Vom Training - Meetings – ersten Erfolgen und wieder großen Siegen

Gedanken 18 Monate vor Olympia - auch um die German Meetings - Ein Kommentar von Lothar Pöhlitz

2015_01_18_German Meetings© Lothar Pöhlitz  -  18. Januar 2014  - In historischen Dimensionen gedacht ist es noch gar nicht so lange her, dass es in der Hochzeit deutscher Leichtathletik große Leichtathletik-Events mit zig-tausenden begeisterten Zuschauern und immer Spitzenleistungen gab. Viele können sich sicher noch erinnern an das große ASV Sportfest „Weltklasse in Köln“ mit bis zu 60.000 Zuschauern, das tolle Internationale des Fredy Schäfer in Koblenz mit vollen Rängen und auch dem Schild „Ausverkauft“ am Eingang, das international beliebte Rudolf Harbig - Sportfest in Dresden, die Internationalen Pfingstsportfeste in Jena & Erfurt, das ISTAF in Berlin oder das Internationale Quelle-Meeting in Fürth. Aber auch die vielen aus der Mode gekommenen tollen Abendsportfeste waren gefragt. Schließlich waren es Anreize für alle für besseres Training um dort „reinzukommen“ und zu den Besten zu gehören, Preisgeld fürs weitere Training zu gewinnen und von den vielen Zuschauern frenetisch gefeiert zu werden.

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Leider ist das Vergangenheit, Geschichte, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Sicher fehlt es nicht nur an der Pflege der Traditionen, den großen Veranstalter-persönlichkeiten und großen Firmen die die Leichtathletik einst liebten. Sie zogen sich zurück zu den elitären-Sportarten Golf, Tennis, Formel 1 oder Fußball ohne gleichwertig ersetzt zu werden, vielleicht auch weil sie die zunehmend steigenden roten Zahlen nicht mehr verantworten wollten, die Etats aus dem Ruder liefen. Die Medien leisten ihren Beitrag durch eine in Mode gekommene „Negativberichterstattung“ bei dem zuerst das Negative und danach die Fortschritte genannt werden, oder sie berichten über Fußball – das kann man vom Fernsehbericht „übernehmen“ und es kann jeder. Sicher unterschätzte auch der DLV die Entwicklung, seine Rolle in der Zusammenarbeit mit allen und die Bedeutung solcher Events in ihrer Vorbildfunktion für Spitzenleistungen und die Jugendleichtathletik. Sie ließen es zu. Sie könnten sich ruhig einmal fragen, wer wann wen nicht mehr liebte, oder ob die vor Jahren eingegangene Partnerschaft mit NIKE viele andere vergraulte? Man fragt sich aber auch, warum sich die Schweiz das „größte Leichtathletik-Fest Europas im kleinen „Letzigrund“ immer noch leisten kann.

Wir müssen aus Training bessere Wettkampfergebnisse machen

Auch die Läufer sollten einmal über ihre Rolle in diesem System nachdenken. Zu viele haben nicht das Gefühl, dass sich mit der Bestellung von Wolfgang Heinig zum Cheftrainer Lauf für die Läufer etwas zum Positiven veränderte. Die Weltbesten breiten ihr Training offen aus, aber nur wenige können den Profis mit Amateurbedingungen in ihre Belastungsbereiche folgen. Nicht wenige wollen heute noch wie Profis honoriert werden, obwohl sie immer weniger konkurrenzfähig sind – nicht so selten hinter 10 Afrikanern einkommen -  so verlieren die Fans immer mehr das Interesse, der Zuschauerboom verebbte, die Fernsehsender zogen sich von der Leichtathletik-Begleitung zurück, Fußball ist König, der Sport ist im TV Stiefkind.

GERMANMEETINGS 2015

Cottbus Springer-Meeting 27.1.2015 - Dessau Springer-Meeting 04.02.2015 - ISTAF Indoor 14.02.2015 – Potsdamm - Halle Werfertage 16./17.05.2015 - Rehlingen 25.05.2015 - Dessau ANHALT 29.05.2015 - Regensburg GALA 6.6.2015 / Laufnacht 5.6.2015 -  Rhede 5.7.2015 - Hof 20.06.2015 - ISTAF Berlin 6.9.2015

Auch die GERMAN MEETINGS könnten helfen

Leider haben sich die großen Hoffnungen auf Traditionspflege und Fortsetzung großer Events in Deutschland nicht erfüllt, die damals mit der Gründung von GERMAN MEETINGS verbunden waren. Sicher hatten sie es sich auch leichter vorgestellt „stellvertretend für Deutschland“ und auf enge Zusammenarbeit mit dem DLV gehofft. Nun sind nur noch wenige Veranstalter übrig geblieben, die den Läufern helfen können. Was die ausgeschriebenen Strecken betrifft, sind sie inzwischen auf einem Wettkampfniveau „Mittelstand mit wenig Anspruch“ hart gelandet. Man vermisst eine angemessene Organisation der Wettkampfleistung in Zusammenarbeit auch mit den Bundestrainern. Erst wenn die Leistungen stimmen, darf man zufrieden sein. Zu oft werden aber auch die Läufer ihrer Verantwortung für schnelle Ergebnisse nicht gerecht. Nach wenigen Metern des offensiven Laufens verstecken sie sich wieder an der Innenkante und wundern sich, wenn dann ein Sturz folgt. Schade, dass so selten die Leistungen der Pacemaker dem Anspruch entsprechen, zu oft gibt es keine.

Man vermisst ein Entwicklungskonzept, ein fehlendes leistungsorientiertes Anspruchsniveau, das den großen Buchstaben GM gerecht wird, wenigstens befriedigende Geschwindigkeitsorganisationen, wieder materielle Anreize für die Athleten, eine Zusammenführung der Kader und ein untereinander abgestimmtes Disziplinangebot. Sie tragen auch nicht zur Entwicklung der sportlichen Form z.B. der Läufer bei, wenn die drei noch verbliebenen interessantesten Meetings für Läufer in Rehlingen, Dessau und Regensburg innerhalb von 10 Tagen noch vor der eigentlichen Wettkampfsaison stattfinden. Danach müssen die Läufer ins nahe Ausland fahren, z.B. nach Belgien, das in den Jahren mit ihrem Flanders Cup aufgebaut hat, wovon German Meetings - Chef Uli Hobeck sicher bei ihrer Gründung geträumt hat.

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Im Sommer wollen Läufer für die Winterarbeit belohnt werden

Für die Mittel- und Langstreckler sind nur wenige Orte übrig geblieben, wohin sich eine Reise lohnt. Bei der Diamond League Serie sind sie im Prinzip außen vor. Das große ISTAF findet für einige wenige als „Nachlese“ leider statt, wenn alles schon vorbei ist. Auch in Rehlingen gab es bei Zeiten nur mittelmäßige Leistungen.

2015 findet es am 25.5.2015 statt, wenn die Besten für die internationalen Jahreshöhepunkte im August noch trainieren. Auch Dessau (29.5.2015), eher für Mitteldeutschland bedeutend und vor allem auf die Mittelstrecken konzentriert, hat bisher den Sprung in die Elite-Events und zum Zuschauermagnet nicht geschafft. Die LG Telis Finanz Regensburg bietet modernisiert mit der „Laufnacht für alle“ (5.6.2015) und der Gala gleich am darauffolgenden Tag für die Elite (6.6.2015) ein Läuferfestival, wie man es sich wünscht. Aber hat das Meeting eine Zuschauerschwachstelle. Es kann doch aber nicht sein, dass viele Anfang Juni in Regensburg erzielten Bestleistungen noch zum Jahresende in den Bestenlisten stehen, wo doch die Leistungsexplosion nach Regensburg erst bevorstehen soll. Danach ist es fast vorbei sich irgendwo in Deutschland den Lohn für zwei Vorbereitungsperioden nach 9-10 Monaten Training gegen Gleichwertige abholen zu können, von Meisterschaftsterminen einmal abgesehen.

5000m – 3000m Hi – 10.000m Rennen neu programmieren

Juni – Mitte August muss wieder Hauptwettkampfzeit werden

Nachdem beim Mini-Internationalen im Mai in Koblenz (außerhalb der German Meetings) inzwischen nur noch die 5000m im Mittelpunkt stehen, müssen die Besten danach ihr Glück über die 5000m/10.000m Langstrecken im Ausland suchen obwohl es im DLV eine Abteilung Wettkampforganisation gibt! Reicht ihre Kraft und Personalstruktur wirklich nur für die Deutschen Meisterschaften? Die Wettkampforganisation hat doch erst ihre Aufgaben – die Ansprüche des Hochleistungssports innerhalb der Olympischen Leichtathletik -  erfüllt, wenn für alle Kaderathleten von U18 – U20 – U23 bis zu den Elitekadern bis Mitte August Wettkämpfe angeboten werden, in denen die Erwartungen an Kaderathleten auch erfüllbar sind. Nur so kann der DLV zukünftig Leistungsfortschritte auf breiter Front erwarten. Aus trainingsmethodischen Erkenntnissen ist dem noch anzufügen, dass nach einer gut genutzten Hauptsaison bis etwa Mitte August (von EM, WM, OS - Terminen abgesehen) 16-18 Wochen innerhalb der VP1 zur Schaffung einer neuen besseren Basis für mehr gebraucht werden. Das bedeutet, dass möglichst früh im September die Olympiavorbereitung für Rio beginnen sollte.

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16 Hallen für 6-8 Wochen schnelles Laufen eine Riesenreserve

Wenn man bedenkt, wie gut deutsche Leichtathleten mit Leichtathletikhallen (16!) ausgestattet sind und es im Rahmen einer Doppelperiodisierung kein Hallenwettkampfsystem im Verbund zwischen Dortmund – Leverkusen – Düsseldorf - Berlin – Neubrandenburg - Karlsruhe – München – Fürth  - Mannheim – Frankfurt -  Leipzig – Halle – Magdeburg – Erfurt - Chemnitz – Sindelfingen oder Teilen davon gibt, stößt man auf eine weitere Organisationsschwachstelle und damit Reserve, um aus Training nicht nur Wettkampfresultate, sondern auch grenzwertige anaerobe Anforderungen an den Läufer - Organismus zu machen. 16 Hallen hat Deutschland derzeit, die diesen Ansprüchen genügen würden, sensationell. Leider fehlt es an vielen Orten an Politikern, dem LV, Sportfunktionären und auch Trainern, die zukünftig aus diesen ihnen einst geschenkten Millionen vor allem in ihren Regionen für die Leichtathletik arbeiten würden wie manche Ehrenamtliche. Nach 4 Monaten Training innerhalb der 1.Vorbereitungsperiode wäre eine erste Geschwindigkeitsbestandsaufnahme beispielsweise für Läufer innerhalb aller Altersklassen auf den Strecken von 400m bis 5000m wichtiger, als man auf Grund des offensichtlich destruktiven Verhaltens aller mit Wettkampforganisation betrauten Gremien annehmen könnte.

Schon im vorolympischen Jahr die Wettkämpfe den Ansprüchen anpassen

Olympianormen in 15 Monaten erfordern harte Arbeit, ab sofort

Es reicht nicht mehr - nur Mitglied im GM-Verein zu sein, den Namen German Meetings für sich zu nutzen, aber zu übersehen, dass die Läufer eigentlich für persönliche Bestleistungen kommen, sehr gute Leistungen wollen und dabei gleichzeitig Reisekosten ins Ausland sparen wollen. Deshalb sollte demnächst auch die Organisation der Wettkampfleistung – also nicht nur die Organisation der Veranstaltung im Vorfeld - im Mittelpunkt von Meetings stehen. Nicht derjenige Verein ist der Beste, der in Vorschauen bei leichtathletik.de die besten Namen präsentiert, sondern der, der den Läufern die besten Voraussetzungen für schnelles Laufen – einschließlich Pacemakern in allen Läufen bietet, die auch ihr Handwerk verstehen. Dies wäre ein Teil zeitweiliger Strategie, um unsere Läufer schneller dem Weltniveau näher zu bringen. Reisekosten und Startgelder für Ausländer sollte man besser in Anreizprämien für die Plätze 1-8 verändern, für die es sich richtig lohnt, um mehr zu kämpfen. Und am 1.März könnte nach der Halle eine erste Leistungs-Bilanz gezogen werden, nicht wer die meisten Teilnehmer hatte, sondern wer wie viele beispielsweise „Kadernormen“, persönliche Bestleistungen oder andere Kriterien erfüllt hat. Positive Meldungen in den Medien machen vielleicht auch wieder Sponsoren mit großem Hintergrund Lust, mitzuhelfen. Zeitweilig würde dem Leistungsfortschritt und den Fans auch helfen wenn zwei Drittel Deutschen nur ein Drittel Ausländer in den einzelnen Rennen gegenüberstehen würden. Ein Schlüssel wäre auch eine interne Konferenz des DLV mit seinen Landesverbänden und Trainern zur Wettkampf-Problematik: „Wir helfen den Sportlern das Weltniveau schneller zu erreichen“ oder so. Die deutschen Sprinter und Läufer sind auch nicht in der Weltspitze, weil sie in den Wettkampfphasen Hallensaison und Sommersaison zu selten, zu wenig trainingsmethodisch sinnvoll und zu wenig hart gefordert werden.

Fotos: Pöhlitz, Steininger, Pöhlitz