Anschlusstraining ist wie der Schritt vom Abitur zur Eliteuniversität (Teil 2)

Nur Talente die es wirklich wollen können es schaffen

 2009-12-17-anschlusstraining-vom-abi-zur-eliteuni-217. Dezember 2009 (© Lothar Pöhlitz) - Es ist davon auszugehen, dass beim Übergang zum Anschlusstraining die Grenzen der Trainierbarkeit und individuellen Leistungsfähigkeit in allen Fähigkeiten und Fertigkeiten noch nicht erreicht sind. Auf dem Weg nach oben besteht deshalb die erste, vorrangige Aufgabe in einer angemessenen Trainingsumfangserhöhung in möglichst allen Trainingsbereichen. Trotzdem bleibt die Forderung nach der Einheit von Quantität und Qualität aller Belastungsfaktoren als Voraussetzung für einen hohen Wirkungsgrad handlungsbestimmend. Der Übergang vom Nachwuchs- zum Spitzenbereich scheitert oft, weil die notwendige Basis, die Ausgangsleistungen zur Ausprägung von Spitzenleistungen vor allem durch zu wenig Training in der Jugend nicht ausreichend ausgebildet wurde (Tabelle Vgl. U 20 – Welt- und deutsche Rekorde).

Vergleich der Juniorenweltrekorde (U 20) mit den deutschen Juniorenrekorden
und den Jahresbestleistungen 2008 im Laufen und Gehen (Stand 2008)

 Junioren-
Weltrekord
Deutscher
Juniorenrekord
Deutsche Jahres-
bestleistungen
Junioren
       
800 m 1:42,69 1:45,45 1:45,98
1000 m 2:15,00 2:18,31 2:22,62
1500 m 3:30,24 3:39,05 3:46,79
3000 m 7:28,78 7:52,46 8:09,36
5000 m 12:52,61 13:42,2 14:16,18
10000 m 26:41,75 29:02,43 30:08,54
       
2000 m Hi 5:25,01 5:28,14 5:52,75
3000 m Hi 7:58,66 8:29,50 9:09,31
       
10000 m G 38:46,4 38:54,75 42:54 (Straße)
20 km G 1:18:06 1:21:40 1:44:25
       
Halbmarathon 59:16 1:06:07 1:02:12
Marathon 2:10:13 2:19:38 -
       
Juniorinnen
       
800 m 1:54:01 1:57,45 2:05,41
1000 m 2:35,4 2:35,4 -
1500 m 3:51,34 4:04,42 4:19,75
3000 m 8:28,83 8:57,59 9:34,7
5000 m 14:30,88 16:12,2 16:51,55
10000 m 30:26,50 32:44,52 -
       
2000 m Hi 6:21,78 6:31,01 6:42,61
3000 m Hi 9:24,51 9:59,33 10:05,16
       
10000 m G 43:11,34 46:49,97 48:47 (Straße)
20 km G 1:27:16 1:38:11 1:41:04
       
Halbmarathon 1:08:41 1:19:05 1:20:12
Marathon 2:23:37 2:38:51 -

 

Nur wer es wirklich will kann es schaffen – yes we can, but we have to do it !

Alle am Leistungsprozess Beteiligten müssen sich schnellstmöglich damit auseinandersetzen, dass die deutschen Jugendläufer und Geher seit Jahren stagnieren und derzeit ihr Abstand von der Weltspitze in der Altersklasse U 20 keinen optimistischen Blick in die internationale Zukunft ermöglicht. Durch neue Organisationsformen in der Talentsuche und Talentausbildung muss früher ein leistungsorientiertes Training realisiert und durch eine veränderte Wettkampfgestaltung bessere Möglichkeiten zur Ausprägung von Spitzenleistungen geschaffen werden. Dafür sind den Sportlern und ihren Trainern die erforderlichen Bedingungen zur Verfügung zu stellen.

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Auch im Anschlusstraining muss die Trainingsbelastung so strukturiert und dosiert sein, dass sie die zu stimulierenden Systeme reizwirksam, d.h. „grenzwertig“ trifft, optimal beansprucht (streckenabhängig) und auch entsprechend den Wettkampfanforderungen physiologisch fordert (Laktat). - Ziel ist die immer längere Aufrechterhaltung der Leistungszielgeschwindigkeit auf einer bestimmten Lauf- bzw. Gehstrecke. In diesem Rahmen spielt eine Niveauerhöhung in den Intensitäten eine bedeutende Rolle. Am besten innerhalb eines geschwindigkeitsgeführten Ausdauertrainings auf der Grundlage festzulegender individueller Geschwindigkeitsbereiche. - Vor allem in den beiden ersten Jahren des AST ist innerhalb einer echten Belastungserhöhung eine effektive Verbindung zwischen einem verstärkt allgemein-zielgerichteten Training (Athletik - zeitweilig 30-50 % der Gesamtbelastung) und dem speziellen Lauftraining zu finden. Athletikausbildung bedeutet zugleich eine komplexe zielgerichtete Ausrichtung auf die Schwerpunkte: - Ausdauer - Schnelligkeit + Schnellkraft - Beweglichkeit + Gewandtheit + Koordination - Vielseitig-zielgerichtete Kraftgrundlagen - Technikausbildung - # Belastungsverträglichkeit, Voraussetzungsmuskulatur - Dabei ist das anteilige spezifische Lauftraining im Endeffekt für die Endleistung entscheidend.

Ziel ist nicht der „Weltmeister in der Athletik“ sondern ein hohes komplexes konditionelles Grundniveau, eine von Jahr zu Jahr verbesserte individuelle Belastbarkeit, als Voraussetzung für das notwendige disziplinspezifische Training.

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Der Weg einer weiteren Spezialisierung führt gegenüber dem Jugend-Aufbautraining bei weiter steigenden Belastungsumfängen, nur über eine deutliche Erhöhung der spezifischen Anteile des Trainings, über eine systematische Steigerung der Geschwindigkeiten in allen Lauf- /bzw. Geh-Trainingsbereichen. Dazu sind für die Entwicklung bestimmter Leistungsfaktoren (z.B. der aeroben- oder der Unterdistanzleistungsfähigkeit) selbstverständlich inhaltliche Akzentuierungen in längeren Trainingsabschnitten erforderlich.

Im Anschlusstraining werden die Wettkämpfe noch wichtiger

Mit dem Ziel der erfolgreichen Teilnahme an internationalen Meisterschaften im Juniorenbereich wird die Wettkampfplanung schrittweise der Wettkampfgestaltung im Hochleistungsbereich angenähert. Das heißt, dass jährlich 1-3 Wettkampfhöhepunkte (z.B. in der Halle + Sommerhöhepunkt oder Cross-EM + Cross-WM + Sommerhöhepunkt) vorbereitet werden, in dessen Ergebnis die individuell höchste Leistungsfähigkeit (persönliche Bestleistung) abgerufen werden kann. Damit wird nicht nur die Wirksamkeit des absolvierten Trainings überprüft, der Leistungsfortschritt dokumentiert, sondern auch die notwendige Wettkampferfahrung für den Umgang mit der Rekord- oder Siegtaktik bzw. auch mit mehrtägigen Wettkampfhöhepunkten (VL, ZL, Finale) gesammelt. Wettkampferfahrung können aber die Sportler nur sammeln, wenn sie mehr als bisher an für sie qualitativ anspruchsvollen Rennen teilnehmen.

Wer sich auf das Hochleistungstraining vorbereitet kann natürlich nicht alle vom DLV irgendwann im Jahr angebotenen Deutschen Meisterschaften als für ihn „Pflichtwettkämpfe“ ansehen und teilnehmen müssen. In längerfristigen Trainingsphasen muss möglichst ungestört der Belastungs- und Leistungsfortschritt mehrmals im Jahr Ziel sein. Wichtig ist mehr als bisher Wettkampferfahrung, auch in internationalen Rennen gegen gleichwertige oder bessere Gegner zu sammeln.

Besonders in dieser Phase der Persönlichkeitsentwicklung kommt es darauf an gegen die unmittelbare Konkurrenz auch verlieren zu lernen, um daraus die notwendigen Schlussfolgerungen für den nächsten Trainingsabschnitt zu ziehen. Erfolge bei JEM oder JWM dürfen auf keinem Fall zu übereilten, noch nicht vorbereiteten Belastungssprüngen, zu Träumen im Zusammenhang mit den Leistungserwartungen führen. Wenn dem Sportler nicht die notwendigen Stabilisierungsphasen eingeräumt werden nimmt der Körper sie sich erfahrungsgemäß durch Verletzungs- oder Krankheitsausfallzeiten. Aber Vorsicht, Rückschritt im Training bedeutet immer auch Rückschritte in den Ergebnissen und einem damit verbundenen „Schwächeln“ in der erarbeiteten mentalen Stärke.

Es müssen im Übergang zum Hochleistungstraining auch die notwendigen Erfahrungen mit Zwischenwettkampf-Trainingsphasen oder auch mit dem Höhentraining gesammelt werden. Nur was erprobt und erlebt ist wird später sicher abgerufen werden können, wenn es darauf ankommt.

Eine leider zu oft beobachtete Unart, Sportler schlecht vorbereitet in solche wichtigen Wettkämpfe zu schicken, wie es z.B. Deutsche Hallen- oder Crossmeisterschaften sein sollen und ihnen im Misserfolgserlebnis auch noch den schwarzen Peter zuzuschieben, wird die erforderliche Motivation für den nächsten Trainingsabschnitt bestimmt nicht positiv beeinflussen. Meisterschaften sind keine Aufbauwettkämpfe, auch wenn man sich bemüht sie dem Sportler als solche „zu verkaufen“. Meisterschaften sollten immer besondere Bewährungssituationen sein und das beste Ergebnis ermöglichen.

Eine besondere Bedeutung haben im Anschlusstraining die Wettkämpfe sozusagen „aus dem Training heraus“. Dafür gibt es reichliche Möglichkeiten. Es sind Aufbauwettkämpfe weil sie helfen den Leistungsfortschritt in der jeweiligen Trainingsphase aufzubauen bzw. zu unterstützen. Die wichtigste Aufgabe haben diese Wettkämpfe als grenzwertige, trainingsunterstützende Belastungen, wettkampfspezifische Trainingseinheiten, die z.B. bei fehlenden Partnern so im Heimtraining nicht zu leisten sind. Deshalb sind solche Wettkämpfe sehr wichtig, sollten aber nicht mit Aufgaben (Sieg, Platzierung, Leistungsziel o. ä.) verbunden werden, die im Moment nicht leistbar sind. Die wichtigste Aufgabe ist, unter den Bedingungen der Wettkampfatmosphäre besser zu trainieren, als allein zu Hause.

Es geht vorrangig um Fortschritte in der aktuell individuellen Leistungsfähigkeit. Deshalb sollte in der Phase des Anschlusstrainings der wichtigste Gegner die Uhr sein, der Leistungsfortschritt an der Verbesserung der persönlichen Bestleistung nach einem offensiv geführten Temporennen gemessen werden. Siege lassen sich später leichter erringen, wenn die Grundleistungsfähigkeit hoch ist.

Dafür reicht manchmal auch schon eine Geschwindigkeit z.B. bei 90-95 % vom Leistungsziel. Unter diesem Gesichtspunkt sind auch eine Wettkampfverdichtung (mehrere Wettkämpfe in einem bestimmten Zeitraum) und damit zu verbindende bestimmte regenerationsunterstützende Maßnahmen zu erproben.

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Die Fähigkeit nicht nur der afrikanischen Läufer bei unterschiedlichen Höhepunkten (Cross, Halle, Straße, Bahn) fast ganzjährig individuell sehr gute Leistungen abzurufen lässt die Schlussfolgerung zu, dass sie sich nie zu weit von der Wettkampfgeschwindigkeit im Training entfernen. Wer aber Leistungsdefizite bzw. Rückstände aufarbeiten muss, sollte verlängerte Trainingsphasen favorisieren.

Eine besondere Schwachstelle ist immer wieder in der mangelnden Organisation der Wettkampfleistung zu erkennen. Nicht nur für die Spitze, auch für die zweite und dritte Reihe ist in den Wettkampfperioden keine ausreichend planmäßig organisierte Wettkampftätigkeit, mangels angebotener, der Leistungsfähigkeit der Kader entsprechender Startmöglichkeiten, zu erkennen.

Leistungsentwicklung von JEM-Medaillengewinnern im Schwimmen (Küchler, 2006)

Nach Ernst (IAT Leipzig 2006) haben sich im leichtathletischen Lauf die Juniorenwettkämpfe als Sprungbrett für eine erfolgreiche leistungssportliche Karriere herausgebildet. Das trifft für ca. 90 % der internationalen Spitzenläufer zu. 75 % der Medaillengewinner bei den Weltmeisterschaften 2005 in Helsinki zeigten schon Spitzenleistungen im Juniorenbereich.

„Im Gegensatz zu führenden Sportländern gelang es bisher nicht, ein Wettkampfsystem zu entwickeln, durch das die Programmatik des Nachwuchs- Leistungs-Konzepts befördert und öffentlichkeitswirksam dargestellt wird“ (ROST / PFÜTZNER – IAT Leipzig 2006)

Eine besondere Problematik ist immer mit dem Cross verbunden, weil Cross in seiner Qualität, in seiner Geschwindigkeit auf Grund der Geländebedingungen nicht messbar ist und ein Sieg oder eine gute Platzierung „unter Gleichen“ leicht zur Überschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit führt. Deshalb wird Langstrecklern oder Hindernisläufern empfohlen, im Winterhalbjahr neben dem Cross immer auch Straßenläufe auf abgemessenen Strecken zu absolvieren oder regelmäßig Kontrollläufe z.B. über 15 km ins Training zu integrieren, die einem Leistungsdiagnostikergebnis (vL 3) immer sehr nahe kommen. Auf dieser Grundlage wird die sonst nur „aktuell - gefühlte“ Trainingssteuerung präziser.

Der Übergang zum Hochleistungstraining erfolgt schrittweise und systematisch, aber nur dann, wenn die notwendigen Voraussetzungen dafür auch vorhanden sind. Das bedeutet zugleich, dass zuerst „nachgearbeitet werden muss“ wenn z.B. die erforderliche Belastbarkeit für die nächste Stufe der Belastungssteigerung noch nicht erreicht ist. Dies erfordert in der Tat ein ehrliches Bekenntnis vom Trainer, aber auch zum Athleten. Vor solchen Aufgaben stehen besonders Trainer bei „Neuzugängen“ oder Quereinsteigern. Arbeiten Sie in solchen Fällen immer zuerst die Schwachstellen auf.

Wenn man nicht einmal durch ein Tal geht, verliert man den Blick nach oben - ohne Leidenschaft geht es nicht. Ich wäre nie Weltmeisterin geworden, wenn ich nicht unbedingt Erste hätte sein wollen. (Franziska van Almsick 2009)

Folgende Schwerpunkte sind im Anschlusstraining zu realisieren:

  • eine nun erforderliche deutliche Steigerung der Belastung setzt zuerst eine veränderte Organisation der Wochengestaltung voraus, die das „mehr“ im Training auch möglich macht. In diese Trainingszeitplanung sind die Zeiten für die notwendige zielgerichtete Regeneration einzubeziehen. Spätestens an dieser Schwelle muss über eine professionelle Einstellung ein professionelles Training möglich werden. Training ist aber erst dann professionell, wenn ein begleitendes Team bei der Steuerung des Trainings und der Leistungsentwicklung, möglichst ohne fehlerhafte Umwege, den Trainer unterstützt.

  • Wichtig ist, dass im Anschlusstraining mit der Belastungserhöhung der angestrebte Leistungsfortschritt verbunden wird. Dies ist aber nur möglich, wenn die mit der Zielzeit notwendig zu verbindende Belastung (in Umfang und Intensität) auch realisiert wird. Organisieren Sie deshalb so oft es geht Phasen mit Gipfelbelastungen (nicht nur in Trainingslagern) und sichern Sie die belastungsabhängige zyklische Gestaltung.

  • An der Spitze der Aufgaben steht als wichtigster erster Schritt die Erhöhung des Trainingsumfanges in einer geschwindigkeitsgeführten Belastungsgestaltung. Innerhalb eines Mehrjahreskonzepts sollten die Steigerungsraten so geplant werden, dass in etwa 3 - 5 Jahren der die Trainingsumfänge der Weltbesten erreicht sind. Dies ist besonders für Langstreckler eine außerordentliche Aufgabe, aber erfahrungsgemäß der Zeitraum den sehr gute Jugendliche in Europa zum Anschluss ans Weltniveau brauchen.

  • Die Erfüllung immer anspruchsvollerer Leistungsziele erfordert aber zugleich eine deutliche Verbesserung der Qualität des Trainings. Das bedeutet, dass zur Erreichung von Teilzielen z.B. in der Grundlagenausdauerentwicklung oder im speziellen Krafttraining in den entsprechenden Schwerpunktabschnitten Trainingsreize erforderlich sind, die einen solchen Fortschritt auch auslösen.

  • Spitzenleisten erfordern ein komplexes Training, in dem innerhalb eines geschwindigkeitsgeführten Belastungsaufbaues alle im Wettkampf benötigten Fähigkeiten im Verlaufe des Jahres schwerpunktmäßig nacheinander ausgebildet und zum Höhepunkt hin zusammengeführt werden müssen. Mehr als bisher ist dies mehrmals wöchentlich auch über komplexe Trainingseinheiten über 2 - 3 Stunden Dauer anzusteuern, innerhalb denen nacheinander, trainingsmethodisch sinnvoll, auch mehrere Aufgaben gelöst werden.

  • Der Unterdistanzentwicklung ist die gleiche große Aufmerksamkeit zu widmen, wie der Verfolgung des Leistungsziels auf der Spezialstrecke. Diese Aufgabe setzt u.a. die individuelle Verstärkung des Vortriebs durch eine anteilige Erhöhung des spezifischen Krafttrainings und eine die Laufökonomie verbessernde weitere Lauftechnikpräzisierung voraus.

  • Im Anschlusstraining sollte eine Doppelperiodisierung + UWV zur speziellen Höhepunktvorbereitung Prinzip sein, weil dadurch in 2 - 3 „abgeschlossenen Makrozyklen“ eine Leistungsausprägung Bestandteil des Systems ist und mehrmals jährlich alle im Wettkampf benötigten Funktionssysteme auf immer höherer Anforderungsstufe gefordert werden. Dies ist für Langstreckler z.B. durch eine Cross-/ Straßenlaufperiode und für die Mittelzeitausdauerdisziplinen in einer Hallensaison gut möglich. Eine gute Wettkampfvorbereitung schließt immer auch die variable Beherrschung von Schrittlänge und Schrittfrequenz in Abhängigkeit von der Wettkampfsituation als Aufgabe ein.

  • Ins Anschlusstraining werden alle legalen Möglichkeiten, die einen schnelleren Leistungsfortschritt ermöglichen, einbezogen. Das spezielle Training dominiert. Für alle Läufer und Geher sollten jetzt 2 - 3 Höhentrainingsaufenthalte jährlich organisiert werden. Dabei ist auf Grund der individuell unterschiedlichen Ausgangspositionen auch mit unterschiedlichen Wirkungen zu rechnen. Deshalb sollten dem Einzelnen zunächst mehrere Höhenaufenthalte zum sammeln von Höhenerfahrungen gestattet werden ohne immer gleich Wunder zu erwarten. Längerfristiges Ziel muss sein, unter Höhenbedingungen eines Tages die gleiche Belastung absolvieren zu können wie unter NN im Heimtraining.

So könnte und müsste der Belastungsaufbau für die Laufdisziplinen im AST aussehen, wenn Spitzenleistungen das Ziel sind:

AlterWo/JahrTE/Wo –
TE / Jahr
Std / Wo –
Std / Jahr
km/Wo*Gesamt-km
Mittelstr.Langstr.Mittelstr.Langstr.
               
20 48 10-12/-550 20 / 990 ~ 85 ~ 125 4080 6000
21 48 10-12/-550 22 / 975 ~ 100 ~ 140 4800 6500
22 48 10-12/-550 24 / 1050 ~ 120 ~ 150 5760 7000
23 48 10-12/-560 25 / 1100 ~ 125 ~ 160 6000 > 7500

 

*Achtung: die Angaben km/Woche sind Jahresdurchschnittswerte und erfordern zu ihrer Realisierung Wochenspitzen-belastungen z.B. für Mittelstreckler bis 130-160 km, wenn niedrige Wochen bei ~ 70 km liegen sollen. ( © Lothar Pöhlitz)

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Im Anschlusstraining kommt es darauf an auf der Grundlage der bis dahin erarbeiteten Leistungsvoraussetzungen innerhalb einer progressiven Belastungssteigerung in einem Nebeneinander von Voraussetzungstraining für morgen und einem stärker spezifisch auf die Spezialstrecke und deren Anforderungen ausgerichteten Leistungstraining jährlich möglichst hohe Leistungszuwachsraten zu erzielen. Als wichtige Aufgabe bleibt die persönliche Bestleistung zum Jahreshöhepunkt. Eine begleitende psychische Vorbereitung muss sichern, dass die erarbeitete neue Qualität in Wettkämpfen abzurufen ist und eine offensive, aktive Auseinandersetzung mit der stärkeren Gegnergeneration ohne Zeitverluste möglich wird. Dabei darf eine neue Qualitätsstufe nie mit der Vernachlässigung der Quantität einhergehen.

Ein auf ein Anschluss zur Spitze bei JEM und JWM ausgerichtetes wirksames Nachwuchstrainingssystem setzt Förder- und Organisationsstrukturen voraus, die durch die Verantwortlichen auf Landes- und Bundesebene zu organisieren sind.