Grundlagentraining (10 - 13 Jahre) soll das Aufbautraining vorbereiten (Teil 2)

2009-09-11-grundlagentraining-soll-aufbautraining-vorbereiten-211. September 2009 (© Lothar Pöhlitz) - Der Einstieg von Talenten in ein möglichst systematisches Training ab etwa dem 13. Lebensjahr ist unter dem Gesichtspunkt eines früheren Höchstleitungsalters und dem früh beginnenden Aufbau einer individuellen Belastungsverträglichkeit wichtig. Von Beginn an sollten möglichst gemischte leistungshomogene Gruppen zwischen Jungen und Mädchen gemeinsam trainieren. Ab der AK 13 sollte eine systematische quantitative und qualitative Steigerung der speziellen Belastungsanteile am Gesamttraining erfolgen. Der Übergang erfolgt in Abhängigkeit vom individuellen Entwicklungspotential fließend.

Im Übergang vom GLT zum ABT kommt einem ganzjährigen Einsatz von Trainingsmitteln zur Sicherung einer kontinuierlichen Entwicklung aller konditionellen und koordinativen Fähigkeiten – bei möglicher Akzentuierung von Schwerpunkten in Phasen (~ 3-4 Wochen) – eine große Bedeutung zu.

Unter dem Gesichtspunkt einer weiter vielseitigen, aber nun mehr zielgerichteten, psycho-physischen Grundausbildung stehen folgende Ausbildungsaufgaben im Mittelpunkt:

  • Technikausbildung Lauf bzw. Gehen,Laufökonomie, Hürdentechnik Techniken aller Trainingsübungen, Techniken im Training genutzter anderer Disziplinen oder Sportarten
  • Koordinative Fähigkeiten (Koordination, Beweglichkeit, Flexibilität, Gleichgewichtsfähigkeit)
  • Entwicklung der konditionellen Fähigkeiten (Schnelligkeit, Ausdauer, Kraft) bei zielgerichteter Orientierung auf die Belastbarkeitsentwicklung der Füße, des Becken-/Hüftbereichs, des „Zentrums“ und die Schulter- / Armkräftigung
  • Beginn einer zielgerichteten Ausbildung der Unterdistanzleistungsfähigkeit
  • Ausprägung der psychischen Eigenschaften

Innerhalb einer komplexen Ausprägung der konditionellen Fähigkeiten stehen für zukünftige Läufer die Ausbildung der Schnelligkeits- / Schnellkraftfähigkeiten und die Ausdauerentwicklung akzentuiert im Mittelpunkt. Im Grundlagentraining bestehen für die Ausbildung beider Fähigkeiten besonders gute Bedingungen. Trotzdem bleibt das umfassende Technik- und Beweglichkeitstraining mit einem hohen Qualitätsanspruch im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Die Überlagerung von trainings- und wachstumsbedingten Entwicklungen der physischen Fähigkeiten führen in der Regel unabhängig voneinander, zu einer komplexen Entwicklung der sportlichen Leistungsfähigkeit. Trotzdem müssen individuelle Entwicklungsunterschiede zwischen kalendarischen und biologischen Alter, zwischen Früh- und Spätentwicklern (die zwischen 2-4 Jahre ausmachen können), hormonell, umweltbedingte und durch Erbanlagen mitbestimmte Wachstumsschübe in der Trainingsbelastung berücksichtigt werden. In der Regel werden in der Trainingspraxis die Frühentwickler innerhalb einer Gruppe unterbelastet. Insofern sind Trainierbarkeit, Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit an das biologische Alter gebunden und müssen innerhalb vom Gruppentraining auch zu individuellen Belastungsunterschieden führen.
Talente oder Hochbegabte zeichnen sich meist zusätzlich noch durch ein erhöhtes Lerntempo im Training aus, d.h. die geistige Leistungsfähigkeit eines Kindes ist für den Entwicklungsfortschritt nicht unbedeutend. Nicht nur deshalb wäre den Vereinen zu empfehlen ihre Talente bereits deutlich vor dem 10. Lebensjahr auszuwählen und sie vielseitig – bewegungsfreudig auf die wichtige Phase des Trainings ab dem 13. Lebensjahr vorzubereiten. Hier sind eine gute Ansprechbarkeit für Leistungsanforderungen, Leistungsstreben, eine schnelle Lernfähigkeit, Fortschritte in den motorischen Grundeigenschaften, sportorientierte Interessenlagen und Gewohnheiten hervorragend auszuprägen.

„Gene, Erbanlagen und möglichst vielseitige Bewegungshandlungen und Bewegungserfahrungen im Kleinkind- und Vorschulalter prägen die psychomotorische Entwicklung, die geistige Leistungsfähigkeit und auch die Entwicklung der menschlichen Intelligenz“ (MARTIN 1980 S.295)

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Qualitäts-Grundlagentraining bereitet besser auf das Aufbautraining vor

2009-09-11-grundlagentraining-soll-aufbautraining-vorbereiten-2… und beinhaltet die Vorbereitung auf eine spätere sportliche Karriere, bei Hochbegabten auch auf sportliche Höchstleistungen. Da auch die schulische Entwicklung und noch andere persönliche Interessen im „späten Schulkindalter“ für die Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit eine wesentliche Rolle spielen, sind ein möglichst gutes Aufwand- Nutzen-Verhältnis innerhalb des sportlichen Trainings von außerordentlicher Bedeutung. In möglichst komplexen, kombinierten Trainingseinheiten sind sowohl die Aufgaben zu lösen, die auf den gegenwärtigen Fortschritt zielen, als auch die, die Grundlagen für später, die erste nachfolgende Etappe des Jugend-Aufbautrainings legen. Die oben genannten Hauptaufgaben Technikausbildung, Grundkonditionierung, die Entwicklung vielfältiger koordinativer Fähigkeiten stehen zusammen mit der Herausbildung sportspezifischer Charaktereigenschaften in wöchentlichen Teil - Trainingseinheiten im Mittelpunkt. Dazu werden sowohl Trainingsformen aus der allgemeinen - vielseitigen Ausbildung (z.B. aus anderen Sportarten), als auch Trainingsformen zur vielseitig-zielgerichteten Ausbildung (zielgerichtet auf die konditionell und koordinativ - technischen Anforderungen des Disziplinbereichs Laufen) zusammen eingesetzt.

In dieser Ausbildungsphase sollten die Trainer darauf achten, dass die Neugierde der Kinder, ihre Lernbereitschaft durch Vermittlung von Wissen und immer neuen Fähigkeiten und Fertigkeiten genutzt wird. Viele wollen mit Stolz zu Hause erzählen, was sie heute wieder neu dazugelernt haben. Leichtathletiktraining soll als Erlebnis empfunden werden, Freude an der Bewegung und dem Leistungsfortschritt vermitteln und Spaß machen. Wettkämpfe sind Bestandteil des Trainings und vorrangig unter dem Gesichtspunkten „learning by doing“ und der Sammlung von immer neuen Wettkampferfahrungen zu sehen. Dabei dürfen ruhig schon kleine machbare Aufgaben gestellt werden, die aber auch nach den Wettkämpfen „abgerechnet“ werden (was war gut und was ist wie das nächste mal besser zu machen). Es dürfen selbstverständlich Fehler gemacht werden und auch bei „Niederlagen“ (- die oft nur Trainer oder auch mal die ehrgeizigen Eltern so sehen -) ist das Glas immer halb voll!

Die Belastung wird über die eingesetzte Trainingszeit (zuerst Steigerung der Anzahl der TE, nachfolgend Verlängerung der Dauer der TE), als auch über den Trainingsumfang innerhalb der Trainingsübungen erhöht. In Vorbereitung auf das Aufbautraining muss das Training altersgerecht, aber von Jahr zu Jahr „reizwirksamer“ sein und Einfluß auf die Entwicklung der sportlichen Leistungsfähigkeit und einer fortschreitenden Belastbarkeit ausüben. Der Entwicklungsvorsprung der Mädchen gegenüber Jungen muss in dieser Phase zu einem früheren Einsatz von Lauftrainingsformen führen, die bei Berücksichtigung individueller Stärken im Sommer auch zu gewünschten Fortschritten auf den Mittel- oder Langstrecken führen.

Ab der B – Jgd. sollte eine talentbedingte Differenzierung (Schnellkrafttypen, Ausdauertypen) des trainingsmethodischen Vorgehens für die Mittel- bzw. Langstreckendisziplinen entsprechend der Leistungsstruktur des jeweiligen Disziplinbereiches beginnen.

Eine nun jährliche verletzungsfreie Steigerung von speziellen Belastungsanforderungen wird von den dafür vorhandenen Voraussetzungen bestimmt. Deshalb müssen die allgemeine Kondition und die allgemeine und spezielle Belastbarkeit jährlich auf ein neues höheres Niveau entwickelt werden.

Trotz Wettkampfphasen steht die Ausbildung im Mittelpunkt

Im GLT und im Übergang zum ABT sollte sich die Wettkampfgestaltung grundsätzlich vom Hochleistungstraining unterscheiden. Zur Sicherung ausreichend langer Ausbildungszeiträume, in denen in Ruhe – ohne Wettkampfunterbrechungen – ein neues Niveau in den angestrebten Fähigkeiten erarbeitet werden kann, erfolgt keine spezielle Vorbereitung auf Wettkämpfe, sondern kurze Phasen von 2 – 4 Wettkämpfen, in denen die Inhalte der gerade absolvierten Trainingsetappe auf ihre Wirksamkeit „überprüft“ werden können und die jungen Sportler frühzeitig an die „Bewährungssituation Wettkampf“ gewöhnt werden. Deshalb sollte nicht getestet werden, was nicht im Training Schwerpunkt war. Das bedeutet aber nicht, dass auf das im Rahmen des Jahrestrainingsaufbaus regelmäßig zu planende Komplex-Test-Programm (KTP) im Rahmen einer Trainingswoche verzichtet werden soll.

„Die volle Entwicklung der Ausdauerleistungsfähigkeit wird nicht erreicht, wenn im Schüleralter (der ersten und zweiten puberalen Phase) die funktionelle Anpassungsfähigkeit nur mangelhaft beansprucht wird. Damit entscheidet das Training in dieser Altersstufe über die spätere Leistungsfähigkeit“ (vgl. Kindermann 1974, Dietrich 1974, Sperling 1975)

Beispielhafte* Wochenplanung bei 4 TE (Talent – Grundlagentraining - lauforientiert)
*Beispiel bedeutet, dass die Programme variabel wochenweise wechseln können, die Belastung systematisch in den TE (90 » 120 Minuten), im Jahr und in den Jahren aufgebaut wird, natürlich auch andere Kombinationen möglich sind, aber auch weitere TE (z.B. 30-45 Minuten DL- oder Geländelauf als „Hausaufgaben“) einzufügen sind. Finden z.B. am Sonntag Wettkämpfe statt werden die Trainingseinheiten auf 3 reduziert und am besten am Dienstag, Mittwoch und Freitag durchgeführt.

Montag R u h e t a g
   
Dienstag 1.Teil - 30´ : Einlaufen – Gymnastik – Koordination – Steigerungsläufe
2.Teil - 30´ : Schnelligkeit 2 x (20-30-40 m) – 2 x 120 m TW-Sprints ( 20-30- 30-20- 20)
3.Teil – 45´ : TL z.B. 60 m - 120 m - 160 m HST mit ~ 5 Min. Gehpause 15´ Pause

1 x 1000 m flott auf der Bahn
15´ Auslaufen
   
Mittwoch R u h e t a g
   
Donnerstag 90 – 120´ Training mit anderen Sportarten (z.B. Basketball, Schwimmen, Ergometer, Inliner, Skiroller, Ausdauerspiele o.ä.) » Technikausbildung und -verbesserung steht immer wieder im Vordergrund
   
  Die Trainer sind erst zufrieden wenn eine hohe Qualität und Stabilität in der Bewegungsausführung erreicht ist. Eine gute Qualität in der Übungsausführung erhöht die Belastungswirkung
   
  oder*

1.Teil – 30´ : Einlaufprogramm (s.o.)
2.Teil – 30´ : Hürdentraining bzw. Hürdentechnik (Schwerpunkt: Technikvermittlung)
3.Teil – 30´ - ~ 6 km DL-mittel - ansteigend oder Fahrtspiel mit kurzen Teilstrecken oder TL mittel (z.B. 2 x 2 x 300 m mit 100 m Geh- + 100 m Trabpause / Sp: 5´)
4.Teil – 30´ : Medizinball- oder Sandsackübungen oder Übungen mit Handhanteln

*evtl. auch wochenweise wechseln
   
Freitag R u h e t a g
   
Samstag 1.Teil – 30´ Einlaufarbeit auf Hindernis - Parcour + Beweglichkeitsprogramm mit Technikvermittlung, auch in der Halle
2.Teil – 30´ Koordination + Schnelligkeit oder Rasen-Diagonalen
3.Teil – 30´ horizontale bzw. vertikale Sprünge – wochenweise wechseln (Technikvermittlung)
4.Teil – 30´ Allgemeine Kraft – Stabilisationsprogramm oder Cirkel oder Ballwurf
   
Sonntag „Long - Jog“ als Querfeldeintraining / Waldlauf oder Fahrtspiel oder Radtour oder Schwimmen, alles aerob-lang / ausdauerorientiert, systematische Verlängerung der Übungsdauer von 30 » 45 » 60 Minuten bei langsamen Tempo - in einer Pause und am Ende je 5 Minuten Beweglichkeitsprogramm
+ 10 – 15´ Beweglichkeitsübungen oder 4 – 6 Steigerungsläufe über 60 m

„Ein gemäßigter Einsatz von Trainingsformen der Kurzzeit- und Mittelzeit – Ausdauer soll damit in keiner Weise ausgeschlossen werden. Gegen Ende der Adoleszenz sind Belastungsvoraussetzungen gegeben, die eine weitere Steigerung der Intensität bzw. des Umfanges ermöglichen“ (Weineck 1986 – S. 103-104)