Trainingsplanung, Trainingsanalyse und Leistungsdiagnostik sind im Hochleistungstraining wichtige Teile des Gesamtprozesses (Teil 4)

 2009-10-01-trainings-wettkampf-analyse-401. Oktober 2009 (© Lothar Pöhlitz) - Leistungs- und Trainingssteuerung ist nur auf der Basis einer objektiven Belastungseinschätzung mindestens für den Zeitraum möglich, der für die Ergebnisse der Leistungsdiagnostik als wirksam angesehen werden muss (~ 8 Wochen). Für eine längerfristige Trainingsbegleitung ist eine umfassende Trainingsanalyse über den gesamten Zeitraum (MAZ / Jahr / mehrere Jahre) erforderlich um Ursache und Wirkung bei positiven aber auch negativen Test- bzw. Wettkampfergebnissen festzustellen und entsprechende Schlussfolgerungen für das Training in zukünftigen, vergleichbaren Abschnitten auch konkret treffen zu können.

Das Training ist deshalb so zu protokollieren und aufzubereiten, dass konkrete Aussagen zur absolvierten Belastung durch Umfang / km – Geschwindigkeiten / m/s oder Std : min : sec , durch die Anzahl der Wiederholungen, Pausenzeiten, durch Krafttraining usw. im umfassenden Sinne in Nachhinein getroffen werden können.
Wie in der Abb.: Hauptinhalte der Trainingsanalyse für Lauf / Gehen übersichtlich gemacht, müssen folgende Inhalte aus der Trainingsanalyse zu erkennen sein, um eine optimale Beurteilung der Wirkung der Trainingsbelastung in Trainingseinheiten, Mikro-, oder Mesozyklen auch vornehmen zu können:

  • Wochendynamik der Belastung nach Trainingsbereichen
    (TE – km – Geschwindigkeit – Strecken – u. anderes Training)
  • Belastungsentwicklungen in Trainingsabschnitten
    (MEZ / MAZ / Jahr / Mehrjahresverlauf)
  • Proportionen in den Trainingsbereichen
    Geschwindigkeits- und Streckendifferenzierungen
  • Leistungs- und Qualitätskriterien
    (Wettkämpfe / Tests / HF / Laktat / Technik)

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Die modernen technischen Möglichkeiten computergestützter Trainingsaufzeichnungen und deren Analyse mit unkomplizierter schneller Verarbeitung und eMail - Versand lässt einen einfachen Aufbau von individuellen Datenbanken zu und bietet auf dieser Grundlage eine ständig aktuell verfügbare Möglichkeit, die Trainingsdaten zur Einschätzung der Wirksamkeit des Trainings und der Ursachen für eingetretene Entwicklungen abzurufen. Dadurch wird auch die Kommunikation in einer Fernbetreuung von Athleten durch den Trainer oder anderen Bezugspersonen des Teams gegenüber früher wesentlich erleichtert.

In der folgenden Abbildung finden Sie beispielsweise eine Vorlage zur Protokollierung von Trainingsdaten, wie sie für eine computergestützte Verarbeitung sehr hilfreich ist:

 

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Die Wettkampfanalyse ist ein Teil einer komplexen Diagnostik

Die Wettkampfanalyse ist Teil einer umfassenden Diagnostik zur Leistungsfähigkeit des Athleten. Bestandteile einer Wettkampfanalyse sind:

  • Beobachtungen zum Athletenverhalten in der letzten Stunde und in den letzten Minuten vor dem Start (beim Einlaufen, im Stadion), auch im Vergleich zu den Besten
  • das Startverhalten und Einordnung in „das Rennen“
  • das Taktikverhalten, einschließlich Realisierung gestellter Aufgaben
  • das regelgerechte Verhalten
  • Analyse des Geschwindigkeitsverlaufs (Teilzeitregistrierung)
  • Subjektive und objektive (Videoaufnahmen) Beurteilung der Lauf- bzw. Gehtechnik (Schrittlänge, Schrittfrequenz , Vortrieb, Armarbeit, Körperposition, Variabilität)
  • Zwischen- und Endspurtverhalten, Zielannahme
  • Ermittlung biologischer Meßgrößen (HF, Laktat)
  • Leistungsvergleich zu den Besten in der individuellen Leistungsklasse (national, international, Altersklasse)
  • Spezielle Beurteilung der Leistungen bei Unter-, Überdistanz- und Staffel- Wettkämpfen und im Wettkampfaufbau, sowie der Leistungsdichte
  • Beobachtungen der psychischen Fähigkeiten unter dem Gesichtspunkt des aktuellen Leistungsziels (Willen, Motivation, Nervosität Konzentration, Ablenkbarkeit usw.)
  • Beobachtungen zum Athletenverhalten nach dem Wettkampf (Regenerationsunterstützung, Ankleiden, Auslaufen)

Eine gute, möglichst umfassende Analyse der Wettkämpfe ermöglicht erst eine Beurteilung der aktuell komplexen wettkampfspezifischen Leistungsfähigkeit. Das Ergebnis soll sowohl unter dem Gesichtspunkt der momentanen Leistungsfähigkeit, als auch im Hinblick auf den noch bevorstehenden Jahreshöhepunkt und das dafür abzuleitende Training möglichst umfassende Aussagen machen. Dabei sind, vor allem zu Vergleichen unterschiedlicher Wettkämpfe die äußeren Bedingungen (Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Höhe, Wind, Regen, Gegner, Rennverlauf usw. ) außerordentlich wichtig und zu protokollieren.

Für Sportler die das Weltniveau mitbestimmen ist ständig der Vergleich zu den Weltbesten im Disziplinbereich zu suchen und Entwicklungstendenzen (realistische kurz- und längerfristige Prognosen) der Disziplin zu beobachten.

Abgeleitet von Ergebnissen und Strukturen der Wettkampfleistung bei Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen sind prognostisch vorausschauend zu erwartende Leistungsentwicklungen im 2 – 4 Jahreszeitraum zu fixieren und in die eigenen Überlegungen zum erforderlichen Leistungsfortschritt in den nächsten Jahren einzubeziehen.

In diesem Zusammenhang sind den Sportlern ständig die neuesten Informationen zum Regelwerk, zu Qualifizierungsvorgaben, zu den aktuellen Dopingbestimmungen (einschließlich konkreter Abläufe von Dopingkontrollen) im Training und bei Wettkämpfen und zum organisatorischen Ablauf der Wettkämpfe bei EM, WM und OS zu vermitteln. Dazu zählen Qualifizierungsschritte – Vorläufe- Zwischenläufe –Halbfinale -Endläufe mit der jeweils festgelegten Anzahl der sich für die nächste Runde weiter zu Qualifizierenden – sowie der Abläufe und Erwartungen z.B. im Zusammenhang mit dem Call – room, dem Verhalten unmittelbar nach positiven oder negativen Wettkampfergebnissen, auch gegenüber den Medien usw.

Trainer - Checkliste für die Jahres-Trainingsanalyse

  1. Wie wurden die Wettkampfziele erreicht? ( + / - / = )
    (Halle, Saison, wann Bestleistung, Leistungsdichte / Stabilität, Leistungsverlauf)

  2. Wurde die Trainingsbelastung gegenüber dem Vorjahr gesteigert?
    (Umfang, Intensität, Qualität – Schwerpunkte, konkret ausweisen)

  3. Erfolgte eine Erhöhung des Trainingsniveaus in der VP II gegenüber der VP I, in welchen Bereichen?

  4. Wie hat sich die Qualität des aeroben Trainings entwickelt?
    (DL1-lang, DL 2, DL 3, TL 1 – lang / Geschwindigkeiten, Streckenlängen, Pausen)

  5. Wie wurde das anaerobe Training verbessert?
    (TL 2, TL 3, TL-SA, wsA , Geschwindigkeitsaufbau, Einschätzung der Lauf-/Gehtechnik)

  6. Welche Entwicklung wurde im Kraft- und Beweglichkeitstraining erreicht?
    (Kraftausdauer, Schnellkraft, BAL, ZWL, Sprünge, Bewegungsamplituden)

  7. Ist eine Systematik in der Geschwindigkeitsentwicklung im Jahresverlauf zu erkennen?
    (DL, TL, Unterdistanz, Schnelligkeit)

  8. Wie wurden die geplanten Regenerationszeiträume und – maßnahmen eingehalten und realisiert?
    Wo gibt es Reserven? Reichten die eingesetzten Regenerationsmaßnahmen aus? Konsequenzen

  9. War die Anzahl der Wettkämpfe im Vergleich zu den Trainings- abschnitten optimal (Winter, Sommer, Unterdistanz, Überdistanz, Spezialstrecke)? Wie kann das Zwischenwettkampftraining beurteilt werden? Konsequenzen

  10. Wie wurde das individuelle Training „ohne Traineraufsicht“ im Heimtraining realisiert (+ / - / =)?
    Wie muss der Organisationsplan fürs kommende Jahr verändert werden?

  11. Waren die aufgrund leistungsdiagnostischer Verfahren (Stufen-Test, Zweistreckentest, VO2max) eingeleiteten trainingsmethodischen Folgerungen und Konsequenzen richtig und erfolgreich? Waren die eingesetzten biologischen Parameter (Herzfrequenz, Laktat, Harnstoff, Kreatinkinase oder andere) hilfreich?

  12. War die „UWV“ leistungswirksam (Stärken, Schwächen, Schluss- folgerungen)?
    Wie ist der / die Abschnitt(e) Höhentraining in der UWV oder im Jahresverlauf zu beurteilen (in der Höhe, in den Tagen bzw. Wochen danach, Gesundheit, wann gab es Probleme, wann den Leistungshöhepunkt, wie funktionierte das Team, welche Aussagekraft hatten die begleitenden Parameter – HF, Laktat - usw.), Konsequenzen

Alle Schlussfolgerungen sind schriftlich zu fixieren und
mit den Sportlern bzw. im Team zu besprechen