„Schneller ins Licht – wenn alle wollen“

Die EM 2018 in Berlin - die nächste große Läufer-Herausforderung

2017-01-01-Schneller_ins_Licht_gewinnen_wollen© Lothar Pöhlitz - 01. Januar 2017 - Vielleicht war die Cross-EM im italienischen Chia schon der positive Nachwuchs-Neuanfang zu Beginn des neuen Olympiazyklus auf der Basis der gerade verkündeten Leistungssport-Reform. Gute Ergebnisse vor allem durch Konstanze Klosterhalfen, Alina Reh, Anna Gehring und Amanal Petros. Durch die vom DLV gerade verkündete Umstrukturierung in der Lauf-Bundes-Trainer-Crew wurde ja deutlich gemacht das ab 2017 frischer Wind vom „Glaspalast“ aus auch durch die Läufer-Szene wehen soll, von denen demnächst bei EM, WM und OS mehr, eine bessere Zukunft erwartet wird. Wenn die neuen Besen - oft ohne große Hochleistungstrainingserfahrung - aber besser werden sollen als die alten bedarf es auch neuer, anderer Führungsqualitäten durch die Funktionäre. Sie haben doch vor gar nicht so langer Zeit die ausgewählt, die jetzt wieder gegangen wurden. Verwundert muss man auch beobachten das bis Weihnachten, 4 Monate nach Beginn des neuen Trainings- und Wettkampfjahres, die Lauf-Trainerstruktur für den neuen Olympiazyklus noch nicht bei leichtathletik.de veröffentlicht wurde.

Führen und gemeinsam gewinnen wollen

Nur Talente, Goldkörnchen oder sogar Genies mit modernem Training können bei Goldschmieden die Wünsche von Innenminister de Maiziere schon 2020 erfüllen. Die EM 2018 im eigenen Lande wäre für die Läufer die erste große Herausforderung, die dafür in Frage kommenden stehen heute schon fest. Aber „mehr Wissen“ führt zu Leistungsfortschritten. Talente, ihre Trainer und Funktionäre müssen es nun gemeinsam wollen. Neue Wege in der Organisation des Trainings und der Wettkampfleistung sind erforderlich. Nicht nur ein neues Anspruchsniveau in den Trainingsplänen für das Training im Wald, auf den Straßen, am Berg, im Kraftraum oder auf der Bahn führt schrittweise zu einem individuell neuen Leistungsniveau. Dabei soll noch einmal unterstrichen werden, dass hohe Ansprüche – wie Finalplatzierungen und Medaillen bei EM, WM oder OS – die außerordentliche Bereitschaft „Hochbegabter“ und ihrer Trainer über mehrere Jahre voraussetzen, schließlich trifft sich bei Olympia – von wenigen Ausnahmen abgesehen – die Elite, „leider auch gedopt“. Deutsche Läufer haben schon einmal Finals und Medaillen gekonnt, mussten in den letzten Jahren aber zu oft erfahren, dass die oft als zu hoch kritisierten Qualifikationskriterien, lediglich die Voraussetzungen für die Teilnahme an einem Vorlauf sind und sie dann erst spüren welches Niveau die Weltbesten im Ernstfall bei Olympia auf die Bahn bringen. Immer wieder hat man in Interviews von den Besten gehört: für diese Goldmedaille habe ich / wir 4 Jahre verdammt hart gearbeitet! Das führt dann zur Steigerungsfähigkeit im Moment der Bewährung.

Unter dem Motto „Schneller ins Licht – ich will auch“...

...werden hoffentlich im neuen Olympiazyklus mehr als bisher den Weg in die „Welt-Elite im Middle & Long Distance Running“ suchen und zur Elite aufsteigen wollen. Das erfordert nicht nur weiter aus der Distanz begleiten, sondern auch offensiv-aktiv führen. Jetzt erst einmal die Talente und ihre Trainer im Bereich U 18 – U 23 die überzeugt sind das man in diesem Alter mehr leisten kann und Dich das Hochleistungstraining in die Schlagzeilen bringt, wenn man mehr und besser trainiert hat als die anderen. Das nicht nur zu organisieren, auch zu finanzieren. Hoffentlich lässt sie der DLV nicht „hängen“ und der Chef bleibt auch weiterhin Chef auch für die Läufer!

Das Individuum kommt im Team schneller voran

Deutschland hat derzeit nur Einzelne, deshalb brauchen wir den Aufbruch auf breiter Front, durch Arbeit im Team. Die „Zulieferung von unten“ funktioniert nicht, wir brauchen mehr. Wir brauchen Scouting-Trainer und auch Lauf-Landestrainer die mit den DLV-Coaches gemeinsam die Talentsuche und –ausbildung, die angedachten veränderten Wege im Nachwuchsleistungssport gehen wollen. Aber über einen Schulterschluss zwischen DLV und den Landesverbänden konnte man bisher nichts lesen. Und die Vereine könnten sich mehr für die interessieren die bei den Bambini-Läufen um vordere Plätze kämpfen. Was aber kann man tun, wenn es für sie keine Trainer gibt, die sie fachgerecht bewegen?

Flanders-Cup - da wird die Wettkampfleistung organisiert

Eine wichtige Lehre aus den letzten Jahren ist auch: die Leistungsentwicklung wird beschleunigt, wenn man in Wettbewerben immer wieder gegen die Besten kämpft. Da kann man die „noch“ bestehenden Schwachstellen früher erkennen. Selbstvertrauen steigt durch Erfolge und Selbstdisziplin, durch leidenschaftliche Trainingsarbeit und den Willen, die Besseren vor dir besiegen zu wollen. Das sollte man üben, auch in vielen Wochenendlehrgängen der Besten gegeneinander, immer wieder. Und die Besten müssen sich auch in die großen Rennen hineinkämpfen, einige haben dies bereits beim für uns vorbildhaften Flanders-Cup begonnen. Sie müssen mehr Reisen und sich auf die damit verbundenen zusätzlichen Erschwernisse einstellen, weil in allen Altersklassen vor allem Erfahrung gegen Stärkere wichtig ist. Wettkampferfahrungen lassen sich nicht im Training sammeln, sondern gegen die Besten in Rennen. Da könnten auch die Veranstalter mit Lauf-Abendsportfesten - für alle von U14 - U23 - helfen, die Bundestrainer wären sicher bereit sie sinnvoll zu koordinieren.

Europa und die Welt trainieren jetzt früher für die Nachwuchshöhepunkte

Es ist bei einem Aufbruch die Erfahrung zu berücksichtigen, dass durch die neuen U18-U20-U23 EM/WM immer mehr junge Läufer in der Welt schneller vorankommen werden. Sie trainieren früher leistungsorientierter, weil man schon früh viel besser sein muss, um letztlich konkurrenzfähig zu sein. Die einfachste Formel dafür lautet: früher besser auswählen, ernsthafter beginnen und auf einer besseren Grundlage schneller trainieren, die besten schon im Training gegeneinander und in Wettkämpfen Erfahrungen sammeln lassen!

Und noch eins: Leistungsentwicklung ist wie Training ein komplexer Prozess, nicht nur für die Sportler und ihre Trainer. In der Organisation der Wettkampfleistung außerhalb Deutscher Meisterschaften wurde kein entscheidender Beitrag zu ihrer langfristigen Entwicklung geleistet, z.B. wurde auch 2016 durch die Abt. Wettkampforganisation im DLV kein Schritt nach vorn für die Kader-Sportler - im Rahmen der genannten Aufgaben beobachtet.

Foto: Kiefner