsTalenten müssen schon möglichst früh alle erforderlichen Trainingsformen gelehrt, und von der Grob- bis zur Feinform vielfach geübt werden. Am besten wäre es, wenn sie Schüler oder Schülerinnen finden, die sich im Kindesalter viel und vielseitig bewegt haben und geistig mobil sind. Die Erlernung der Techniken der meisten Trainingsübungen ist schon im Schüleralter geboten, spätestens in der ersten Etappe des Aufbautrainings aber aller Trainingsübungen und einer möglichst guten Lauftechnik. Grundlagentraining bereitet, umfassend vielseitig, aber auch anspruchsvoll gestaltet, auf das Jugend-Aufbautraining und das Anschlusstraining vor. Beweglichkeit, Flexibilität, Gewandtheit, Koordination, Gleichgewichtsfähigkeit, Schnelligkeit, Kraft und Ausdauer werden altersgemäß geschult, entwickeln sich aber nur wenn die Gesetze der Anpassung nicht negiert werden. Wenn junge Werfer schon möglichst früh versuchen ihre Geräte möglichst weit zu werfen, Kurz- oder Langsprinter an ihrer Bestleistung über Strecken von 60 – 300 m gemessen und danach in die Kader berufen werden, wenn Springer trainieren um schon früh möglichst weit oder hoch zu springen, ist es unverständlich wenn jungen Läufern im RTP – ABT - Lauf (1992) auf S. 55 „ fett“ empfohlen wird: „Die vorherrschenden Belastungsmethoden im Nachwuchsbereich sind die extensive Intervallmethode und die Dauerleistungsmethode“ bzw. auf S. 66 : „ Das Training der wettkampfspezifischen Ausdauer mit seiner spezifischen Reizwirkung muß als wesentliche Reserve für das Hochleistungstraining zurückgehalten werden“. Die Praxis des Nachwuchs- als auch des Hochleistungstrainings und die Wettkämpfe haben diese Thesen in den zurückliegenden 13 Jahren nicht bestätigt! Wer vor allem langsam trainiert, wird die vor allem anaeroben Anforderungen des Mittelstreckenlaufs nicht erfüllen können, wer für die Langstrecken den systematischen Trainingsumfangsaufbau nicht verfolgt, bereitet sich nicht auf das Hochleistungstraining vor!

Ausbildungsaufgaben / Schwerpunkte der LAUF - TRAININGS LEHRE:

Ausbildung in der Lauftechnik und den Techniken aller Trainingsübungen

  • Leichtlauftechnik, Spiel mit der Geschwindigkeit und dem Gelände
  • Mittelfuß – und Vorfußtechnik
  • Starttechniken für die verschiedenen Lauf-Wettkampfstrecken
  • Laufökonomie
  • Technik des Hürden- / bzw. Hindernislaufs
  • Techniken und Training mit anderen Sportarten
  • Erarbeiten des Tempogefühls für geplante Wettkampfstrecken

Ausbildung der physischen Fähigkeiten

  • durch heranführen an ein altersgemäßes Ausdauer – Qualitätstraining
  • in der Basisausdauer (DL, FS, extensive TL, Long Jog, Geländelauf)
  • in der speziellen Ausdauer (vorwiegend kurze, mittlere TL, Spurttraining)
  • in der Schnelligkeitsausdauer, Unterdistanztraining
  • in den allgemeinen und speziellen Kraftfähigkeiten (Füße, Beinkraft, Zentrum, Oberkörper- / Armkraft)
  • in der Koordination, Beweglichkeit, Gewandtheit, Gleichgewichtsfähigkeit
  • im Partnertraining
  • Sammlung von Bewegungs- und Wettkampferfahrungen
  • Taktikausbildung – Sieg – bzw. Rekordtaktik
  • Ausbildung kurzer und langer Spurts

Nicht nur theoretisieren – vor allem üben, „learning by doing“, Fehler im Wettkampf hinterlassen die beste Lernwirkung, wenn sie sachlich aufgearbeitet werden. Tempogefühl erarbeiten ist eine der Grundtugenden des Läufers, weil es, nicht zu langsam aber auch nicht zu schnell, über das Wettkampfergebnis entscheidet. In Aufbauwettkämpfen ist das geübte am besten zu überprüfen. Und noch eine Erfahrung sollte vermittelt werden: 5000m / 10.000m auf der Bahn oder 5 km / 10 km auf der Straße sind für nicht wenige zwei Welten. Und trotzdem sieht man selten, dass sich vor allem junge Langstreckler durch flotte Dauerläufe, durch Runden auf der Bahn zwischen 6 – 15 km, die 12 ½ oder 25 Runden im Wettkampf „geistig und moralisch vorbereiten“. Die Runden nahe der Leistungsgrenze auf der Bahn erfordern spezielle Willensanforderungen – wer nicht übt kann nichts dazulernen.

Ausbildung der psychischen Fähigkeiten

Willenskraft (Willensspann- / Willenstoßkraft) schulen bedeutet die Sportler mit entsprechenden praktischen Anforderungen zu konfrontieren und sie gleichzeitig auf die Wettkämpfe vorzubereiten. Willenskraft und mentale Stärke entscheiden über mehr Siege oder mehr Niederlagen. Solche Fähigkeiten sind sowohl ererbt, als auch trainierbar. Teil der „Erziehung zum Wettkämpfer“ muss sein immer wieder Bewährungssituationen zu schaffen, im Training (durch Tests und Kontrollläufe), aber vor allem in Wettkämpfen. Das beinhaltet nicht nur immer nur neue Aufgaben zu stellen, mit schwierigen Situationen fertig werden zu müssen, sondern die Aufgaben auch „abzurechnen“. Den Umgang mit Siegen, vor allem aber mit Niederlagen zu vermitteln, die Sportler aber vor allem auf Niederlagen vorzube-reiten. Die Erziehungsarbeit des Trainers vom Talent bis zur erfolgreichen Sportlerpersön-lichkeit widerspiegelt sich im Auftreten seines Sportlers bei wichtigen Rennen.

Belastungsanforderungen im Jugend-Aufbautraining Lauf (Beispielprogramme 2.Etappe JABT)

 

Schnelligkeit (S) 20-30-40-60-40-30-20 m
3 x (20 – 30 – 40 m) + 2 x 60 m
   
Schnelligkeitsausdauer (SA) 3 x 60 m + 3 x 100 m + 3 x 150 m Gp
3 – 4 x 200 m TW (30-30-40-50-50 m) Gp
2 x (3 - 4 x 200 m) 400 m RT*, Tp: 400 m / 2 - 4´
250 – 200 – 150 – 100 – 2 x 60 m / Lange Gp
   
800 m RT* 6 x 300 m Tp: 200 m (90”)
   
1500 m RT* 5 x 600 m Tp: 100-200 m (60 - 90”)
   
3000 m RT* 2-3 x 1200 m Tp : 300-400 m (90“ – 2´)
   
5000 m RT* 3-4 x 1600 m Tp : 400-200 m (60-90”)
+ 3 x 200 m oder 6 x 100 m
   
BAL - 10 % 8 – 12 x 40 – 70 m steil- schnell / Gp
8 - 12 x 80 – 120 m zügig-schnell / Gp
8 - 15 x 150 – 200 m „mittel“ / Tp - kurz
   
Schwellentraining
vL 3
Teststrecken: 4 - 5 x 2000 m
10 / 15 km
3 – 4 x (5 oder 7 oder 9´) / Tp: 2 – 3´
1 x 15 bis 20´ DL
30 - 45´ >93% v. vL3 (systematisch verlängern)


* Renntempo

Foto 1: Gustav E. Schröder, Foto 2: Privat