W I R H A B E N A U C H T A L E N T E

Heinig1_privat-FotoEin Interview mit Wolfgang Heinig*

 

Noch vor einigen Jahrzehnten konnten deutsche Langstreckler Medaillenplätze bei Olympia oder bei Welt- und Europameisterschaften belegen. Wo siehst Du die Ursachen dafür, dass wir heute im Langstreckenlauf international den Anschluss verloren haben?

Wolfgang Heinig: Das ist eine komplizierte Frage. Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Zuerst muss man die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland betrachten. Nachteile im Gegensatz zur Vergangenheit gehen schon in der Schule los, wo Schulsport vielerorts kaum noch vorhanden ist oder selten erfolgt. Damit einher geht weit verbreitete Bewegungsarmut bei Kindern und Jugendlichen. Im elektronischen Zeitalter hat sich das Spielen der Kinder unter freien Himmel, das dortige Herumtoben, zunehmend ins häusliche Umfeld verlagert. Bewegung findet da kaum noch statt. Damit spielt die körperliche Betätigung bei unseren jungen Menschen kaum noch eine Rolle. Ausnahmen bilden Kinder und Jugendliche, die für ein regelmäßiges Training einer Sportart gewonnen werden können. Die Masse der jungen Menschen befindet sich heute in einem ganz anderen körperlichen Zustand, als noch vor 20 oder 30 Jahren. Der Bewegungsdrang und die Belastungsfähigkeit werden wurden allgemein. Zudem belegen Statistiken zunehmende Übergewichtigkeit bei Heranwachsenden etc. Das sind in der Summe veränderte Voraussetzungen, die den Kreis von möglichen Talenten für eine leistungssportliche Karriere stark einschränken.

„Hochbegabt“ – aber der Kopf muss über Herz und Beine siegen wollen

Hochbegabte1_Steininger-Foto

© Lothar Pöhlitz* – 5. Januar 2019 - Die Ergebnisse deutscher Läufer von 800 m bis zum Marathonlauf bei den EM 2018 in Berlin und die Ziele des DLV machen es notwendig über die WM 2019 und Olympia 2020 und darüber hinaus für die 12 Disziplinen der Männer und Frauen noch einmal intensiv nachzudenken. Auch weil die zu erwartenden klimatischen Bedingungen bei den bevorstehenden Höhepunkten ungewohnte zusätzliche Maßnahmen erfordern. Danach über die Erfahrung das hochbegabte Läufer es ohne „Lust und Leidenschaft“ und ohne Trainer mit den gleichen Eigenschaften, nicht allein auf die Podien dieser Welt schaffen. Es ist nicht einfach wie die Weltbesten zu trainieren und gleichzeitig hinter den „benötigten kleinen Prämien“ bei Rennen herzujagen.

In die Zukunft investieren - Kinder- „Training“ im Verein und Schule für die 6-10jährigen

Zukunft1© Lothar Pöhlitz* – 18. Dezember 2018 – Viele, vor allem auch Eltern, hoffen, dass in naher Zukunft auch und intensiv über „natürliche Bildung“ und Gesundheit unserer Kinder in allen Bundestags-Parteien, nicht nur hinter vorgehaltener Hand, diskutiert und Geld lockergemacht wird. Trotz vielfacher Einlassungen in der Vergangenheit, der Forderungen nach besserer frühkindlicher Bildung, zu der ja auch der Schulsport gehört, wurde erst ein erster Schritt getan, mit Milliarden für die „Geräte-Ausstattungen“ als Voraussetzung für die Digitalisierung. Wünsche, Notwendigkeiten, Ansprüche und Bildungsqualität, Lehrermangel und die notwendigen Schulsanierungen bleiben unerwähnt, langjährige Versäumnisse nicht aufgearbeitet. Dafür brauchen die im letzten Jahrzehnt von der Regierung und den Landesregierungen vernachlässigten Schulen weitere Milliarden. Liegt es an uninteressierten Abgeordneten, an der Kanzlerin, am Geld, gutem Willen, Wissen, ungenügenden Kenntnissen über die wahre Situation, dem aktuellen Rentner- und Pflegeschwerpunkt, der Flüchtlingsproblematik oder mangelnden Überzeugungen zu notwendigen Veränderungen?            

Alberto Juantorena – Cuba - Doppel-Olympiasieger 1976

400 m in 44,26 und 800 m in 1:43,44 in 4 Tagen

AlbertoJuantorena1AlbertoJuantorena2 Montreal ´76

© Lothar Pöhlitz – 7. Dezember – Ein sicher – vor allem für die 800 m Spezialisten - hilfreicher Blick zurück zur „Arbeit“ eines Großen. Man sagt zwar, dass in Vorbereitung auf Montreal 1976 das mit den UM´s, den unterstützenden Mitteln, schon weltweit im vollen Gange war. Aber wer hat und wer hat nicht? Ob das auf Alberto Juantorena (geb. 1950 – 1.92 / 84 kg) damals auch zutraf ist nicht überliefert, er ist bis heute Doppel-Olympiasieger. Er gehörte jedenfalls zu den Top 400 / 800 m Spezialisten und hatte in einem langen Sportlerleben (bis 1984) seinen spektakulärsten Auftritt bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal als er zuerst, am 25.7. in Weltrekordzeit die 800 m gewann und nur drei Tage später Sieger über 400 m wurde. Nur ein Jahr später gelang ihm diese außergewöhnliche Leistung beim Weltcup in Düsseldorf noch einmal.

Wenn die besten 15jährigen 300 m in 36 bzw. 39 Sekunden können

300mFuer15Jaehrige1_Yoshi-Foto

© Lothar Pöhlitz – 24. November 2018 - Bei den Deutschen U16 – Meisterschaften 2018 liefen die besten 15jährigen die 300m bei den Jungen in 36 und bei den Mädchen in 39 Sekunden. Dieses Wissen ist besonders für die Lauf - Trainer des Spitzenbereichs unter den Läufern wichtig. Ein gutes Schnellkraft-Erbe – S-Typen - sind ja für das Unterdistanz- und 400 m-Training von großer Bedeutung. Wer 36 bzw. 39 Sek über 300 m kann sollte in einem Jahr 100 m weiter die 400 m um 48 bzw. 52 Sekunden anpeilen können. Das findet man in unseren 400 m Bestenlisten der Jugend bisher aber so nicht, und in den 4 x 400 m Staffel-Meisterschaften relativ selten 800 m Läufer.