36 Laufstartplätze – 6 Starter - keine Endkampfplatzierung

46 Europäer unter den letzten 12

Teraband4. September 2007 (Pöhlitz) - Mit einer kurzen etwas anderen Analyse soll einmal die europäische Situation im Vergleich zu den deutschen Läufern bei der WM in Osaka aufgehellt werden. Dabei soll verdeutlicht werden, dass dort auch Europäer zu Medaillen und Endkampfplatzierungen fähig waren. Mit 13 Medaillen präsentierte sich Kenia bei der WM 2007 top-vorbereitet und hatte mit 24 Platzierten auf den Plätzen 1-12 auch die beste Breite in der Spitze. Überraschend wurde sicher für viele zum Ende der WM in Osaka verkündet, das es bei den Wettkampfkontrollen keine, auch keine Epo-Dopingvergehen im Bereich Lauf / Gehen, gab.

Es tut gut und macht Mut, mit der deutschen Leichtathletik geht es wieder bergauf, wenn auch der Berg noch nicht sehr lang und sehr steil ist. 7 Medaillen und eine Reihe „Neuer“ sind aber ein erfreuliches WM-Fazit für den DLV und macht viel Hoffnung für 2008.
Nachdenklich macht die Präsentation des Laufbereichs in Osaka. Es hätten 36 Startplätze in 12 Laufdisziplinen der Männer und Frauen besetzt werden können, aber nur 6 waren für die Reise zur WM gut genug. Und diesen 6 gelang keine Endkampfplatzierung. Dabei kann man noch nicht einmal sagen, das es eine(r) der Daheimgebliebenen in Osaka besser gemacht hätte.

Kenia hat „zurückgeschlagen“, USA mit Achtungszeichen

Nachdem bei den Wettkampfhöhepunkten der letzten Jahre Äthiopien im Laufbereich immer die großen Sieger stellte, präsentierte sich diesmal Kenia hervorragend vorbereitet. 13:4 Medaillen und 24 (!) Platzierungen unter den ersten 12 gegen den Hauptgegner Äthiopien (12 Plätze unter den ersten 12), dabei 5 Gold-, 3 Silber-, und 5 Bronzemedaillen, besser geht´s wohl nicht. Da kann man bereits heute auf die zu erwartende Revanche in Peking gespannt sein.

Bei 10 Platzierungen 1-12 und 1x Gold, 2x Silber und 1x Bronze präsentierten sich die russischen Läufer/Innen bei dieser WM ziemlich entschärft. Noch vor wenigen Wochen hatte man nach ihrem Auftreten hinter dem „eisernen Vorhang“ vor allem den Frauen viel Gold zugetraut, woran es wohl gelegen hat? Schade war das Yuriy Borzakovskiy immer noch nicht ausgelernt hat. Man hätte es ihm gegönnt.

Die USA-Läufer scheinen die Talsohle durchschritten, dabei hat noch nicht einmal alles geklappt – z.B. Webb über 1500 m. 10 Plätze zwischen 1-12 + 2 Gold und 1 Bronzemedaille und eine erstaunliche Kampfbereitschaft lassen 2008 bei Olympia noch mehr erwarten.

Europäer 46 x unter den ersten 12 – ohne uns

46 Plätze von Europäern unter den ersten 12 und 8 Medaillen sollten den deutschen Läufern wieder Mut machen zu mehr. Es zeigt, dass man nicht Afrikaner sein muss oder die afrikanischen Höhenlagen an der Überlegenheit der Afrikaner allein Schuld sind. Dabei ist auffällig, dass die europäischen Frauen mit 6 Medaillen und 34 Platzierungen unter 1-12 davon die „Hauptlast“ tragen. Aber Achtung, die Signale sind bereits gesetzt. Nachdem die äthiopischen Langstrecklerinnen in traumhafte Geschwindigkeitsbereiche vorgestoßen sind, hat die Kenianerin Janeth Jepkosgei über 800 m mit sehr viel Mut eine Leistung vorgeführt, die für die Zukunft noch weitere Steigerungen (auch von anderen) erwarten lässt. Es wird bald noch schneller werden.
Alle Europäer können das Höhentraining nutzen; das den Amerikanern als Investition für die Zukunft schon länger bekannt ist. Wir müssen es ihnen und anderen (z.B. Viktor Röthlin – CH) gleichtun, wenn wir den Rückstand schneller aufholen wollen.
Wir müssen mit unseren Talenten noch konzentrierter arbeiten, der erste Schritt nach vorn könnte dann schon in Peking gezeigt werden, auch wenn Medaillen-Wunder in so kurzer Zeit nicht zu erwarten sind, ein echtes positives Arbeitsergebnis aber sollte schon nach der WM-Vorbereitung 2009 in Berlin vorgeführt werden können. Vorausgesetzt es wird sofort angefangen. Die Fans würden auch Endkampfplatzierungen und hohen Kampfgeist bejubeln. In Berlin müssen unsere Läufer und Geher einfach wieder präsent sein. Sollten wir die einzige Nation sein, die im Laufbereich keine Talente für ganz oben hat? 46 Europäer haben 2007 gezeigt, dass auch sie konkurrenzfähig sein können. In vielen Disziplinen hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass ein „Leben im Tal“ nicht Gott gegeben sein muss. Aber auch der DLV muss seinen Beitrag zum Zurück leisten. Führung sollte zugleich bedeuten: vorgeben und helfen.

Die Devise muss für alle lauten:

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Nur 1 hauptamtlicher Trainer für 12 Laufdisziplinen

Man sollte sich hüten die unbefriedigenden Ergebnisse aus dem Laufbereich allein den Läufern und ihren in der Regel Honorar – Heimtrainern anzulasten. Der DLV und seine Abteilung Olympische Leichathletik darf sich im Bereich Lauf / Gehen nicht aus der Verantwortung stehlen. Schließlich liegt es auch in seiner Verantwortung, wenn der Mehrzahl der Athleten/Innen nicht die erforderlichen Bedingungen und Voraussetzungen für Training und Wettkämpfe zur Verfügung stehen. Das sind für den Bereich Lauf / Gehen vor allem die erforderliche Trainingszeit, die notwendige optimale Wettkampforganisation, die erforderlichen Finanzen für mehrere Höhentrainingslager und entsprechend für das Hochleistungstraining qualifizierte hauptamtliche Trainer, die bei der Mehrzahl der Trainingseinheiten an der Bahn, im Kraftraum oder an der Strecke stehen oder auch mehrere Wochen die Athleten in Trainingslagern begleiten könnten.

Die im DLV gesetzten Prioritäten – man sieht: bei Benachteiligung des Laufbereichs - werden aus der im Internet zu findenden Auflistung der hauptamtlichen DLV-Trainer ab 1.1.2007 deutlich. Dabei ist sicher jedem klar, dass sich die Anzahl der hauptamtlichen DLV-Trainer nicht immer auch in der Anzahl der Medaillen bei den internationalen Höhepunkten der Jahre (siehe z.B. Sprint 2007) widerspiegelt. Dass es aber zu sehr unterschiedlichen Arbeitsbedingungen für die einzelnen Bereiche führt, ist wohl unbestritten.

Hautamtliche DLV-Trainer ab 1.1.2007 (entnommen aus: leichtathletik.de)

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Foto: mit freundlicher Genehmigung des Fotografen Viktor Röthlin