Trainer - Beruf auf Zeit oder auf Lebenszeit

Quelle: Trainer - Letter der Trainerakademie Köln (12/2015, aufbereitet und gekürzt von Lothar Pöhlitz

2016-02-27-Beruf-Trainer© Lothar Pöhlitz – 27. Februar 2016 - Was ist nötig damit Trainer wiederholt ihre Athleten und Teams auf höchstem Niveau (OS, WM) zum Erfolg führen können.

Das war die zentrale Frage beim „Serial Winning Coach“-Projekt des ICCE unter Leitung von Sergio Lara-Bercial (ICCE und Leeds Beckett University, UK) und Prof. Cliff Mallet (University of Queensland, AUS) unter Beteiligung auch der Trainerakademie Köln. Prof. Mallet hatte den Koordinatoren und Mitarbeitern der TA schon vor zwei Jahren in Köln ausgewählte Ergebnisses zur Trainerpersönlichkeit vorgestellt. Jetzt stellte S. Lara-Bercial weitere Kernpunkte vor, die wir im Folgenden kurz wiedergeben.

Wie Trainer Spitzen-Erfolge wiederholen können

Wie erwartet sind Trainer sehr unterschiedlich, es gibt kein „magisches“ Rezept für ihren Erfolg. Es gibt aber eine Anzahl an bedeutsamen Persönlichkeitsmerkmalen und Verhaltensmustern, die bei den beobachteten Trainern zu andauernden Erfolgen führten. Wie diese Punkte beim jeweiligen Trainer und der jeweiligen Sportart genau ausgeprägt sind variiert stark und ist kontextabhängig. Manche dieser „golden nuggets“ mögen trivial sein, andere sind wohl überraschend.

Fazit: Die Top 10 der Autoren:

Die “richtigen” Sportler und Mitarbeiter im gesamten Betreuerteam sind ein entscheidender Punkt, nicht nur in Bezug auf die sportliche Seite, sondern auch charakterlich und ins Team passend.

Der Trainer ist Unterstützer und Förderer des Sportlers, nicht umgekehrt.

Die Zeiten des einseitigen Machtausübens sind längst vorbei. Erfolgreiche Trainer arbeiten wenn möglich konsensorientiert. Innerhalb dieses Rahmens respektieren die Sportler aber auch, wenn der Trainer gelegentlich unpopuläre Entscheidungen – dennoch im Sinne des Teams oder Athleten, treffen muss.

Athleten und Betreuerteam zu führen und zu motivieren haben ebenso hohen Einfluss wie unter Druck einen klaren Kopf und das Selbstbewusstsein zu behalten.

Alles, was ein Trainer tut steht unter Beobachtung und Bewertung. Kritikfähigkeit ebenso wie die Annahme von Lob sind unerlässlich.

Serial Winning Coaches sehen auch sich selbst als Leistungserbringer. Deshalb arbeiten sie auch für eine gute eigene physische und mentale Verfassung. Sie legen deshalb Wert auf Zeit für die Familie und Freunde, auf eigenes Training, Hobbys und alles, was ihnen trotz ihrer besonderen Tätigkeit ein wenig Normalität bringt.

Einmal zu siegen ist nicht genug. Serial Winning Coaches trachten dauernd nach dem nächsten Erfolg. Dies sorgt für ihre Bodenhaftung wie für ihre andauernde Strebsamkeit („hellseherische“ Fertigkeiten). Die befragten Trainer wie auch ihre Sportler sprachen viel darüber was man für den folgenden Sieg braucht.

Mangelnder Fortschritt erscheint als Zeichen für Rückschritt. Klare einfache Vorstellungen über das Zukunftsziel hilft Prioritäten zu setzen und auf die wichtigen Ressourcen zu fokussieren.

Vorherrschende Überzeugung war dass selbst der beste Trainer der Welt nicht zum Seriensieger wird, wenn seine Sportler und der Stab nicht an ihn, an sich selbst und an das Team glauben.

Die Trainer gehen davon aus, dass Erfolg sich an der Nahtstelle zum Chaos befindet. Sie sind darauf vorbereitet kalkulierbare Risiken einzugehen und gelegentlich auch Fortschritte durch ungewöhnliches Vorgehen zu erreichen.

Foto: Pöhlitz