Grundlagentraining (10 - 13 Jahre) soll das Aufbautraining vorbereiten (Teil 1)

Allgemein-vielseitig-zielgerichtet, dabei sollen die Anforderungen steigen
Talentsuche - Talentauswahl – Talentausbildung

2009-09-07-grundlagentraining-soll-aufbautraining-vorbereiten-107. September 2009 (© Lothar Pöhlitz) - Die Diskussionen zum Schüler - Grundlagentraining (GLT) in der Leichtathletik stellen noch immer nicht das „schneller – höher – weiter“ in den Mittelpunkt sondern sind geprägt von den Beeinflussungen aus dem letzten Jahrzehnten, von einer allgemein-vielseitigen Beschäftigung ohne Leistungsziele, von einem ja nicht zu viel und auch von der Bereitschaft kaum honorierter ehrenamtlicher Übungsleiter zu besser nur 2 x als 3 x wöchentlichem Spaß-Training ohne danach zu Fragen, warum unser Leistungsrückstand gegenüber früher nicht zu reduzieren und die Verletzungsanfälligkeit in der Jugend derzeit noch sehr präsent ist. Es wird oft auch nicht differenziert zwischen Talenten, die auch bei 3-4 x Training Fortschritte machen und der Mehrzahl normal begabter, die – wie verwunderlich – mangels Konkurrenzfähigkeit der Leichtathletik oft schon im Verlaufe der B - Jugend den Rücken kehren. Deshalb sollen mit diesem Beitrag Trainer und Lehrwarte im Grundlagentraining animiert werden, zukünftig das Grundlagentraining mehr als bisher als Vorbereitungsaufgabe für das Jugend-Aufbautraining zu betrachten.

Erfreulicherweise gibt es auch Aufbruch, Engagement und Bereitschaft schon für unsere Jüngsten mehr zu geben, ihre Begeisterung und Euphorie in sinnvolle Bahnen zu lenken, sie auch ihre Fortschritte in Wettkämpfen erleben zu lassen. Von denen werden wir immer öfter in Zuschriften ermutigt mehr auch zu einem leistungsorientierten Schüler – Training (10 – 13 Jahre) zu sagen und die Aufgaben im Umgang mit Talenten darzulegen. Im MDR - Fernsehen wurde vor einiger Zeit in einer Fortsetzungsserie abends zu bester Sendezeit vom Kindertraining in den Wintersportdisziplinen berichtet. „Winterkinder“ - eine tolle, begrüßenswerte Aktion, da hat man gesehen mit welcher Begeisterung Kinder trainieren und gefordert werden wollen. So etwas würde man sich für die Leichtathletik auch wünschen.

Grundlagentraining ist eine für ein erfolgreiches Jugend-Aufbautraining bisher unterschätzte wichtige Etappe. Auf der Basis einer bis dahin möglichst vielseitigen sportlichen Bewegungstätigkeit soll eine zielgerichtete sportliche Grundausbildung erfolgen, in der Kondition, Koordination, Technikausbildung, vielseitige Bewegungserfahrungen und Charakterbildung für den Leistungsfortschritt und die psychophysischen Voraussetzungen erfolgen soll.

Der Beginn regelmäßigen Trainings bei Kindern / Schülern sollte in der Leichtathletik um das 10. Lebensjahr liegen. In Abhängigkeit vom familiären Umfeld, des Engagements der Sportlehrer in der Schule oder eines bewegungsorientierten vielseitigen Kindertrainings im Verein ist natürlich von Vorteil, wenn nach einem durchlebten „Bewegungs - Kindergarten“ unbeabsichtigt schon eine frühe Ganzkörperkonditionierung mit der Sammlung vielseitiger Bewegungserfahrungen stattfand. Von Vorteil ist auch, wenn begabte Jungen und Mädchen, die mit einem überdurchschnittlichen sportlichen Talent ausgestattet sind, diese einem systematischen Trainingsbeginn vorausgehende Phase, spielerisch – anspruchsvoll belastend, durch freies Üben auch mit anderen Sportarten (Schwimmen, Ski, Skiroller, Inliner, Spiele, Rad o.ä.) mehr tun als andere. Auf dieser Grundlage kann dann auch sehr früh mit Kindern ein regelmäßiges Training begonnen werden.

 

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Talentsuche – Talenterkennung – Talentausbildung
Talenterkennung ist nur im Trainingsprozess möglich

Trainer die dem Nachwuchsleistungssport zugetan sind, sollten ständig auf der Suche nach sportlich Begabten, nach Lauftalenten unterwegs sein, weil sich mit ihnen die Chancen auf eine erfolgversprechende Vorbereitung auf spätere Spitzenleistungen und eine Konkurrenzfähigkeit bereits im Jugend-Aufbautraining gegenüber normal Begabten erhöht. Je mehr sie solche zunächst scheinbar talentierten Kinder in ein Gruppentraining integrieren, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit im Verlaufe des Trainings ein Talent zu entdecken. Da die Streubreite in den Körperbaumerkmalen, im biologischen Alter und im bisher absolvierten „Training“ im Altersbereich zwischen 10 -13 Jahren teilweise außerordentlich groß ist, sollten sie bei ihrer Wahrscheinlichkeitsaussage zur Talententwicklung sehr vorsichtig sein, Frühentwickler von Spätentwicklern unterscheiden lernen und berücksichtigen, das es auch etwas länger dauern kann. Vor allem sollten sie sich nicht ausschließlich von den im Prinzip schon leistungsfähigeren Frühentwicklern „blenden“ lassen. Im Lauf haben ehrgeizige, fleißige Spätentwickler, besonders in den Langstreckendisziplinen sehr gute Chancen für eine erfolgreiche, wenn vielleicht auch etwas spätere Karriere. Geben sie ihnen die Chance, wenn sie möchten, für ihre Stärke auch etwas mehr zu tun als die anderen.

Talenterkennung erfolgt im Training. Talente entwickeln sich bei gleichem Training innerhalb einer Gruppe schneller. In Verbindung z.B. Wachstumsschüben in diesem Altersbereich sind auch bei Talenten Stagnationszeiten nicht auszuschließen.

Neben guten Gesamtkörperproportionen (Körpergröße der Eltern beachten) sind die Laufschnelligkeit, gute Schnellkraftfähigkeiten, eine gute Beweglichkeit- und Bewegungskoordination, gute Ausdauerfähigkeiten (in einem 2000 – 3000 m Lauf) und eine gute Lernfähigkeit wichtige Beurteilungskriterien für die Talententwicklung. Ohne eine entsprechende Leistungsbereitschaft und eine gewisse Intelligenz um die gleichermaßen wichtigen schulischen Aufgaben „nebenbei“ zu lösen, ist eine Talententwicklung undenkbar.

Der Einstieg von Talenten ins zunächst allgemein-vielseitige Grundlagentraining sollte möglichst früh, im Alter zwischen 10 -11 Jahren liegen. Schwerpunkte eines allgemein-vielseitigen Grundlagentrainings sind:

  • eine allgemein – vielseitige Ausbildung
  • koordinativ - technische Ausbildung (Technikerwerbstraining in den leichtathletischen Disziplinen, z.B. für den Blockmehrkampf Lauf, in allen Trainingsübungen, im Lauf - ABC und in anderen, genutzten Sportarten) Beweglichkeitsentwicklung, Lauftechnik
  • Konditionelle Ausbildung durch zunehmende Wiederholungszahlen in der Übungsausführung, in der Erhöhung der Anzahl der Trainingseinheiten, in der Verlängerung der Übungszeit in den Trainingseinheiten, allgemeine Ausdauer, Ganzkörperkraft, Bewegungsschnelligkeit
  • Schnelligkeitsorientierte Ausbildung (Zeitabschnitt bis zum Ende der biologischen Reife ist besonders günstig) » durch schnelle Spiele, Schnelligkeitstraining, schnelle Bewegungshandlungen in der Übungsausführung – ohne auf ein gewisses Ausdauertraining zu verzichten

Übersehen Sie nie, dass das Entwicklungstempo von Talenten, von den Begabten mit den Genen für Überdurchschnittliches, gegenüber denen mit nur mittelmäßigen Voraussetzungen, in der Regel deutlich höher ist. Aber nichts kommt von allein. Ein frühes zielgerichtetes Üben, ein hilfreiches Umfeld, die Qualität der Trainer, die unterstützte Entwicklung der Persönlichkeitsstruktur, Vorbilder in der Familie und eine anerzogene Leistungsbereitschaft formen das erforderliche Zusammenspiel von Gehirn und Körper, ermöglichen erst eine Ausprägung einer Begabung. Der Leistungsfortschritt wird bestimmt von der Anzahl und der Qualität der Übungseinheiten. Wunderkinder werden nicht geboren, sie beginnen früh und beschäftigen sich täglich mehrere Stunden mit ihrem „Hobby“, mit ihrem Fach. Insofern ist Talent auch das Ergebnis von Lernintensität, für Läufer vor allem von Ausdauer und Fleiß innerhalb eines komplexen Ausbildungsprozesses.

Mit weniger als 4 Trainingseinheiten sind die Aufgaben nicht zu lösen

2009-09-07-grundlagentraining-soll-aufbautraining-vorbereiten-1Pädagogische Hilfen zur Organisation der Bewältigung der Doppelbeanspruchungen Schule und Training wirken unterstützend. Da weniger als 4 Trainingseinheiten pro Woche für die Ausbildung der sportlichen Grundfähigkeiten nicht die erwarteten Fortschritte bringen, darf eine solche Aufgabe, auch im Zusammenwirken mit den Eltern, nicht unterschätzt werden. Mit zwei TE am Wochenende (wie im Beispiel weiter unten) ist z.B. schon eine deutliche Entlastung innerhalb der Woche möglich.
Hilfreich ist bestimmt auch darauf hinzuweisen, dass „Musikkinder“ oder Schüler in Sportarten wie z.B. Turnen, Schwimmen, Sportgymnastik oder in den nordischen Skidisziplinen einen noch deutlich höheren Trainingsaufwand auf sich nehmen. Es ist auch bekannt, dass in der Leichtathletik viele begeisterte Kinder gern mehr trainieren würden, oftmals aber fehlen die notwendige Trainerbereitschaft dafür und die Überzeugung der Vereine, dass wertvolle pädagogische Trainerarbeit nicht zum Nulltarif zu erhalten ist. Schließlich sind sie nicht die Deppen der Nation, wenn man bedenkt was zum Beispiel im Fernsehen, in der Kultur, im Fußball, Golf, Tennis oder der Werbebranche zu verdienen ist. Damit sind aber nicht diejenigen gemeint die entsprechende Leistungsstrukturen im Verein anbieten können und Trainerteams gibt es glücklicherweise auch.

Kinder- und Jugendtraining mit einem hohen Anspruchsniveau ist nur realisierbar, wenn durch entsprechende Organisationsformen und parallele Erziehungseinflüsse das Training den Erfordernissen sportlicher Ausbildungsprinzipien gerecht wird. Die Trainer stehen dabei im Mittelpunkt sowohl des Trainings als auch der Koordinierung der Gesamtbelastung der jungen Sportlerpersönlichkeit

Die spezifischen Anforderungen an die Ausbildungsinhalte sind altersunabhängig

Die in den letzten Jahren zu beobachtende „Verjüngung im Höchstleistungsalter von Läufern“ lässt auf einen früheren Beginn eines leistungsorientierten Trainings, als auch auf eine Steigerung der Effizienz des Jugend-Aufbautrainings in anderen Ländern schließen. Leistungsentwicklungsraten werden also immer weniger von den in der Sportwissenschaft herausgearbeiteten altersgebundenen Ausbildungsabschnitten bestimmt, sonder vielmehr

  • von einer frühkindlichen Bewegungsbeeinflussung im Elternhaus bzw. auch in Kindergärten mit viel Bewegung
  • vom zeitlichen Beginn einer systematischen Ausbildung und deren Individualität entsprechend der körperlichen Entwicklung
  • vom anlagebedingten Talent der Sportler, deren Trainierbarkeit, Lernfähigkeit, Belastungsbereitschaft, Ehrgeiz, Intelligenz, den mentalen Fähigkeiten und den daraus resultierenden möglichen Entwicklungstempo
  • von der Kompliziertheit der Sportart und der zeitgerechten Vermittlung der Ausbildungsinhalte
  • von der Qualität der Ausbilder und ihrem Engagement
  • den Umfeldbedingungen in der Familie
  • den Ausbildungsbedingungen (z.B. an einer Eliteschule des Sports oder an einer Hauptschule, in einer leistungsstarken oder leistungsschwachen Trainingsgruppe, in einem Verein mit leistungsorientierten Trainingsgruppen)
  • von der Eignung zum Leistungssport und der dafür erforderlichen mentalen Stärke in Wettkämpfen (Siegläufer)